"Airframe - die Flugzeugzelle ...

5  20.06.2005

Pro:
Story, Stil,  .  .  .

Kontra:
keine nennenswerten Schwächen

Empfehlenswert: Ja 

rider-of-apocalypse

Über sich:

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Das ist die Gesamtheit eines Flugzeugs ohne Triebwerke, also Rumpf, Tragflächen, Leitwerk und die in diesem Buch so wichtige mechanische und elektronische Ausstattung. Es ist der Teil des Flugzeugs, den der Hersteller entwirft und baut und für den er die Verantwortung trägt."

Diese (erklärenden) Worte leiten den Roman AIRFRAME von MICHAEL CRICHTON ein, den vor kurzem gelesen habe und den ich nun zum Thema meines heutigen Beitrags mache.


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ALLGEMEINES & AUTOR
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Der 1942 in Chicago geborene Autor MICHAEL CRICHTON veröffentlichte schon als Student (Harvard College und Harvard Medical School) unter einem Pseudonym erste Romane und zählt heute wohl zu den bekanntesten und erfolgreichsten Romanautoren weltweit.
Viele seiner Romane wurden mehr oder weniger gelungen und/oder erfolgreich verfilmt. So lieferte er unter anderem die Romanvorlagen für die Filme JURASSIC PARK (basierend auf dem Roman DINO PARK), DIE WIEGE DER SONNE (basierend auf dem Roman NIPPON CONNECTION), SPHERE (basierend auf dem Roman DIE GEDANKEN DES BÖSEN) ENTHÜLLUNG (basierend auf dem gleichnamigen Roman), ...
Zu seinen weiteren Romanen zählen:

- TIMELINE
- DER GROSSE EISENBAHNRAUB
- BEUTE
- ANDROMEDA
- ...

Seinen Roman AIRFRAME veröffentlichte er in der zweiten Hälfte der 90er Jahre, das Copyright der deutschsprachigen Ausgabe datiert aus dem Jahr 1997, wobei für die deutschsprachige Ausgabe der Originaltitel AIRFRAME (ausnahmsweise) übernommen wurde.
Ich habe bei www.ebay.de eine gebundene Lizenzausgabe (für die Bertelsmann Club GmbH) dieses Romans erstanden (aus diesem Grunde kann ich hier auch keine Angaben zur ISBN machen), aber AIRFRAME sollte auch als Taschenbuch für einen Preis von knapp unter 10,00 € erhältlich sein.
Der Einband meiner Ausgabe zeigt neben den üblichen Beschriftungen für Titel und Autor die Konstruktionszeichnung eines Passagierflugzeugs und passt so meines Erachtens sehr gut zur Story des Romans.

Titel: AIRFRAME
Autor: Michael Crichton
Jahr (deutschspr. Ausg.): 1997
Übersetzung: Klaus Berr
Seitenzahl: 446


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STORY
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Kurz bevor der aus Hongkong kommende Flug Nummer 545 der Transpacific Airlines sein Ziel Denver erreicht, gerät das Flugzeug des Typs N-22 der Norton Aircraft scheinbar in schwere Turbulenzen, bei denen es zu einigen Toten und zahlreichen verletzten kommt, so dass der erfahrene Pilot der Maschine sich gezwungen sieht, in Los Angeles notzulanden.
Bereits unmittelbar nach der Notlandung beginnt ein Team der Norton Aircraft unter Leitung von Casey Singleton mit den Untersuchungen des Vorfalls., wobei sich schnell herausstellt, dass Turbulenzen als Unglücksursache unmöglich sind. Aufgrund von Beobachtungen von Passagieren scheint es, als wären während des Fluges die
Bilder von Airframe / Michael Crichton
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Airframe / Michael Crichton Bild 3171035 tb
Bild 1
Slats ausgefahren und hätten die Maschine destabilisiert. In der Vergangenheit gab es bereits bei diesem Flugzeugtyp Probleme mit den Slats, die aber längst behoben sein sollten. Selbst wenn die Slats ausgefahren wären, so hätte der Autopilot der N-22 in Sekundenschnelle die Maschine stabilisiert, aber auch der Pilot hatte aufgrund seiner mehr als ausreichenden Erfahrung problemlos entsprechende Maßnahmen ergreifen können und müssen, wodurch Casey Singleton auch nicht an eine Fehlfunktion der Slats glauben kann.
Norton Aircraft steht kurz vor dem Abschluss eines Verkaufs zahlreicher Maschinen des Typs N-22 nach China und so drängt Casey Singletons Vorgesetzter John Marder auf einen schnellstmöglichen Abschluss der Untersuchung um die Verkaufsverhandlungen nicht zu stören.
Während der Verkauf der Maschinen nach China schon aus finanziellen Gründen von größter Wichtigkeit für Norton Aircraft, die mit Boeing und Airbus gegen leistungsfähige Konkurrenten zu kämpfen haben, ist, glaubt der Gewerkschaftsführer bei Norton Aircraft, im Rahmen des Verkaufs nach China solle auch die Herstellung der Flugzeugtragflächen nach China verlagert werden, wodurch Arbeitsplätze in den USA massiv bedroht werden. Darüber hinaus meint er zu wissen, dass bereits Tragflächen der N-22 nach Korea verschifft werden und so sieht sich Casey Singleton auch noch massiven Bedrohungen seitens der Arbeiter ausgesetzt.
Auch die Presse ist natürlich an den Vorfällen um den Flug Nummer 545 interessiert und es ist zu befürchten, dass die Berichterstattung die Flugsicherheit der N-22 im Allgemeinen in Frage stellt.
Als hätte Casey Singleton nicht bereits genug Probleme, muss sie sich auch noch um einen Praktikanten/Assistenten kümmern, der ihr von der Konzernleitung zugewiesen wurde und der John Marder über jeden ihrer Schritte zu informieren scheint.
Währenddessen bringen die Untersuchungen erste Erkenntnisse. So wurden einige Teile der Maschine durch gefälschte Komponenten ersetzt, doch auch alle diese minderwertigen Teile hätten die Vorfälle allein nicht auslösen können ...


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ANMERKUNGEN
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Mit AIRFRAME führt MICHAEL CRICHTON den Leser in den Bereich der Luftfahrt, Flugsicherheit und Flugzeugbau und zeichnet dabei ein nicht gerade erfreuliches Bild der Verhältnisse und Vorgehensweisen in diesem Bereich, dass er in eine von der ersten Seite an sehr spannenden Geschichte "verpackt".
Auch wirkt die Geschichte in AIRFRAME sehr real und absolut glaubwürdig und denkbar. Diesen (scheinbaren) Realitätsbezug verstärkt der Autor dabei nicht nur mit seiner einleitenden Anmerkung ("Das vorliegende Werk ist, auch wenn es auf Tatsachen basiert, Fiktion), der Verwendung real existierender Unternehmen (Norton, Airbus, ...) und mit seinem Nachwort, in dem in Form von Zeitungsmeldungen und ähnlichem der weitere Werdegang einiger Hauptakteure dargestellt wird. Auch hatte ich während des Lesens immer den Eindruck, als habe MICHAEL CRICHTON vor dem Verfassen seines Romans sorgfältig recherchiert.
Innerhalb seiner Story zeigt MICHAEL CRICHTON mehrere Mißstände auf. So leuchtet beispielsweise zwar ein, dass Konstruktionspläne der Konkurrenz nicht zugänglich sein sollen, eine zentrale Verwaltung derartiger Unterlagen bei einer Flugsicherheitsbehörde scheint mir aber sehr wünschenswert. In den Ausführungen des Autoren scheitert diese aufgrund eines Bundesgesetzes, die eine Geheimhaltung der Unterlagen bei Aufbewahrung in einer Behörde unmöglich macht.
Der geschilderte Umstand, dass ausländische Fluggesellschaften nicht gezwungen werden können, technische Änderungen auf Weisung des Flugzeugherstellers, so wichtig sie für die Sicherheit auch sein mögen, durchzuführen, scheint mir aus rechtlicher Sicht nachvollziehbar stützt aber nicht unbedingt mein Vertrauen in die Flugsicherheit. Die Problematik gefälschter Ersatzteile ist aus anderen Bereichen (beispielsweise liest man entsprechendes gelegentlich in der Motorpresse) hinlänglich bekannt und angesichts eines steigenden Konkurrenzkampfs und damit verbundenem Kostendruck scheinen mir die entsprechenden Schilderungen in AIRFRAME erschreckend real.
Als guter Amerikaner, der MICHAEL CRICHTON zu sein scheint, arbeitete er in seine Geschichte auch einen kleinen Seitenhieb auf die Europäer ein. So schildert er, wie europäische Luftfahrtbehörden Zulassungsverfahren für amerikanische Flugzeuge erschweren, um eigenen Flugzeugen aus dem Hause Airbus Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
Als etwas erschreckend empfand ich die Darstellungen, die sich auf die Gewerkschafter beziehen und in denen der Autor eine Vorgehensweise schildert, in der auch vor körperlicher Gewalt nicht zurückgeschreckt wird und auch ein weiterer Nebenaspekt der Geschichte, die internen Machtkämpfe der Führrungsriege bei Norton, schienen mir hoch interessant, auch wenn hier die Glaubwürdigkeit meines Erachtens ein klein wenig gelitten hat.
Kein gutes Haar läßt MICHAEL CRICHTON auch an der Presse, die in seinen Darstellungen gerne auch mal auf bedeutungslose Kleinigkeiten wie Zweifel oder Fakten verzichtet um eine möglichst reißerische Story drucken oder senden zu können. Betrachtet man die Berichterstattung in deutschen Massenblättern (Zeitung wage ich diese nicht zu nennen) wie BILD, EXPRESS und ähnliche, so ist das Geschilderte durchaus nicht völlig aus der Luft gegriffen und auch auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Im Roman empfinde ich die Vorgehensweise der Journalisten gegen ein einheimisches Unternehmen und großen Arbeitgeber nicht nur rücksichts-, sondern auch verantwortungslos. Aber wie hieß es schon in einer britischen Fernsehserie namens YES MINISTER: "Ich lasse die Erhabenheit meiner Gedanken doch nicht durch so etwas triviales beeinträchtigen wie Fakten."

Stilistisch kann MICHAEL CRICHTON in AIRFRAME nicht überraschen, was in diesem Falle für meinen Geschmack aber von Vorteil ist. Wie ich es von dem Autoren bisher bereits gewohnt war, bediente er auch in diesem Roman seines üblichen Stils kurzer Sätze und ebenfalls sehr kurzer Kapitel (diese werde überwiegend mit einer Angabe von Ort und Zeit (einschl. Tag) betitelt).
Mit einigen Schilderungen technischer Vorgänge, vorgeschriebener Verfahren und ähnlichem, könnte der ein oder andere hier diese Ausführungen als Dozieren empfinden, für mich tragen eben diese erklärenden Ausführungen viel zum Gesamtverständnis bei, so dass ich sie keinesfalls als störend, sondern gar als interessant empfinde.
Als etwas weniger geglückt empfand ich allerdings (wiedereinmal) die Darstellung einiger Charaktere. Insbesondere im Falle der unbestrittenen Hauptakteurin Casey Singleton, von der er gelegentliche Auszüge aus ihrem Privatleben schildert, dies aber in so geringem Umfang und derart inkonsequent, dass er sich diese Ausführungen auch hätte sparen können. Selbiges gilt auch für die weiteren Akteure, die teilweise verhältnismäßig blass bleiben.
Der Ausgang der Geschichte, also gewissermaßen die Auflösung des Rätsels um den Flug, schien mir sehr gelungen. Im Nachhinein betrachtet ist dieser eigentlich recht einfach, war für mich aber absolut überraschend (und ebenfalls nicht so ganz ausgeschlossen).

Auch in AIRFRAME schaffte es MICHAEL CRICHTON also meines Erachtens wiedereinmal, seine Geschichte in spannender, glaubwürdiger und absolut kurzweiligen Form und ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere Leser nach der Lektüre dieses Romans seine nächste Flugreise etwas verunsicherter antritt.


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LESEPROBE
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...
Vor dem Verwaltungsgebäude stieg Jennifer Malone, beunruhigter als sie zugeben wollte, in ihr Auto. Inzwischen schien es ihr unwahrscheinlich, dass die Firma ihren Präsidenten vor die Kamera schickte. Statt dessen beschlich sie das ungute Gefühl, dass sie Singleton zu ihrer Sprecherin machen würden.
Und das konnte den emotionalen Tenor ihrer Reportage ändern. Das Publikum wollte, dass bullige, arrogante Industriebosse ihr Fett abbekamen. Eine intelligente, ernsthafte, attraktive Frau machte sich da bei weitem nicht so gut. Waren die von Norton gerissen genug, um das zu wissen ?
Und natürlich würde Marty sie angreifen.
Das würde auch nicht gut aussehen.
Schon bei der Vorstellung der beiden zusammenlief es Jennifer kalt über den Rücken. Singleton war klug, sie wirkte einnehmend und offenherzig. Marty würde Mutterschaft und Apfelkuchen angreifen. Und man konnte Marty nicht zurückhalten. Er ging den Leuten immer an die Kehle.
Aber darüber hinaus beschlich Jennifer nun auch die Befürchtung, dass der ganze Beitrag auf schwachen Beinen stand. Barker hatte sehr überzeugend gewirkt, als sie ihn interviewte. Aber wenn das mit den ADs stimmte, dann war die Firma aus dem Schneider. Außerdem machte Jennifer sich Sorgen um Barkers Ruf.
Wenn die FAA etwas gegen ihn in der Hand hatte, dann war seine Glaubwürdigkeit beim Teufel. Und sie würden dumm dastehen, wenn sie ihm Sendezeit gewährten.
Und der Reporter, dieser Jack Wie-hiess-der-gleich, war eine Enttäuschung gewesen. Er machte sich nicht gut vor der Kamera, und sein Material war dürftig. Er hatte ihr keine echten Hinweise dafür geliefert, dass das Flugzeug schlecht war - doch genau das brauchte sie. Sie brauchte lebendige, überzeugende Bilder, die bewiesen, dass das Flugzeug eine Todesfalle war.
Doch die hatte sie nicht.
Bis jetzt hatte sie nur das CNN-Band, was bereits ein alter Hut war, und die Rotorgeschichte in Miami, die nicht sehr überzeugend war: Rauch, der aus einem Flügel quoll.
Nicht gerade ein Knüller.
Und das schlimmste war, wenn die Firma wirklich einen Zwischenbericht veröffentlichte, der Barker widersprach ...
...


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FAZIT
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Nachdem ich mit DIE GEDANKEN DES BÖSEN und TIMELINE zuletzt zwei Romane von MICHAEL CRICHTON gelesen hatte, die mir zwar durchaus sehr gut gefielen, die ich aber eher zu den Schwächeren Werken dieses Autoren zähle, konnte mich AIRFRAME wieder vollkommen überzeugen.
So spreche ich hier auch eine klare Empfehlung aus und verbinde diese mit dem Urteil SEHR GUT !


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
outsider777

outsider777

15.07.2005 17:16

Vielleicht ist ja dieses Buch was für mich. Von Themen wie "Das Relikt" bin ich nicht so angetan...

himmelssurfer

himmelssurfer

12.07.2005 23:31

Was, bitteschön, sind denn "slats"?

mima17

mima17

24.06.2005 14:51

Mich hat AIRFRAME auch überzeugt - wie dein Bericht:-)

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