Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Mit die beste Grafik, die es je auf dem SNES zu bestaunen gab, klasse Soundtrack, Action satt |
| Kontra: |
Ultrahart und stellenweise auch richtig unfair |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Nun habe ich einen richtig heftigen Supernintendo-Leckerbissen für Euch, allerdings nur, wenn Ihr über ein eisenhartes Nervenkostüm verfügt. So wie ich also. Hrrhrr. Ich rede jedenfalls von „Actraiser 2“, einem Action-Kracher für das SNES aus dem jahre 1993, welcher sich ordentlich gewaschen hat. Aber hallo.
Geschichte
Wie der Titel dieses Spiels unschwer vermuten lässt, handelt es sich bei „Actraiser 2“ um die Fortsetzung des sehr erfolgreichen ersten Teils. Ja, sehr richtig, wir haben es hier mit dem zweiten Teil zu tun. Gut erkannt, bravo. Diesmal ist der Simulationsteil, die Gründung zahlreicher Städte zwecks Aufbau einer Zivilisation, vollends weggefallen, das Hauptaugenmerk liegt nun vielmehr auf Action.
Die Handlung von „Actraiser 2“ knüpft nahtlos an den ersten Teil an, in welchem Ihr gegen Ende den bitterbösen Tanzra erfolgreich bekämpft hattet. Nun ja, so ganz erfolgreich war das Ganze dann wohl leider doch nicht, denn Tanzra liegt zwar im Sterben, aber den finalen Todesstoß habt Ihr ihm anscheinend doch nicht versetzen können. Unglücklicherweise schreitet seine Leibgarde ein und dies gerade, als Ihr Tanzra den endgültigen Knockout versetzen wollt. Grummel. Diese Eliteeinheit des bösen Dämonenfürsten schafft es doch tatsächlich, sich des Dahinsiechenden zu bemächtigen und Ihn zurück in sein Schattenreich zu entführen, womit dieser leider doch noch in allerletzter Minute gerettet wird. Es kommt natürlich, wie es kommen muss. Die Jahre vergehen und zunächst kehrt Frieden ins Land ein. Eine trügerische Ruhe, wie sich später herausstellt, denn nach dieser eingelegten Zwangspause ist Dämonenfürst Tanzra wiedererstarkt und schickt seine Heerscharen an Monstern aus dem Schattenreich wieder zurück auf unsere Erde, um die Menschheit nun aber endgültig zu vernichten. Kaum erlangt Ihr Kenntnis von den ersten Überfällen jener Schergen des Dämonenfürsten, packt Ihr Euer mächtiges Lichtschwert und macht Euch auf, diesem Treiben möglichst schnell Einhalt zu gebieten. Yippieyayeah, auf in den Kampf.
Spielverlauf
Sieben Level müsst Ihr insgesamt in „Actraiser 2“ durchwüten, in denen Ihr mehr als nur unfreundlich von zahllosen Ausgeburten der Hölle empfangen werdet. Doch Furcht ist für unsereiner natürlich ein Fremdwort und so wagen wir uns immer weiter vor, von einer Basis des bösen Dämons zur nächsten. Nett ist, dass Euch kleine aber nichtsdestotrotz feine spielerische Freiheiten gewährt werden, denn Ihr dürft Euch netterweise die Reihenfolge der zu bewältigenden Level aussuchen. Aha. Gerade im Supernintendo-Zeitalter ein sehr seltenes Feature (Vergleichbares fällt mir jetzt spontan nur bei „Chrono Trigger“ ein). Wie es bei Monstern in der Regel so üblich ist, sehen diese zumindest aus unserem Blickwinkel nicht gerade ansehnlich aus. Ihr müsst Euch mit allerlei ekligem Gewürm herumschlagen, so zum Beispiel auch mit Spinnen und Skorpionen. Bah. Schauplätze sind dabei unter anderem dunkle Höhlen, eine versunkene Stadt oder ein sehr aktiver (eruptierender) Vulkan, von denen sich die Monster anscheinend magisch angezogen fühlen. Mutig tretet Ihr diesen Kreaturen mit Eurem Schwert entgegen, zudem helfen Euch magische Zauber dabei.
Nun ja, irgendeiner muss die Drecksarbeit ja machen, da hilft kein Jammern. Würg. Auf geht’s. Und dies übrigens nicht nur stehend oder laufend, sondern praktischerweise auch als fliegendes Wesen, als welches Ihr tiefe Schluchten überwindet und den feindlichen Heerscharen per Luftangriff das Leben schwer macht.
Grafik
Haltet Euch fest, ich übertreibe jetzt wirklich nicht, die grafische Präsentation in „Actraiser 2“ gehört zum Allerbesten, wenn nicht sogar DEM Besten schlechthin, welches das Supernintendo je zu bieten hatte. Unglaublich und eigentlich fast schon nicht mehr wahr, was die Entwickler hier aus der alten SNES-Konsole bzw. vielmehr dem Spielmodul herausgeholt haben. War die Grafik im Vorgänger schon gut bis sehr gut, so ist diese hier im zweiten Teil herausragend. Mir fällt spontan nicht ein einziges Supernintendo-Spiel ein, welches „Actraiser 2“ in puncto Grafik noch übertreffen könnte. Ihr werdet mir sicher nicht glauben, also überzeugt Euch besser selbst. Nicht nur unser geflügelter Protagonist sind für SNES-Verhältnisse prächtig aus, auch die Hintergründe wissen mehr als nur zu gefallen, sie sind fast schon überwältigend gut gezeichnet, einfach fantastisch. Ob Ihr durch die Wolken schwebt, die Sonne gerade aufgeht oder durch die Unterwasserwelt taucht, farbenfrohe und extrem detailreiche Grafiken sind hier durchweg Standard. So etwas hatten wir SNES-Konsolisten zuvor einfach noch nicht gesehen. Never ever. Verstärkt wird der bombastische Eindruck in Sachen Grafik (wieder einmal) vom Mode-7-Feature, wobei Ihr, die Hintergründe und Eure Gegner sich zuweilen derart drehen und im allgemeinen sehr gerne kräftig gezoomt wird, dass Euch schon sehr bald richtig schwindlig werden könnte. Die Grafik von „Actraiser 2“ ist somit in der Tat bombastisch.
Musik
War die Musik im ersten Teil noch einen Tick besser als die eh schon blitzsaubere Grafik, so ist es diesmal im zweiten Teil genau umgekehrt. Die akustische Untermalung gerät angesichts der faszinierenden optischen Aufbereitung deutlich in den Hintergrund, ohne allerdings im Geringsten auch nur ansatzweise zu enttäuschen. Wieder einmal dürft Ihr orchestralen Klängen lauschen, welche die packende Spielatmosphäre gut unterstützen. Im Vergleich mit den Begleitmelodien fallen die Soundeffekte da etwas ab, ohne dass ich dies jetzt ernsthaft als störend empfand. Wie dem auch sei, alles in allem weiß auch die Akustik zweifellos gut zu gefallen.
Steuerung
Diese ist ebenfalls gut gelungen, denn sowohl die Menüpunkte, das Anwenden der Zaubersprüche, das Benutzen der Gegenstände, das Fliegen über Abgründe wie auch nicht zuletzt das Schwingen Eures mächtigen Lichtschwertes geht Euch sehr schnell und wirklich problemlos von der Hand. Trotz der variantenreichen Manöver bleiben die Steuerungsmöglichkeiten überschaubar, gestaltet sich die Tastenbelegung als nicht zu komplex, in Ordnung.
Schwierigkeitsgrad
Irgendwo musste es ja einen Haken geben und hier ist er. Nichts gegen fordernde Schwierigkeitsgrade, diese sind mir generell immer willkommen. Nichts gegen intelligente Gegner, die sich nicht immer wieder mit derselben 08/15-Methode aus dem Weg räumen lassen. Und nichts gegen ein hohes Aufkommen feindlicher Monster in speziellen Momenten, welche Euch den Schweiß auf die Stirn treiben, den echten Action-Helden in Euch zum Vorschein bringen. Doch hier wurde mehr als nur zart übertrieben, denke ich. Denn die Anzahl der Gegnerhorden, welche sich phasenweise aus allen Himmelsrichtungen auf Euch stürzen, ist manchmal schon nicht mehr feierlich. Zudem sind diese Ausgeburten der Hölle unverhältnismäßig hart im Nehmen, selbst hartgesottene Action-Freaks werden sich an diesen fiesen Monstern ordentlich die Zähne ausbeißen. Einsteiger oder überhaupt Anfänger dieses Genres können getrost die Finger von diesem Spielmodul lassen, sie werden nicht besonders weit kommen. Mehr als einem Hochbegabten beim Bewältigen der Teils doch arg frustigen Level zuzuschauen ist nicht drin, denke ich. Nicht wirklich. Und auch Fortgeschrittene, welche ein gewisses Maß an Talent und über die nötige Geduld und ein vergleichsweise unsensibles Nervenkostüm verfügen (zu denen ich mich zähle), dürften mehr als nur 1 oder 2x, ach was sag’ ich, mehr als nur 10 oder 12x das Joypad frustriert in die Ecke gedonnert haben. Ich jedenfalls musste mir des öfteren Beistand holen und ich schäme mich auch nicht dafür. Räusper. Meines Erachtens stehen nur echte Vollprofis dieses Action-Game ohne Schummeleien durch, jenen Experten wünsche ich viel Spaß und insbesondere viel Glück mit diesem ultraharten Action-Kracher.
Urteil
Wäre da nicht der mächtig hohe Schwierigkeitsgrad, würde es sich hier bei „Actraiser 2“ um einen Action-Hit der Extraklasse für jedermann handeln. So handelt es sich aber lediglich um einen Action-Kracher der Extraklasse für Vollprofis. Denn nur diese kommen wirklich in den vollen Genuss dieses absoluten SNES-Highlights, kein Zweifel. Über etwaige Cheats zur Hilfe bin ich jedenfalls nicht informiert, da müsst Ihr dann schon selber nachschauen. Ohne wiederholt kräftige Hilfe hätte ich es jedenfalls nicht geschafft, dies muss ich zu meiner Schande gestehen. Nun ja, eigentlich ist es in diesem Fall auch keine Schande. Jedes Voranschreiten wird allerdings mächtig belohnt, denn die Spielatmosphäre ist in der Tat packend. Die Begleitmusik ist allein schon hitverdächtig, aber was sich Euch hier in grafischer Hinsicht bietet, ist (gemessen an den Möglichkeiten innerhalb der Supernintendo-Aera) der absolute Wahnsinn, einem Playstation-Spiel Jahre später in der Regel absolut, ja mindestens ebenbürtig. Action-Liebhaber kommen hier also voll auf ihre Kosten, allerdings nur solche mit einem weit überdurchschnittlichen Talent und einer Engelsgeduld. Allen Anderen empfehle ich den Kauf dieses einzigartigen SNES-Spiels natürlich auch, doch glaube ich nicht ernsthaft, dass diese das Ende von „Actraiser 2“ wirklich erleben werden.
Story: 81%
Grafik: 92%
Sound: 79%
Steuerung: 82%
Schwierigkeitsgrad: 9 / 10
SPIELSPASS: 86%