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Alexander hat bereits in jungen Jahren verwirklicht, was man heute gewissen Kreisen der US-Regierung an imperialistischen Bestrebungen nachsagt…
Dieses Buch ist jedoch kein „Stupid White Men“ der Antike, vielmehr wurde eine Schilderung des Lebens und Wirkens Alexanders des Großen ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Longasc über Alexander - Alexander in Asien / Gisbert Haefs 18.04.2003
Produktbewertung des Autors:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
Pro:
Detailliert, historisch exakt, klassische Heldenfigur der Geschichte
Kontra:
Weitschweifiges Geschwafel, teilweise sehr zäh und langweilig
Empfehlenswert?
nein
Kompletter Erfahrungsbericht
… beide haben den Irak überfallen.
Alexander hat bereits in jungen Jahren verwirklicht, was man heute gewissen Kreisen der US-Regierung an imperialistischen Bestrebungen nachsagt…Dieses Buch ist jedoch kein „Stupid White Men“ der Antike, vielmehr wurde eine Schilderung des Lebens und Wirkens Alexanders des Großen von Gisbert Haefs zu Papier gebracht.
Haefs schrieb bereits mit „Hannibal“ einen Bestseller. Ähnlich diesem Roman wird nicht so sehr die namensgebende Person, sondern die ganze antike Welt detailliert und umfassend behandelt. Das Verhältnis Historie/Roman schlägt hier zu Gunsten der Geschichte aus; Haefs hält sich streng an Fakten, auch bei der Charakterisierung der Personen. War ich von „Hannibal“ wegen der recht blassen Faktenschilderung desselben sehr enttäuscht, ist der Sammelband, der „Alexander“ und „Alexander in Asien“ (beide gehören zusammen, sie wurden damals wegen „Überlänge“ auf 2 Bände verteilt) enthält, wesentlich unterhaltsamer zu lesen:
Die Figuren des Alexander, seines Vaters Philipp, der Strategen Parmenion und Antipatros sowie des Philosophen und Lehrers Aristoteles bieten einfach mehr Unterhaltungspotential als der Punier Hannibal, dessen Ruhm und „Unterhaltungswert“ sich rein auf seinem taktischen Genie begründet. Alexander bietet den Leser einen vielschichtigeren Charakters, über den einfach mehr persönliches bekannt geworden ist. Vor allem der Wandel vom geliebten Idol und Helden seiner Untergebenen zu ihrem Diktator und Mörder ist ein Stoff, der sich für einen Roman geradezu anbietet.◊●●◊ …Kritik… ◊●●◊
Das Buch beginnt mit dem Besuch des Peukestas bei Alexanders altem Lehrer Aristoteles. Alexander ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot, und seine Feldherren streiten sich untereinander um Brocken des Riesenreichs. Aristoteles soll Klarheit bringen, wer Alexander beerben soll.
Lässt Haefs Aristoteles gelegentlich aus seiner Warte berichten, greift er zu einem Kniff, sobald Aristoteles einfach nicht zugegen war: Aristoteles lässt Peukestas durch das „Auge des Horos“ blicken: So sieht dieser Philipp bei seiner ersten Begegnung mit Alexanders Mutter Olympias und ähnlichem.
Die schöne Olympias ist Philipp nicht nur eine wundervolle Geliebte, sondern auch seine gefährlichste Rivalin. Intrige und Verrat gegen ihren Ehegatten sowie Mord sind für sie Mittel zum Zweck, denn ihr Ziel ist: Alexander, Sohn des Ammon (Zeus), soll Ägypten und die Welt für ihren Gott befreien… dies belastet Alexander sehr, der sich als Spielball dieser religiösen Verschwörung sieht. Dies ist auch Haefs einzige „Eigenkreation“. Sie ist sehr gut gelungen und gibt dem Handeln Alexanders Sinn und erzeugt Spannung. Olympias überlebt schließlich sogar ihren Sohn, und sie ist die Person, die mich im Handlungsverlauf am meisten das Fürchten gelehrt hat!
Das erste Buch, „Alexander“, umfasst 575 Seiten. Es endet mit dem Tod Philipps durch Verrat und der Thronbesteigung Alexanders. Hier wird Alexanders Jugend und die komplexe Welt der Antike dem Leser näher gebracht, insbesondere seine engsten Gefährten und späteren Feldherren. Ein Glossar, Anmerkungen des Autors sowie eine Karte Griechenlands und des Bosporus befinden sich im Anhang. Direkt im Anschluss folgt „Alexander in Asien“, dessen Glossar etc. ebenfalls 1:1 übernommen wurde. Hier hätte man besser daran getan, daraus ein einheitliches Glossar am Ende des Buchs zu machen. Die erwähnte Karte inmitten des Buches übersieht man viel zu leicht, man findet sie erst wenn man „Alexander“ zu Ende gelesen hat! Das Glossar ist sehr interessant, hier plaudert Haefs aus dem Nähkästchen – ironischerweise ist das oft unterhaltsamer, als den Roman selbst zu lesen.
Neben den Weggefährten Alexanders baut Haefs viele Nebenfiguren ein, die jedoch blass wirken und denen auch keine wichtige Rolle zufällt. Emes, der Ziegenhirte, der sich Parmenion als Soldat anschließt z.B. – damit wäre seine Rolle schon abgehandelt. Dymas, der karthagische Sklave, der so schön Kithara spielt, ist wohl eine Entsprechung des Chansonniers Haefs in seinem eigenen Roman. Er wird bisweilen detaillierter beschrieben als Alexander selbst, aber wenn man alles streicht, was mit ihm zu tun hat, fällt es gar nicht auf.
Das macht das Buch langatmig. Auch ist Haefs Akribie bei der Beschreibung und Beleuchtung jeder politischen und geographischen Situation sowie diverser Personen mitunter Fluch und Segen zugleich. Der Lesefluss wird dadurch oft unnötig und ärgerlich gebremst. Zudem begeht Haefs einen ähnlichen Fehler wie in Hannibal: Diesmal ist ein ganzer Roman Vorgeschichte, historische Schlachten wie bei Issos oder seine Hochzeit mit der persischen Prinzessin Roxana sowie der komplette Feldzug nach Indien werden auf wenigen Seiten abgehandelt. Auffallend ist auch, dass die interessanten Gespräche Alexanders mit seinen Getreuen nahezu komplett wegfallen im zweiten Teil des Buches. Dafür darf Nebenfigur Dymas uns langatmig zurück nach Griechenland führen… unschöne Erinnerungen an „Hannibal“ drängen sich mir auf, lange Vorgeschichte, zack zack – Ende. Nicht gerade berauschend!◊●●◊ …Fazit… ◊●●◊
Die zahlreichen interessanten Details aus Alexanders Leben können nicht über Haefs Schwächen hinwegtäuschen: Manchmal schweift er einfach zu weit ab, sein Stil ist oft recht zäh zu lesen. Dennoch gefiel mir „Alexander“ weit besser als „Hannibal“. Hier hatte Haefs eine dankbarere Vorlage, aus der er auch etwas viel genießbareres gemacht hat.
Wer einen kurzweiligen historischen Schmöker sucht, der ist mit Rebecca Gables Romanen viel besser bedient. Der „Löwe von Macedonien“ und „Der dunkle Prinz“ von David Gemmell haben einen Fantasyeinschlag, und stellen Alexanders General Parmenion in den Mittelpunkt.
Aber wer den detailliertesten historischen Rundumschlag will, der sollte sich den Doppelband „Alexander / Alexander in Asien“ besorgen. Er muss allerdings genannte Kritikpunkte in Kauf nehmen, weshalb ich persönlich KEINE EMPFEHLUNG aussprechen kann. Obwohl „Alexander“ weniger Handlung hat, gefielen mir der Schreibstil und die Charakterisierungen besser. „Alexander in Asien“ hetzt von Schlacht zu Schlacht und vernachlässigt Alexander sträflich zugunsten aufgeblasener Nebenfiguren. Diese zwei Romane gehören aber einfach zusammen. Deswegen ist der Doppelband von Heyne für Interessierte auch die erste Wahl!
ALEXANDER / ALEXANDER IN ASIEN Gisbert Haefs Heyne-Verlag ISBN: 3453866630, 1204 Seiten
Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Aktion "Bücherfrühling" von Espionne und BlankAttack.