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Adoption : ein flammendes Ja

5  08.12.2004

Pro:
Nächstenliebe, Soziales Verhalten, Egopflege

Kontra:
keines

Empfehlenswert: Ja 

bjlghs

Über sich: Frühling lässt sein blaues Band wieder .....Lest doch mal bei meinen Vertrauten, was es Neues gibt. ...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Als langjähriger Vater eines adoptierten Kindes möchte ich die Bühne von Ciao dazu nutzen, all die, die Kinder haben möchten und mit dem Gedanken einer Adoption spielen, ein paar Gedanken mit auf den Weg geben. Ob sie letztlich hilfreich sind oder nicht, muß jeder mit seinen eigenen Wertvorstellungen in diesem seinem Leben abmachen.

Wer sich mit dem wahrlich schwierigen Thema Adoption befasst, wird in aller Regel sehr schnell auf eigene innere Hindernisse treffen und auch auf äußere (Freunde, Eltern, andere Verwandte, Behörden). Und es ist wichtig sich damit intensiv auseinander zu setzen, denn es geht dabei um Menschen und Zukunft, ihre und die eines Kindes.


1. Kritisch mit sich selbst umgehen!

Eine der Hauptfragen, die alle mit Adoption befassten Menschen stellen, lautet sicher:
Kann man ein adoptiertes Kind genauso lieben, wie ein eigenes? Es bleibt nicht immer so klein und niedlich, wie man es vielleicht bekommt. Es zerreißt genauso Hosen, beschmiert Teppiche, bemalt Tapeten, gräbt Blumenbeete um, malträtiert den Hund, schneidet Löcher in die Tischdecke, steckt den kalten Teddy in die Mikrowelle und testet Papas Minitrix mit einem Hammer auf Festigkeit, wie jedes eigene Kind auch.

Lautes Geschrei all derer folgt, die sofort meinen, dass das gar kein Problem sei, dass man natürlich ein adoptiertes Kind genauso lieben kann und wird, wie ein eigenes und dass die Frage an sich schon schlecht sei und sich nicht stellen würde.

Und doch ist diese Frage einer der Punkte, die mit dem natürlichen Egoismus der Menschen zu tun hat, die eigenen "Zutaten" zu dieser Gesellschaft für besonders wertvoll zu halten, was im Umkehrschluss bedeuten könnte, dass ein Adoptivkind, wenn es sich zum Beispiel nicht so entwickelt, wie sich die Adoptiveltern das vorgestellt haben, eben leicht mit dem Etikett "ist ja nicht mein eigenes Kind" versehen werden könnte.

Wieder lautes Geschrei: Nein, ist doch glatter Unsinn, ist doch mein Kind, würde ich nie denken oder so empfinden. Hätte mir mit einem eigenen Kind ja auch passieren können.

Gut gebrüllt Löwe. Richtig, hätte ja auch bei einem eigenen Kind passieren können. Nur dann wären Sie selbst "schuld" als Erzeuger (ganz der Vater) und nicht irgend ein anonymes Wesen, von dem sie in aller Regel nicht viel wissen.

Wer sich also mit dem Gedanken befasst, ein fremdes Kind zu adoptieren, kommt an solchen auch selbstkritischen Gedanken nicht vorbei. Man sollte bedenken, dass eine Adoption dazu führt, dass man die Verantwortung für einen Menschen komplett und zwar für die gesamte Dauer seiner Kindheit und Jugendzeit übernimmt. Und die Verantwortung hört wie bei leiblichen Kindern letztlich auch nach dem 18. Lebensjahr nicht auf.

Ein Adoptivkind kann man auch nicht einfach zurückgeben, wenn es sich als äußerst schwierig, finanziell höchst aufwendig und möglicherweise therapie-notwendiges "Etwas" herausstellt. Es ist rechtlich absolut dem eigenen Kind ebenbürtig und gleichberechtigt, ohne Wenn und Aber. Auch das ist zu berücksichtigen, wenn man ein Kind adoptieren möchte.


2. Die eigene Welt positiv verändern!

Haben Sie schon mal ein staatliches Kinderheim besucht und sich in einer der vielen Kiddy-Gruppen etwas länger aufgehalten?

Hat Sie schon mal ein Kind gefragt, ob Sie nicht der neue Vater oder die neue Mutter sein wollen und ob sie bald wiederkommen?

Haben sie schon mal den Blick von Kindern gesehen, wenn sie in einer solchen Gruppe waren und wieder gehen wollen?

Hat schon einmal ein Kind, neben ihnen stehend, ohne Vorwarnung seine Hand vorsichtig in die ihre geschoben und diese gedrückt?

Nun, sie sollten es sich antun, denn dann wissen sie zumindest eines ganz sicher: Adoption tut Not und zwar in hohem Maße. In diesem so zivilisierten Lande, dass sich seiner sozialen Errungenschaften so sehr rühmt, leben Tausende von Kindern aller Altersgruppen in staatlichen Heimen und sehen einer ungewissen und oft nicht guten Zukunft entgegen.

Jeder dieser Kinder hat ganz sicher gute Eltern verdient. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Die Erzieherinnen und Erzieher, Psychologen und Ärzte, die in oder für solche Heime arbeiten leisten ganz, ganz viel (Hut ab davor!). Und doch können sie eben richtige Eltern nicht ersetzen.

Wenn sie also dem eigenen, gewichtigen Wunsche nach einem Kind, den sie auf die "übliche" Weise nicht erfüllen können, Inhalt geben wollen, kann ich Ihnen nur empfehlen, den Weg der Adoption zu gehen, auch wenn er, wie in einigen anderen bereits vorliegenden Erfahrungsberichten zu diesem Thema erschöpfend beschrieben (schaut mal rein bei „ nicdan „ mein Kind, meine Kinder) durchaus dornig sein kann, ehe man tatsächlich adoptieren kann. Wenn sie die eingangs gestellte Frage für sich kritisch und ehrlich mit ja beantworten können, dann sind die Start-Voraussetzungen für sie und das eventuell adoptierte Kind gegeben.

Ich bin selbst Vater eines damals schon erkennbar behinderten Kindes (der Bursche ist jetzt schon 18 Jahre alt) und habe unsere damalige Entscheidung nicht eine Sekunde in diesem meinem Leben bereut. Die Frage nach der Liebe zu eigenen und zu Adoptivkinder stellte sich für uns nicht, da unser Sohn unser einziges Kind ist. Ich kann also die Frage nach dem mehr lieben von leiblichen Kindern nicht so recht bewerten. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es so hätte sein können, denn mehr Liebe geht wohl nicht.

bjlghs


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
diva68

diva68

07.09.2005 11:04

deine zeilen gehen mir sehr nahe. über adoption haben wir uns auch schon öfter unsere gedanken gemacht.

Dr.Claudia

Dr.Claudia

09.06.2005 13:02

PS: Ich komme spätestens morgen zum Umbewerten vorbei, da ich gerade kein bh zur Verfügung habe!

Dr.Claudia

Dr.Claudia

09.06.2005 13:01

Ein Bericht, der mit Herzblut geschrieben wurde und allein schon deshalb ein bh verdient! LG Claudia

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