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***AM 27.11.03 UM 23UHR IN DER ARD ZU BEWUNDERN!*** Dieser Bericht ist geistiges Eigentum von mary-p und wurde auch bei der Konkurrenz veröffentlicht. Gehabet euch wohl und erquicket euch! Hätte ja nicht gedacht, dass ich so schnell wieder eine Filmkritik schreiben würde, aber manchmal ... Bericht lesen





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Es war einmal ein Klischee...
Erfahrungsbericht von mary-p über Alaska.de
03.05.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Es WAR einmal ein Klischee .  .  .
Kontra: -

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

***AM 27.11.03 UM 23UHR IN DER ARD ZU BEWUNDERN!***

Dieser Bericht ist geistiges Eigentum von mary-p und wurde auch bei der Konkurrenz veröffentlicht.

Gehabet euch wohl und erquicket euch!
Hätte ja nicht gedacht, dass ich so schnell wieder eine Filmkritik schreiben würde, aber manchmal entwickeln sich die Dinge anders als man denkt und dann war da dieser Film, der sich wie eine Stichsäge oder eine ähnliche Apparatur einfach so ins Gehirn fräste! Und genaugenommen war ich ja noch nicht mal im Kino, sondern habe eine Runde Erlebnis Home-Kino gemacht!
Der Debütfilm der Regisseurin Esther Gronenborn, der sich wie die Internetaddresse eines schnee- und polariorienten Biologiestudenten („Da gibt es auch Eisbären!“) anhört, sollte an und für sich um 23 Uhr auf der ARD kommen und 85 Minuten, also bis 0.25 Uhr dauern. Ich als schlafbedürftige Schülerin hab natürlich leicht kritisch die Augenbrauen hochgezogen, aber meine Neugierde ging vor. Kann ein deutscher Film, der über Jugendliche ist, wirklich gut sein? Betonung auf „kann“! Also überredete ich mich selber mit dem Erfolg, dass ich 1.33 Uhr ins Bett kam, denn im Laufe des Tages wurde der Film um sage und schreibe 65 Minuten verschoben wg Sondersendung über die Moskauer Geiselnahme (das versteh ich ja noch! Informationspflicht etc.) und ein Beckmann Special mit Boris Becker. Möchte noch jemand wissen, wie mein Gemüt momentan auf Boris reagiert?
Ok, langer Schrift kurzer Sinn! Um 0.05 Uhr gings dann endlich los. Die erste Einstellung ist nicht sehr eindeutig, im Vordergrund eine von diesen silbernen Wedeln, die immer in den Eisbechern stecken. Ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter beginnt, das, wie wir bei späterem Wegzoomen erfahren, im Auto stattfindet. Man erfährt, dass die Tochter, die 16-jährige Sabine (Jana Pallaske, hat auch in „Engel und Joe“ mitgespielt), zu ihrem getrennt lebenden Vater fahren will, weil ihre Mutter und deren neuer Freund ihr auf den Keks gehen. Allerdings möchte man sich ja ungern von Mutti bis direkt vor die Haustür kutschieren lassen und darum steigt sie auf die Bahn um.
In der nächsten Szene wird uns ein weiterer Protagonist des Film vorgestellt, Eddie (Frank Droese), der gerade ein Fensterputzpraktikum macht und fröhlich vor sich hinberlinert, was zu Anfangs ein paar Kommunikationsprobleme in sich birgt. Aber wir als erfahrene „Der Hauptmann von Köpenick“-Leser fühlen uns natürlich sofort nostalgisch an die gute alte Zeit in der 8. Klasse erinnert und kommen mit einem schiefen Grinsen damit zurecht.
Dann lernen wir noch Micha (Toni Blume) kennen, ein netter Junge von dem Schlag, von dem so viele Jugendliche heutzutage zu sein scheinen (Psychopsycho!). Er kommt nämlich gerade aus dem Jugendknast und bekommt noch mal klargemacht, dass er jetzt 18 ist und seine kriminelle Energie etwas zurückfahren sollte, weil er sonst in den „echten“ Knast kommen würde.
Dieses nette Schauspieldreieck wäre wie geschaffen dafür, eine typischbescheuertklischeebeladene Dreiecksgeschichte zu spinnen, aber ich muss euch leider enttäuschen, oh ihr Verehrer der leichten Kost! Sabine und Eddie lernen sich kennen, als sie ihn nach dem Weg fragt und er ihr den Stadtplan abnimmt, um ihn auseinanderzuwurschteln und dann zu sagen, dass sie ja selber gucken kann, sie hätte ja selber einen Plan. Sie ist natürlich leicht angesäuert und weil Eddie ja noch nen Funken Anstand im Leib hat, bringt er sie halt mal nach Hause.
Das ist der Beginn einer hochromantischen Liebesgeschichte... „Das ist es, sagte er und zeigte auf das Haus. Danke, meinte sie schüchtern und küsste ihn schnell auf die Backe, dann schloss sie die Augen und ihre Münder trafen sich...“ Ok, träumt weiter! Nichts dergleichen! Im Verlaufe des Films kommen die beiden sich zwar etwas näher, aber nicht so typisch, mag heißen, die beiden sind oft zusammen, quatschen auch jede Menge, knutschen auch mal, aber nie ist etwas von beschwingter Verliebtheit zu spüren. Es scheint da gewisse Hemmschwellen zu geben, die beide nicht überschreiten, was in meinen Augen durchaus real ist. Dieses klischeehafte Totalverknallen ist ne ziemliche Erfindung von Jugendbuchautoren, na gut, das Verknallen vielleicht nicht, aber dann diese „auf wolke 7“-Theorie ist leider nicht mehr so gesellschaftsfähig.
Welches Klischee möchtet ihr jetzt gerne haben? Wie wär’s, wenn er/sie sie/ihn mit einer/m anderen sieht, Streit, leichte Depression und dann die fulminante Liebeserklärung am Schluss? Lüpfen wir unsere Mundwinkel für ein verächtliches Grinsen!
Micha, Eddie und Stefan, der leider doch etwas klischeehaft geraten ist (der ruhige Dicke, der sich gerne mal vor Angst in die Hosen macht), sollen für ihre Clique, deren Lieblingsbeschäftigung das Zeitverchillen auf Hochhausdächern ist, Kippen holen. „Kippen holen“ bedeutet, wir treten so lange gegen den Kasten, bis er sie von alleine rausspuckt. Auf einmal kommt ein netter Junge vorbei und daraus entwickelt sich eine Rangelei, bei der der nette Junge ein Messer zieht und auf Micha los geht. Durch mysteriöse Umstände (für alle Leute mit schwachen Nerven, die die Spannung nicht aushalten würden: Dem netten Jungen fällt das Messer runter und da besinnt er sich auf die gute alte Handarbeit!) gelangt das magische Messer (übertrieben) in Eddies Hände und als er sieht, wie es immer enger für Micha wird, nimmt er einfach mal ganz vorsichtig ne Stichprobe bei dem netten Jungen, was Micha zwar rettet, aber eine Art Schock bei Eddie auslöst, als er merkt, dass der Typ tot ist und so rennt er davon. Micha denkt da schon etwas rationaler und macht sich auf das Messer zu beseitigen.
Nur in dem Moment, als er blutverschmiert mit dem Messer davoneilt, kommt Sabine ihm entgegen, die das natürlich alles sieht, dann halt auch die Leiche und vor lauter Schreck dort ihr Biologiebuch verliert.
Eine schwere Zeit für sie beginnt. Erst wird sie von Eddie durch die Blume über den Fall ausgequetscht, als sie mal freiwillig davon erzählt, was ihrer Freundschaft aber erstmal keinen Abbruch tut, aber Micha hat da so seine Befürchtungen und beginnt das arme Mädchen zu erpressen und das nicht gerade mit viel Zärtlichkeit...

War der Anfang noch etwas komisch, da die Szene im Auto leicht gestellt wirkte, verflüchtigte sich dies im Laufe des Films, der durchweg authentisch wirkt und Klischees mehr als meidet. Positiv fällt einem sofort auf, dass die Art des Schauspiel anders gehalten ist, als man es teilweise gewöhnt ist, lockerer, kantiger, man meint, die Sprechsituationen aus dem Alltag zu kennen, die Sätze könnten aus dem eigenen Mund stammen ätc.
Auch die Schauspieler spielen überzeugend und das, obwohl der Augenschein hauptsächlich darauf und auf das Seelenleben gelegt ist, so ist die Handlung, die sich durch den Film zieht, doch eigentlich recht simpel, aber die Konflikte, die die Personen erleben, werden prima dargestellt und perfekt von der Kameraführung unterstrichen.
Hatte die Anfangseinstellung mit dem Eiswedel noch einen normalen Touch, ändert sich das schnell. Immer wieder gibt es ungewöhnliche Einstellungen, viele Nahaufnahmen von Gesichtern ätc. und wer hätte gedacht, dass bei einer Kussszene die Nähte einer Kapuze so interessant sein können? Das einzige, was etwas stört, sind die wenigen Handkameraaufnahmen, die irgendwie an eine schlechte RTLII-Produktion nach dem Motto „die dümmsten wasweißich“ erinnern.
Die ganze Atmosphäre ist traurig und ziemlich farblos, was sich auch dadurch ausdrückt, dass kaum grelle Farben vorhanden sind, sondern man das Gefühl hat, dass alles irgendwie grau-traurig-regentag-depressiv ist, was absolut passt. Blöde Komik ist auch nicht vorhanden und aus einem Lehrbuch der Psychologesinnung scheint es auch nicht entsprungen zu sein. Die Leute rauchen und kiffen, was ja normal ist, aber meistens weggelassen wird...
Hm, denkt man sich da, klingt ja gar nicht übel! Ist es auch nicht! Das hier war ein bisschen mehr als ein guter Versuch! Wir klatschen mit unseren Pinguinflossen, springen plump in die Höhe, rollen dann in das türkisgrüne Wasserbecken und schreien vorher noch: „Fünf Sterne!“, denn die hat der Film sich mehr als verdient! Moi ist ja bei allem, was die Vorsilbe „Jugend“ enthält sehr kritisch, aber hier muss ich echt mal anerkennend nicken! Das ist unsere Welt, naja, oder die eines Durchschnittsjeunes! Das ist das Leben! Das ist schnieke! Und dann erfüllt das Ganze auch noch gewisse antiklischeetechnische Maßstäbe! Und vor allem, also das hat mich ja am meisten gefreut, aber auch etwas enttäuscht, denn das Ende entsprach nicht dem gängigen Klischee! Da hatte ich leicht daneben geraten! Zum Glück. Will mehr davon!
   
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