Liebe in einer lieblosen Zeit
03.08.2000
Pro:
sehr gut recherchiert, spannend und einfühlsam erzählt
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
 SilentWorld
Über sich:
Ich liebe das Meer, Schweden, Literatur, Musik, Kunst überhaupt, Leben, Lieben, meinen Hund Tom und ...
Mitglied seit:16.07.2000
Erfahrungsberichte:88
Vertrauende:29
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 33 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die Geschichte von Aimée und Jaguar ist ebenso spannend wie tragisch. Die Frau eines Nazis verliebt sich in eine Jüdin, sie verbringen die schönste Zeit ihres Lebens miteinander und werden schließlich wieder getrennt - das klingt beinahe schon wie Fiktion, ist aber genau so passiert. Die Jüdin Erica Fischer erzählt diese Geschichte. Immer wieder kommen aber auch diejenigen zu Wort, die diese Liebe miterlebt haben, aus welchem Blickwinkel auch immer. Aimée selbst kommentiert Situationen und somit ist das Buch wirklich „eine dichte Recherche von Fakten und Empfindungen, so ergreifend wie informativ“, wie die Frankfurter Rundschau schrieb. Elisabeth Wust, genannt Lilly und später Aimée ist verheiratet mit Günther Wust, ein Mitläufer der Hitler-Bewegung. Lilly ist mehr oder weniger stolze Besitzerin des Mutterkreuzes, sie hat vier Kinder. Und eigentlich fühlt sie sich nicht so richtig wohl an der Seite ihres Mannes. Dennoch ist es bequem, sie macht sich keine großen Gedanken über Hitler-Parolen. Dann trifft sie auf Felice Schragenheim, später Jaguar, die sie kennen und lieben lernt. Noch weiß Lilly nichts von Felices jüdischer Herkunft und vielleicht ist sie auch blind vor Liebe. Erst nach einiger Zeit traut sich Felice und erzählt ihrer Aimée, der Frau eines Nazis, von ihrem Geheimnis. Felice ist ein sogenanntes „U-Boot“, sie lebt im Untergrund, ist ständig auf der Flucht. Zum erstenmal denkt Lilly nach über Sätze wie: „Die Juden sind an allem schuld.“ Plötzlich merkt sie, was wirklich passiert in ihrem Land. Sie schlägt sich auf Felices Seite, auch wenn Felice immer mit der Angst lebt, Aimée zu sehr in ihre Flucht mit einzubeziehen. Was nämlich Lilly nicht weiß, für das kann man sie auch nicht bestrafen. Die nächste Zeit verläuft jedoch relativ ruhig, so ruhig wie sie eben verlaufen kann, wenn man im Dritten Reich eine lesbische Beziehung mit einer Jüdin führt. Aimée und Jaguar wachsen immer mehr zusammen, sie schreiben sich beinahe endlose Briefe und Gedichte, im letzten Teil des Buches sind einige davon abgebildet. Als Felice einmal weg fährt schreibt Aimée voller Sorge: “Am ersten Abend ohne Dich! Sollte man tatsächlich Euch irgendwie - dann - lebe ich nicht mehr lange.“ Was Aimée und Jaguar am meisten fürchten, geschieht am 21. August 1944. Felice wird entdeckt und eingesperrt. Lilly schreibt in ihr Tagebuch: „Heute geschah, was ich auch als leisesten Gedanken weit von mir geschoben hatte, das Entsetzliche. Man hat mir das Liebste genommen.“ Während Felice an verschiedenen Orten für ihre Religion büßt, setzt Lilly alle Hoffnung auf eine Freilassung. Sogar, als der Krieg vorbei ist, wartet sie auf Jaguar, hofft, daß sie durchgehalten hat und zurück kommt. Man weiß nicht, wann genau Felice gestorben ist, aber sie hat das Kriegsende wohl nicht mehr überlebt. Nach einem Krankenhausaufenthalt wird sie in das KZ Groß-Rosen gebracht. Sie schreibt noch wenige Worte an Aimée: „Mein Liebes, eben kommt die Schwester und sagt, wir kämen hier weg. Bete und halte die Daumen! Immer Deine Felice.“ Lillys Leben nach dem Krieg ohne Felice ist eine Katastrophe. Sie heiratet aus Torschlußpanik einen Mann, der sie schlechter nicht behandeln könnte, versucht schließlich, sich umzubringen. Ihre vier Kinder erzieht sie in jüdischem Glauben, sie haßt alles, was deutsch ist. Felice kann sie niemals vergessen.Der Autorin Erica Fischer gelingt es, von einer außergewöhnliche Liebe zu berichten, ohne in eine zuckersüße Romanze abzurutschen. Außerdem hält sie mit dieser Dokumentation ein Stück Geschichte am Leben, das auf keinen Fall in Vergessenheit geraten darf.
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08.09.2000 01:14
Leider zu viel vom Inhalt geschrieben, ich will das Buch doch erst lesen, wenn ich mich hier informiere! Als Auszug aber sehr gut.
06.08.2000 23:11
Wirklich sehr schoen geschrieben, aber fuer meine Meinungsfindung zu wenig eigene Meinung, deshalb nur ein nützlich. Gruss Rita.
04.08.2000 01:31
Hi! Gratulation, Du schreibst wirklich ausführliche und informative Meinungen. Es ist eine Freude, Deine Beiträge zu lesen. Gruss von Sylverl