Akai GX-67

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Akai GX-67

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Außen solide verarbeitet, innen etwas schwach

3  02.02.2006

Pro:
Qualität der Tonköpfe, äußere Verarbeitung, zahlreiche Funktionen, ordentliche Tonqualität, heutiger Marktpreis

Kontra:
mechanisch sehr schwach, Abspielen schwergängiger Kassetten kaum möglich, mechanische Funktionen recht laut

Empfehlenswert: Nein 

mg1970

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:243

Vertrauende:1

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 112 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Heute gibt es von mir mal wieder einen technischen Bericht, und zwar geht es um ein weiteres HiFi-Kassettendeck, welches ich in den 90er Jahren sehr häufig benutzt habe und das heute als Gebrauchtgerät immer noch sehr beliebt ist. Es handelt sich um das AKAI GX-67.


WARUM - UND WOZU - EIN GEBRAUCHTES HIFI-GERÄT?

Bei manchen Gerätetypen, vor allem bei den aussterbenden Gattungen wie Plattenspieler oder Kassettendecks, ist ein Gebrauchtgerät häufig mehr zu empfehlen als ein Neugerät. Die meisten Hersteller bieten solche Gerätetypen entweder erst gar nicht mehr an, oder aber sie haben noch wenige Modelle im Programm, die aber aus Kostengründen nur noch schlecht verarbeitet und ausgestattet sind - und die deutlich schlechter klingen als ihre bekannteren Vorgänger. So ist gerade in den letzten Jahren (auch dank eBay) der HiFi-Gebrauchtmarkt immer populärer geworden.


DAS KASSETTENDECK "AKAI GX-67"

Freunde hochwertiger Kassettendecks kennen vielleicht das Edeltapedeck AKAI GX-95 bzw. das etwas "kleinere" GX-75. Diese beiden waren für viele ein Traum von einem Tapedeck, hatten aber auch einen sehr hohen Preis (seinerzeit ab 1000,- DM oder heute 500 Euro). Wer Akai-Qualität haben, aber nicht ganz so viel Geld ausgeben wollte, hatte mit dem "kleineren Bruder" GX-67/69 ebenfalls eine gute Wahl, denn der "kleine Bruder" hatte fast alles, was der "Große" auch hatte.
Aber ob dieses Gerät nun wirklich so ein High-End-Teil ist oder nicht, das wird sich im Laufe des Berichtes zeigen. So ganz begeistert war ich von den Akai-Produkten leider nicht, zumindest nicht was langjährige Nutzung betrifft...

Das GX-67 wurde knapp zwei Jahre lang hergestellt, zwischen 1991 und 1993. Danach wurde es im Design leicht überarbeitet und bekam ab 1993 den Namen GX-69. Diese "Version" war etwa bis Mitte der 90er Jahre im Handel. Das GX-67/69 war das drittgrößte Modell der damaligen Modellreihe und kam direkt hinter dem legendären GX-75 II, welches ich auch viele Jahre lang besessen habe.

Ich selbst war Besitzer der "Erstversion", des GX-67. Gekauft hatte ich es im August 1992. Dieses war bei mir in den ersten 2½ Jahren Bestandteil meiner Hauptanlage. Zwischen 1995 und Anfang 2002 hatte ich dieses Deck in meiner Zweitanlage, aber weiterhin war dieses Gerät mehrere Stunden täglich in Betrieb. Nach knapp 10 Nutzungsjahren verkaufte ich dieses Gerät wegen Umstieg komplett auf CD-R.

Das Gerät war nur im damals üblichen Schwarz erhältlich. Es handelt sich um ein Einzel-Kassettendeck ohne Autoreverse - auf so einen Schnickschnack hat man bei so edlen Geräten natürlich verzichtet. Der Preis betrug damals übrigens 798,- DM, das sind umgerechnet knapp 400 Euro. Wenn man heute dieses Gerät gebraucht kaufen möchte (z.B. eBay), dann sollte man einen Preis von ca. 30 bis 50 Euro einplanen, je nach Zustand.

Übrigens liegt diesem Gerät auch eine Fernbedienung bei, welche sehr leicht, schlank und handlich ist und alle elektronisch gesteuerten Funktionen beinhaltet. Bedientasten dieser Funktionen befinden sich ebenfalls alle an der Gerätefront, so dass man auf Wunsch auch ohne Fernbedienung auskommen kann.


DIE VERARBEITUNG

Das Gerätegehäuse und auch die Frontplatte sind noch aus Metall, nicht aus Kunststoff, obwohl Anfang der 90er der Trend schon lange in Richtung Kunststoff ging. Lediglich die Regler und die Bedientasten sind schon aus Kunststoff.
Mit seinen 5,4 kg ist das Kassettendeck nicht gerade ein Leichtgewicht. Und mit den Abmessungen von 42,5/13,5/35,1 cm passt das Gerät in jede heute übliche Anlagenkombination.
Von außen macht das Gerät also einen soliden, wertigen Eindruck.


DIE STEUERUNG

Das GX-67 ist komplett computergesteuert, sprich die mechanischen Teile werden per Tipptasten in Gang gesetzt. Wenn man das nun mal mit dem 75er vergleicht, arbeitet das 67er hierbei wesentlich lauter, und es dauert auch um einiges länger, bis der Kopfschlitten die richtige Position erreicht hat. Hier ist der mechanische Aufbau also schon mal wesentlich vereinfacht als beim "großen" GX-75/95, das merkt man sofort, wenn man beide Geräte vergleicht (ich hatte beide Geräte einige Zeit lang sogar parallel in derselben Anlage).


KASSETTENFACH UND ANTRIEB

Das Kassettenfach lässt sich elektronisch per Knopfdruck öffnen und schließen. Außerdem besitzt das Kassettenfach einen speziellen Stabilisator für die Kassette, so dass diese stabil und ohne Vibrieren ihren Platz im Kassettenfach findet. Sie wird durch spezielle Noppen angedrückt. Da das Kassettenfach nur geringe Aussparungen hat, kann man die eingelegte Kassette nicht erkennen (bei noch älteren Kassettendecks war oft die Kassette sichtbar, so dass das Auge irgendwie "mithörte"). Jedoch sieht man weiterhin wenigstens das Sichtfenster der Kassette und somit auch das verbleibende Restband. Dieses Sichtfenster ist sogar dezent beleuchtet.

Zur Stabilität des Bandlaufes trägt die Doppel-Capstan-Technik bei, das Gerät hatte also zwei Andruckrollen und zwei Tonwellen anstatt von nur je einer. Bekannt ist dies ja auch schon vom "großen" GX-75/95.


ANZEIGEN

Die Anzeigen sind bereits volldigital, also komplett per blaue LED-Anzeige. Selbstverständlich sieht man die Aussteuerungsanzeige für Aufnahme und Wiedergabe in Form der beiden heute üblichen LED-Ketten. Für die Einmessung des Bandmaterials (dazu gleich noch) werden diese beiden LED-Ketten ebenfalls verwendet. In diesem Display befindet sich außerdem ein digitales Echtzeitzählwerk. Im Gegensatz zum 3 Jahre früher erschienenen GX-75/95 hat das GX-67/69 sogar schon eine digitale Restzeitanzeige, und zwar werden verbleibende Minuten und Sekunden angezeigt. Dies geschieht durch Lichtschranken, die sich im Kassettenfach befinden. Da die Kassette ein mechanisches, analoges Medium ist und die Bänder unterschiedlicher Typen und Hersteller auch unterschiedlich dick sein können, kann sich jeder sicherlich vorstellen, dass eine solche Restzeitanzeige nur sehr ungenau sein kann, im Gegensatz zur CD und anderen digitalen Medien.
Optische Anzeigen für die Betriebsart, die Bandsorte und Dolby-Einstellung fehlen im Display auch nicht.


DIE BEDIENUNGSELEMENTE UND FUNKTIONEN

Die Bedienungselemente befinden sich allesamt an der gebürsteten Aluminium-Gerätefront. Als erstes nenne ich die Tipptasten:
- Schneller Rücklauf
- Schneller Vorlauf
- Play/Start
- Stop
- Aufnahme/Aufnahmebereitschaft
- Mute (erzeugt ca. 4 Sekunden lange Leerstelle nach der Aufnahme)

Desweiteren verfügt das Gerät auch über einen Musiksuchlauf. Man kann während einer Wiedergabe (sofern die Aufnahme ausreichend lange Leerstellen zwischen den Songs hat) durch Drücken der Taste für schnellen Vorlauf direkt zum nächsten Lied springen - oder halt durch Drücken der Taste für schnellen Rücklauf zum Anfang des aktuellen Liedes. Doch davon nicht genug: Drückt man beispielsweise viermal auf "schneller Vorlauf", wird das vierte Lied nach der aktuellen Position angewählt. Einen solch komfortablen Suchlauf (Akai nannte das IPSS-Technologie) findet man längst nicht bei jedem besseren Kassettendeck. Bei den meisten anderen kann man nämlich nur das folgende Lied anwählen.

Als nächstes finden wir noch ein paar mechanische Drucktasten.
Hier wählt man z.B. das gewünschte Dolby-System (Rauschunterdrückung), entweder Dolby B oder C. Dolby S war damals noch nicht so weit verbreitet, jedoch vermisst man es an diesem Gerät auch nicht unbedingt, da es ohnehin gute Aufnahmen macht.
Anmerkung: die Betonung liegt auf "gut". Eine "sehr gute" Aufnahme- und Wiedergabequalität kann ich bei meinen Tapedecks nicht geben, denn das "gewisse Etwas" fehlt eigentlich immer im Vergleich zu LPs und CDs, vor allem in Sachen Dynamik und Höhen. Es gab nur ein Deck, das mich in Sachen Aufnahmequalität 100% zufrieden gestellt hat, und zwar das Yamaha K-560. Für die Wiedergabe gilt gleiches beim Yamaha KX-690 aufgrund dessen Höhenoptimierung "Play Trim". Somit bekamen in meinen Testberichten nur diese beiden Yamahas für die Aufnahme (560) bzw. Wiedergabe (690) ein "sehr gut", alles andere was mir in diesem Bereich bei den verschiedenen Decks recht positiv auffällt, bekommt "nur" ein "gut".

Dolby HX-Pro ist ein System, das die Dynamik während der Aufnahme speziell im Höhenbereich erweitert. Das war damals leider noch nicht selbstverständlich, aber bei den Kassettendecks der höheren Klassen konnte man das erwarten, somit verfügt natürlich auch das GX-67/69 über diese Funktion. Dolby HX-Pro wird übrigens automatisch aktiviert, sobald ein Aufnahmevorgang gestartet wird. Man kann es nicht ausschalten (wozu auch?).

Mit dem letzten hier beschriebenen Druckschalter lässt sich die manuelle Einmessungshilfe (Kalibrierung des Decks auf ein bestimmtes Bandmaterial, damit die Aufnahmequalität mit jedem verwendeten Band möglichst optimal wird) einschalten.
Ist diese aktiviert, startet man bei eingelegter Leerkassette die Aufnahme. Nun wird ein hochfrequenter Ton aufgezeichnet. Mit den beiden Drehreglern "Level Calibration" und "Bias Calibration" reguliert man die Einmessung so lange, bis beide Anzeigebalken konstant blau aufleuchten, ohne zu "zappeln" und ohne dass die roten LEDs aufleuchten. Natürlich müssen beide Balken gleich lang sein. Somit wäre die Kassette optimal eingemessen, so dass bestmögliche Aufnahmen möglich sind.
Sollte dieser Vorgang nicht funktionieren, dann sollte man die Kassette austauschen, denn die verwendete Kassette ist nicht geeignet für eine gute Aufnahme mit diesem Gerät.

Da ich gerade bei den Drehreglern bin: Neben den beiden bereits erwähnten findet man hier auch noch:
• den Balance-Regler für die Aufnahme (ist z.B. hilfreich, wenn man von einem zweiten Kassettendeck auf das GX-67 überspielen will, und das Quellmaterial hat einen zu hohen Lautstärkeunterschied zwischen dem linken und rechten Kanal)
• den Lautstärkeregler für den Kopfhörerausgang, der sich in Form einer 6,3mm-Klinkenbuchse an der Gerätefront befindet
• einen etwas größeren Regler für die Aufnahme-Aussteuerung.

Die Bandsortenwahl erfolgt wie bei den meisten Geräten in diesem Alter bereits vollautomatisch, darum braucht man sich nicht mehr zu kümmern. Geeignet ist das Gerät für Ferro- (Typ I), Chromdioxid- (Typ II) und Reineisenkassetten (Typ IV), das sind die drei in den 80er und 90er Jahren am meisten verbreiteten Bandsorten. Die älteren Ferrochrom-Kassetten, die sich nicht durchgesetzt haben, sollte man nicht mehr verwenden.


QUALITÄT DER AUFNAHMEN

Mit dem GX-67 sind im Prinzip gute bis sehr gute Aufnahmen möglich. Schließlich ist es relativ gut und schwer verarbeitet, verfügt über Dolby HX-Pro und über diese Einmesshilfe - also sollten das beste Voraussetzungen für gute Aufnahmen sein. Na ja, die Werte meines 10 Jahre älteren Yamaha K-560 erreichte das Akai nicht. Aber ich muss schon sagen, dass die Aufnahmequalität sogar im letzten Nutzungsjahr (also im 10. Jahr) noch ziemlich gut war, teilweise sogar dann, als ich 2000/01 eine größere Menge alter 70er-Jahre-Kassetten neu bespielte mit überwiegend aktueller Chart- oder Dancefloor-Musik (das waren übrigens die letzten von mir neu bespielten Kassetten, bevor ich ganz auf CD-R umstieg). Wenn ich da an das größere GX-75 denke, da waren nach 2 Jahren schon die Aufnahmen nicht mehr so gut wie am Anfang (selbst bei neuen Kassetten) und nach 6 Jahren schon sehr schlecht. Während mit anderen Decks bei diesem sehr alten Bandmaterial das Rauschen oft die Musik übertönte, konnte man aus diesen Schätzchen noch so einiges an Klang herauskratzen, dank der Einmessmöglichkeit. Wenngleich sich speziell alte Ferro-Bänder nicht 100% optimal einmessen lassen. Trotzdem waren bei mir die erzielten Ergebnisse recht passabel (wenn auch nicht gerade "High End"). Optimale Ergebnisse erzielte ich natürlich bei der Verwendung neuwertiger Kassettenbänder des Typs II und IV. Dazu zähle ich auch noch die hochwertigen TDK- und Maxell-Chromkassetten der 80er Jahre, welche lange Zeit meine Favoriten waren.

Wenn man solche guten Bänder verwendet, dann haben die Aufnahmen eine gute Klangqualität, auch wenn man während der Wiedergabe die Dolby-Betriebsart wählt, die man ebenfalls bei der Aufnahme verwendet hat (z.B. mit Dolby C aufgenommene Bänder werden auch problemlos mit Dolby C wiedergegeben). Bei zahlreichen anderen Kassettendecks kam es hierbei schon zu ersten Problemen.
Sind die Aufnahmen aber schon ein paar Jahre alt, dann funktioniert auch das nicht mehr so gut wie bei "frischen" Aufnahmen. Mit den Jahren können die Aufnahmen an Höhen verlieren. Das ist mir bei fast allen Kassettendecks aufgefallen, die ich jemals besessen habe. Hier ist es oft empfehlenswert, die Rauschunterdrückung bei der Wiedergabe einfach auszuschalten.

Übrigens kann man bei diesem Gerät auch während der Aufnahme zwischen Quelle und Bandwiedergabe umschalten. Da es nämlich ein Dreikopf-Gerät ist, kann man unmittelbar die Aufnahme direkt abhören und somit deren Qualität begutachten (Verstärker mit Tape-Monitor erforderlich, oder halt Kopfhörer direkt ans Tapedeck anschließen).


DIE TONKÖPFE

"Lebenslange Garantie", damit warb die Fa. Akai damals. Sie entwickelten die so genannten GX-Köpfe mit einer speziellen sehr dünnen Glasschicht, wodurch die Köpfe kaum nennenswertem Verschleiß ausgesetzt waren. Das kam mir mehr als gelegen, denn damals war die Kassette noch das von mir am meisten genutzte Medium. Auch nach 10 Jahren waren die Tonköpfe immer noch in einem guten Zustand.


QUALITÄT DER WIEDERGABE

Bei jedem Gerät, das nicht über eine Höhenoptimierung wie "Play Trim" verfügt, besteht die Problematik, dass alte und/oder fremdbespielte Kassetten schlecht klingen können. Auch bei diesem Gerät fiel mir das wiederholt auf. Gerade Ferro-Kassetten oder überhaupt ältere und/oder fremdbespielte Kassetten sollte man (wie eben schon erwähnt) nur mit abgeschaltetem Dolby abspielen, um das berühmte "Pumpen" und dumpfen Klang zu vermeiden. Bei niedriger bis Zimmerlautstärke war die Qualität fremdbespielter Bänder akzeptabel, mehr als "befriedigend" kann ich aber für die Wiedergabe solcher Bänder nicht geben. Jedoch muss ich dazu sagen, dass ich den Klang sehr kritisch bewerte und wesentlich "pingeliger" bin als diejenigen, die ihre Musik z.B. mit einer Kompaktanlage hören. Deswegen gehe ich immer recht streng vor, wenn ich hier eine Tonqualität beurteile. Insgesamt gibt's für die Wiedergabe noch ein "gut minus".


LANGZEITERFAHRUNGEN

Wer meinen (alten) GX-75-Bericht schon kennt, erinnert sich vielleicht, dass ich mit den Kassettendecks dieser Generation schon nicht mehr so begeistert war. Hier bei diesem Gerät ist es leider nicht anders, nur sind die von mir festgestellten Mängel nun auf ganz anderer Seite.

Wie ich schon schrieb, war das Gerät im letzten Nutzungsjahr klanglich immer noch OK - im Gegensatz zum GX-75. Dafür war ich mit der Mechanik gar nicht zufrieden!

Insgesamt macht die Mechanik des GX-67 auf mich einen sehr schwachen Eindruck. Schon in den ersten Nutzungsjahren fiel es mir auf, dass das GX-67 bei schwergängigen Kassetten schon leicht "ins Schwitzen" kam. Am problematischsten waren von Anfang an sämtliche BASF-Kassetten, die nach 1980 hergestellt wurden (z.B. die CR-E II, CR-S II, LH-E I, chromdioxid II). Vor allem wenn zwei Drittel Band einer Kassettenseite abgespult waren, fing die Kassette auf einmal an, mechanisch sehr laut zu zirpen bzw. zu quietschen. Das wirkte sich auch negativ auf die Akustik aus. Diese Vibrationen waren auch ganz deutlich in den Lautsprechern zu hören. Außerdem leierte eine solche Kassette natürlich auch. In der zweiten Nutzungshälfte des Kassettendecks kann ich mal behaupten, dass 9 von 10 solcher BASF-Kassetten überhaupt nicht mehr abspielbar waren. Der Bandtransport setzte nämlich einfach aus! Drückt man danach wieder auf "Play", passiert nach nur wenigen Sekunden dasselbe wieder. Was nützt Dir Deine Musiksammlung, wenn Du sie nicht abspielen kannst?
Bei mir haben diese BASF-Kassetten aber insgesamt nicht gut abgeschnitten. In manchen anderen Geräten zirpten sie auch, vor allem in diversen Autoradios. Das GX-75 z.B. kam damit aber problemlos klar, gleiches gilt für sämtliche Yamaha-Decks, die ich kenne.
Die sehr schweren Maxell XL II-S (ab Baujahr 1986) machten auch Probleme, besonders beim schnellen Vor- und Zurückspulen. Die Wiedergabe war OK.
Schwierig waren auch einige Kassetten aus den 70er Jahren. Ich verwendete im letzten Nutzungsjahr noch eine Reihe von AGFA-Kassetten (Low Noise, Super-/Ferrocolor, Superferro, Stereochrom, Super HD) und einige BASF (chromdioxid, LH, LH super). Diese neigen sehr zum Leiern und zu Aussetzern des Bandtransportes, einige waren gar nicht abspielbar. Ausnahme waren sämtliche "BASF chromdioxid"-Bänder (die grau-schwarzen). Obwohl die orangefarbenen und roten "BASF LH (super)" denselben Gehäusetyp hatten, waren diese mechanisch wesentlich anfälliger.
Ab dem 8. Jahr musste ich wiederholt feststellen, dass das Gerät sehr gern mal Bänder zerknitterte, auch gute und leichtgängige Kassetten. Und es wurde immer anfälliger für Bandsalat, welcher häufig mit Reißen der Bänder verbunden war (im Kleben von Kassettenbändern wurde ich mittlerweile "Fachmann").

So kann ich insgesamt nur sagen, dass ich von der Mechanik nicht so begeistert bin. Zu schwach für schwergängige Kassetten war sie von Anfang an, und zu den Aussetzern, Bänderknittern und dem Bandsalat kann ich nur sagen, dass solche Teile wie Antriebsgummis oder Andruckrollen doch anscheinend schnell verschleißen, im Gegensatz zu den "ewig haltenden" Köpfen.

An alle, die mit dem Gedanken spielen, sich das Gerät (gebraucht) zu kaufen: hier sind mal meine unproblematischsten Kassetten: Maxell UDXL II bzw. Hitachi EX (1978-82), Maxell XL II und UD II (1983-87), XL II-S (1980-85), TDK SA/SA-X (1979-87), BASF chromdioxid (1975-80), Sony (alle) - und insgesamt liefen C60-Kassetten zuverlässiger als höhere Längen.
Schlecht sind: sämtliche BASF von 1981-90, sämtliche AGFA der 70er, BASF LH und LH super (1970-83), TDK SA-X (1988-90), teilweise auch Maxell XL II-S (ab 1986), sowie die industriell bespielten Originalkassetten der 70er und 80er Jahre.


Zum Schluss noch mal zusammenfassende TECHNISCHE DATEN

• Dreikopf-System mit AKAI Super GX-Tonköpfen einschließlich der LC-OFC Spulen
• Mikrocomputergesteuertes , voll-logisches Steuersystem
• Doppelcapstan-Antriebssystem mit geschlossenem Rahmen
• Stabilisierungseinheit mit Absorbierung der Vibration für die Kassette
• Direkter Leitungseingang und Leistungs-Auswurfsystem
• Kassetten-Kalibrierungssystem (manuell)
• Einstellungssystem (Regler) für Aufnahme-Vormagnetisierung
• Mithörsystem für Kassetten-Automatik (Dreikopftechnik)
• DOLBY HX PRO Hörraum-Erweiterung
• Rauschunterdrückungssystem (DOLBY NR, B und C)
• Spitzenpegel-Messer
• Realzeit-Bandzählwerk mit Anzeigesystem für verbleibende Zeit
• Speichersystem für 2 Zählwerk-Stellungen
• IPSS (Programm-Suchlaufsystem)
• Speichersystem für Stopp-Automatik/Wiedergabe-Automatik
• Mit CD synchronisierte Aufnahme-Funktion (in Verbindung mit AKAI CD-Player)
• Bandsorten-Wahlautomatik (Typ I, II, IV)
• Frequenzgang:Normal/CrO2: 15Hz bis 19kHz, Metall: 15Hz bis 21kHz
• MPX Filter
• Timersteuerung möglich (Betrieb über eine Zeitschaltuhr, z.B. für Rundfunkaufnahmen)


FAZIT / EIGENE MEINUNG

Insgesamt wirklich kein unbedingt schlechtes Kassettendeck und oft sicherlich eine gute Wahl. Man hat hier eine passable Verarbeitung (OK, die Mechanik könnte besser sein), sogar noch das inzwischen seltene Metallgehäuse. Auch die Aufnahmequalität ist ziemlich gut, und das ist auch nach Jahren der Benutzung oft noch der Fall. Gerade für "Vielhörer" ist das Gerät empfehlenswert, weil die Tonköpfe so verschleißsicher sind. Die Wiedergabe ist oft ausgezeichnet (vor allem bei Eigenaufnahmen mit diesem Deck), die Qualität fremdbespielter Kassetten dürfte zumindest auf einem akzeptablen Niveau liegen.

Wer sehr viele Kassetten besitzt, die ich unter "Schlecht" aufgezählt habe, sollte sich dieses Deck lieber nicht kaufen, denn sonst wird der Musikgenuss schnell zum Frust! Oder man muss sich von diesen Kassetten trennen und besser geeignete verwenden (zu beachten ist, dass das Angebot an neuen Leerkassetten heute auch nur noch sehr klein ist).

Von Vorteil ist es natürlich auch, wenn der Vorbesitzer irgendwann schon mal die Antriebsgummis und/oder Andruckrollen hat erneuern lassen.

Mit dieser Verarbeitung wird man heute wohl nur sehr schwer ein Neugerät finden. Das ist schon mal eine Tatsache. Aber in meiner Gesamtbewertung gibt es Punktabzüge! Punktabzug Nr. 1 gibt es einmal, weil es in Sachen Aufnahme-/Wiedergabequalität zwar gut, aber nicht perfekt ist (und da bewerte ich immer sehr streng), Punktabzug 2 wegen der schwachen und verschleißanfälligen Mechanik - das macht also insgesamt 3 Sterne. Im Prinzip ist das also noch eine ordentliche (befriedigende) Bewertung! Aber ich persönlich empfehle das Gerät aus heutiger Sicht nicht mehr weiter, auch wenn es nur noch ab 30 Euro kostet. Es gibt andere Modelle und Fabrikate auf dem Gebrauchtmarkt, die eine bessere "Zugkraft" auch bei problematischeren Kassetten haben und auch eine bessere Aufnahme- und/oder Wiedergabequalität bieten. Heute würde ich dieses Gerät also nicht mehr kaufen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
homegirl38

homegirl38

12.06.2006 16:28

Da haben wir es ja richtig gemacht. LG Katrin

Unison

Unison

02.06.2006 13:56

Exzellenter Erfahrungsbericht, der an Ausführlichkeit kaum zu übertreffen ist! Deswegen ein BH! PS: In kürze werde ich auch einen Erfahrungsbericht über einen Kassettenrecorder veröffentlichen!

Hybride

Hybride

12.02.2006 18:33

Wir "hängen" noch immer an unserer REVOX A77...;-) Liebe Grüße an Dich. Pille

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