Noblesse oblige
18.09.2009
Pro:
Gute Unterhaltung
Kontra:
Schwarz/weiß
Empfehlenswert:
Ja
 XXLALF58
Über sich:
Der Sinn des Lebens besteht in dem Unsinn des Lebens, und der Unsinn des Lebens besteht darin, neuen...
Mitglied seit:26.06.2007
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 141 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Obwohl wir zuhause etliche DVDs haben, schaue ich mich doch so hin und wieder in der Stadtbücherei um, ob ich nicht einen Film erspähe, der mich entweder vom Titel her neugierig macht, oder einfach der schon eine Ewigkeit nicht mehr im Fernsehen gelaufen ist. Ja, und solch eine DVD habe ich bei meinem letzten Besuch erspäht, wobei dieser Film einen sehr bekannten Titel hat. Etwas zweifelte ich noch, ob ich "Adel verpflichtet" schon mal gesehen habe, oder der Titel mir aus dem Grund bekannt erscheint, zumal man ja diese Worte auch als Sprichwort gebraucht. Dieses geflügelte Wort drückt ironisch gemeint die Zugehörigkeit zu einer gehobenen, durch Abstammung oder aber auch besondere Leistungen privilegierten Gesellschaftsschicht, eine Lebensweise oder/und einen besonderen Stil aus. Eine besondere Stellung verpflichtet zu Verhaltungsweisen, die nicht unbedingt von jedem erwartet werden. Und genau um dies handelt sich dieser Klassiker "Adel verpflichtet" der wohl ein schwarz/weiß Film aus dem Jahre 1949 ist, aber dafür eine gehörige Portion "britischen Humors" dahinter steckt. Auf der Rückseite des Covers steht:
Mord ist eine Kunst, die viel Raffinesse verlangt - das erkennt auch der mittellose Louis Mazzini (Dennis Price), der im England des frühen 20. Jahrhunderts auf die Ablehnung seiner ebenso reichen wie kaltherzigen Verwandtschaft trifft. Um den Adelstitel der D`Ascoynes und ihr Vermögen zu erben, muss Louis nur eine lange Reihe arroganter Familienmitglieder eliminieren. Also macht sich der charmante junge Mann mit Gift, Gewehr und Sprengstoff ans schaurige Handwerk. Doch kaum ist er der zehnte Graf von Chalfont, scheint alles verloren: Er wird wegen Mordes festgenommen... Gleich acht exzentrische Adlige verkörpert der brillante Sir Alec Guinness in diesem schwarzhumorigen Meisterwerk, das laut Britischem Filminstitut einer der besten englischen Filme aller Zeiten ist und mit beißendem Witz, abgründiger Situationskomik und dekadenter Eleganz zu begeistern weiß.
Bonusmaterial: Fotogalerie - Originaltrailer Ealing Studios Present Valerie Hobsen Dennis Price Joan Greenwood Alec Guinness in "Kind Hearts and Coronets" With Audrey Fildes Miles Malleson Clive Morton Screenplay (Drehbuch) by Robert Hamer and John Dighton Based on the Novell (Kamera) by Douglas Slocombe edited (Schnitt) by Peter Tanner Produced (Produktion) by Michael Balcon and Michael Relph Directed (Regie) by Robert Hamer
Film © 1949 CANAL + IMAGE UK LTD. Alle Rechte vorbehalten. Untertitel: Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Norwegisch, Niederländisch.
Sprache / Ton: Deutsch 2.0 Mono, Englisch 2.0 Mono, Spanisch 2.0 Mono Länge: 101 Minuten
Freigegeben ab 16 Jahre Okay, fangen wir kurz mit der Geschichte an. Mit einer mystisch, ergreifenden Musik in Moll von Wolfgang Amadeus Mozart aus der Oper Don Giovanni fängt der Film schon mal an. In der Ich-Form erzählt der, in der Erbfolge hintergangenen Louis Mazzini (Dennis Price) seine Lebensgeschichte, die er noch in der Nacht vor seiner Hinrichtung in einer Todeszelle niederschreibt. Ganz ruhig und gelassen, auf alles gefasst was ihn in ein paar Stunden erwartet, sitzt der junge Louis vor einem Tisch und schreibt.
Louis Mutter war die Tochter des 7. Herzogs von Chalfont, also eine adelige, die sich jedoch in einen italienischen Opernsänger verliebte, und ihn dann heiratete. Und weil sich so was für Leute mit Adel nicht schickt, wurde sie von ihrer blaublütigen Verwandtschaft verstoßen, sodass sie unter ärmlichen Umständen leben mussten. Jedoch tat es ihrer gegenseitigen Liebe keinen Abbruch, sodass aus dieser glücklichen Ehe Louis entstand, der nun in diesem Film seine Lebensgeschichte erzählt. Auf ihre Herkunft selber war Louis Mutter sehr stolz, sodass sie Louis von klein auf immer und immer wieder auf ihren Stammbaum hinwies, und ihm einimpfte, dass auch er ein Mann von Adel ist. Nur eben dass 9 Herzöge noch vor seiner Rangliste stehen, und er deshalb der 10. Herzog von Chalfont ist, wobei sie ihm aber nicht verschwieg, dass es durchaus möglich ist, dass auch er eines Tages Herzog werden kann.
Viele Briefe schrieb Louis Mutter an ihre Familie, die jedoch alle unbeantwortet blieben. Und als Louis erwachsen war, und seine Mutter nach einen standesgemäßen Beruf für ihn suchte, schrieb sie abermals ihre Verwandtschaft an, ob sie ihm nicht eine Stelle in die Privatbank eines D´Ascoynes vermitteln könnten. Als daraufhin ein Brief kam, dass sie von Louis Existenz nichts wissen, musste er sich als Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft durchschlagen. Kurze Zeit später verstarb seine Mutter, wobei sie am Sterbebett ihren letzten Wunsch äußerte, in der Familiengruft der D´Ascoynes beigesetzt zu werden. Louis schrieb daraufhin einen Brief an seinen Onkel, dem 8. Herzog von Chalfont (Sir Alec Guinness), der jedoch diese Bitte ignorierte.
Nun fing Louis an Rachepläne an seiner versnobten Familie zu schmieden, weil sie es ihm verweigert hatten, dass seine Mutter standesgemäß beigesetzt werden konnte. Dass dieser Rachefeldzug nicht gerade leicht für ihn sein wird, dass ist Louis klar, wobei 8 erbberechtigte Aristokraten noch zwischen ihm und dem ersehnten Titel standen. Und das diese unmöglich alle samt so schnell als möglich auf natürlichem Wege aus dieser Welt scheiden würden, war Louis von Anfang an bewusst. Deshalb beschloss er etwas nachzuhelfen, indem er den Sohn jenes Inhabers der Privatbank, der ihm damals die Stelle in der Bank verweigerte auf einer Bootsfahrt zu ertränken, den jung verheirateten Amateurfotografen Henry D´Ascoynes jagte er in seinem Atelier in die Luft, dem Pfarrer D´Ascoynes verabreichte er Gift, die Suffragette Lady D´Ascoynes wird während einer Ballonfahrt, die sie unternahm, beseitigt und der General D´Ascoynes starb bei einem Sprengstofftatentat in der Offiziersmesse.
Nur zwei der D´Ascoynes starben eines natürlichen Todes, nämlich der Admiral, der mit seinem Schiff unterging und der alte Privatbankier, der aber erst gegen Ende des Films an Folgen eines Schlaganfalls stirbt. Ganz geschickt führte Louis die Morde durch, sodass sie entweder wie Unfälle aussahen oder als wenn die ganzen Opfer eines natürlichen Todes gestorben wären.
Jetzt hatte er es fast geschafft. Dem gesellschaftlichen Aufstieg stand nun fast nicht mehr im Wege, sodass er nicht seine Jugendliebe Sibella (Joan Greenwood) ins Auge schloss zu heiraten, sondern Edith (Valerie Hobson) die schöne und bezaubernde Witwe des von ihm ermordeten Amateurfotografen, die seiner Meinung nach des Standes würdig war. Sibella heiratete schließlich Lionel Holland (John Penrose) der ein reicher Geschäftsmann war, aber wegen seines Bankrotts Selbstmord beging. Und weil kein Abschiedsbrief von ihm gefunden wurde, wurde Louis verdächtigt seinen Rivalen umgebracht zu haben.
Vom Scotland Yard wurde nun Louis während eines festlichen Empfangs im Schloss verhaftet und ironischerweise vor dem House of Lords zum Tode verurteilt für eine Tat, die er gar nicht begangen hatte. Wie nun die Geschichte ausging, möchte ich nicht verraten, zumal ich aber sagen muss, dass es noch recht spannend bis zuletzt weiter geht.
Zunächst ein paar Worte zur Besetzung: Alec Guinness, spielt gleich 8 Angehörige des Hauses D´Ascoyne, darunter auch das Oberhaupt der Familie, der Duke of Chalfont. Ich finde, dass das einfach eine geniale schauspielerische Leistung ist, gleich 8 verschiedene Charaktere, einschließlich sogar einer Frau, so glanzvoll zu spielen. Okay, auch das sollte noch erwähnt werden, dass die Handlung des Films in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts spielt.
Nun zu meiner Meinung: Im Grunde haben es mir schwarz/weiß Filme nicht so sonderlich angetan, jedoch wenn es sich um wahre Klassiker handelt, mache ich schon mal eine Ausnahme. Und schwarze britische Komödien, mit Niveau sowieso.
Der Klassiker Adel verpflichtet hat schon was, wobei sogar bei mir noch eine ganz, ganz winzige Spur blaues Blut durch die Adern fließt, wenn ich meinen Stammbaum väterlicherseits bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolge. Doch da bewundere ich doch wirklich Louis Mutter, die die treibende Person war, die ihren Zweig des Adels nicht aussterben lassen wollte. Dem jungen erwachsenen Louis war es am Anfang egal, ob er nun seines Standes entsprechenden Beruf ausübt oder nicht.
Erst dann als der letzte Wunsch der Mutter von ihrer blaublütigen Verwandtschaft ausgeschlagen wird, schwört er sich Rache und bringt reihenweise Personen um. Aber trotzdem strahlt er einen großen Charme und Liebeswertigkeit aus, die sich durch den ganzen Film zieht. Unser Ältester der vor 5 Jahren seinen FH Abschluss gemacht hat, und mit uns sich diesen Film ansah, musste damals die Räuber von Friedrich Schiller lesen. Er meint, dass dieser Louis als eine Ähnlichkeit in seiner Art, mit dem Franz aus Schillers Räuber hat, denn auch er verschaffte sich darin einen Vorteil, da er ja zwei Morde begann.
Ich selber muss ja zugeben, dass ich mich nicht so in der Filmgeschichte auskenne. Jedoch den Plan mit dem Rachefeldzug finde ich einfach genial. Und wenn auch gleich 8 Morde passieren, so sieht man im Film nicht Grausamkeiten wie diese geschehen. Da geht zuerst ein Ruderboot unter und blub-blub weg war es. Wobei alle Morde Klang- und Sanglos von statten gehen. Und wiederum muss einer meiner Männer behilflich sein, denn auch was englische Schauspieler angeht, verstehe ich nicht viel. So sagte unser Jüngster, dass der Schauspieler, der gleich 8 Personen verkörperte und Alec Guinness heißt auch bei Star Wars den Obi-Wan Kenobi mitgespielt hat. Ich denke aber, dass ein solcher grandiose Schauspieler schon viel mehr Rollen gespielt hat, die ich jedoch nicht alle aufführen möchte.
Und trotzdem muss ich auch den Maskenbildern ein großes Lob aussprechen, denn obwohl Louis Opfer im Grunde immer dasselbe Gesicht haben, schwingt trotzdem immer etwas Merkwürdiges bei den ganzen Mordplänen mit. Und ich denke auch, dass das der Grund ist, warum bei dieser Komödie der britische Humor so richtig gut rüber kommt. Also Lacher oder Brüller sucht man in diesem Film vergeblich, denn da steckt mehr kluger, trockener Wortwitz drin, wobei aber auch absonderliche Zustände darin vorkommen. Das gibt, so glaube ich wenigstens diesem Klassiker Adel verpflichtet seinen ganz eigenen Stil und Charme, wobei es in dieser Hinsicht nicht notwendig ist, sich auf Dämlichkeiten und Albernheiten herunterzulassen. Dieser recht zügige Erzählstil und die zugespitzten Dialoge dem Ende zu, machen Adel verpflichtet, zusammen mit den hervorragenden Schauspielern zu einem absoluten Klassiker unter den schwarzen Komödien, sodass man von einem rundum gelungenen, sehr britischen Film für die Unendlichkeit sprechen kann.
Ein wirklich sehr sehenswerter Film, der mindestens 5 Sterne verdient hat. Nachtrag:
Wie ich oben schon aus meinem Bericht hervor geht handelt es sich um einen Film aus dem Jahre 1949 der aber 2007 auf DVD auf den Markt kam. Nun wie zum Ton also Dolby Digital findet man hier nicht. Ein schlichter einfacher mono Ton mit dem muß man sich begnügen, rauschen oder ein brummen wie man es von älteren Klassikern gewöhnt ist konnte ich nicht feststellen. Zum Bild sicher wurde dieser nachgearbeitet so sind so gut wie keine Pixelfehler zu bemerken (Bild rauschen) allerdings Farbe findet man trotz allem nicht was allerdings auch nicht stört. Ob nun dieser Film neu Syncronisiert wurde kann ich nicht aus den Cover entnehmen. Nun kaufen oder nur ausleihen das sollte jeder für sich selbst entscheiden meine DVD Sammlung ist inzwischen zu groß so leihe ich mir nur noch ausgewählte Titel aus.
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08.10.2009 14:52
Toller Film! Danke für den Bericht dazu.
03.10.2009 00:45
Könnte man sich ja mal anschauen. LG :)
24.09.2009 13:49
Könnte mich interessieren. Danke sehr.