Alle Jahre wieder...
13.03.2005
Pro:
spannend, guter Aufbau, sympathischer Charakter
Kontra:
nichts wirklich neues
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 mary-p
Über sich:
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Alle Jahre wieder kommt eine große Hypewelle auf Europa zu und begräbt sie mit dem angeblichen neuen Stern der Spannungsliteratur. Ich denke da nur an Jiliane Hofman (immer noch nicht in die Finger gekriegt) oder Karin Slaughter (schnell wieder aus den Händen gelegt) oder gestandenen Autoren, die hier aufzulisten wohl den Rahmen sprengen würde. Nun also »Adrenalin«, im Original »The Suspect« von Michael Robotham. Loblieder werden auf dem Buchrücken gesungen und – sappalot! - »Die Aufsehen erregende Entdeckung aus England«. Die diesjährige Hypewelle kommt also gar nicht über den Atlantik, sondern über den Kanal.Und gefällt dabei wesentlich besser als einiges, was amerikanische Autoren abliefern. Alleine schon der Ich-Erzähler und Hauptcharakter Joe O’Loughlin, ein Psychotherapeut, der mit seiner Frau Juliane und der achtjährigen Tochter Charlie in London wohnt, hebt sich durch seine vielschichtige, tiefgründige und gut ausgearbeitete Persönlichkeit von der Masse ab. Eigentlich könnte Joes Leben so glücklich sein. Er hat eine wunderbare Frau, eine wunderbare Tochter, ein Eigenheim und eine Karriere – und Parkinson, obwohl er erst um die 40 ist. Die Krankheit schleicht sich allmählich an und macht ihm den Verfall seines eigenen Körpers bewusst, womit er ziemlich zu kämpfen hat. Bereits an dem Tag, an dem er die endgültige Diagnose bekommen hat, macht er etwas, dass sich im Nachhinein als großer Fehler herausstellt: Er schläft mit einer anderen Frau. Auch sonst ist er nicht immer ganz ehrlich in Bezug auf die Krankheit und lässt Juliane wenig daran teilhaben, weil er sie selbst zu verdrängen sucht.Gerade dieser eine Fehltritt nach der Diagnose löst eine folgenschwere Lawine aus, als die Krankenschwester Catherine McBride tot aufgefunden wird. Sie wurde nicht einfach bestialisch ermordet, sondern von einem Sadisten gezwungen, sich selbst so lange zu schneiden bis sie ihren Verletzungen erlag. Das Problem dabei ist, dass Joe sie kannte. Sie ist eine ehemalige Patientin von ihm, die vor vielen Jahren das Arzt-Patienten-Verhältnis überbewertete und ihn aus Enttäuschung, weil er eine Beziehung ablehnte, der Vergewaltigung bezichtigte, auch wenn sie die Anzeige schnell zurückzog. Dieser Mord beschäftigt Joe eigentlich nur am Rande. Ein anderer, aktueller Patient macht ihm viel stärkere Sorgen. Bobby Moran, 21 Jahre alt und so undurchsichtig wie ein Felsen. Die Sachen, die er während der Therapiesitzungen sagt, klingen meist wirr, ergeben Sinn, sind sprunghaft, aber Bobby scheint trotzdem immer anwesend zu sein. Er neigt zu Schizophrenie und ist sowohl sehr verschlossen als auch aggressiv. Als er plötzlich in einer Sitzung von einem Traum redet, in dem er ein Mädchen umbringt, das auffallend viel Ähnlichkeit mit Catherine McBride hat, läuten die Glocken bei Joe Sturm. Hin- und Hergerissen zwischen dem Drang, den Mord an Catherine aufzuklären und seiner ärztlichen Schweigepflicht, lässt er Detective Inspector Ruiz Informationen zukommen, dass es sich bei dem Täter um Bobby handeln könnte. Doch es stellt sich heraus, dass das meiste, was in der von Joe angelegten Krankenakte über Bobby gelogen ist – doch das kauft ihm der bärbeißige Ruiz nicht ab und nachdem Joe für den Abend der Tat kein wirkliches Alibi vorzuweisen hat und Catherine vor ihrem Tod mit seiner Praxis telefoniert hat, findet er sich wenig später im Gefängnis wieder. Grund: Verdacht auf Mord. Joe sitzt in der Klemme, denn die Beweise sind erdrückend – wenn auch nur aus Papier. Deshalb macht er sich auf, um den wahren Bobby kennenzulernen und dabei die Lösung des Falls zu finden, um seinen eigenen Hals zu retten, der viel stärker in Gefahr schwebt, als er glaubt... Robotham gelingt ein gleichmäßiger Spannungsaufbau, der mit jähen Schüben sowie überraschenden und plausiblen Wendungen den Leser in Atem hält. Sehr geschickt geht der Autor mit der Wahrheit um, die teilweise erst nach und nach enthüllt wird. Interessant ist dabei, dass Joe anfangs zwar auch zur Lösung des Falls hinzugezogen wird, aber nicht der typische Ich-ermittle-auf-eigene-Faust-Typ von Psychotherapeut ist. Die Ermittlungen auf eigene Faust werden zum Muss, um seine Haut zu retten, was definitiv authentischer wirkt als erstgenannte Version. Diese Ermittlungen gestalten sich dabei als kleiner Roadtrip in London, Liverpool und Wales, wobei die Lokalbezogenheit Robothams sehr auffällig ist und gefällt, auch wenn man diese Orte nicht kennt. Sie leihen der Geschichte ein Stück Authenzität und zeugen vom Wissen des Autors.Der Schreibstil aus der Ich-Perspektive ist in der Übersetzung von Kristian Lutze sehr gelungen. Durchaus ausschweifend, aber nie abschweifend baut Robotham neben Historischem zur Psychologie auch Erinnerungen des Protagonisten ein, die nicht immer zum Lauf der Gesichte beitragen, aber gut eingeflochten und interessant sind. Sie stützen die gut ausgearbeitete Figur des Joe, der dadurch eine ausgeklügelte und glaubwürdige Vergangenheit enthält. Auflockernd wirkt dabei auch der trockene Humor, der an manchen Stellen zu Tragen kommt. Der Leser bekommt dank des guten Schreibstils immer einen guten Überblick über das Geschehen. Die verwendeten Beschreibungen sind knapp, aber aussagekräftig und eine teilweise sehr bildhafte, vergleichsschwangere Sprache geben dem Buch ab und an einen fast poetischen Touch ohne dabei dank nüchterner Alltagssprache überladen zu wirken. In der Summe handelt es sich bei »Adrenalin« sicher nicht um etwas ganz Neues oder Besonderes, aber Robothams Thriller ist innerhalb seines Genres ein Glanzlicht. Ein sehr authentischer Protagonist, eine durchdachte, spannende und wendungsreiche Handlung sowie ein angenehm zu lesender, erzählender Ich-Schreibstil sind die Elemente eines Romans, der bedenkenlos »...neben den ganz Großen der Thrillerliteratur!« (Advertiser) einen Platz findet.Anmerkung: Das Produktbild entspricht im übrigen NICHT dem eigentlichen Buch. Es handelt sich dabei um das Leseexemplar für Buchhändler und Kritiker. Das eigentliche Buch für Normalsterbliche hat ein anderes Cover. DATEN Robotham, Michael Adrenalin Übersetzt von Kristian Lutze Goldmann Verlag Februar 2005 ca. 445 Seiten (Leseexemplar) 19,90 Euro[Zuerst erschienen bei www.roterdorn.de]
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14.03.2005 13:14
Scheint gut zu sein...und da ich immer wieder was Gutes brauche...lauf ich denn mal los☺Achja und Gruß von der Vire, sie ist sauer, wegen der Konkurrenz, die grad hier rumschwirrt und alle vergrippt.
13.03.2005 15:43
Super Bericht, Lg Kiwii
13.03.2005 13:40
Gibt es das auch als Taschenbuch? Sonst müsste ich nämlich dringend mal wieder in die Bibliothek meines Vertrauens... Auch wenn ich eigentlich gar keine Zeit habe...