Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
Motor, Allrad, Design |
| Kontra: |
Ruf, Vorurteile |
Nach 3 Alfa Romeo 164 Q4 mit den Jahrgängen 94, mit 346'000 Km, Jg 95, mit 141’000km, und Jg 97 mit 239'000 km, möchte ich hier mal mit ein paar Vorurteilen und falschen Aussagen aufräumen.
Motor
Der 3.0 24V Motor ist vom Grunddesign her absolut standfest. Eine kaputte Zylinderkopfdichtung ist bei sachgemässer Behandlung vom Fahrzeug gar kein Thema. Da die Alfas aber selten eine Vertragswerkstatt von innen sehen, kann der eine oder andere Schaden durch Wartungsmängel schon eintreten.
Ein kaputte Zylinderkopfdichtung kann es durch einen alten Kühler oder durch nicht beachten des Warmfahrens schon auftreten. Lagerschäden sind durch zu schlechtes Öl oder zu wenig Öl auch zu befürchten. Aber das ist nicht nur bei einem Alfa so. Die Ölspezifikation sollte vorzugsweise 10w/60 sein.
Eine kleine teure Schwachstelle ist der Zahnriemen. Die Wechselintervalle sind sehr kurz. Man sollte bei den 24V Motoren den Zahnriemen mit entsprechenden Spann und Umlenkrollen alle 60'000 Km wechseln. (Beim 12V 80'000 km) Sind diese Wechsel fachmännisch gemacht, hat man keinen Zahnriemenriss zu befürchten.
Beachtet man diese Punkte, hat man einen durchaus robusten, leistungsfähigen und einen absolut zuverlässigen Motor.
Eine kleine Schwachstelle, von der auch viele BMW Fahrer betroffen sind, sind die Zündspulen. Auf der hinteren Zylinderbank können die bei oftmals forcierter Fahrweise thermisch leiden und nach rund 120'000 Km den Dienst quittieren. Diese gibt’s aber günstig beim Verwerter. Nur der Wechsel stellt sich für den Nichtfachmann als etwas aufwendig dar.
Weitere hohe Wartungskosten entstehen auf der Motorenseite nur alle 100'000 Km, da dann der Wechselintervall der Platinzündkerzen ansteht.
Getriebe
Das Getag Q4 6-Gang Getriebe ist im Grunddesign an den Rennsport, sprich an die alte DTM angelehnt. Das Getriebe ist sehr robust und präzise zu schalten. Es wurden von einigen Fällen der ersten Serie berichtet, bei denen die Hauptlagerkäfige sich in die Einzelteile auflösten. Dieses Problem wurde aber seitens Getag Deutschland schnell behoben, indem stabilere Lager verbaut wurden. Betroffen ist lediglich die erste Serie der ersten Q4 Generation.
Kupplung
Die Kupplung ist im Verhältnis zu Motorleistung, Allrad und Fahrzeuggewicht durchaus ausreichend dimensioniert. Bei normaler Fahrweise hat die gezogene Kupplung je nach Fahrer durchaus eine Lebensdauer von 200'000 Km.
Antrieb/Allrad
Der Q4-Allrad ist eigentlich ein Frontantrieb. Klingt komisch, ist aber so. ;)
Entwickelt, produziert und eingebaut wurde der Allrad bei Puch/Steyr.
Es handelt sich um einen elektronisch geregelten Antrieb, mit dem Alfa sich wieder einmal sehr innovativ zeigten. Bei normaler Fahrweise treiben lediglich die Vorderräder an. Bei Schlupf dieser, schaltet sich in millisekunden schnelle die Hinterachse zu. Diese ist mit einem selbstsperrenden Thorsendifferenzial versehen, das man ja auch aus den Audi’s kennt. So ist eine optimale, sehr imposante Traktion garantiert, die einem Audi Quattro in nichts nachsteht.
Der Antrieb ist relativ schwer, aber mechanisch nicht zu zerstören.
Die Steuerung des Allrads funktioniert mittels Hydraulikhochdruckpumpe, die ein Fahrzeugleben durchhält. Die Leitungen sind aber über die Zeit korrosionsanfällig, und können dadurch leck werden, was bei einem 16 jährigen Fahrzeug kein Verbrechen ist. Die Kosten für eine Reparatur dieser ist kaum einzuschätzen, da die Reparaturstelle variabel ist. Am Druckbehälter ist sie Relativ günstig, oberhalb Tank teuer.
Vielfach ist der Antrieb aber schlecht gewartet, da es 5 verschiedene Öle in aber kleinen Mengen zu wechseln, oder zu ergänzen gibt. Es können auch Störungen durch falsche Ölspezifikationen entstehen.
Ein Wechsel der Öle ist aber keine Hexerei und schnell durchgeführt.
Fahrwerk
Der Q4 hat wie einige QV 24V ein aktives Fahrwerk, das mittels verschiedensten Sensoren das Fahrverhalten kontrollieren, und bei Bedarf, oder aus Sicherheit, das Fahrwerk auf Sport stellen.
Grundlegend funktionieren die Stossdämpfer mit einer elektromagnetischen Verstellung, die das Bodenventil im Stossdämpfer verstellt. Hart/weich. Hierbei muss man sich fragen, ob der Kompromiss für das Fahrwerk gefunden wurde. Auf weich schwebt das Auto förmlich über die Strasse. Kurze Stösse mag es aber nicht in S-Klasse Manier absorbieren. Ansonsten lässt sich der 164 so komfortabel wie ein amerikanisches Dickschiff bewegen. Stellt das Fahrwerk aber auf Sport, oder schaltet man es manuell, dann ist Ende mit dem Komfort. Das Fahrwerk lässt beinahe jede Fahrbahnunebenheit ungefiltert zum Fahrer durch. Die Sportstellung lässt den 164 Q4 beinahe in Gokartmanier bewegen, liegt satt und durch die gute Gewichtsverteilung sehr aglil und wendig. Macht auch absolut Spass, dieses Auto so zu bewegen. Man könnte aber den Kompromiss zwischen Komfort und Sport vermissen. Originale Bereifung ist 205/55 R16. Bei 17 oder 18 Zoll ist das Fahrwerk aber subjektiv zu hart.
Durch den Zahn der Zeit kann es oftmals vorkommen, dass die Regelung am Fahrwerk nicht sauber funktioniert. Bei diesem Fall stellt die Bordelektronik das Fahrwerk aus Sicherheitsgründen permanent auf Sport. Dies ist meist aber ohne Materialaufwand zu reparieren, indem man die Kontakte der Magnetspulen vom Stossdämpfer reinigt.
Fahrwerk 2
Querlenker. Durch das hohe Gewicht von 1760 Kg ist das Fahrwerk ziemlich gefordert. Bei normaler Fahrweise hält es aber dem Fahrzeug durchaus stand. Bei sportlicher Fahrweise kann es aber zu einem überdurchschnittlichen Verschleiss an den Querlenker der Vorderachse kommen. Im schlimmsten Fall kann ein Wechsel nach 60'000 Km von nöten sein. Der Austausch ist aber einfach und schnell gemacht. Die Ersatzteilpreise variieren hier je nach Anbieter und bewegen sich von ca 60 bis 110 Euro pro Querlenker.
Chassis
Der 164 Q4 hat nicht wie oftmals falsch genannt kein vollverzinktes, sondern „nur“ ein teilverzinktes Chassis. Der 164er teilt die Bodengruppe unter Anderem auch mit dem Saab 9000. Verzinkt ist die komplette Bodengruppe, die Kotflügel sowie die Türen. Grundlegend ist die Stahlqualität, sowie die Rostprophilaxe ab Werk sehr gut. Es gibt aber einige Exoten, die durch Verletzungen der Zinkschicht zu Rosten beginnen. Vorwiegend ist dann Rost am Unterboden zu suchen, vor den Hinterrädern. Ist aber wohlgemerkt sehr selten. Eine Schwachstelle stellt aber das vordere Radhaus dar, das am obersten Punkt, an dem die Plastikradhausverkleidung verschraubt ist. An dieser Stelle findet sich oftmals versteckt Rost. Ist aber sehr einfach und kostengünstig zu beheben.
Generell sind alle 164 sehr Korrosionsfest. Die älteren 12V Modelle können aber durchaus altersbedingt in den hinteren Seitenwänden Rost ansetzen.
Innenraum
Der Q4 ist gegenüber seiner älteren Modellen ausschliesslich mit einem Lederinterieur ausgeliefert worden. Erhältlich waren aber nur schwarz oder beige. Beim Super selten auch rot, was aber subjektiv ziemlich hässlich ist.
Das Leder ist von einer exzellenten Qualität und hervorragend verarbeitet. Es wäre schön, wenn die heutigen Autos eine ähnliche Qualität hätten.
Die Sitze haben auf der Sitzfläche perforiertes Leder, das eine gute Athmungseigenschaft hat, und somit einen weniger schwitzen lässt.
Die Sitze als solches bieten ausreichend Seitenhalt. In anbetracht des Fahrwerks dürfte es aber noch etwas besser sein, wobei man einen sehr guten Kompromiss gefunden hat zwischen Komfort und Sport. Es lässt sich sehr bequem sitzen und lange Strecken reisen. Bei schwergewichtigen Personen können die Seitenpolsterungen der Sitzflächen aber schnell mal leiden.
Die Sitze sind in der Grundausstattung mit Sitzheizung und elektrischer Verstellung versehen. In der Option sogar mit Memory.
Der Verstellmechanismus und die Motoren der Verstellung sind ausgesprochen stabil und robust. Ein Defekt an dieser wäre sehr aussergewöhnlich.
Die Sitzheizung ist nicht wirklich eine Heizung, sondern eher ein leichter Powärmer. Aber dennoch sehr angenehm, da es einem nie das Gefühl vermittelt, auf einer Herdplatte zu sitzen. Der Knopf der Sitzheizung ist auf der Seite am Sitz, und etwas unglücklich positioniert. Man gewöhnt sich aber an alles. Jedoch der Schalter ist auf Dauer nicht der robusteste.
Die Seitenverkleidung der Türen ist auch im gleichen Leder eingefasst. Hochwertig, sowie mit einem praktischen Ablagefach in jeder Tür.
Generell lässt sich am Innenraum nicht viel auszusetzen. Es können aber je nach Zustand und Alter vom Fahrzeug Geräusche auftreten. Bei meinen 3 Q4 hatte ich aber stets Ruhe.
Armatur
Die Armatur ist für viele erst mal gewöhnungsbedürftig. Ist aber funktionell, intuitiv bedienbar und übersichtlich. Die Schwachpunkte liegen hierbei aber beim Klimadisplay, das oftmals nicht mehr lesbar ist. Schade. Funktionierenden Ersatz gibt’s aber auch beim Verwerter von 15 bis 60 Euro. Auch das Lederlenkrad ist oftmals etwas abgegrabbelt. Die Lederqualität hier hätte noch ein Quänntchen besser sein können.
Klima
Der 164 hat eine starke Klimaanlage. Oftmals sind die auch in der Wartung sehr vernachlässigt und haben noch den Trockner vom Werk verbaut etc. Somit sind Undichtigkeiten natürlich vorprogrammiert. Als Folgeschaden stirbt der Kompressor usw...
Ansonsten ist die Klima nicht anfälliger wie die anderer Hersteller, zumal es sowieso nur wenige verschiedene Hersteller der Kompressoren gibt. Der Mechanismus ist generell nicht anfällig. Man liesst zwar oftmals von kaputten Zahnräder der Verteilerklappe. Erstaunlicher weise wurde ich davor bis jetzt verschont. Diese Zahnräder sind aber im einschlägigen Zubehörhandel in Metal erhältlich. Die gebrochene Heizklappe, wie auch schon vermeldet wurde, ist auf immense Verschmutzung zurück zu führen. Diese entsteht unter Anderem auch durch fehlenden Pollenfilter/Innenraumfilter.
Die Heizleistung und die automatische Klimatronic sind grundlegend aber einwandfrei. Leises Gebläse und schön einstellbar.
Kofferraum/Variabilität
Entgegen dem normalen 164 Frontantrieb, mit imposantem Kofferraum, fällt die Grösse beim Q4 wegen dem Allrad nicht so gross aus. Die Ladekante ist im Verhältnis zur heutigen Zeit zu hoch. Etwas Variabilität würd duch den Skisack geboten.
Sicherheit/Bremsen/Ausrüstung
Der Q4 hat serienmässig ein gutes ABS. Die Bremsen sind für den Alltag und auch eine sportliche Pässefahrt absolut ausreichend. Bei rennmässiger Bewegungsweise aber trotz innen belüfteter Bremsscheiben vorne und hinten deutlich unterdimensioniert. Der Ersatz ist trotzdem oder entsprechend teuer. Wenn man sich aber zum Vergleich die grossen Audi oder BMW ansieht, liegen diese aber absolut im Preis.
Die Stossstangen sind sehr robust und stecken einen guten Rempler schadlos weg. Generell ist das Chassis sehr steif und bietet eine dem Jahrgang angemessene gute Knautschzone. Die Fahrgastzelle dürfte im Verhältnis zu den heutigen Fahrzeugen etwas steifer sein, um eher die Form zu behalten für ein leichtes Öffnen der Türen nach dem Crash. In seinem Jahrgang ist der 164 aber durchaus konkurrenzfähig. Die Türen sind schwer und mit Seitenaufprallschutz versehen. Beim Q4 ist der Fahrerairbag Serie. Beifahrer Option. Ab Jahrgang 96 waren beide Airbags Serie.
Wenn ein Airbagsystem einen Fehler meldet, ist es meist nur ein verschlissener Schleifring am Lenkrad und kann im gehobeneren Alter vom 164 auftreten.
Verbräuche
Der 164 Q4 ist mit seinem Gewicht und Allradantrieb kein Sparmobil. Das sollte jedem bewusst sein. Dennoch lässt er sich durchschnittlich mit 9,5 liter/100km bewegen. Je nach Gaspedalstellung kann dies aber schnell in die Höhe schnellen.
Dann noch um mit einem Vorurteil aufzuräumen. Ein durchschnittlich gut gewarteter 3.0 24V hat nahezu keinen Ölverbrauch. 20'000 km, im Wechselintervall ein Liter Öl ist absolut tragbar. Nicht umsonnst wurde der Alfa Arese V6 dreimal hintereinander Motor des Jahres. Bis 1995 war der Arese V6 mit 232 PS der stärkste in Serie gebaute 3 Liter Motor.
Mein Fazit
Der 164 Q4 ist ein erstaunliches Fahrzeug. Es fasziniert mich Tag für Tag. Sei es die enorme Kraft, die Sportlichkeit, der Komfort oder die Wintertauglichkeit. Auf der einen Seite ist der 164 Q4 eine eierlegende Wollmilchsau, die einem kaum Wünsche offen lässt. Auf der anderen Seite ist das einzigartig schöne Auto aus der Feder von Pininfarina auch in die Jahre gekommen. Ein solch aufwendiges Auto überlebt nur durch Wartung und Pflege. Bei einem gepflegeten Modell wird man auch nicht von Defekten überrascht.
Auch wenn diese Pflege nicht mit einem Golf 2 vergleichbar ist. Genau so wenig ist auch der Q4 mit dem Golf vergleichbar.
Als Vergleich, in realer Fahrleistung, Grösse und Jahrgang lässt sich vielleicht ein BMW M5 E34 herziehen. Da ich beides schon besass, muss ich dem BMW leider eine Abfuhr erteilen, da der Alfa das deutlich bessere Auto ist.
Alfa Romeo leidet einfach oftmals an Vorurteilen vieler. Zu Unrecht.
Kein Alfa rostet mehr wie ein BMW oder Mercedes. Ausser der Alfa Sud vielleicht. Aber sonst, klares Nein. Im Gegenteil. Meist ist der Italiener rostbeständiger wie manches deutsches Automobil.
Ein Alfa ist nicht Zuverlässig. Nein! Bei rund 900'000 Alfa-Kilometer hat mich noch kein Alfa im Stich gelassen und bin niemals stehen geblieben. Ich fuhr Opel, VW, BMW, Audi und Mazda. Mit BMW, VW und Audi jedoch schon. Und das bei wesentlich weniger Kilometer.
Ein Alfa klappert und fällt auseinander.Kein Kommentar. Was der Opel, der Mazda und der BMW geklappert haben.... Bei denen brauchte ich ein gutes Radio. ;)
Der Alfa 164. Entweder man liebt, oder man hasst ihn. Auf technischer Seite ist er durch den aufwendigen Allrad etwas wartungsintensiver. Die Ersatzteilkosten sind im Verhältnis der Fahrzeugklasse akzeptabel. Mit dem Neupreis von 80'000 schweizer Franken, was zur Zeit in etwa 60'000 Euro entspricht, war der 164 Q4 seiner Zeit auch kein Schnäppchen. Als Occassion zu kleinem Preis, kann der Alfa aber zu einem treuen Begleiter werden lassen. Mann sollte aber ermahnt sein, denn man kauft sich mit einem Q4 ein Auto, das in einer Liga von BMW E34 oder Audi V8 bewegt. Von der Leistung, aber auch im Preis der Wartung.
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sehr hilfreich
30.12.2005
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16.06.2000
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26.11.2006
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Tim_theking
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20.08.2000
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Vergesst den 164 nicht
Fahrzeugbewertung für Alfa Romeo 164 3.0 V6 von
ICH1
Pro:
Kontra:
...Tja, was soll ich sagen, bin seit nem Monat stolzer Besitzer eines 164 Q4 und ich muss sagen: ich bin jeden Tag aufs neue begeistert und freue mich morgens darauf, in das Auto zu steigen und zur Arbeit zu fahren. Es mag ja sein, dass Alfa früher Problem ...
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12.07.2000
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