Action made in Germany - das ist Cobra 11

5  09.10.2009

Pro:
Neue Maßstäbe im Action - Segment

Kontra:
Schade um die schönen Autos

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Kultstatus:

Action:

Spannung

Spaß

Romantik:

Dialoge:

mehr


BonzoSplitt

Über sich:

Mitglied seit:20.08.2009

Erfahrungsberichte:93

Vertrauende:1

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 62 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

EIN NEUER MYTHOS WIRD EINGELEITET

Wir schreiben das Jahr 1996. Das Sprichwort "echte, deutsche Wertarbeit" mochte auf alles zutreffen. Aber nicht auf deutsche Fernsehproduktionen. Action und Spannung waren zwei Dinge, die fast ausschließlich den Amerikanern vorbehalten waren. Ohne jetzt das deutsche Fernsehen beleidigen zu wollen, aber die haben einfach nicht zustande gekriegt, das irgendwie einer amerikanischen Produktion auch nur annähernd das Wasser hätte reichen können. Das aber sollte sich nun ändern...

MIT VORANKÜNDIGUNG

Wochen vor dem Bundesstart der neuen Serie, die "neue Maßstäbe im deutschen Fernsehen in Sachen Action setzen wird" (O-Ton damals) ist viel Werbung gemacht worden für "Alarm für Cobra 11". Die Eckdaten damals lauteten:
- spielt sich in Köln ab.
- zeigt das Leben einer Wache der Autobahnpolizei
- meist unbekannte neue Gesichter, ab und zu bekannte Schauspieler als Gaststars
- neue Maßstäbe in Sachen Action
In der Presse sind erste Szenenbilder gezeigt worden, Vorschauen beherrschten wochenlang als Programmfüller die Werbeblöcke und Reklameunterbrechungen. Bereits hier wurde klar: das scheint toll zu werden! Da kommt was wirklich Gutes! Und man begann, sich einen Termin und einen Sendeplatz vorzumerken: Donnerstagabend, 20.15 Uhr auf RTL.

DIE "ANKERSZENE"

Für mich eine Szene, die wahrlich neue Maßstäbe gesetzt hat. Oft schon in Trailern gezeigt, war es jetzt in der 1. Folge soweit: endlich sah man die Szene "ganz". Da fuhr ein Polizeibeamter im Streifenwagen über die Autobahn - Kommissar Bodmer. Er saß allein drin, hatte etwa 180 km/h drauf. Während er mit diesem Tempo über die linke Spur heizte, warfen Unbekannte einen Anker von einer Autobahnbrücke, der am Brückengeländer befestigt war. Dabei war das Seil so bemessen, daß der Anker nicht ganz aujf den Boden fiel, sondern etwa einen halben Meter darüber in der Luft hängenblieb. Der Streifenwagen raste nahezu ungebremst in das plötzliche Hindernis und wurde dabei regelrecht zerrissen. Man sah die Szene in verschiedenen Kameraeinstellungen, aus unterschiedlichen Blickwinkeln und in verschiedenen Geschwindigkeiten wie Zeitlupe, Echtzeit und Zeitraffer. Eine wahrlich unvergessliche Szene - für den Zuschauer und auch Kommissar Bodmer, denn der hat den Anschlag überlebt...
Daß da in Folge 2 "nur" der Spülkasten einer Autobahn-WC-Raststätte in die Luft flog, war fast schon eine Beleidigung...

ACTION TOTAL

Es werden wirklich nirgends mehr Autos geschrottet als bei "Cobra 11". Massenkarambolagen gehören an die Tagesordnung und auch Einzelcrashes. Pro Folge gehen durchschnittlich 35 Kraftfahrzeuge zu Bruch.
Zuletzt hat es sogar einen Aufruf von RTL gegeben, Zuschauer können für ihre Altautos eine "Umweltprämie" von 2.500 € bekommen, wenn sie diese der Serie zum "Abwracken" überlassen. Vorteile wie damals der Sender sie nannte: die Abwrackprämie wird unabhängig von den staatlich geforderten Bedingungen gezahlt und die Besitzer können ihren fahrbaren Untersatz sogar im Fernsehen bewundern...
Und die Action von "Cobra 11" hat tatsächlich Geschichte geschrieben:
-Ein Bagger, dessen Führerhaus von einem Kranwagen-Greifer samt Inhalt (sprich: Polizisten) abgerissen wird - in voller Fahrt.
-"Duchschläge" durch Wohnwägen, Silowagen und Treibstofftransportern.
-"Einparken" von der Seite in einen haltenden Linienbus.
Explosionen am laufenden Band und auf die unterschiedlichsten Arten diversester Ursachen.
-Duelle zwischen Autos und Hubschraubern, Lastwägen und Flugzeugen, Zweirädern und Militärfahrzeugen.
-Schießereien am laufenden Band...

ALTE UND NEUE KOMMISSARE

Begonnen hat es in der ersten Folge mit zwei Autobahnpolizisten. Einem hitzigen Jungspund und einem souveränen Alten. Der Alte kam in der 1. Folge um. Zurück blieb der Hitzkopf, Er sollte einen neuen Partner kriegen. Was er ablehnte: "Ich brauche keinen neuen Partner!"
In Folge 2 kam dann ein kleiner durchwachsener Jüngling an, türkischer Herkunft, der sich gleich mit einem kleinen Hund vor der Wache anfreundete. Der neue Partner... Während der ganzen 2. Folge hatten der "Alte" und der "Neue" Gelegenheit, sich zusammenzuraufen. Was dann ja auch klappte. Dieser in der 2. Folge eingestiegene "neue Partner" war Erdogan Atalay, im Film heißt er "Semir Gerkhan". Und er ist der Einzige, der heute noch dabei ist - heute, 13 Jahre später!
Gerkhan's Partner haben oft gewechselt. Da war mal Johannes Brandrup. Als er nach ein paar Staffeln ausgestiegen ist, folgte Mark Keller. Er hielt länger durch. Dann kamen wieder neue Darsteller. Auch Gedeon Burgkart war mal dabei, derzeit ist Tom Beck der Kommissar-Kollege von Ardogan Atalay.

ALLER GUTEN DINGE SIND DREI - 3 CHEFINNEN

Die erste Chefin der Autobahnpolizei war eine ältere Dame namens Almiut Eggert. Sie war zum Staffelende ohne weiterer Ankündigung ausgestiegen. Ab da wurde sie ersetzt von Charlotte Schwab. Sie war bis 2008 dabei, jetzt haben sie auf der Wache wieder eine neue Chefin: Frau Krüger.
Wobei ich sagen muß: Charlotte Schwab war die Rolle maßgeschneidert. Sie wirkte glaubwürdig und immer ihre Angst um die Schäden am Dienstwagen - einfach göttlich! Aber auch die "Neue" zeigt, daß sie Haare auf den Zähnen hat und eine verbissene Kämpferin ist. Alleiner weil sie noch recht jung ist - teils jünger als die Leute, die sie befehligt, läßt sie manchmal leicht unglaubwürdig wirken. Ihr nimmt man die Rolle der Chefin oft einfach nicht ab.

FEHLER SIND MENSCHLICH - VOR DER KAMERA

Ganz besonders hervorzuheben und der Serie das Prädikat "besonders wertvoll" auszusprechen ist die Idee der Filmemacher, menschliche Schwächen aufzuzeigen. Da werden nicht nur unfehlbare Superleute gezeigt, da geraten die Ermittler schon auch mal selbst unter Verdacht mit allen Konsequenzen wie Suspendierung bishin zur U-Haft. Aber am Ende geht alles immer wieder gut aus und hat ein Happy-End.
Gerade das Aufzeigen dieser menschlichen Schwächen macht die Serie emotional. Der Zuschauer leidet beim Schicksal mit - und freut sich bei den guten Ausgängen. Unvergesslich bleibt mir dabei die Szene mit einer älteren Dame und deren Hund: ein Auto war in die Schlucht gestürzt, davor stand die Besitzerin, die geschockt nachblickte. Ihr Hund war noch drin. Daneben stand der Kommissar. Als Zuschauer konnte man auch vermuten, der Hund hat das nicht überlebt - bis er aus der Jacke des Kommissars schlüpfte - der hatte ihn noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht... Wie sich die Dame darüber freute und dem Beamten in Dankbarkeit um den Hals fiel - schon sehr emotional.

FEHLER SIND MENSCHLICH - HINTER DER KAMERA

Leider fallen mir bei "Cobra 11" öfters Logikfehler auf. Da geht in einer Szene die Heckscheibe zu Bruch - in der nächsten ist sie wieder ganz.
Zuerst wird ein Rücklicht zerschossen - dann ist es wieder heil.
Beim Abflug knallt eine Radkappe davon - dann ist sie wieder dran, als das Auto aufschlägt.
Ein Kennzeichen hängt schräg runter, weil nur noch eine Schraube dran ist - dann ist das Nummernschild wieder gerade.
Oder in einer 20-Sekunden-Szene schneit es, dann scheint die Sonne, dann schneit es wieder - im steten Wechsel...
Ich finde es zwar schade, daß den Filmemachern solche Patzer unterlaufen, aber ich kann damit leben. Ich bin sogar stolz drauf, weil sie mir auffallen! Wenn ich einen entdeckt habe, zeige ich die Szene Freunden und Bekannten (auf Video) und frage: "Fällt Dir dabei was auf?" Nie fällt denen was auf. Nenne ich dann die Ungereimtheit, gibt es Zustimmung: "Ja! Das stimmt! Das wär' mir nicht aufgefallen, aber das stimmt!" Das erfüllt mich dann schon mit Stolz, aber es ist wohl mein frührer uniformierter Beruf, der meine Sinne geschärft hat. Ich höre eben ein bißchen genauer zu, sehe einwenig konzentrierter hin und kann Zusammenhänge logischer erfassen - und dadurch eben Ungereimtheiten sinngeschärfter lokalisieren.

LUSTIG IST DAS "BULLENLEBEN"...

Ziemlich von Anfang an dabei: der baumlange Glatzkopf Kommissar Bonrath und dessen dickleibiger vollbärtiger Kollege Kommissar Herzberger. Irgendwie erinnern die Beiden an "Dick und Doof" oder auch an "Pat und Patachon". Zwar stehen sie in gefährlichen Einsätzen stets ihren Mann, aber sie stellen sich dabei oftmals schon arg ungeschickt an. Das bringt sie dann natürlich auch immer wieder in entsprechende Bedrängnis. Wenn sie dann gefesselt auf einer Plattform sitzen, die sie langsam in ein Säurebad abtauchen will, oder wenn sie annehmen müssen, in der Schrottpresse hat ihr letztes Stündlein geschlagen, woran einzig ihre Schusseligkeit schuld ist, fangen sie schon mal zu betan an und beichten sich gegenseitig ihre Verfehlungen...
Bei der Gelegenheit möchte ich noch zwei lustige Szenen besonders erwähnen: einmal fuhren Bonrath und Herzberger in einem Uralt-Opel über unwegsames Gelände, was zur Folge hatte, daß die Hinterachse davonflog und das Auto ohne sie über den Boden weiterrutschte - bis es ein Hummer-Jeep seitlich rammte und das Heck komplett wegriß - dann rutschte das Vorderteil noch allein weiter...
ein andermal bauten Bonrath und Herzberger einen Unfall, fuhren in einen Transportwagen mit Gasflaschen. Der flog in die Luft, eine Gasflasche fiel vom Himmel und durchschlug Semir's Motorhaube. Dort blieb sie stecken, explodierte und rauchte schwarz wie ein Kamin, wo der Filter ausgefallen ist...
Ja, es gibt immer wieder viel zu lachen bei "Cobra 11".

AUCH POLIZISTEN HABEN PRIVATLEBEN

"Cobra 11" hat sich in gewisser Weise zu einer richtigen Familienserie gemausert. Nicht nur für treue Zuschauer, die sich auf ein Wiedersehen und jede neue Staffel freuen, auch für die Darsteller. Die einen stiegen aus aus persönlichen Gründen, die anderen kamen aus selbigen dazu. So hat z. B. Semir Gerkhan die ehemalige Polizeisekretärin geheiratet. Seit diese ein Kind hat, wurde sie von einer anderen Kollegin ("Petra") ersetzt, inzwischen ist "Andrea" zum 2. Mal schwanger.

WIE SOLL ES WEITERGEHEN?

Die Serie läuft jetzt im 13. Jahr. Und ich kann nur hoffen, daß sie das auch in weiteren 13 Jahren noch immer tut. Die Chancen dazu stehen ganz gut, denn das Produktionsteam hat vor ein paar Jahren am Drehort eine eigene Autobahn bauen lassen. Das hatte den Vorteil, daß für die Dreharbeiten nicht immer bestehende Autobahnen gesperrt werden mußten. Die haben jetzt sozusagen ihren eigenen Privatgrund, wo sie ungestört ihre Stunts ausführen können, ohne auf äußere Einflüsse Rücksicht nehmen zu müssen. Und ich glaube nicht, daß eine eigene "Autobahn" gebaut wird, wenn man vorhat, die Serie in nächster Zeit einstellen zu wollen. RTL ist vom Erfolg überzeugt und wir Zuschauer geben diesem Erfolg recht. Ihm ist auch dieser Bericht gewidmet.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
MoonSeaDancer

MoonSeaDancer

27.02.2010 01:23

Tolle Serie. Auch wenn sie bissel gelitten hat, die letzten Jahre. Gut geschrieben.

Andr

Andr

08.12.2009 00:38

Einer meiner Ex-Kollege türkischer Herkunft nannte diese Serie "Die Dönerpolizei":-) Klasse und unterhaltsam berichtet, Bonzo. Wie immer! Gruß. Andr

greantea

greantea

17.11.2009 01:23

wirklich erstklassig beschrieben Wertung folgt noch . Ich sehe Cobra 11 seit der ersten Folge alles hat begonnen mit einem Polizei Ford der von einem Schiffsanker aufgerissen wurde und durch die Luft geschleudert wurde . In den ersten Folgen wurden oft alte Autos geschrottet . Heute oft Brandneue BMW 3er oder Mercedes C oder A Klassen weil das oft Versuchswagen mit vielen Kilometern sind . Ich finde den Bericht von dir BH

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  1. Andr
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  2. meerline77
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