Studieren an der Universität Kapstadt
16.12.2002 (01.12.2003)
Pro:
sehr interessantes Land, attraktives Studentenleben, schöner Campus
Kontra:
teilweise niedriges Niveau
Empfehlenswert:
Ja
 Swip
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:12
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 120 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Einleitung ---------- Eigentlich war ich mir gar nicht so sicher, ob ich einen Bericht zur Universität Kapstadt schreiben möchte, aber nachdem Ciao die Hochschule derart originell in sein Kategorienschema eingefügt hat, sehe ich mich doch genötigt, Ciao für diesen Lacherfolg mit einem Bericht zu danken. Daneben möchte ich natürlich auch das erfolgreiche Einfügen meines Bildvorschlages entsprechend würdigen. Um also etwaigen Missverständnissen vorzubeugen; die University of Cape Town (UCT) befindet sich in Kapstadt an der Südwestküste Südafrikas, was wiederum in Afrika liegt; Asien ist auf meiner Weltkarte an einer anderen Stelle eingezeichnet. Innerhalb Kapstadts ist die UCT übrigens sehr schön gelegen, direkt an den Hängen des Devil's Peak und sehr gut mit dem Auto über die eigene Ausfahrt an der M7 zu erreichen. Parkplätze sind dafür relativ schwer zu finden und die uni-eigene Verkehrspolizei schreibt sehr gerne Strafzettel. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sieht es etwas schlechter aus. Von der Metro-Station Rondebosch sind es etwa 20 Minuten, von der Hauptstraße durch die die Minibus-Taxis der informellen Linie Main Station (Hauptbahnhof) - Wyneberg verkehren etwa 15 Minuten. Geschichte ---------- Die UCT wurde 1829 gegründet und ist damit die älteste Universität Südafrikas. Während der Apartheid galt die UCT stets als die liberalste Universität und war im kleinen aber feinen weißen Widerstand mit führend, womit man sich natürlich heute brüstet. Auch Mark Shuttleworth, im Frühling dieses Jahresa zweiter Weltraumtourist der Welt und erster Afrikaner im All studierte an dieser Universität.
Was kann man hier studieren? ---------------------------- An der UCT kann man so ziemlich alles studieren, was es in Deutschland auch gibt. Die Universitätssprache ist Englisch. Das akademische System ist allerdings anders aufgebaut. Man erwirbt zunächst nach zumeist vier Jahren den Bachelor und nur ein kleiner Teil macht danach in ein bis zwei Jahren den Master. Das Studium bis zum Bachelor ist wesentlich verschulter als das Universitätsstudium in Deutschland und durch klassenverbandähnlichen Unterricht und wenige Wahlmöglichkeiten gekennzeichnet. Außerdem besteht teilweise Anwesenheitspflicht, die Mitarbeit im Unterricht wird bewertet und es finden hin und wieder Tests statt. Der Master gleicht dann eher dem deutschen Universitätsstudium. Neben Vorlesungen zählen dann auch vermehrt Seminare und Projektarbeiten. Als Austauschstudent, der keinen südafrikanischen Abschluss macht, kann man zumeist frei wählen, welche Vorlesungen aus Bachelor und Master Programmen man besuchen möchte. Die Auswahl ist hierbei zumeist geringer als in Deutschland, da weniger Wahlmöglichkeiten angeboten werden. Bei deutschen Studenten ist der einjährige Master of Law sehr beliebt, da er wesentlich billiger als ein Master in den USA ist. Kosten ------ Ein Semester an der UCT kostet für Übersee-Ausländer einige 1000 €, das variiert aber von Fall zu Fall. Meine Studiengebühren hat freundlicherweise der DAAD übernommen, daher weiss ich auch nicht genau, wieviel ich bezahlen hätte müssen. Afrikanische Studenten müssen natürlich niedrigere Gebühren bezahlen und viele erhalten ein Stipendium.
Studenten --------- An der UCT studieren logischerweise viele Südafrikaner, aber gerade die Master Studiengänge sind bei Hochbegabten anderer afrikanischer Länder sehr beliebt. Die Verhältnisse Männlein/Weiblein und Weiße/Andersfarbige sind je etwa 50:50. Betreuung der ausländischen Studierenden ---------------------------------------- Die Betreuung der ausländischen Studenten kann man getrost als sehr gut bezeichnen. Das Büro für internationale Studierende veranstaltet eine Einführungswoche speziell für ausländische Studierende, die zwar recht teuer ist (100 US$), aber gut auf den Alltag in Südafrika vorbereitet und einige touristische, historische und aktuelle Farbflecken der Gegend nahe bringt. Auch danach findet man bei Problemen immer ein offenes Ohr und wird auch für dringende Fälle mit Handynummern von Mitarbeitern ausgestattet. Hier zeigt sich eben auch, dass ausländische Studierende eine wichtige Einnahmequelle sind.
Niveau ------ Das Niveau ist wesentlich durchwachsener als in Deutschland und liegt meistens doch etwas niedriger. Das ist allerdings ein subjektiver Eindruck von mir und ich kenne ja auch nur eine Hochschule in Deutschland mit einem Fachbereich (Maschinenbau) richtig. Allgemein leidet das Niveau durch inoffizielle Schwarzenquoten (bestimmte Anzahl von Schwarzen muss die Prüfungen bestehen). Es wollte mir übrigens niemand die Existenz selbiger Quoten wirklich bestätigen oder verneinen. Das etwas niedrigere Niveau ist allerdings kein Garant für gute Noten, Einser werden recht selten verteilt, aber durchfallen ist schon sehr sehr schwer! [kleine Anekdote: Ich hatte einen Professor, der tatsächlich während der Vorlesung immer mal kurz eingenickt, dann aber stets nach ein paar Minuten wieder aufgewacht ist und weiter gemacht hat. Es war aber stets eine unterhaltsame Vorlesung, ich habe so von meinem Nebensitzer aus Uganda erfahren, wieviele Rinder er an die Familie seiner Frau zahlen musste, bevor er sie heiraten durfte und ähnliches mehr ....] Technische Ausstattung ---------------------- Die Ausstattung mit PCs ist recht ordentlich, die neuesten Modelle sucht man zwar vergeblich, aber es reicht für Word und Internet. Die besseren PCs sind teilweise nur bis halb fünf nachmittags zugänglich, manchmal machen die Superviser auch früher Schluss, dann hat man halt Pech gehabt. Die Internet-Anbindung ist für afrikanische Verhältnisse grandios, über den Vergleich mit Europa oder USA hülle ich an dieser Stelle den Mantel des Schweigens. Einige Fachbereiche haben sogar Beamer und ähnlichen technischen Schnickschnack, der Umgang mit derartigen Geräten führt aber vor allem zu Lacherfolgen.
Sicherheit ---------- Wie überall in Südafrika kommt man auch hier nicht am Thema Sicherheit vorbei. Knapp hundert Sicherheitskräfte einer privaten Firma sorgen an der UCT für Recht und Ordnung. Unterstützt werden sie dabei von 230 Videokameras, Notrufsäulen usw. ... Hört sich absolut krass an und ich musste mich auch erst mal daran gewöhnen kontrolliert zu werden (Ausweis, Rucksack), aber dafür kann man sich auf dem Campus wirklich frei und sicher bewegen und das ist viel wert. Campus ------ Der Campus ist schön und kompakt angelegt und verfügt über ettliche private Cafeterias, Fotogeschäft, Gemüseladen, Post, Bankautomaten und vieles mehr. Da Südafrika eine sportverrückte Nation ist, dürfen auch Rugby-Felder, Cricket-Feld, Tennisplätze und Fußballplätze nicht fehlen. Trotz aller Liberalität sind übrigens die Fußballfelder als Sportstätten des primär schwarzen Sports am weitesten vom Uni-Zentrum entfernt. Einige wenige Kurse finden auch in Gebäuden außerhalb des Campus statt, dies ist aber eine Ausnahme.
Clubs ----- An der UCT gibt es sehr viele von Studenten geleitete Clubs (ähnlich wie in den USA). Hier sind praktisch alle Sportarten vertreten und auch wer eher andere Interessen (z.b: debating, winetasting, ballroom dancing ...) hat wird hier fündig werden. Besonders zu empfehlen ist der Mountain & Ski Club, der viele Wanderungen in der näheren und nicht ganz so nahen Umgebung anbietet, da man so auch etwas mehr vom Lande sieht. Die Clubs sind auch eine sehr gute Möglichkeit andere Südafrikaner kennenzulernen, gerade auf mehrtägigen Wanderungen. Schluss ------- Ich habe dieses Jahr zwei Semester an der UCT verbracht und kann sie jedem nur empfehlen, der komplett andere Erfahrungen machen und ein fantastisches Land kennenlernen will. Daneben kann man natürlich seine Englischkenntnisse aufpolieren, ein ordentliches Niveau wird aber bereits vorausgesetzt (TOEFL 230 Punkte). Fachlich sollte man zumindest als angehender Ingenieur nicht zu viel erwarten.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Verwandte Tags für Afrika - University of Cape Town
|
|
08.11.2005 19:20
Ich dachte ja, so vertun kann man sich eigentlich gar nicht, zumal Südafrika mein großer Traum ist., aber..... Deinen Bericht habe ich verschlungen, da mich alles interessiert was von dort berichtet wird. LG. Karin
29.07.2004 19:45
Guter Bericht, wei ich heruasfinden konnte, dass es für mich ncihts wäre :)
07.07.2004 00:06
Kapstadt in Asien? Köstlich. Aber nicht der einzige Lacher, den ich bisher in ciao! gesehen habe. Geographie? Setzen, sechs... :-)) Chris