Auch nach x Folgen noch unterhaltsam
23.09.2005
Pro:
auch die siebte Staffel von "Akte X" ist noch sehr unterhaltsam, mal mehr . . .
Kontra:
. . . mal minder (wie das eben so ist bei Fortsetzungen)
Empfehlenswert:
Ja
 Gemeinwesen
Über sich:
"Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück" (Gottfried Benn) ciao-Merksatz 2006: "...
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Ich gehöre zu den Leuten, die erst sehr spät aktenkundig geworden sind. Als Agentin Dana Scully und Agent Fox Mulder ihre Fälle im deutschen Free TV zu lösen begannen, hieß das Free TV meines Wissens noch nicht einmal Free TV, und ich persönlich hatte herzlich wenig von den gelegentlichen Unterhaltungsblöcken des industriefinanzierten Werbefernsehens. Wenig Kenntnis, da keine eigene Anschauung: meine Vermieterinnen weigerten sich damals schon, die hoffnungslos veraltete Hausantenne gegen einen Kabelanschluss oder eine Satellitenschüssel einzutauschen.
Die "Alte X" war für mich also zunächst und für lange Zeit eine Akte mit sieben Siegeln. Irgendwann habe ich mir dann aber, aus einer spontanen Laune heraus, eine VHS-Kassette zugelegt und war auf Anhieb recht angetan. Später, nach Kauf einer eigenen Satellitenschüssel, habe ich mir dann die eine oder andere Folge im Fernsehen angesehen, und irgendwann habe ich dann auch begriffen, dass es sich bei den fraglichen Folgen nicht etwa um Wiederholungen handelte, sondern um von den Fans der Serie (den "X Philes" - das nenne ich eine klasse Bezeichnung!) innigst herbeigesehnte Fortsetzungen. Ungefähr zu dem Zeitpunkt muss mir dann auch gedämmert sein, dass es neben inhaltlich in sich abgeschlossenen kleinen Geschichtchen auch Folgen gibt, die irgendeine Rahmenhandlung weiterspinnen. Peu à peu habe ich dann begriffen, dass es da um Außerirdische geht, die kleine Schwestern entführen oder auch nicht. Das scheint ja überhaupt eine der grundsätzlichen Akte-X-Weisheiten zu sein: Nichts ist so, wie es scheint. Oder um's mit Tucholsky zu sagen: Das Leben ist gar nicht so - es ist in Wirklichkeit ganz anders. Nicht umsonst erinnern die Hauptfiguren der Serie "Akte X" deshalb auch an die russischen Matrioschka-Puppen (es fällt mir nicht leicht, aber ich versage mir an dieser Stelle den Kalauer über hölzern wirkende Akteure, der sich aufdrängt, denn der wäre nicht fair).
Nüchtern betrachtet, ist das Erfolgsrezept von "Akte X" keineswegs neu: "Mystery"-Serien hat's auch vor "Akte X" schon gegeben - sie hießen eben nur noch nicht "Mystery"-Serien. Die bekannteste dieser Serien war ein Dauerbrenner im US-amerikanischen Fernsehen und hieß "The Twilight Zone". Regisseur und "Akte X"-Erfinder Chris Carter hat das Erfolgsrezept von "Twilight Zone"-Erfinder Rod Serling einfach um eine Rahmenhandlung erweitert - und um Identifikationsfiguren, denen der Zuschauer in (fast) jeder Folge wieder begegnet. Allen voran sind das natürlich die Hauptpersonen Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny). Beide sind ihres Zeichens Angestellte der staatlichen Ermittlungsbehörde FBI, beide sind im Besonderen mit den Ermittlungen von Fällen betraut, die beim Bureau in den so genannten "X Akten" landen. In denen befinden sich, der Name deutet es an, rätselhafte Fälle, die der Klärung harren. Im Gegensatz zu den Fällen in Ede Zimmermanns "Aktenzeichen xy" handelt es sich bei den X-Fällen um welche, in denen es um Dinge zwischen Himmel und Erde geht, die der Schulweisheit keinen Platz haben. In vielen Fällen darf man diese Verortung übrigens ganz wörtlich nehmen, denn oft genug geht's in der "Akte X" um unidentifizierte Flugobjekte und andere UFO-affine Themen.
Agent Mulder zeigt sich jeglicher Art von Spökenkiekerei gegenüber gemeinhin recht aufgeschlossen und hat sein Büro nicht ohne Grund mit einem Credo geschmückt, das sich bei Fans der Serie rasch großer Beliebtheit erfreute: "I want to believe" steht auf dem Poster, auf dem schemenhaft eine fliegende Untertasse zu erkennen ist. Agentin Scully hingegen ist zwar katholisch, ansonsten aber ziemlich ungläubig und steht Mulders Überzeugungen meist äußerst skeptisch gegenüber: "Mulder, das ergibt keinen Sinn" ist für mich so etwas wie der Kehrreim der Serie (ein großer Dank gebührt dem Übersetzer, der den Ausdruck "to make sense" dutzend-, wenn nicht gar hundertfach, beharrlich und unerschütterlich stets richtig ins Deutsche übertragen hat). Ebenfalls keinen Sinn ergäbe es meines Erachtens, an dieser Stelle auf inhaltliche Einzelheiten der siebten Staffel einzugehen. Möge es genügen zu sagen, dass die meisten Episoden des siebten Abschnitts "X-Akte" inhaltlich in sich abgeschlossen sind und der großen Verschwörungsgeschichte der Rahmenhandlung vergleichsweise wenig Raum gegönnt wird. In meinen Augen ist das freilich kein Manko, sondern ein Plus. Da spricht aus mir ganz der Serienmuffel, der Endlos-Garnen meist wenig abgewinnen kann. Und das Garn, das die "X-Akte" spinnt, ist, um im Bild zu bleiben, reichlich verworren - so verworren, dass ich mich immer wieder dabei ertappt habe, dass ich, wann immer es in einer Episode mal wieder um die thematischen Dauerbrenner der Serie ging, dabei ertappt habe, dass ich mich einfach der nett-eigentümlichen Atmosphäre der Serie überlassen habe, als mir über den eigentlichen Plot Gedanken zu machen.
Was ich an der "Akte X" vor allem mochte und mag, sind die kleinen Kabbeleien zwischen den Hauptfiguren. Die Serie lebt nicht zuletzt von den Frotzeleien zwischen Scully und Mulder - und natürlich davon, dass die beiden sich offensichtlich zueinander hingezogen fühlen, dass aber natürlich nie mehr sein darf, weil's ja sonst Essig wäre mit allem erotischen Knistern, allen verstohlenen Blicken und versteckten Andeutungen. Obwohl - ein bisschen mehr darf jetzt, in Staffel 7, dann schon sein. Am Ende einer Folge dürfen Agent und Agentin sich endlich küssen - das Drehbuch löst die Sache ganz geschickt, indem es die beiden den letzten Abend des letzten Jahrtausends (nein, eigentlich stimmt das nicht, aber die Sache mit dem 31.Dezember 2000 ignorieren wir jetzt einfach mal, ok?) in trauter Zweisamkeit verbringen lässt - noch unverfänglicher sind nur Küsse unterm Mistelzweig.
Das Hauptgewicht der 22 Folgen (neuerdings im Platz sparenden Böxli verpackt, das im Regal nicht mehr Platz beansprucht als eine VHS-Kassette) liegt aber natürlich nicht auf der Himmelsmacht Liebe, sondern auf anderen Mysterien; und für Staffel 7 gilt das, was schon für die sechs Vorläufer galt: Nicht alle Episoden unterhalten gleich gut (leider gerät gerade der zweiteilige Auftakt besonders schwach), aber zwischendurch gibt's immer mal wieder ein Highlight, das fürs Durchhalten belohnt. Von solchen Highlights gibt's für meine Begriffe auf den sechs DVDs der Edition sogar erstaunlich viele: Die Episoden "X Cops" und "Hollywood A.D." (Regie: David Duchovny) gehören fraglos zu den besten unter den Episoden, in denen man sich selbst gehörig auf die Schippe nimmt. Und wenn auch nicht alle Episoden das hohe Niveau solcher Vorzeige-Folgen halten können, schneiden doch selbst die schwächeren Folge noch immer gut ab im Vergleich mit anderen Serien. R e s ü m e e
Ich habe mich zwar lange Zeit nicht als ausgesprochenen Fan der Serie betrachtet, aber im Laufe der Zeit ist trotzdem immer mal wieder ein Schuber mit "X Akte"-Episoden in meinem Regal gelandet (um genau zu sein: immer dann, wenn die Sache preislich attraktiv genug wurde - mehr als 50 Euro sind mir die Boxen mit 6 bzw. 7 DVDs nie wert gewesen; die knapp 36 Euro, die derzeit für Staffel 7 fällig sind, habe ich gern bezahlt): drei, vier Folgen "Akte X" ohne Werbeunterbrechung und im englischsprachigen Original bieten mir genau die Art von TV-Unterhaltung, die ich an dämmrigen Sonntagnachmittagen im Herbst besonders schätze. Earl Grey Tee in die Tasse, Printenmann auf die Sofalehne, DVD in den Player - und einschalten zum Abschalten.
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27.09.2005 13:13
Ich muss eingestehen, ich bin bisher noch gar nicht "aktenkundig", obwohl ich immer mal reinschnuppern wollte.
27.09.2005 11:53
Ich finde ja, mit Akte X ist das wie mit Star Trek: Am besten sind wirklich die Episoden, in denen sich die Serien nicht ernst nehmen und richtig schön selbst verarschen. Und inzwischen kann man sich die X-Akten ohne den hölzernen Duchovny gar nicht mehr vorstellen. Das dolle Poster hing übrigens auch lange Zeit im Zimmer des planmännchens...
26.09.2005 08:38
"X Philes"---sehr gelungen. Und damit Du nicht ärgerst, weil es nicht von Dir ist: "aktenkundig" war auch schon der erste Lacher. Ich gebe zu, daß ich das Zeugs auch gerne gucke, vorzugsweise allerdings die Folgen, wo es nicht um Entführungen durch Außerirdische geht.