Adaptec 29160 - Eine Controller-Legende
25.01.2001
Pro:
für die Zukunft gerüstet, hochwertig, viele Anschlussmöglichkeiten, bis zu 160 Mb/s, mit 64Bit - PCI der Zeit voraus, komfortables Bios
Kontra:
teuer, externer Anschluss nicht Single - Ended
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Benutzerfreundlichkeit
Zuverlässigkeit
Qualität:
Verarbeitung
 amos77
Über sich:
Mitglied seit:17.01.2001
Erfahrungsberichte:17
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 8 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Adaptec 29160 – Die Controller-Legende neu aufgelegt Die SCSI-Controller von Adaptec der 29er Serie sind mittlerweile ja so etwas wie eine Legende unter SCSI-Fetischisten. Der 2940UW war wohl der bekannteste und erfolgreichste Vertreter dieser Spezies. Vorbildlich waren Funktion, Leistung und nicht zuletzt der Support. Seinem Nachfolger, dem 2980U2W war indes nur eine kurze Karriere vergönnt, zu schnell der Fortschritt, zu rasant die Bandbreitenexplosion. Kann der Neue an die vergangenen Erfolge des 2940UW anschließen?
Lieferumfang Auch die 29160 wird als Single- oder Kit-Version angeboten. In der Single-Version ist nur die Karte mit englischer Installationsanleitung enthalten. Man braucht also noch zumindest ein SCSI-Verbindungskabel um ein Gerät in Betrieb zu nehmen. In der Kit-Version ist hingegen fast alles enthalten was der SCSI-Freak braucht um glücklich zu werden. Neben dem obligatorischen internen LVD-Kabel mit 5 Anschlüssen und aktivem Terminator befinden sich noch ein 50-poliges sowie ein 68-poliges Single-Ended-Kabel mit jeweils 3 Anschlüssen im Lieferumfang. Dazu gibt es noch die Adaptec EZ-SCSI-Software sowie aktuelle Treiber für die gängigsten Betriebssysteme.
Wer braucht diese Karte? Die Frage muss eigentlich lauten: Wer braucht SCSI im privaten Bereich? Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. In erster Linie werden wohl diejenigen auf SCSI setzen, die sehr viele Geräte anschließen wollen (maximal 15 pro Kanal), die auch noch sehr schnell sein müssen. Auch diejenigen, die auf Datensicherheit Wert legen, kommen um SCSI nicht herum. Auch die uneingeschränkte Abwärtskompatibilität ist vorbildlich und sucht seinesgleichen.
Vergleich IDE-SCSI Die Geschwindigkeit: Der Geschwindigkeitsvorteil von SCSI gegenüber IDE ist seit der Einführung von UDMA 66/100 zwar geschrumpft, dennoch ist bei SCSI-Festplatten ein deutlicher Geschwindigkeitsvorteil zu bemerken. Dieser Vorteil tritt bei Datenbankanwendungen, hardwareintensiven Programmen wie Photoshop oder 3D Studio MAX sehr deutlich zutage, auch User die unter Windows häufig die Auslagerungsdatei bemühen, werden mit einer schnellen U160-Platte einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil spüren, ja wahrscheinlich sogar hören. 10.000 oder gar 15.000 U/min bleiben schließlich akustisch auch nicht unerkannt, Zugriffszeiten von unter 4 ms sind dadurch zumindest im innersten Bereich der Platten möglich geworden. Auch die CPU-Auslastung ist wesentlich niedriger als bei IDE-Pendants, ein weiterer Garant für höchste Performance. Diversen Tests zufolge beträgt diese bei modernen Controllern selbst unter Volllast stets unter 4%, dem eigenen Controller-Prozessor sei Dank. Auch die Datensicherheit sowie die maximalen Kabellängen sind mit IDE nicht zu vergleichen. Durch symmetrische Twisted Pair-Kabeln die ein differentielles Signal mit CRC-Fehlerkorrektur in Niedervolttechnik übertragen sind systembedingt keine Einstreuungen möglich. Kabellängen bis 12m sind das Resultat, gegenüber den maximal 45cm bei IDE ein mehr als deutlicher Zugewinn. Die maximale Kabellänge ist hier auch als Indiz für die Signalreinheit - speziell bei aktiv terminierten LVD-Kabeln - zu sehen.
Der Performancevorteil beschränkt sich allerdings auf Festplatten und Streamer. Bei CD-Rom- und DVD-Laufwerken schreitet die Entwicklung bei IDE-Vertretern schneller voran als bei SCSI-Geräten. Mit SCSI-Geräten lassen sich kaum Gewinne erzielen, die verkauften Stückzahlen sind zu gering. Deswegen werden neue SCSI-Produkte meistens verspätet und teilweise mit eingeschränkten Leistungsdaten (siehe z.B. Kenwood CD-Rom-Laufwerk) und dann zu überhöhten Preisen der Öffentlichkeit präsentiert. Preis/Leistung: Das Preis/Leistungsverhältnis von SCSI gegenüber IDE ist allerdings katastrophal. Bei gleichem Preis bieten IDE-Festplatten momentan etwa den 3-fachen Speicherplatz an. Zusätzlich wird noch ein teurer SCSI-Controller benötigt, um die Festplatte in Betrieb nehmen zu können. Hier kommt wieder der 29160 von Adaptec ins Spiel. Daten und Fakten
Die etwa 15*10cm große PCI-Karte verfügt über einen 64 bittigen PCI-Anschluss, ist aber natürlich auch zu gängigen 32 Bit PCI-Steckplätzen kompatibel, sofern diese mindestens dem Standard 2.1 entsprechen. Sonst kann man bei älteren PCI-Steckplätzen auch mit der Feile nachhelfen. (das soll jetzt aber keine Ermunterung sein, in so alten Boards macht dieser Controller sowieso keinen Sinn.) Der 29160-Controller besitzt insgesamt 4 Anschlüsse: Intern Single-Ended einen 50-poligen Ultra-SCSI-Anschluss (bis 20 Mb/s), sowie einen 68-poligen Ultra Wide-Anschluss (bis 40 Mb/s). Durch einen Bridgechip (AIC-3860) werden Single-Ended (SE) und Low Voltage Differential (LVD)-Strang getrennt. LVD-Anschlüsse sind intern sowie extern je einmal 68-polig vorhanden. Der interne LVD-Anschluss ist zum Betrieb einer modernen Festplatte ab U2W (80 Mb/s) bis U160 (160 Mb/s) vorgesehen. Diese beiden LVD-Betriebsarten kann man ohne Performanceverlust mischen. Durch den Bridge-Chip kann man alle 4 Anschlüsse gleichzeitig nützen, insgesamt erlaubt der Controller den Betrieb von bis zu 15 Geräten (ID 0 bis ID 15 vorhanden, ID 7 ist der Controller selbst). Terminierung
Terminierung ist bei diesem Controller kein Thema mehr. Die automatische Terminierung funktioniert absolut zuverlässig. Wer will kann natürlich im Controller-Bios auch selbst Hand anlegen, und höher- und niederwertige Bits (8 bzw. 16 Bit) manuell terminieren. Die angeschlossenen Geräte zu Terminieren ist ebenfalls ein Kinderspiel, wie üblich wird am SE-Strang das letzte angeschlossene Gerät passiv per Jumper terminiert, während am Ende des LVD-Kabels zur besseren Signalqualität ein aktiver Terminator angebracht werden muss, um einwandfreien betrieb zu gewährleisten. Falls zu viele Geräte terminiert wurden, macht der Controller beim Booten auf den Missstand aufmerksam. Bios-Funktionen
Das Bios lässt – wie immer bei Adaptec – eine große Bandbreite an Einstellungen zu. So kann der Benutzer im Bios die Adapter-ID (die sollte man aber wegen der höchsten Priorität auf 7 belassen), Paritätskontrolle, die Terminierung des Adapters, Einstellung der ID von der gebootet werden soll, die Boot LUN(Logical Unit Number) einstellen. Des weiteren gibt es noch für jede ID getrennt Einstellungen bezüglich der maximalen Transferrate, der Übermittlung des Startkommandos zum Aufwecken von Festplatten, zur Erlaubung des Trennens eines Gerätes im Betrieb, eine Optionspunkt ist zum Aus- oder Anschalten der Wide-Betriebsart. Außerdem kann man bei aktiviertem Bios die Optionen „BIOS Multiple LUN-Support“, „Enable Write Back Cache“ auswählen, auch kann man entscheiden ob das jeweilige Gerät im Bios-Scan berücksichtigt werden soll oder nicht. Natürlich kann auch vom CD-Rom gebootet werden. Die Option Disk Utilities zeigt alle angeschlossenen Geräte nach ID geordnet an, bei Bedarf können auch etwaige Festplatten Low-Level formatiert oder auf Fehler hin überprüft werden. Beim Hochfahren wird jedes Gerät nach Anschluss und mit der ausverhandelten Busgeschwindigkeit angezeigt. Nachteile
Als Nachteil für den Heimanwender empfand ich, dass der externe Anschluss ebenfalls als LVD ausgeführt ist. Dadurch ergeben sich zwar bis zu 12m theoretische Kabellänge (diese enorme Kabellänge wird durch das symmetrische Niedervoltsignal mit CRC-Fehlerkorrektur erzielt), allerdings nur für LVD-Geräte. Will heißen, wer seinen Scanner, sein Zip-Drive oder Ähnliches anschließen will, kann dies zwar tun, jedoch braucht man dafür erstens einen Adapter auf externes Narrow-SE-SCSI und zweitens bremst man die Festplatte auf den langsamen Standard herunter – gewaltige Performance-Einbrüche sind infolgedessen unabdingbar. Auch die maximale Kabellänge wird dann bedeutend kürzer. Der größte Nachteil ist allerdings der hohe Preis, der oftmals die Entscheidung gegen SCSI fällen dürfte. In der Tat muss man für SCSI-Peripherie in etwa den doppelten Preis veranschlagen, damit disqualifiziert sich das System für den herkömmlichen Heimbetrieb von selbst. Eine Preisannäherung ist indessen nicht zu erwarten, ganz im Gegenteil. Die Zukunft des verwendeten Standards
Dass die Karte als 64Bit-PCI-Version ausgeliefert wird kann prinzipiell nicht als Nachteil gesehen werden, allerdings findet man solche Steckplätze – wenn überhaupt – nur in teuren Servern wieder. Bei einem herkömmlichen 32 Bit PCI-Steckplatz wiederum kann man die U160-Bandbreite bei weitem nicht ausnützen, schließlich beträgt hier die maximale Geschwindigkeit 133MB/s. So hat für den Heimbereich die noch für 2001 geplante Erweiterung um den Standard U320 überhaupt keinen Sinn mehr. 64 Bit-Steckplätze werden wohl noch länger auf sich warten lassen. Und selbst wenn sie kommen, U160 reicht auch für Raidsysteme mit 2 Platten leicht aus. Bei 4 Festplatten könnte der kommende Standard speziell bei Cache-Bursts schon Vorteile bringen, aber im Heimbereich reicht U160 wohl für Jahre aus um die Festplatte nicht auszubremsen. Erfahrungen aus der Praxis und Support
Nach 3 Monaten gab es noch keinerlei ernste Probleme mit dem Controller. Der Bootvorgang verlangsamt sich allerdings etwas, schließlich muss der Controller alle angeschlossenen Geräte erst mal initialisieren und die Startkommandos schicken, sowie das Bios laden. Mit meinem 2. Symbios Logic 53C810-SCSI-Controller versteht er sich blendend. Ein kleines Problem gab es bei SCA-Festplatten. Mit einem SCA->UW-Adapter funktioniert meine Seagate Cheetah ST318404LC nicht am LVD-Strang, am SE-Strang geht´s problemlos. Mit einem geeigneten SCA->U160-Adapter funktioniert es hingegen optimal. Der Support durch Adaptec ist vorbildlich. 5 Jahre Garantie, Treiber für nahezu alle Betriebssysteme (z.B. Win 95/98/Me/NT/2000, Dos, Sun Solaris, Unix, Linux, Novell, Mac etc) gibt es auf der Homepage, sofern sie nicht beiliegen. Ausführliche Erklärungen gibt es dort genauso wie Vergleiche der einzelnen Standards. Bei diesem Preis darf man das aber auch erwarten. Fazit
Wer schon einen U2W-Controller sein Eigen nennt, braucht bestimmt keinen neuen, der Performance-Vorteil ist quasi nicht messbar. Bei UW-Controllern macht der Umstieg eher Sinn, jedoch sind auch hier die Geschwindigkeitszugewinne eher gering, und U160-fähige Festplatten kann man natürlich auch hier anschließen. Wer jedoch keinen Controller besitzt, dem würde ich schon zu diesem Prachtexemplar raten, allerdings eventuell in der 29160N-Version. Der 29160N ist dem 29160 sehr ähnlich, unterscheidet sich allerdings durch einen 32 Bit PCI-Steckplatz, sowie dem externen unsymmetrischen Narrow-SCSI-Anschluss. Zusammen mit dem etwas günstigeren Preis ergibt das eine echte Kaufempfehlung. Die Performance ist an 32 Bit PCI-Steckplätzen die selbe. Ein gewisses Maß an computerspezifischem Verständnis sollte der angehende SCSI-User aber schon mitbringen. Auch wenn die fachgerechte Terminierung heute kein Problem mehr darstellt, etwas Beschäftigung mit der Materie ist anfangs schon vonnöten um ein funktionierendes System auf die Beine zu stellen. Wenn es denn schon SCSI sein muss, dann bitte aber mit dem 29160 oder mit dem 29160N. Damit ist man immer auf der sicheren Seite und: Die Zukunft kann kommen. Thomas
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