I. Intro
Das hier beschriebene Giulia Coupe ist das italienische Sportcoupe der 60er und 70 er Jahre. Leider hat ciao unter dieser Rubrik kein Bild veröffentlicht, man findet jedoch eines bei ciao in der Oldtimer-Kategorie unter Alfa Romeo 2000 GTV Coupe Bertone, dessen Karosserie nahezu baugleich ist.
II. Historie
Der 25jährige Autodesigner Giorgio Giugiaro zeigt sich in Diensten des Designstudios Bertone in Turin für das Jahrhundertsportwagendesign verantwortlich.
Offiziell wird das Coupe in einer 1600 ccm Version im September 1963 auf der IAA in Frankfurt vorgestellt. Die Auto Motor Sport schrieb hierzu:" Daß Alfa Romeo seinen guten Namen nicht zu unrecht besitzt, dafür ist das GT Coupe wieder einmal ein überzeugender Beweis. Es ist mit jenem sechsten Sinn für die Reize des Fahrers gebaut... usw.,usw."
1966 stellte Alfa Romeo die hier beschriebene Version des inzwischen im Volksmund Bertone genannten Coupes vor, welches die Typenbezeichnung 105.30 trägt. Hiermit befriedigte Alfa Romeo den Bedarf nach einem Einstiegsmodell in die Sportwagenklasse, was aufgrund steuerlicher Vorteile der 1,3 Liter-Klasse in Italien begeistereten Anklang fand. GTJ bedeutet Gran Turismo Junior und spielt schon auf die potentielle Käuferschicht an.
Für vergleichsweise geringe 11.704 DM (Stand März 1968) konnte sich auch der deutsche Fan italienischer Sportwagen mit dem Flair von Ferrari, Maserati, etc. in Form des 1,3 Liter Coupes vor jeder Eisdiele schmücken.
1977 endete die Produktion des Bertone im eigens dafür errichteten Werk in Arese bei Mailand. Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits allein das Einstiegsmodell mit 1,3 Litern über 92.000 Liebhaber gefunden.
III. Technik
Hier nun ein paar unvermeidliche technische Daten des GT/J 1,3. Wer sich nicht dafür interessiert mag einfach unter IV. weiterlesen.
Der Motor ist ein Vierzylinder-Viertakt-Reihen-Motor aus Aluminium mit zwei kettengesteuerten obenliegenden Nockenwellen. Er leistet aus 1290 ccm (Bohrung mal Hub 74 mal 75 mm) ca. 89 DIN-PS.
Die selbsttragende Karosserie wird somit laut Auto Motor Sport-Ausgabe 20/67 in 12,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit soll 174 km/h betragen.
Das Fahrwerk mit Teleskop-Stoßdämpfern, Querlenkern, Schraubenfedern und Querstabilisatoren sorgt für ein sportlichen, aber nie unangenehmes Fahrgefühl.
IV. Tipps
1. Schwachstellen
Typische Schwachstelle des Bertone ist Korrosion. Wenn man Rostbläschen im Bereich des Heckscheibenrahmens oder am Schweller findet, sollte man die Finger vom Fahrzeug lassen, wenn man keine Komplettrestauration beabsichtigt.
Die übrige Technik ist trotz hoher Literleistungen sehr robust. Der potentielle Käufer sollte darauf achten, daß die Vergaserflansche aus Gummi nicht porös sind und Nebenluft ziehen und weiterhin aufgrund kaputter Zylinderkopfdichtung kein Öl im Kühlwasser ist, was man an der Innenseite des Kühlwasserdeckels als schleimige Emulsion sehen kann.
Ein GT/J im 2er Zustand schlägt mit ca. 15.000 DM zu Buche. Ich rate aus leidvoller Erfahrung sich lieber einen Wagen zuviel anzugucken, als einen zu wenig.
2. Unterscheidungsmerkmale
Der kleine GT/J unterscheidet sich auf den ersten Blick bis 1974 von den größeren Modellen durch seinen Kühlergrill mit nur einer waagerechten Chromstrebe und die kleineren Rückleuchten mit externem Rückfahrscheinwerfer. Desweiteren haben die GT/J Modelle keine Doppelscheinwerfer.
Den Bertone gab es noch in anderen Motorisierungen und Ausstattungen als GT/J 1,6; GTV (Gran Turismo Veloce) 1750; GTV 2000, GTC (Cabriolet); GTA (Allegerita = erleichtert), GTA/J und in den Rennsportversionen GTAM und GTSA.
3. Persönliche Erfahrungen
Zunächst ist vorwegzunehmen, daß sich der potentielle Käufer vorm Kauf umfassend informiert. Helfer sind hierbei zum Beispiel die Kaufberatung in der Oldtimerzeitschrift Markt im Heft 6/90 oder in der Zeitschrift Motor-Klassik 10/89 oder 8/92.
Als Einstiegsliteratur ist die Alfa Romeo Restaurierungsanleitung aus dem Schrader Verlag (ISBN 3-922617-91-3) für ca. 90 DM geeignet.
Die Ersatzteilversorgung ist umfassend gewährleistet, wobei ich besonders gute Erfahrungen mit den Anbietern hurtienne (Tel.: 0234/864143) und hanel (Tel.: 05263/3377) gemacht habe.
4. Tech-Tips
Wenn man bereits einen Bertone hat empfehle ich das Nachrüsten eines Ölthermometers zwecks Einhaltung der Betriebstemperatur.
Sinnvoll sind weiterhin rote Koni-Stoßdämpfer und verstärkte Hinterachsfedern.
K&N Sportluftfilter sorgen für geringeren Verbrauch und höhere Leistung (und geilen Sound).
V. Fazit
Ohne handwerkliches Geschick oder ein dieses Fehlen ausgleichendes dickes Portemonnaie und naheliegender Werkstatt kann ich nur vom Kauf abraten.
Obwohl ich versuche soviel wie möglich an "Berti" selber zu machen, muß ich mich seit dem Kauf nicht sorgen, daß ich zuviel Geld auf dem Girokonto habe.
Die Steuer schlägt mit H-Kennzeichen mit 375 DM pro Jahr zu Buche.
Für Fragen, Anregungen, etc. bin ich dankbar. Ich weiß, daß dieser Bericht nur ein Teilauschnitt ist, habe aber festgestellt, daß ich mir einbilde über den Bertone ein Buch schreiben zu können. Ich sammle Ersatzteile, Modelle, Prospekte, Bücher und Autozeitschriften und könnte noch Unmengen berichten.
PS: Vielen Dank fürs Lesen.
rouvinho (c) September 2001
30.03.2005 14:21
Schönes Auto, guter Bericht! LG - Gaby
03.02.2004 16:17
Wenn Dir mal ein gutes unverbasteltes Exemplar zu einem fairen Preis über den Weg läuft, sagst Du mir bitte Bescheid. OK?
17.06.2003 18:39
Aha, mag Alfa und versteht was von Design! Sehr symphatisch. Schöner Bericht! Grüße aus der Hauptstadt!