Eine junge Chinesin geht ihren Weg
08.04.2003
Pro:
tolle Story über eine starke junge Frau / informativer Anhang über die Geschichte der Thematik / nicht nur was für Jugendliche
Kontra:
nichts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
Niveau
mehr
 Nyaasu
Über sich:
Bitte kommentiert mit Bezug auf den BERICHT (Informationsgehalt, Stil etc.), NICHT das Produkt! Bei ...
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Nachdem ich das Buch „Die gebundenen Füße“ zugegebenermaßen verrissen habe (wenn man es nicht noch verkaufen könnte, hätte ich es auch am liebsten zerrissen), möchte ich nun über mein absolutes Lieblingsbuch zum Thema „gebundene Füße – das Leid der chinesischen Frauen“ schreiben. Ich danke Ciao für das Aufnehmen der Kategorie und dem KiKa, da ich über diesen das Buch erhielt (man kann da Testleser werden, weitere Infos gibt’s im Videotext :-) STORY China, Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Mädchen Tao Ailin wächst als dritte Tochter einer angesehenen Familie in China auf. Sie hat eine glückliche Kindheit, klettert gerne auf Bäumen herum, liebt ihre Familie und ärgert besonders gerne ihre Amah, das Kindermädchen, die es einfach nicht schafft, die junge Dame vernünftig zu erziehen. Als Ailin knapp 5 Jahre alt ist, wird sie dem zwei Jahre älteren Jungen Liu Hanwei vorgestellt, welchen sie später einmal heiraten soll. Doch sofort fällt der Blick von Hanweis Mutter auf Ailins Füße, welcher immer noch nicht eingebunden sind. Sie weist Ailins Mutter darauf hin, dass sie sich beeilen sollte, sonst wären Ailins Füße bereits zu groß. Und eine Heirat mit normalen Füßen käme nicht in Frage. Doch Ailins Mutter will ihrer Jüngsten dieses Schicksal nicht antun, und zögert das Ganze immer mehr hinaus.Ailin versteht nicht, was es mit dem Einbinden auf sich hat, daher fragt sie ihre ältere Schwester, ob sie ihre Füße einmal sehen darf. Die Schwester zögert zuerst, stimmt dann aber doch zu, und so darf Ailin dabei sein, wenn ihre Schwester sich die Füße wäscht. Als sie die Binden abgenommen hat, stinkt es unerträglich nach Schweiß, da die Füße in den dicken Binden keine Luft bekommen, und als Ailin den verkrüppelten Fuß ihrer Schwester sieht, schreckt sie zurück und ist sich sicher, dass sie nie so sein möchte. Ailins Großmutter aber, die ihre Enkelin gut verheiratet haben will, nimmt am Ende die Sache in die Hand und wickelt der fünfjährigen Ailin die Füße ein und erklärt ihr, dass es eine Frau schön macht und ihr einen guten Ehemann sichert. Ailin will sofort aufspringen, spürt aber einen stechenden Schmerz, und man erklärt ihr, dass sich die Füße erst einmal daran gewöhnen müssen und sie kleine Schritte machen muss. Da hat Ailin endgültig genug. Sie soll nie wieder rennen, springen und auf Bäume klettern können und ihr Leben lang trippeln und unter Schmerzen leiden wie alle anderen? Nein! Und ohne zu zögern reißt Ailin sich die Binden von den Füßen und rennt ihrer Großmutter davon, was nicht schwer ist, da diese mit ihren Trippelschritten nur langsam vorankommt.In ihrem Vater findet Ailin einen Verbündeten, denn dieser sieht der Öffnung gen Westen durchaus positiv entgegen. Er findet Demokratie besser als die alte chinesische Dynastie, und als er erfuhr, dass nur in China die Frauen auf diese Art und Weise leiden müssen, beschließt er, seine Tochter in ihrem Kampf zu unterstützen. Hanweis Mutter allerdings zieht daraus Konsequenzen und löst die Verlobung mit Hanwei. Doch Ailin will mehr – sie will lernen, und zwar nicht nur nähen und sticken und ein bisschen chinesische Geschichte, sie will Englisch, Physik und Mathematik lernen, genauso wie Hanwei es ihr erzählt hat. Doch keine chinesische Schule nimmt Mädchen auf, bis auf die von amerikanischen Missionaren errichtete Privatschule. Diese ist sehr teuer, doch da Ailins Vater gut verdient, erlaubt er seiner Jüngsten, diese Schule zu besuchen.Ailin ist eine sehr gute Schülerin und findet in dem Mädchen Zhang Xueyan eine gute Freundin, denn diese will Ärztin werden, damit sie ihren Lebensunterhalt alleine verdienen kann und keinen Mann braucht, und eingebundene Füße hat sie auch nicht. Auch in der Lehrerin Miss Gilbertson findet Ailin jemanden, der immer für sie da ist. Ein paar Jahre später jedoch stirbt Ailins Vater an einer Krankheit, und nun hat Ailins Onkel das Sagen in der Familie, und dieser ist dem neumodischen westlichen Kram nun ganz und gar nicht aufgeschlossen. Er weigert sich, Ailins Schulgeld zu bezahlen, und er will Ailin auch nicht länger im Haus haben, denn ihre beiden Schwestern sind längst verheiratet. Da Ailin aber mit normalen Füßen keine Chance hat, einen guten Mann zu finden, und es zum Einbinden zu spät ist, stellt er sie vor die Wahl: Entweder, sie wird die Viertfrau eines Geschäftsmannes (also eine etwas edlere Konkubine) oder Bäuerin.Da sich diese Möglichkeiten aber nicht mit Ailins Zielen decken, reist sie von zu Hause aus. Da sie aber nicht weiß, wohin, geht sie zu Miss Gilbertson. Diese ist entsetzt über das Verhalten von Ailins Onkel und besorgt Ailin eine Arbeitsstelle als Kindermädchen und Lehrerin einer Missionarsfamilie – den Warners. Ailin versteht sich sehr gut mit den Kindern, und die Eltern bewundern das Englisch des Mädchens, und so zieht Ailin bei den Warners ein, hat geregelte Arbeitszeiten und ein Einkommen. Ab jetzt heißt sie Eileen.Doch nach drei Jahren wollen die Warners zurück in die USA, und sie bieten Ailin an, mitzukommen. Diese besucht ein letztes Mal ihre Familie und gibt ihrem Onkel all das Geld, dass sie bisher verdient hat, und dieser lässt sie wortlos gehen. Wird es Ailin in Amerika besser ergehen, wird sie endlich sie selbst sein können? ***Achtung, ab hier wird das Ende verraten!*** Auf dem Schiff nach San Fransisco lernt Ailin den jungen Chinesen James Chew kennen, der so ganz anders ist als die Chinesen, die sie kennt – er ist vornehm, galant und hält eingebundene Füße für schwachsinnig, er respektiert Frauen als gleichgestelltes Wesen. Ailin empfindet sofort Sympathie für den ein paar Jahre älteren Mann, auch wenn er eher zur Oberschicht gehört, und so erzählt sie ihm auch von ihrer Familie und stößt auf vollstes Verständnis.In San Fransisco angekommen muss Ailin feststellen, dass die Warners in China zwar relativ reich waren und sich Butler und Köchin leisten konnten, in den USA aber nur die Mittelschicht ausmachen und den Haushalt selber führen müssen. Doch Ailin versucht zu helfen, wo sie nur kann, und beköstig die Warners mit ausgefallenen chinesischen Gerichten, auch wenn dies am Anfang nicht so klappt, wie es sein sollte. Als sie eines Tages durch China Town schlendert, um Zutaten zu kaufen, fühlt sie sich wieder wie zu Hause, und genau hier begegnet ihr James Chew wieder, dem ein Restaurant in China Town gehört. Als die Warners zurück nach China wollen, um ihre Missionarsarbeit fortzusetzen, bleibt Ailin aus freiem Willen zurück in Amerika. Gerne würde sie ihre Mutter und ihre Schwestern wiedersehen, doch sie weiß, dass der Abstand zwischen ihnen zu groß geworden ist und sie einfach nicht mehr dazugehört. Ihr Platz ist hier, in San Fransisco, bei James Chew, der sie heiratet und zur Restaurantchefin macht.ÜBER DIE AUTORIN Über Lensey Namioka ließ sich leider nichts herausfinden, im Buch steht nur, dass ihre Mutter ebenfalls eine der ersten Chinesinnen war, die keine eingebundenen Füße hatte, und genau dieser Frau, deren Name Buwei „Großer Schritt“ bedeutet, ist dieses Buch gewidmet. Lensey Namioka hat viele weitere Bücher geschrieben, z.B. „Island of Ogres“ oder „April and the Dragon Lady“, jedoch sind die meisten davon nur auf Englisch erhältlich, z.B. bei amazon. Gelesen habe ich bisher allerdings nur das Buch, über das ich hier schreibe.SCHREIBSTIL Das Buch ist durchgehend in der Ich-Perspektive aus Ailins Sicht geschrieben, zudem vollständig in der Vergangenheitsform. Es ist in Prolog, 11 Kapitel und Epilog eingeteilt. Während in den 11 Kapiteln Ailins Leben von Kindertagen an bis zur Entscheidung für James erzählt wird, stellen Epilog und Prolog eine Art Rahmenhandlung dar, denn im Epilog, als Ailin mittlerweile 25 ist, besucht ihr ehemaliger Verlobter Hanwei zufällig das Restaurant und erkennt sofort das Mädchen wieder, das er als kleiner Junge so sympathisch gefunden hat. Er erzählt Ailin, dass er Student in San Fransisco ist und macht ihr Vorwürfe, dass sie nicht in China geblieben ist und auf ihn gewartet hat, denn er hätte sie auch mit großen Füßen geheiratet. Doch Ailin bereut ihre Entscheidung nicht und weiß, dass Hanweis Familie sie nie so akzeptiert hätte, wie sie ist. Als James’ Frau muss sie zwar Schuhe mit hohen Absätzen tragen, mit denen sie oft umknickt oder stolpert, doch nichts kann so schlimm sein wie eingebundene Füße! Die Autorin schafft es gekonnt, Ailins Eindrücke und Gefühle mit Fakten und Schilderungen des Alltags zu beschreiben, außerdem verfügen alle Personen über einen starken Charakter und sind einzigartig, selbst Nebenfiguren spielen eine wichtige Rolle und werden individuell dargestellt, ohne in alte Klischees zu verfallen. Da es sich um ein Buch für Jugendliche handelt, ist der Schreibstil relativ einfach, aber auch für Erwachsene nicht zu lasch. Ich habe das Buch mit 17 zum ersten Mal gelesen und lese es auch heute noch gerne, denn man kommt gut durch, ohne unterfordert zu werden. Aufgrund der ernsten Thematik würde ich es aber erst ab 14 Jahren empfehlen.ALLGEMEINES / SONSTIGES Originaltitel: Ties that bind, ties that break (© 1999, D: © 2000 (HC), © 2003 (TB)) Verlag (D): Anrich (Beltz Verlag) ISBN: 3891064004 (HC), 3407788975 (TB) Preis: 11,00 Euro (HC), 6,90 Euro (TB) Gesetzt nach der neuen deutschen Rechtschreibung. Im Anhang (fast 3 Seiten) geht die Autorin auf die Geschichte des Füße Einbindens ein, die Gründe und die Entwicklung bis heute, jedoch sind alle Gründe nur Theorien, der wirkliche Ursprung bleibt bis heute unklar.FAZIT Ein gutes Buch für junge Erwachsene und alle darüber hinaus, welches die ernste Thematik angemessen behandelt. Man fühlt und leidet mit Ailin und ihrer Familie, doch trotzdem artet die Geschichte nie in ein tragisches Drama aus, der Blick für die Realität geht nie verloren, allein schon durch Ailins starken Charakter und ihren ausgeprägten Willen. Durch interessante, uns Europäern teilweise völlig unbekannten Eindrücken und Informationen über China und chinesische Bräuche wird das Buch auch nie langweilig, da man neben der Geschichte auch vieles lernen kann, was durch den Anhang, welcher eigentlich unumgänglich für ein Buch mit so einer Thematik ist, unterstützt und abgerundet wird. Ich kann das Buch nur empfehlen (habe es schon drei mal gelesen!), besonders Frauen, denn auch wenn die Frauen zu dieser Zeit auch bei uns alles andere als gleichberechtigt waren (und auch heute noch nicht sind), gab es auf der Welt Frauen, denen es noch viel schlechter ging, die sich ihre Trauer und ihren Schmerz aber nicht anmerken lassen durften. Zu Lachen gibt es allerdings nichts, aber das wäre bei dieser traurigen Thematik auch völlig fehl am Platze. Mehr zu dem Thema in meinen anderen Berichten :-)
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02.05.2003 20:14
mist... jetzt hab ich das ende gelesen,, warum bin ich nur so schnell drüberhinweggerollt.. *ärger hätte dann deine warnung gesehen. Was ich sah und las war gut zu wissen.! LG Lucifer
10.04.2003 19:54
Uhhh, du kennst aber viele Bücher, die das Thema der Fußbinderei behandeln bzw. beinhalten... ### Stoppt Provozierklicker wie "DocMurphy"! ### Gruß AnimeFan
08.04.2003 10:43
...mal was ganz anderes bei den Buchbesprechungen, finde ich toll ! Diese chinesischen Kaiser haben schon seltsame Bräuche eingeführt ***grübel***