Initiative gegen Rechts

4  06.04.2001

Pro:
guter Spannungsaufbau, eindeutige Botschaft

Kontra:
etwas einfache Optik

Empfehlenswert: Ja 

GillBates

Über sich:

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 121 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Leider muß ich davon ausgehen, daß mein jüngster Kategorievorschlag von ciao.com nicht angenommen wurde. Zum einen verständlich, um die ohnehin schon überwältigende Vielfalt in Grenzen zu halten zum anderen unverständlich, daß der User mehr oder weniger im "Dunkeln" gelassen wird.
In Anbetracht der Aktualität und der Dringlichkeit des Themas bin ich jedoch der Meinung , daß dieser Beitrag in einem liberalen Meinungsforum durchaus seine Berechtigung findet und im weitesten Sinne sogar in diese Kategorie paßt.
Doch weg vom lamento, hin zum Thema:

Bei den meisten Werbespots, insbesondere im deutschen Fernsehen, durchlebe ich meist drei Phasen: gesehen - genervt - vergessen !
Ganz anders bei einem unlängst für "Initiative gegen Rechts" ausgestrahltem spot, der mich persönlich richtig ergriffen und selbst am folgenden Tag noch beschäftigt hat:


Eine "typisch" deutsche Familie sitzt beim Abendessen in einer großzügigen Küche zu Tisch: Vater, Mutter und zwei Kinder - ordentlich gekleidet, wohlhabend eingerichtet - eben die klassische Durchschnittsfamilie.

Im nächsten Moment sieht man die Mutter den Tisch verlassen und zur Küchenanrichte gehen.
Szenenwechsel: Das Küchenboard nun links in voller Länge zu sehen; im Vordergrund leicht züngelnde Flammen aus der Mikrowelle (o.ä. Gerät), im Hintergrund die Mutter, eine Schublade öffnend, die Flammen nicht wahrnehmend.
Als nächstes ein Griff zum Kühlschrank, auch hier lodernde Flammen, die nicht wahrgenommen werden und hinterher selbst durch die geschlossene Tür schlagen.

Alles erfolgt in verlangsamter Bildfolge (keine echte Zeitlupe) und die computergenerierten Flammen wirken eher schemenhaft als wirklich real, dabei aber keinesfalls weniger bedrohlich.
Spätestens hier ist den Machern schon ein ordentlicher Spannungsaufbau gelungen. Noch hätte so gut wie jedes Produkt beworben werden können (feurige Chips, erfrischendes Getränk, Rauchmelder oder weiß der Teufel was) und was bei mir in punkto Werbung wirklich selten vorkommt: ich war richtig neugierig!

Als aber im nächsten Szenenwechsel auf dem Tisch das gesamte Butterfaß lichterloh brennt - der Vater schiebt es noch gleichgültig beiseite - und nach und nach immer mehr Möbelstücke Feuer fangen (Teppich, Lampe, Wand etc.), weiß der Zuschauer sofort; hier geht es um etwas anderes.
Die Spannung gipfelt nun in einem letzten Schwenk unter den Tisch, wo die Schuhe der Kinder und die Kleidung der Mutter langsam von den Flammen ergriffen werden.

Ein schwarzer Bildschirm folgt, auf dem wenig später die sinngemäße Schriftfolge: "Rechte Gewalt wird zum Flächenbrand" und "Initiative gegen Rechts" eingeblendet wird. (Sorry, der genaue Wortlaut ist mir nicht mehr parat)


Fazit:
Sicherlich keine perfekte optische Umsetzung aber ein absolut gelungener Werbespot, falls man ihn überhaupt noch als solchen bezeichnen kann.

Und vor dem aktuellen Hintergrund - die rechtsextremen Delikte sollen laut ARD um 60%!!!, die rechtsextremen Straftaten um 30%!!! zugenommen haben - mehr als notwendig.

Eindeutiger kann eine "Werbe"-Botschaft meiner Meinung nach nicht sein:
Rechtsextremismus betrifft uns ALLE und Gleichgültigkeit führt zur ausufernden Katastrophe. Wie heißt es so schön: wehret den Anfängen oder das dargestellte Szenario könnte bald bittere Realität werden: deutsche Wohnstuben in Flammen!!!
(wobei Rechtsextremismus in der heutigen Zeit sicherlich kein allein deutsches Phänomen mehr ist)


P.S.
Ich persönlich war zum Glück noch nie in einer Situation, bei der meine Zivilcourage auf die Probe gestellt worden wäre (Köln und das Rheinland sind eine noch?!? sehr liberale Gegend).
Aber eines steht fest: dieses Thema DARF NICHT auf die leichte Schulter genommen und ignorriert werden - schlimm genug, daß es "unsere" Politiker viel zu lange taten oder tun.
Andernfalls wird Deutschland schneller als uns allen recht ist wieder sehr alleine dastehen.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Schmolz

Schmolz

10.12.2005 13:47

hi GillBates, deinen Bericht finde ich einfach Spitze. Deine Bedenken ob die Plattform die richtige ist sind unberündet, denn nicht nur gegen Gewalt, sondern auch auch das Gedankengut aus der rechten Ecke, kann man nicht oft genug, und zu jeder Gelegenheit, aufmerksam machen. Glückauf Ralf

negertiv

negertiv

25.04.2001 17:16

Hi Gill! Ich kenne den Werbespot schon sehr lange und finde, dass eindringliche Plakate, Spots und Aktionen den noch relativ kleinen rechtsradikalen Kern zu isolieren. Selbst in der Stadt Arnsberg, in dem unser Bürgermeister sich energisch gegen die Abschiebemethoden wehrt und in der ich auch wohne, haben viele junge Leute hinter vorgehaltener Hand eine fremdenfeindlich Meinung, wie ich es sehr oft erlebt habe. Man muss noch sehr viel aufklären, da tragen genehmigte NPD-Aufmärsche und Hakenkreuzschmierereien nicht umbedingt zu einer Distanzierung von den Neonazis bei. Man muss sozusagen an den Mann gehen und ich glaube, dass dies keine Regierung schafft und schaffen wird, dazu gibt es in der Politik zu viele Formdiskussionen und sonstige unnütze Laberei. Dieses Weggucken von den Realitäten hat auch Hitler bis zum bitteren Ende an der Macht gehalten, weil die Leute weggeschaut haben und mitgelaufen sind. Wir müssen die Chance, den Fremdenhass im Keim zu ersticken, sofort ergreifen, koste es, was es wolle. In diesem Sinne, matthäus

Baumeister

Baumeister

24.04.2001 23:36

Erst dachte ich auch.. die rechten SPINNER verschwinden wieder, keine Konzepte, keine Persönlichkeiten .... und ich hatte recht. Womit ich aber überhaupt nicht gerechnet hatte, waren diese SPINNER, die glatzköpfig und bomberbejackt durch die Gegend rennen, Bier trinken und nee saufen und gegen irgendwen gewalttätig werden ... von der IG metall habe ich ein Plakat gesehen ... eine ältere Frau liegt vor Skins auf dem Boden, offensichtlich sind die SCHWEINEBACKEN der Grund dafür... drunter steht: "jeden von uns kann es treffen" ...

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