Akira

Akira

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Der japanische Zeichentrickfilm "Akira" kann bedenkenlos als Anime-Klassiker bezeichnet werden und gehört mit Sicherheit zu den künstlerisch anspruchsvolleren Filmen dieses Genres. Auf den ersten Blick ein actiongeladener, gewalttätiger Endzeit-Film ist "Akira" alles andere als leichte Kost. *** ... Bericht lesen





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Der Anime-Klassiker und Kultfilm
Erfahrungsbericht von Hiimori über Akira
14.01.2002


Produktbewertung des Autors:   


Pro: genial, ungewöhnliches Farbschema, bis ins Detail durchdacht, gut gezeichnet, ein Klassiker !
Kontra: Handlung stellenweise schwierig zu verstehen, wenn man den Comic nicht kennt

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Der japanische Zeichentrickfilm "Akira" kann bedenkenlos als Anime-Klassiker bezeichnet werden und gehört mit Sicherheit zu den künstlerisch anspruchsvolleren Filmen dieses Genres. Auf den ersten Blick ein actiongeladener, gewalttätiger Endzeit-Film ist "Akira" alles andere als leichte Kost.


*** Vorgeschichte ****

Im Jahr 1982 erschienen in einem japanischen Magazin die ersten Folgen eines Comics (Manga) namens "Akira" von Otomo Katsuhiro. Daraus entwickelte sich eine apokalyptische, komplexe Comicserie über ein post-atomares Tokyo, wissenschaftlichen Größenwahn, Militär, Erlösertum, Anarchie und Diktatur, das seinesgleichen suchte. 1988 wurde Otomo gefragt, ob er nicht Lust hätte, einen "Akira"-Film zu machen. Die Serie jedoch war niemals als Film konzipiert gewesen und auch viel zu komplex, um in 90 oder vielleicht 100 Minuten umgesetzt zu werden. Otomo sträubte sich zu Beginn gegen diese Pläne, bekam aber völlige künstlerische Freiheit und ein für japanische Verhältnisse riesiges Budget zur Verfügung gestellt, so daß er schließlich Gefallen an der Idee fand. Da "Akira" nicht eine einzelne Hauptperson hat, sondern sich im Gegenteil um mehrere, gleichberechtigte Figuren dreht, und zudem inhaltlich viel zu umfangreich ist, entschied sich Otomo, für den Film ein völlig neues Drehbuch zu machen, das zwar die Grundidee und der Comicserie beibehält, jedoch die Handlung selbst sich doch deutlich vom Original unterscheidet. Das heißt nicht, daß der Film eine gekürzte "Light"-Version der Original-Serie wäre, ganz im Gegenteil hat Otomo mit dem Akira-Film ein eigenständiges, experimentelles Kunstwerk geschaffen, das zu einem Meilenstein in der Anime-Geschichte wurde.


*** Unterschied Comic - Film ****

Akira ist kein leicht verständlicher Film; ganz im Gegenteil muß man ihn vermutlich öfter anschauen, wenn man die zugrundeliegende Comic-Serie nicht kennt. Hat man den Original-Akira gelesen, verfügt man zwar über deutlich mehr Hintergrundwissen und kann die Charaktere besser einordnen, jedoch ist das sehr aufwendige und apokalyptische Ende des Films dadurch nicht unbedingt einfacher zu verstehen. Zum Teil wurden im Comic auftauchende Figuren im Film zusammengefaßt oder ihnen wurden völlig neue Rollen zugewiesen. Zudem beinhaltet der Film, um die Verwirrung komplett zu machen, relativ buchstabengetreu das erste Viertel der Comicserie und fügt diese über einen neugeschriebenen Mittelteil an das Ende der Serie. Drei Viertel der Comicserie fehlen und wurden durch Freiheiten des Drehbuches ersetzt. Ich betone, daß dieses keinen Akira-Fan abschrecken soll; ganz im Gegenteil ist der Film eine hervorragende Ergänzung zu der genialen Comicserie und erweckt das postapokalyptische Tokyo und die Charaktere so zum Leben, wie Otomo sie sich während des Zeichnens vorgestellt hat.


*** Handlung ****

Der Film "Akira" spielt im Jahr 2019 in Neo-Tokyo - 30 Jahre nach dem Ende des III. Weltkrieges. Tokyo ist ein unglaublicher Moloch aus gigantischen Häuserschluchten, heruntergekommenen Slums, in denen Motorradgangs marodieren, und glitzernden, hypermodernen Neon-Welten und Einkaufsmeilen. Es ist eine Zeit der Unruhe; Tokyo bereitet sich auf die olympischen Spiele vor und baut am ehemaligen Ausgangspunkt der atomaren Katastrophe, die im III. Weltkrieg die vollständige Zerstörung der Stadt zur Folge hatte, ein gigantisches Olympia-Stadium, das zum Zeitpunkt des Films jedoch noch eine Baustelle ist. Die Regierung ist zerstritten und das Militär steht kurz vor einem Putsch, welches es im Laufe des Films auch durchführt. Gleichzeitig zeichnet sich die Regierung durch ethisch fragwürdige Geheimexperimente an paranormal begabten Kindern aus, welche ebenfalls im Laufe des Filmes aufgedeckt werden. Studentenrevolten und Demonstrationen sorgen für aggressive Stimmung, während die Polizei mit extremer Gewalt gegen die Unruhen vorgeht. Endzeitkulte, die die baldige Rückkehr eines Erlösers namens "Akira" predigen, haben Hochkonjunktur und werden von der Polizei ebenso niedergeknüppelt.

--- Achtung, ich gehe sehr ins Detail; wer keinen Spoiler möchte, sollte im nächsten Kapitel weiterlesen! --------

Die zuerst auftauchenden Hauptpersonen des Filmes sind Jungen einer Motorradgang; obwohl sie alle erst um die 16 Jahre alt sind, marodieren sie in den Straßen und führen einen Krieg gegen eine rivalisierende Gang namens "Die Clowns". Kaneda, der Anführer der Gang, ist 16 Jahre alt und geht - wie seine Freunde - auf eine Schule für Schwererziehbare, die jedoch mehr einer autoritären Verwahranstalt mit körperlicher Züchtigung gleicht. Die Nächte verbringen die Jungen auf den Straßen, wo sie sich Kämpfe mit den Clowns und Wettfahrten mit ihren getunten futuristischen Motorrädern liefern. Der jüngste der Gang ist der etwas ruhigere Tetsuo Shima, der im gleichen Waisenhaus wie Kaneda aufgewachsen ist und von diesem unterdrückt und bevormundet wird. Dieses ist die Vorgeschichte des Films.

Zu Beginn des Films, nach einer Einleitung über den III. Weltkrieg, findet sich der Zuschauer mitten im Geschehen wieder. Eine heruntergekommene Kneipe, in der man Drogen und Aufputschmittel am Tresen ebenso selbstverständlich erhält wie Alkohol, ist der Treffpunkt der Gang. Kaneda steht neben einer Musikbox, als Yama, ein weiteres Mitglied seiner Gang, eintritt und davon berichtet, daß die Clowns in ihr Revier eingedrungen sind. Das lassen die Jungs sich nicht zweimal sagen; alle Mitglieder der Gang stürmen zu ihren Motorrädern, und liefern sich einen heißen Straßenkampf mit den Clowns.

Zeitgleich sieht man einen offensichtlich schwer verwundeten Mann, der einen kleinen Jungen hinter sich her zerrt und durch die Straßen von Tokyo, vorbei an Demonstrationen und Krawallen, taumelt, während er vom Militär verfolgt wird. Schließlich wird er vor den Augen einer gaffenden Menge von zahlreichen Gewehrkugeln durchsiebt und stirbt, während der Junge flieht.

Der Schnitt zurück zur Motorradgang zeigt Tetsuo, der immer das Gefühl hat, Kaneda etwas beweisen zu müssen. Während Tetsuo einen Clown verfolgt, taucht plötzlich aus dem Nichts mitten auf der Straße der kleine Junge auf, so daß Tetsuo eine Vollbremsung macht und mit dem Motorrad schwer verunglückt. Seine herbeieilenden Freunde können ihm nicht helfen; zumal plötzlich zahlreiche Militärhubschrauber auftauchen und sowohl den kleinen Jungen als auch Tetsuo mitnehmen, während Kaneda und seine Gang verhaftet und zwecks Disziplinarmaßnahmen in die Schule verfrachtet werden. Was mit ihrem Freund geschehen ist, warum das Militär ihn mitgenommen hat, wissen sie nicht.

Schon an dieser Stelle wird deutlich, daß in "Akira" nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Junge - im Scheinwerferlicht der Hubschrauber - hat das Gesicht eines Greises. Zudem verfügt er über paranormale Fähigkeiten, zum Beispiel kann er Scheiben zum Zerspringen und Gebäude zum Einsturz bringen. Sehr schnell wird deutlich, daß der Junge, der Takashi heißt, zu einem Dreigespann aus vergreisten Kindern gehört - der dicke Masaru, der in einer Art schwebendem Rollstuhl sitzt und telepathisch mit den anderen beiden Kindern kommuniziert, und ein Mädchen, Keyko, das so schwach ist, das es nur im Bett liegen kann. Und offensichtlich hat das Militär etwas mit diesen Greisen zu tun, die allesamt mit Nummern versehen sind.

Tetsuo wird in eine geheime Militäranlage gebracht, wo man ihn einer genauen Untersuchung unterzieht und sich dann entschließt, ihn aufgrund seiner psychischen Werte in ein Experiment-Programm aufzunehmen. Hier wird das Geheimnis der Kinder gelüftet: Das Militär und die Regierung fördern seit Jahren psychokinetische Fähigkeiten in Kindern, jedoch scheint dieses Programm teilweise außer Kontrolle geraten zu sein. Die drei letzten verbliebenen Kinder - die Greise - leben nun in einem abgeschirmten Komplex, umgeben von riesigen Spielzeugwelten, und Tetsuo soll nun ein neues Experiment werden. Während seine geistigen Kräfte hervorgelockt werden, wird er gleichzeitig unter Drogen gesetzt, die ihm helfen, die Kräfte zu kontrollieren. Ohne die Drogen hätte er keine Kontrolle mehr über seine eigenen Kräfte und könnte unter Umständen die ganze Stadt vernichten.

Bald stellt sich heraus, daß Tetsuos Kräfte noch viel größer sind, als die Wissenschaftler je geglaubt hatten und daß niemand ihn unter Kontrolle halten kann. Als Tetsuo sich dieser Macht bewußt wird, wird er von Größenwahn gepackt und beschließt, daß es nun an der Zeit ist, daß er allen zeigt, wo es lang geht. Die jahrelange Unterdrückung durch Kaneda schlägt um in Zerstörungswut. Tetsuo leidet zudem unter Visionen, in denen von "Akira" die Rede ist und er findet heraus, daß Akira ein Junge im Projekt war, der so stark war, daß seine Macht die Zerstörung Tokyos zur Folge hatte und daß Akira nun tief unter dem Olympia-Stadium versiegelt liegt. Tetsuo wird besessen von dem Gedanken, Akira zu erwecken und mit ihm zusammen die Welt zu beherrschen.

Gleichzeitig spielt sich eine zweite Handlung ab, in der Kaneda auf ein Mädchen namens Kei trifft, die einer studentischen Terroristengruppe angehört. Nach einigem Hin und Her schließt sich Kaneda einem Attentat auf ein Regierungsgebäude an, in dem er zu seinem großen Erstaunen einem allmächtigen Tetsuo und einer gewaltigen Zerstörungsorgie gegenübersteht. Die drei greisen Kinder sind die einzigen, die Tetsuo davon abhälten können, Akira zu erwecken und so benutzen sie Kei telepathisch als Werkzeug, um Tetsuo zu verfolgen und zu stellen. Auch Kaneda beschließt, zum Olympia-Stadium zu fahren und sich dort Tetsuo persönlich "vorzunehmen". Auch das Militär, das im Laufe des Films einen Regierungsputsch durchgeführt hat, sieht die Gefahr, die von Akira ausgeht und versucht, Tetsuo mittels einer gigantischen Strahlenkanone im Weltall zu eliminieren. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber daß dieses alles zu einer fulminanten und optisch erschlagenden, teilweise sogar surrealen Entscheidungsschlacht eskaliert, kann sich mit Sicherheit jeder denken.

Mehr möchte ich an dieser Stelle zur Handlung nicht sagen, nur, daß ich nur einen Bruchteil der 124-minütigen Geschichte erzählt habe. Es passiert natürlich noch viel mehr, zahlreiche Handlungsstränge um andere Personen ergänzen den Film und helfen dabei, die apokalyptische und düstere Stimmung des Films und die unglaubliche Größe der Megalopolis Neo-Tokyo zu veranschaulichen. Der Film ist ein optisch unglaublich opulentes Filmerlebnis und die Handlung ist so komplex und gut erzählt, daß man ihn einfach gesehen haben muß.


*** Der Film ****

Akira gibt es in mehreren Versionen; einmal in einer deutsch synchronisierten Fassung, in der jedoch unverständlicherweise vier Minuten fehlen, dann in einer - vollständigen - englisch synchronisierten Fassung bei Manga Video und in der japanischen Originalfassung im Breitbandformat mit englischen Untertiteln, ebenfalls von Manga Video. Ich empfehle die englische Version; die japanische Version ist zwar aus Gründen, die ich im folgenden Abschnitt erklären werde, die "authentischste", jedoch sind die englischen Untertitel sehr sparsam gehalten und geben nicht den vollständigen Dialog wieder, so daß ich japanisch-unkundigen Mitbürgern nicht unbedingt zu dieser Version raten kann.
Am allerbesten kommt Akira immer noch im Kino, wer diesen einmal zufällig im Programm seines örtlichen Programmkinos entdeckt, sollte die Gelegenheit nicht versäumen, da der Film ursprünglich für die Kinoleinwand ausgelegt war.


*** Optik *****

Otomo Katsuhiro hatte vollständige zeitliche, finanzielle und künsterliche Freiheit und war selbst Regisseur und Drehbuchautor. Deswegen konnte er einige experimentelle Visionen in die Realität umsetzen, von denen er - als Comiczeichner - schon immer geträumt hatte. Ich habe vor einiger Zeit ein etwa halbstündiges Interview mit ihm gesehen, wo er von der Entstehung des Films berichtet.

Im Jahr 1988, als Akira entstand, war die Computertechnik im Zeichentricksektor noch kein Thema, d.h. Akira entstand in reiner Handarbeit. Zu diesem Zweck wurden von über 70 Zeichnern mehr als 150.000 einzelne Zeichnungen angefertigt - und das 24 Stunden am Tag. Otomo selbst beteiligte sich an dieser Arbeit, er zeichnete alleine das komplette Storyboard, die Konzepte, schrieb das Drehbuch und machte das komplette Layout selbst, so daß diese Vorbereitungszeit schon ungewöhnlich viel Zeit in Anspruch nahm. Als Filmmaterial wählte man 77 mm-Film, was größer als das übliche Anime-Filmformat ist.

Tokyo ist im Film eine unglaubliche, gigantische Riesenstadt und allein um diese Größe zu zeigen, wurden über 1000 individuelle Gebäude und Hochhäuser gezeichnet, bei denen stets Millionen von Fenstern erleuchtet sind. Da der Film überwiegend bei Nacht spielt, bot diese Tatsache dem Team Raum für weitere Experimente. Normalerweise gibt es nicht so viele Nachtszenen in einem durchschnittlichen japanischen Zeichentrickfilm und wenn es welche gibt, sind diesen feste Farbschemata (blau) zugeordnet. In Akira wählte man ein unorthodoxes Farbschema. Zum ersten Mal in der Geschichte des Animationsfilmes wurden überwiegend Grün- und Orangetöne für Nachtszenen verwendet, was einen ganz besonderen Effekt hat, den man gesehen haben muß. Dem normalen Betrachter fällt nicht auf, was "anders" ist, er fühlt nur, daß etwas anders ist als in anderen Animes. Wenn man über das verwendete Farbschema Bescheid weiß, sieht man den Film mit ganz anderen Augen. Neben der Verwendung des Grün-Orange-Schemas verwendete man in Akira zudem insgesamt 327 unterschiedliche Farben, und das ist deutlich mehr als in jedem anderen Anime. Darunter sind Farben, die man normalerweise niemals in einem japanischen Anime sieht. Die Tatsache, daß der Film fast nur bei Nacht spielt, erhöht diesen seltsamen Effekt.

Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet; im Gegensatz zu vielen japanischen Billig- und Fließbandproduktionen wurde vom Perfektionisten Otomo Wert auf jede einzelne der 150.000 Zeichnungen gelegt. Nicht nur, daß man jede Animationsphase der Figuren perfekt zeichnete, man zeichnete sie sogar dort weiter, wo die Figuren teilweise von Vordergrund verdeckt sind, damit die Bewegungen immer realistisch bleiben. Auch die Darstellung der Personen ist für Animes untypisch. So gibt es in Akira keine großen Augen und große Münder, sondern die Gesichter sind - für japanische Verhältnisse - beinahe "normal" proportioniert und zeigen ebenfalls einen ungewöhnlichen Stil.

Grafisch ist "Akira" mit Sicherheit einer der besten, durchdachtesten und ausgearbeitetsten Animes.


*** Dialog ****

Ein weiteres interessantes Feature, das jedoch nur bei der japanischen Originalversion Bedeutung bekommt, ist die Tatsache, daß für den Film die Dialoge vorher aufgezeichnet wurden ("prerecording"). Das heißt, man stellte die Sprecher in das Tonstudio, bevor der Film überhaupt gezeichnet war, und ließ sie - wie in einem Hörspiel - ihren Text so sprechen, wie sie es für richtig hielten und dem Charakter dadurch eigene Persönlichkeit verleihen. Anschließend wurde in einem aufwendigen Verfahren der Film lippensynchron zum Dialog gezeichnet. Auch die Gefühlsregungen und Gestiken der Figuren wurden an den gesprochenen Dialog angepaßt, so daß es unglaublich ist, wie lebendig die Figuren dadurch wirken - ein deutlicher Unterschied zum üblichen Nachsynchronisieren. Das Verfahren des "Prerecording" ist extrem kostspielig und wird in Japan so gut wie nie gemacht. Der einzige, der dieses Verfahren normalerweise anwendet, sind die Disney-Studios in Amerika. Allein aus diesem Grund lohnt es sich, sich einmal das japanische Original anzuschauen. Die synchronisierten Versionen verlieren dagegen etwas an Ausdruckskraft. Otomo bestand auf dieses Verfahren, da er der Meinung ist, daß der Dialog allein darüber entscheiden kann, ob ein Film gut ist oder nicht.


*** Sound ****

Auch beim Sound ging man experimentelle Wege: Zum ersten Mal in der Geschichte des japanischen Animationsfilms kam das sogenannte Synclavier zum Einsatz, ein Instrument, mit dem es möglich ist, nahezu jeden Sound zu erzeugen. Die Geräuschspur ist in diesem Film enorm wichtig, da - wie man sich bei der Handlung unschwer vorstellen kann - eine Menge Krach gemacht wird ;-)


*** Musik ****

Über den Akira-Soundtrack habe ich bereits einen eigenen ciao-Artikel geschrieben. Er ist für mich ein absolutes Highlight, auch wenn er im Film eher sparsam eingesetzt wird. Otomo engagierte die japanische Künstlergruppe Geinoh Yamashirogumi für dieses Projekt und ließt ihnen ohne Deadlines und ohne Budgetgrenzen völlig freie Hand. Sie sollten ihre eigene Musik kreieren, die sie für passend zur Geschichte hielten. Nach 6 Monaten Arbeit legte die Gruppe einen Soundtrack vor, der sich von modernen japanischen Klängen bis hin zu buddhistischen und shintoistischen archaischen Ritualgesängen erstreckt. (written by Hiimori@ciao) Über Lesungen zu meinem dazugehörigen Artikel freue ich mich immer :-)


*** Fazit *****

"Akira" ist nicht irgendein Anime - es ist ein absoluter Klassiker und ein Highlight dieses Genres. Auch wenn die sehr gewalttätige und komplexe Handlung mit Sicherheit nicht jedem zusagt, so ist der Film allein aus künstlerischer Sicht ein absolutes Muß. Der Perfektionist Otomo hat hier jedes Detail bis hin zum maßstabgetreuen Punkt in der Ferne als Bürolicht eines einsamen Hochhauses überwacht, die Arbeit wird nie nachlässig, keine Szene ist dahingeschludert und jede Zeichnung ist so akkurat, so detailliert und so perfekt wie die vorherige. Akira ist eines der grafisch hochwertigsten und durchdachtesten Animes überhaupt und unterscheidet sich deutlich und in jeder Szene von den oftmals preisgünstigeren japanischen Fließband-Animes.

Besonders positiv macht sich dabei bemerkbar, daß Otomo den Beteiligten experimentellen Freiraum ließ, so daß die Verwendung der unorthodoxen und sogar widersinnigen Farbschemen Grün/Orange für Nachtaufnahmen, die komplett gegen jede japanische Anime-Regel verstoßen, dem Film etwas ganz Besonderes geben.

Die Story ist unglaublich komplex und voller Wendungen, dabei stets finster, apokalyptisch und bösartig. Dazu kommt das lippensynchrone Agieren der Hauptpersonen, die ein Eigenleben zu führen scheinen. Selbst einer der japanischen Synchronsprecher sagte in einem Interview, daß er erstaunt war, als er den Film zum ersten Mal sah: "Da war dieser Kaneda und es kam mir vor, als sei dort ein eigenständiger Mensch, der eigenständig handelte und dabei mit meiner Stimme sprach". Dieses zeit- und kostenintensive Aufnahmeverfahren hat sich definitiv gelohnt und macht Akira ebenfalls zu einem herausragenden Anime, da meines Wissens nach dieses Verfahren in keinem anderen japanischen Zeichentrickfilm angewendet wurde. Die Musik rundet das Gesamtbild ab.

"Akira" ist für mich ein zeitloser Anime-Klassiker, der sich deutlich von der Masse abhebt und auch wenn er mittlerweile 14 Jahre alt ist, hat er überhaupt nichts von seiner Faszination eingebüßt. Sicher könnte man mittlerweile mit der entsprechenden Computertechnik das ein oder andere anders machen, aber allein die Tatsache, daß alles per Hand gezeichnet wurde und das bis ins winzigste, teilweise gar nicht sichtbare (!) Detail, ist absolut beeindruckend.

Ich weiß nicht, wie oft ich Akira mittlerweile gesehen habe, aber ich weiß, daß ich ihn mir immer wieder mal anschauen werde, und das, ohne daß er auch nur eine Sekunde langweilig wird. Dieser Film ist Kult und ein Klassiker und auch wenn man mit Animes ansonsten nicht viel anfangen kann, sollte man zumindest Akira einmal gesehen haben.


   
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