Dieser Erfahrungsbericht wurde von 14 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
“Christmas Carol” ist eine äußerst zwiespältige Folge. Einer packenden Atmosphäre steht eine Geschichte gegenüber, die das Publikum mit etlichen unbeantworteten Fragen im Regen stehen lässt. Es ist bedauerlich, dass die Geschichte nicht geschlossener gestaltet werden konnte. Hier wurde aus einer erstklassigen Idee durch dramaturgische Schlampigkeit eine bestenfalls zweitklassige Episode gemacht. Auch das Fehlen Mulders macht sich deutlich bemerkbar. Wieder einmal fordern die Dreharbeiten zum Kinofilm ihren Tribut. Wir sehen ihn nur einmal, als Scully ihn anruft, nur um gleich wieder aufzulegen. Diese kurze Szene bleibt uns vor allem wegen Mulders bizarrer Kopfbedeckung (eine Strumpf, eine Skimütze?) in Erinnerung. Trotz dieser Mängel gibt es auch (wie immer!!!) positive Aspekte in dieser Episode: Regisseur Markle ist es gelungen, eine extrem beklemmende Atmosphäre aufzubauen, und Gillian zeigt einmal mehr, was für eine talentierte Schauspielerin sie ist. Ihr nuanciertes Spiel rettet die Folge über einige weniger gelungene Wendungen hinweg und trägt entscheidend dazu bei, dass der Mensch Dana Scully weiter Konturen annimmt.Vor allem ihr Umgang mit den bizarren Enthüllungen dieses Weihnachtsfestes ist bewundernswert: Da wird sie zuerst von ihrer totgeglaubten Schwester angerufen, dann entdeckt sie, dass Melissa möglicherweise ein Kind hatte. Und am Schluss muss sie auch noch erfahren, dass das Kind ihr eigenes ist. Na dann - fröhliche Weihnachten!!
Wenn “Christmas Carol” bereits einen ambivalenten Eindruck hinterließ, so tendiert “Emily” eindeutig in eine negative Richtung. “Christmas Carol” stellte Fragen, die “Emily” hätte beantworten sollen. Leider ist dieser Anspruch nicht erfüllt worden. Zwar kann die Folge die packende Atmosphäre des Vorläufers aufgreifen, dafür läuft die erzählerische Logik vollends aus dem Ruder. Um nur einige der Widersprüche zu nennen: Wer hat Scully angerufen? War es Melissas Geist, oder lebt sie doch noch? Außerdem ist Detective Kresge wohl ein Hellseher. Wie sonst hätte er die Adresse des Altenheims erfahren können, in dem Dr. Calderon praktiziert? Dass er dort exakt in dem Moment auftaucht, als die Situation brenzlig wird, macht diesen Zufall nur noch unglaubwürdiger. Am Ende sind natürlich - wie schon so oft - alle Beweise verschwunden. Die Formwandler sind unauffindbar, die Insassen des Altenheims haben sich in Luft aufgelöst, sogar Emily liegt nicht mehr in ihrem Sarg. Aber das macht ja nichts, unsere Helden gehen einfach wieder zur Tagesordnung über...
Aber trotz dieser Unstimmigkeiten werde ich für immer ein Fan von Akte X bleiben...
23.12.2001 22:17
super bericht!!
01.11.2000 22:07
Klasse! Selten so eine kritische Meinung zu Akte X gelesen. Man merkt, Du kennst Dich aus. Gruß Axel