Albinismus - Tipps & Tricks

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Mutanten....oder nur eine Panne der Natur???
Erfahrungsbericht von Blue_Shark über Albinismus - Tipps & Tricks
05.06.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Im Aquarium sehr schön und gesucht
Kontra: in der freien Natur schlechte Überlebenschancen

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Hallo Ihr!!!

Da ich erst letztens einen Bericht über die Farben und Farbentstehung der Fische geschrieben habe, dachte ich mir, schreibe ich heute einfach mal das glatte
Gegenteil davon, nämlich über die immer beliebter werdenden Albinotischen Fische.

Jeder der schon einmal in einem Aquaristikgeschäft war, und sich die angebotenen, verschiedenen Fischarten anschaut, entdeckt eigentlich immer in einem Becken weiß, rötlich schimmernde Fische mit roten Augen. Er wird sich bestimmt fragen wie solche Abweichungen der Farben der Fische vorkommen. Ich versuche euch in diesem Bericht etwas über Albinismus und die häufigsten Albinoformen zu erklären.

Wie ich ja schon in meinem letzten Bericht geschrieben habe, wird die Färbung der Fische hauptsächlich durch Farbstoffe hervorgerufen, welche sich in bestimmten in der Haut eingelagerten Zellen befinden.
Diese auch Chromatophoren genannten Zellen bilden zahlreiche feine, schlauchähnliche Ausläufer und enthalten Farb- oder Pigmentkörner. Diese können sich zusammenziehen also auf einen winzigen Fleck konzentrieren, oder sich zu einer verhältnismäßig großen, unregelmäßigen Fläche ausbreiten.
Nach ihrer Färbung unterscheidet man bei den Chromatophoren die Melanophoren (zumeist schwarz bis braunem, aber auch hellerem Pigmente), die Xantophoren (gelbe Pigmente) und die Erythrophoren (rote Pigmente). Daraus wird ersichtlich, dass ein Chromatophor jeweils nur einen Farbstofftyp enthält. Die unzähligen restlichen Farbtöne entstehen folglich nicht alleine durch Pigmente.

*°^^°* Albinismus ist eine Stoffwechselstörung *°^^°*

Fehlen einem Fisch nun die gerade genannten Pigmente, bleibt sein Körper prinzipiell weiß. Man bezeichnet ihn jetzt als Albino und nennt diese Erscheinung Albinismus. Die Ursache dafür ist eine erbliche, zumindestens aber vererbbare Stoffwechselstörung bei der komplizierten biochemischen Synthese der Pigmente, die wir bis heute in vielen Punkten nur annähernd und modellhaft kennen.
Hierbei spielt die Aminosäure Thyrosin eine wichtige Rolle, die eine Ausgangssubstanz bei der Bildung einer Melanine ist. Die Vorstufen dieser Melanine wiederum sind vereinfacht gesagt, auch an der Bildung der gelben und roten Farbstoffe beteiligt.
Kommt es jetzt auf einer relativ frühen Synthesestufe zu einem Defekt oder Ausfall eines Zwischenprodukts, so fallen alle folgenden Schritte, in die etwa auch Vitamine eingebaut werden können, aus. Als Folge werden jetzt keine Pigmente gebildet also hat der Fisch keine Farbstoffe und bleibt weiß.

*°^^°* Albinos schimmern rötlich *°^^°*

Meist jedoch sind Albinos nicht völlig farblos, sondern sie weisen als gerade zu bekanntestes Erkennungsmerkmal eine schöne blassrosa bis rötliche Körperfärbung und tiefrot gefärbte Augen auf. Diese Färbung sind aber keine zurück gebliebenen Farbstoffe, sondern beruhen auf dem recht starken Blut- bzw. Muskelfarbstoff Hämoglobin und Myoglobin. Bei diesen handelt es sich nicht um Pigmentfarbstoffe; sie haben mit der eigentlichen Färbung der Fische nichts zu tun, sondern schimmern lediglich durch die transparente Haut und die unpigmentierten und aus diesem Grund besonders lichtempfindlichen Augen der Albinos.

*°^^°* Oligomelanismus *°^^°*

Diesbezüglich sind die oligomelanotischen Fische besser dran. Sie werden gelegentlich mit den Albinos verwechselt, haben aber stets normal pigmentierte Augen. Darüber hinaus ist ihre Fähigkeit, an anderen Körperstellen Melanine zu bilden, stark eingeschränkt oder ebenfalls gänzlich verloren gegangen. Sie können daher in ihrem Erscheinungsbild variabler sein als Albinos und zeigen zumindestens an manchen Stellen schwache Ansätze zu dunkler Pigmentierung.

*°^^°* „Xanthorische“ und „erythristische“ Fische *°^^°*

Eine andere, nicht seltene Farbentgleisung ist die übersteigerte Bildung gelber oder roter Pigmente, die zu lebhaft goldgelben und roten Individuen führt. Goldgelbe Tiere werden oft als „xanthorische“ Fische, wogegen man rote Tiere „erythristische“ nennt. Da diese Stoffwechselstörung aber miteinander zusammen hängen können, treten bei den „Fehlfarben“ auch verschiedene Mischformen auf.

*°^^°* Farben erfüllen sehr viele Aufgaben *°^^°*

Farben und Farbmuster haben im Leben der Fische Unmengen von unterschiedlichen Bedeutungen. Meist dienen sie dazu, sich vor Feinden oder Beutetieren zu verbergen und zu tarnen. Man macht sich durch Farben also weitestgehend „unsichtbar“, um nicht erkannt bzw. ausgemacht zu werden. Darüber hinaus gibt es aber noch andere Funktionen wie zum Beispiel Erkennungs- oder Warnzeichen. So können verschiedene Auslöser wie Paarungsbereitschaft, Unterlegenheit usw. dazu führen, dass etwa auf der Körperseite Flecken, Streifen oder Punkte geradezu angeknipst werden.

*°^^°* Fehlfarben sind fast immer im Nachteil *°^^°*

All diese Möglichkeiten des Einsatzes von Farben fehlen den Albinotischen Fischen. Sie haben im natürlichen Überlebenskampf daher nur Nachteile.
Dort wo die Farbe hier zum Beispiel zur Tarnung dient, heben sie sich über jedem Untergrund und vor jedem Hintergrund deutlich ab und sind so für ihre Beutegreifer leichter auszumachen. Umgekehrt erschwert ihnen ihre fehlende Tarnfarbe das unentdeckte anpirschen an ihre Beutetiere.
Man kann deshalb davon ausgehen, dass nur sehr wenige solcher nachteilhafter Fische in der Natur die Geschlechtsreife erleben.
Erreichen sie aber diese Phase kommen schon wieder die nächsten Nachteile auf sie zu. Die Farben die normalerweise zum Werben um ein Weibchen dienen fehlen dem Albino und er kann sich deshalb nur sehr schwer bei einem Weibchen erkennbar machen.

*°^^°* Im dunkeln gute Chancen *°^^°*

Von der allgemeinen Benachteiligung albinotischer und oligometischer Fische gibt es aber auch eine Ausnahme, nämlich Höhlenbewohner wie z.B. den Blinden Höhlensalmler der in ständiger Dunkelheit lebt.
Da man in der Höhle in der er vorkommt sowieso fast nichts sehen kann, ist es bei ihm neben der weitgehenden Rückbildung der noch pigmentierten Augen zu einem fast vollständigen Farbverlust gekommen. Das heißt diese Fische haben sich Lebensräume erschlossen in denen das Sehvermögen und die Farbgebung nahezu überflüssig geworden sind. Dass sich unter solchen Bedingungen die hier vorherrschen nahezu pigmentlose Wesen, die man auch in anderen Tiergruppen findet, durchsetzen können, ist daher nicht verwunderlich.

*°^^°* Fast immer im Nachteil, aber als Aquarienbewohner beliebt *°^^°*

Die Chancen in der Natur mögen für Albinotische Fische zwar schlecht stehen, bei Aquarianern sind die „Fehlfarben“ allerdings sehr beliebt. Deshalb tauchen im Handel oft speziell gezüchtete Albinotische Fische, die schnell ihre Abnehmer finden. Im Aquarium gibt es für Sonderlinge meist keine größeren Nachteile. Futter gibt es genug, und bietet man den Albinos zusätzlich noch gedämpftes Licht, nehmen auch ihre Licht überempfindlichen Augen keinen größeren Schaden. Als Besonderheiten oft eher noch bevorzugt behandelt, werden Albinos in Gefangenschaft meist genauso alt wie ihre Normalgefärbten Artgenossen.

Hier noch mal ein paar im Handel häufig anzutreffenden Arten in ihrer Ursprungsart und Albinoform.

Marmorierter Panzerwels => Albinopanzerwels

Der Albinopanzerwels ist der am häufigsten im Handel anzutreffende Vertreter der Albinotischen Fische und von da her bei Einsteigern in die Aquaristik sehr beliebt.

Rautenflecksalmler => Albinotischer Rautenflecksalmler

Der Albinotische Rautenflecksalmler ist sehr beliebt und wird teilweiße sogar öfters in Aquarien gehalten wie die Ursprungsform selbst.

Blauer Antennenwels => Albinoantennenwels

Meines Erachtens der schönste Albino überhaupt. Mit seiner schönen goldgelben Färbung hat neben meinem Blauen Antennenwelspäärchen auch ein Albinoantennenwelspaar in meinem Aquarium ein Heim gefunden.

Oligomelanotische Blinde Höhlensalmler =>

Der oligomelanotische Blinde Höhlensalmler ist einer der wenigen Fische, die von Natur aus fast keine Pigmente und fast völlig zurückgebildete Augen haben. Man darf aber nicht vergessen, dass es trotz allem kein albinotischer-, sondern ein oligomelanotischer Fisch ist.

So, jetzt bin ich wieder einmal am Ende angelangt und ich bedanke mich bei euch, dass ihr bis hierher durchgehalten habt.
Sollte ich etwas vergessen haben lasst es mich wissen, ich würde mich über viele Kommentare freuen.

Euer Jens

P.S. Ich hoffe das ich nicht all zuviel Schreibfehler übersehen habe, wenn ihr aber doch noch welche finden solltet lasst es mich so schnell wie möglich wissen, damit ich was zum verbessern habe ;)

P.P.S. Ich danke zwar auch den Schnellklickern und Scrollern, denn ihr habt mir ein paar Punkte dazu geschenkt **freu**. Aber dazu gelernt habt ihr sicher nichts

P.P.P.S. Ich grüße alle meine Freunde, Leser und Bekannten und möchte mich noch vor allem beim alten Duffy_2000 bedanken, da der mir gezeigt hat wie man eine neue Kategorie vorschlägt.
Ansonsten wünsche Euch noch einen schönen Tag und viel Spaß beim lesen.
   

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