Die Box der Unschuldig Gejagten!
10.03.2005
Pro:
viel zu vieles, um alles aufzuzählen
Kontra:
kleinere Bildschwächen bei Bei Anruf Mord, eine Schwäche bei der DVD von Der Fremde im Zug
Empfehlenswert:
Ja
 BillMaplewood
Über sich:
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Das Motiv eines unschuldig von der Polizei Gejagten kommt in vielen Filmen von Alfred Hitchcock, der in dieser Hinsicht Polizei und dem ganzen Justizapparat sehr misstraute, vor. Im November 2004 hat Warner eine Box mit sechs Filmen auf insgesamt sieben DVDs veröffentlicht, bei der man vermuten kann, dass man thematisch die Filme bewusst in diese Richtung zusammengestellt hat. Fans des Regisseurs freuen sich aber vor allem darüber, dass es nun fünf der Filme aus der Box erstmalig in Deutschland auf DVD gibt. *** North by Northwest - Der unsichtbare Dritte (USA 1959)
Darsteller: Cary Grant, James Mason, Eva Marie Saint, Martin Landau DVD: • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono) Englisch (Dolby Digital 5.1) • Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Icelandic, Italienisch • Bildformat: 1.85:1 Extras: Trailer, Audiokommentar von Drehbuchautor Ernest Lehman, Dokumentation "Destination Hitchcock: The Making of North by Northwest" präsentiert von Eva Marie Saint, Fotogalerie, Tonspur mit der Musik von Bernard Herrman Als einziger Film schon vor der Box auf DVD veröffentlicht wurde „Der unsichtbare Dritte“, einer der bekanntesten Filme von Hitchcock. Im Mittelpunkt steht der Werbefachmann und überzeugte Junggeselle Roger Tornhill (Cary Grant), der mit einem Geheimagenten verwechselt und entführt wird. Als ihm die Flucht gelingt, sind nicht nur die Verbrecher hinter ihm her, die den Geheimagenten als Bedrohung ansehen und töten wollen, sondern recht bald auch die Polizei, die ihn für einen Mörder hält und der CIA, der alles unternehmen will, um die Gegenseite weiter glauben zu lassen, dass Tornhill der gesuchte Geheimagent ist. Hilfe scheint Tornhill nur von einer geheimnisvollen, hübschen Blondine (Eve Marie Saint) bekommen zu können.
Neben „Psycho“ (USA 1960) und „Das Fenster zum Hof“ (USA 1954) ist „Der unsichtbare Dritte“ wohl der bekannteste Hitchcock und neben den beiden, auch derjenige, der am öftesten genannt wird, wenn die Frage nach dem absolut besten „Hitch“ gestellt wird. Legendär ist der hochspannende Film vor allem wegen zwei Szenen. Cary Grant auf der Flucht vor einem Flugzeug und der Showdown am Mount Rushmore, beide großartig gefilmt und Beweis für Hitchcocks stilistischen Fähigkeiten, genauso wie der letzte Schnitt des Films. Mit dem legendären Cary Grant in der Hauptrolle wurde zudem genau die richtige Besetzung gefunden, so dass dieser Film zurecht ein „Meisterwerk“ genannt wird und in der Rangliste der Internet Movie Database schon seit Jahren ein fester Bestandteil der Top 25 ist (Stand: Februar 2005).
Wie gesagt wurde dieser Film schon früher, nämlich im März 2001 auf DVD veröffentlicht. Eigentlich wären bei einer so alten DVD größere Kritikpunkte zu erwarten, doch dies ist nicht der Fall. Das Bild wurde damals mit hohem Aufwand sehr sorgfältig restauriert, was dafür sorgt, dass die Qualität sehr gut ist. Beim Ton fällt auf, dass der englische Ton deutlich besser ist als der deutsche Ton. Der Grund dafür ist, dass eine neue 5.1-Abmischung des ursprünglichen Mono-Tons angefertigt wurde. Diese Abmischung ist vorzüglich gelungen, wurde aber nur für die englische Tonspur angefertigt, was zur Folge hat, dass die deutsche Tonspur natürlich deutlich langweiliger klingt. Vom quantitativen Gesichtspunkt schlägt diese alte DVD im Extrabereich die neuveröffentlichten anderen DVDs mit einer Ausnahme („Der Fremde im Zug“, siehe dazu unten) deutlich. Allerdings ist die Qualität nicht ganz so hoch wie bei den anderen Veröffentlichungen. Das Making Of „Destination Hitchcock: The Making of North by Northwest” ist zwar mit rund vierzig Minuten doppelt so lang, wie die Making Ofs auf den anderen DVDs aber auch weniger interessant. Es ist zwar eine nette Idee das ganze von Eva Marie Saint präsentieren zu lassen und viele Darsteller zu Wort kommen zu lassen, die Ausführungen von Experten wie Peter Bogdanovich und Richard Schickel in den anderen Making Ofs fallen deutlich interessanter aus.
Auch der Audiokommentar von Drehbuchautor Ernest Lehman fällt nicht ganz so interessant aus, wie erhofft. Es gibt recht viel Leerlauf auch Wiederholungen zum Making Of, aber auch interessante Anekdoten und Hinweise. Highlight ist wohl der Score von Bernard Herrman, der es einem ermöglicht diese fabelhafte Musik zu genießen. Trailer, eine Fotogalerie und Cast & Crew - Infos runden die Veröffentlichung ab, die auch mit heutigem Maßstab noch als gelungen bezeichnet werden kann. *** The wrong man - Der falsche Mann (USA 1957)
Darsteller: Henry Fonda, Vera Miles, Anthony Quayle, Harold J. Stone DVD: • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 1.0) Englisch (Dolby Digital 1.0) • Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Schwedisch, Hebräisch, Norwegisch, Tschechisch, Griechisch, Ungarisch, Polnisch, Türkisch • Bildformat: 1.85:1 Extras: Dokumentation: Hitchcock und der falsche Mann, US-Kinotrailer Hitchcocks „The wrong man“ ist dahin gehend anders als viele Hitchcock-Filme, das hier keine fiktive Geschichte erzählt wird, sondern hier ein realer Fall nacherzählt wird. Es wird von der Verhaftung des hart arbeitenden Musikers und Familienvaters Christopher Emmanuel Balestrero (Henry Fonda) berichtet, der aufgrund einer Verwechslung plötzlich für mehrere Raubüberfälle verantwortlich gemacht wird. Während alle Indizien auf ihn deuten und die Lage immer aussichtsloser wird, zerbricht seine Frau Rose (Vera Miles) an dem Druck der auf der Familie lastet, wird wahnsinnig und landet schließlich in der psychiatrischen Klinik.
„Der falsche Mann“ ist wohl einer der ernstesten Filme von Hitchcock. Dies liegt an der realen Story, an
Bilder von Alfred Hitchcock - Collection [7 DVDs] (DVD)
die sich Hitchcock sehr stark gehalten. Hitchcock hat sogar auf den für ihn so typischen Cameo-Auftritt verzichtet und stellt sich stattdessen dem Film voran, wo er mit düsteren Worten den Zuschauer noch einmal auf den Ernst der Geschichte aufmerksam macht. Nur das auf Drängen der Produzenten und gegen die eigentlichen Pläne von Hitchcock angehängte Ende in Textform schert hier etwas aus. Dies ist auch ein kleiner Schwachpunkt des Films.Nichtsdestotrotz ein ungemein spannender Hitchcock, in dem sich viele Motive aus Hitchcock-Filmen in Variationen wiederfinden und der mit Henry Fonda und Vera Miles ein hervorragendes Hauptdarstellerpärchen bieten kann, was ja leider nicht bei allen Hitchcock-Filmen der Fall ist.
Die DVD aus der Box ist identisch zur zeitgleich erschienen Einzel-DVD und bietet den Film in einer sehr guten Bild- und Tonqualität. Neben dem Trailer findet sich auf der DVD ein etwa zwanzig Minuten langes Making Of „Guilt Trip: Hitchcock and 'The Wrong Man“, in dem u.a. der Art Directors des Films Paul Sylbert, der Filmhistoriker Richard Schickel, sowie Peter Bogdanovich zu Wort kommen. Vor allem Bogdanovich liefert mal wieder einen eindrucksvollen Beweis seines unglaublichen Filmwissens und seiner filmanalytischen Fähigkeiten. Es ist immer wieder ein Genuss diesem Mann zuzuhören, der wirklich jede Dokumentation mit seinen intelligenten Kommentaren aufwertet. Das Making Of ist Dank optionaler Untertiteln in verschiedenen Sprachen auch für jeden anschaubar, der des englischen nicht ausreichend mächtig ist. Dies ist bei allen Making-Ofs auf den DVDs der Box der Fall. *** Dial M for murder - Bei Anruf Mord (USA 1954)
Darsteller: Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, John Williams, Anthony Dawson DVD: • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 1.0) Englisch (Dolby Digital 1.0) • Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Hebräisch, Norwegisch, Schwedisch, Tschechisch, Griechisch, Ungarisch, Polnisch, Türkisch • Bildformat: 1.85:1 Extras: Dokumentation: "3D: Ein kurzer Einblick", Dokumentation: "Hitchcock und Bei Anruf Mord", US-Kinotrailer „Bei Anruf Mord“ ist vielleicht der perfideste Film von Hitchcock. Über ein Jahr lang hat Tony Wendice (Ray Milland) sorgfältig geplant, wie er seine reiche Frau Mary (Grace Kelly) um die Ecke bringen will. Während er selbst mit Margots Liebhaber Mark (Robert Cummings) ausgeht und sich so das perfekte Alibi beschafft, soll der angeheuerte Charles Alexander Swan (Anthony Dawson) seine Frau umbringen und dabei einen Einbruch vortäuschen. Bis ins kleinste Detail hat Wendice alles geplant, doch eins hat er vergessen. Dass es seiner Frau gelingen könnte, Swan zu überwältigen. Dabei ersticht Mary den vermeintlichen Einbrecher. Doch Wendice hat schnell einen noch perfideren Alternativplan zur Hand. Er sorgt dafür, dass seine Frau des Mordes angeklagt wird und ihr die Todesstrafe droht...
Selten taucht „Bei Anruf Mord“ als Antwort auf, wenn es um den allerbesten Filme von Alfred Hitchcock geht. Für mich ist er es. Es ist beeindruckend mitzuerleben, wie Wendice seinen Plan vorbereitet und dann als die Ausführung scheitert, den neuen hervorzaubert. Man fiebert von der ersten bis zur letzten Minute mit, während es immer aussichtsloser zu werden scheint, dass Marys Unschuld noch herauskommt und ihr Mann überführt wird. Durch die Bank weg hervorragende Darsteller tragen zu dem hervorragenden Werk genauso bei wie Hitchcocks Konzentration auf das Wesentliche. Der Film spielt fast komplett in einem Raum.
Bei der DVD fällt erst einmal der Fehler auf dem Cover auf. Der Film wird in schwarz-weiß angekündigt, es handelt sich aber um einen Farbfilm. Das Bild muss man leider im Vergleich zu den anderen DVDs in der Box als eher mäßig bezeichnen, vor allem da es teilweise etwas verrauscht daher kommt. Der Ton ist schon besser, wobei auffällt, dass die Musik schlechter klingt als die Dialoge. An Extras bekommt man wie bei allen für die Box neuproduzierten DVDs ein hochinteressantes Making Of, unter anderem wieder mit Peter Bogdanovich geboten. Hier kommt zusätzlich auch noch der Regisseur M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“) zu Wort, was das ganze noch einmal bereichert. Auch der übliche Trailer fehlt nicht. Zusätzlich gibt es hier noch ein weiteres Extra. In einem kurzen Feature informieren Experten, unter anderem Bogdanovich, über den 3D-Film.
*** I confess - Ich beichte (USA 1953) Darsteller: Montgomery Clift, Karl Malden, Anne Baxter DVD: • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 1.0) Englisch (Dolby Digital 1.0) • Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Hebräisch, Norwegisch, Schwedisch, Tschechisch, Griechisch, Ungarisch, Polnisch, Türkisch • Bildformat: 4:3, 1.37:1 Extras: Dokumentation: Hitchcocks Bekenntnis: Ein Blick auf "Ich beichte", TV-Dokumentation: Kanadische Premiere von "Ich beichte", US-Kinotrailer
Ähnlich düster wie „Der falsche Mann“ fällt „Ich beichte“ aus. Im Mittelpunkt steht der von Montgomery Clift gespielte Priester Michael William Logan, der von einem Angestellten der Pfarrei (großartig dargestellt von O.E. Hasse) einen Mord gebeichtet bekommt. Das Beichtgeheimnis zwingt ihn selbst dann noch zu schweigen als die Indizien ihn zum Tatverdächtigen machen. Nur eine umfassende Aussage seiner Jugendliebe Ruth (Anne Baxter) scheint ihn retten zu können, doch deren Ausführungen sind schließlich kontraproduktiv. Sie liefern der Polizei ein Mordmotiv und Logan droht die Todesstrafe. „Ich beichte“ ist ein leider etwas in Vergessenheit geratener Hitchcock, was völlig unberechtigt ist, denn es ist ein hochspannender und hochklassischer Film. Hitchcock beschreibt ein interessantes Beziehungsgebilde, in dem die Beichte (es gibt im Film insgesamt drei Aussagen, die man als Beichte bezeichnen könnte) nicht das eigene Gewissen erleichtert, sondern jedes Mal Unglück nach sich zieht. Das zeigt Hitchcocks durchaus kritisches Verhältnis zur katholischen Kirche und Lehre. Der Regisseur wurde strengkatholisch erzogen und zeigte sich im Nachhinein nicht immer glücklich über seine Erziehung.
„Ich beichte“ bietet neben der großen Spannung und der interessanten Geschichte zudem durch die Bank weg hervorragende Darsteller, was diesen Film zu einem echten Geheimtipp macht und zu einem „Must-See“ für alle Hitchcock-Fans. Die DVD zu „Ich beichte“ ist kann beim Bild nicht ganz den hohen Standard von zum Beispiel „Der falsche Mann“ halten. Ein paar Mal fallen leichte Unschärfen im Hintergrund auf. Der Ton ist dagegen tadellos und das Making Of auf der DVD mal wieder hochinteressant. Dazu gibt es noch den üblichen Trailer und ein kleiner Blick auf die kanadische Premiere des Films.
*** Stage fright - Die rote Lola (Großbritannien 1950) Darsteller: Marlene Dietrich, Jane Wyman, Michael Wilding, Richard Todd DVD: • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 1.0) Englisch (Dolby Digital 1.0) • Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Hebräisch, Polnisch, Griechisch, Ungarisch, Türkisch, Portugiesisch, Tschechisch • Bildformat: 4:3, 1.37:1 Extras: Dokumentation : Hitchcock und die rote Lola, US-Kinotrailer
In „Die rote Lola“ variiert Hitchcock das Motiv des unschuldig Gejagten. Der scheinbar unschuldig eines Mordes Verdächtigte ist Jonathan Cooper (Richard Todd), doch er ist gar nicht so unschuldig daran, wie es in den anderen Filmen der Fall ist. Die Theaterdiva Charlotte Inwood (Marlene Dietrich), der er verfallen ist, kam mit blutverschmierten Kleid zu ihm und erzählt ihm, dass sie ihren Mann ermordet hat. Blind vor Liebe will er ihr helfen, nimmt sich des Kleides an und will in der Wohnung des Toten Beweise legen, die auf einen Einbruch hindeuten. Doch die Schauspielerin Inwood spielt mit ihm ein perfides Spiel. Wie sie vorausgesehen hat, wird Cooper in der Wohnung gesehen und von der Polizei anschließend für den Täter gehalten. Auf der Flucht versteckt er sich bei seiner guten Freundin Eve Gill (Jane Wyman), die seinerseits in ihn verliebt ist und ihm daher helfen will. Auch sie ist eine - bisher recht erfolglose - Schauspielerin und fängt an ein Spiel zu spielen. Unter ihrem wirklichen Namen schmeißt sie sich an den ermittelnden Kommissar Smith (Michael Wielding) ran, unter dem falschen Namen Doris schleust sie sich bei Charlotte Inwood ein. Natürlich führt dieses doppelte Spiel zu Komplikationen, die sich steigern als Eve sich in Smith verliebt...
Wie schon gesagt, unterscheidet sich dieser Film von den anderen dadurch, dass Cooper nicht ganz schuldlos daran ist, dass er unter Mordverdacht gerät. Normalerweise sind es ganz normale, einfache Bürger, die völlig unvermittelt zwischen die Mühlen der Justiz geraten. Hier kommt noch dazu, dass der Charakter von Jonathan Cooper sehr unsympathisch angelegt ist und von Richard Todd genauso unsympathisch gespielt wird. Zu Beginn ist dies eine große Schwäche des Films, da der Zuschauer nicht wie gewohnt mit dem Unschuldigen mitfiebert. Diese Schwäche hält aber glücklicherweise nicht lange an. Hitchcock wechselt die Perspektive und stellt nun die etwas naive - von Jane Wyman hervorragend verkörperte - Eve Gill in den Mittelpunkt der Geschichte. Er inszeniert Theaterspiele im Film, es kommt zu einem Kräftemessen der beiden Schauspielerinnen. Die große Diva Inwood gegen die kleine Amateurin Gill, beide inszenieren immer wieder ein Theaterstück und es scheint, dass die kleine Gill der großen Inwood nicht gewachsen ist, selbst bei der großen Konfrontation am Schluss.
„Die rote Lola“ ist dabei wohl der schwächste Film in dieser Box, auch nur mäßig spannend und einzig allein aufgrund zahlreicher unterhaltenden Aspekte noch sehenswert. Hitchock arbeitet hier zudem mit Rückblenden und nutzt diese, um den Zuschauer hereinzulegen. Die Rückblenden sind immer subjektiv und zeigen nur die Geschichte, welche der Erzähler liefert. Das macht Hitchcock dem Zuschauer nicht deutlich, sondern er erweckt den Eindruck er zeige das filmisch Reale. So kommt man sich als Zuschauer - auf gut deutsch gesagt - am Schluss ziemlich verarscht vor, was rückbetrachtet die Qualität des Film schmälert, vor allem da man Dank anderer Werke von Hitchcock weiß, dass er dies nicht nötig hat, um den Zuschauer zu überraschen. Hitchcock selbst bereute später diese Lüge. [1] Die DVD kann wie die anderen DVDs aus der Box in puncto Bild- und Tonqualität überzeugen. Als Extras bekommt man hier die gewohnte Kost. Ein Trailer und das wieder rund zwanzig Minuten lange Making Of. Im Vergleich mit den anderen neuproduzierten Making Ofs auf den anderen DVDs schneidet dieses hier allerdings etwas schwächer ab, was daran liegt, dass die Protagonisten etwas zu viel Zeit darauf verwenden, über die zahlreichen Schauspieler in Nebenrollen zu sprechen. Insgesamt natürlich trotzdem ein gutes Making Of, das aber nicht ganz den sehr hohen Standard der Making Of - Reihe halten kann.
*** Strangers on a Train - Der Fremde im Zug (USA 1951) Darsteller: Farley Granger, Ruth Roman, Robert Walker DVD: • 3 Filmfassungen • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 1.0) Englisch (Dolby Digital 1.0) • Untertitel: Deutsch • Bildformat: 4:3 DVD Features: Dokumentationen : 1.) Der Fremde im Zug: Ein Hitchcock-Klassiker; 2.) Der Fremde im Zug: Eine Würdigung von M. Night Shyamalan; 3.) Der Fremde im Zug: Aus der Sicht des Opfers; 4.) Die Hitchcocks über Hitch; 5.) Ein historisches Treffen mit Betsy Jones und Thomas Jefferson; US-Kinotrailer
Das Highlight der Box ist wohl „Der Fremde im Zug“, der als Special Edition auf 2 DVDs daherkommt. Der Film erzählt eine der bekanntesten Hitchcock-Geschichten, deshalb so bekannt weil als Vorlage ein populärer Roman von Patricia Highsmith diente. Der Tennisspieler Guy Haines (Farley Granger) lernt bei einer Zugfahrt Bruno Anthony (Robert Walker) kennen, der ihn mit einem „Geschäftsvorschlag“ überrascht. Anthony will für Haines dessen scheidungsunwillige Frau umbringen, so dass der Weg frei ist für eine Heirat zwischen Haines und seiner Freundin Anne (Ruth Roman), im Gegenzug soll Haines den Vater von Anthony töten. Zwei perfekte Morde, denn da keine Beziehung zwischen den beiden besteht, könnte die Polizei nichts nachweisen.
Haines hält das ganze für einen schlechten Scherz, doch Anthony meint es nicht nur ernst, sondern erfüllt sogleich seinen Teil der „Abmachung“. Von nun an setzt er Haines unter Druck auch „seinen“ Mord zu begehen und der Druck auf Haines wird dadurch zusätzlich erhöht, dass er für die Polizei natürlich der Hauptverdächtige im ersten Mordfall ist. „Der Fremde im Zug“ ist ein weiterer spannender und dramatischer Film von Hitchcock. Nicht nur das Motiv des unschuldig von der Polizei Verdächtigten (Gejagt passt hier nicht ganz, denn das wird Haines nur im Finale) taucht hier auf, sondern Hitchcock führt auch das Muttermotiv wieder ein. Der Regisseur scheint ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu seiner Mutter gehabt zu haben, denn oft spielen die Mütter in seinen Filmen eine entscheidende, eher negative Rolle. Das bekannteste Beispiel hierfür ist sicher die Mutter von Norman Bates aus „Psycho“ (1960), aber auch hier ist Bruno Anthony krankhaft auf seiner Mutter fixiert, was einen der interessantesten Aspekte des Films ausmacht. Robert Walker liefert hier eine beeindruckende Darstellung. Recht schade ist allerdings, dass Farley Granger da nicht ganz mithalten kann und seine Leistung gegenüber der von Walker doch deutlich abfällt.
Ganz hervorragend inszeniert ist bei diesem Film übrigens das rasante Finale, welches zudem ohne Tricks und doppelten Boden gedreht wurde. Ein alter Mann kriecht unter ein außer Kontrolle geratenes Karussell und diese Szene wurde so wie sie im Film zu sehen ist, real gedreht. Da stockt auch beim wiederholten Ansehen der Atem. Das diese DVD das Highlight der Box ist, hat aber weniger mit dem Film zu tun, sondern mit der DVD, genauer den zwei DVDs, selbst. Dort ist der Film nämlich in gleich drei verschiedenen Fassungen zu sehen. Einmal gibt es die deutsche Version, die eine Laufzeit von ca. 93 Minuten hat. Bei der Kinoausstrahlung wurde der Film vom damaligen Verleiher in Deutschland geschnitten. Szenen, die als zu brutal, zu sadistisch oder zu schwarzhumorig empfunden wurden, wurden herausgeschnitten. Diese Fassung ist auch nur mit deutscher Synchronisation verfügbar, was natürlich daran liegt, dass es hierzu aufgrund der Kürzungen gar keine englische Sprachfassung geben kann.
Etwas länger ist die US-Version, die sich wie die deutsche Version auf der ersten DVD befindet. Sie hat eine Länge von ca. 97 Minuten. Hitchcock hat für diese Fassung die Anspielungen auf die Homosexualität in der amerikanischen Fassung dezenter gestaltet als in der englischen. Diese Fassung ist mangels einer passenden deutschen Synchronisation, die nicht existiert, nur im Originalton mit optionalen deutschen Untertiteln verfügbar. Mit 103 Minuten noch länger ist die als Preview-Fassung betitelte englische Version. Sie ist auf der zweiten DVD zu finden und ebenfalls im Originalton mit optionalen deutschen Untertiteln verfügbar. Doch leider gibt es auch hier einen großen Nachteil. Bei dieser Fassung gibt es ein anderes Ende, es fehlt eine sehr gelungene Szene, eine Art Epilog, welche von Hitchcock erst später gedreht wurde, und am Ende der anderen beiden Fassungen zu finden ist.
Das ist sehr ärgerlich, vor allem da der TV-Sender ARTE am 03.02.2005 eine Fassung gezeigt hat, welche die englische Fassung plus das Ende der anderen beiden Fassung enthielt. Diese Fassung ist wohl die ultimative und gerade jene gibt es nicht auf der DVD. Bei der Bildqualität muss man hier sehr stark nach den Fassungen unterscheiden. Während das Bild der deutschen Fassung nämlich wirklich in hervorragender Qualität daher kommt, muss man bei der US-Fassung mit deutlichen Fehlern und Qualitätseinbusen leben. Die englische Fassung liegt qualitativ zwischen den beiden anderen Fassungen. Bei der Tonqualität sind solche deutlichen Unterschiede zwischen den Fassungen nicht zu hören.
Bei den Extras punktet diese DVD noch einmal kräftig und macht den Mangel der fehlenden Fassung wett. Auf der ersten DVD findet sich neben einem Trailer ein gelungener Audiokommentar. Dieser hat nur etwas darunter zu leiden, dass es sehr viele Beteiligten gibt und man sich so immer wieder auf einen anderen Sprecher einstellen muss. Deutsche Untertiteln fehlen hier leider ausnahmsweise. Die interessantesten Informationen kommen wie gewohnt von Peter Bogdanovich und Richard Schickel. Kurzzeitig wird in den Audiokommentar auch einmal ein Gespräch von Bogdanovich mit Hitchcock eingeblendet. Das gewohnte Making Of findet sich auf Disc 2. "Strangers on a Train: A Hitchcock Classic" fällt dabei fast doppelt so lange aus, wie die anderen Making Ofs und vor allem Peter Bogdanovich liefert wieder die interessantesten Informationen. In einem eigenen Extra darf auch noch M. Night Shyamalan den Film würdigen. Weniger interessant fällt dagegen das Extra „Der Fremde im Zug: Aus der Sicht des Opfers“ aus, in dem noch einmal die Schauspielerin Kasey Rogers zu Wort kommt, die im Film das Mordopfer, also die scheidungsunwillige Frau von Haines, spielt. Ein kurzer Wochenschauausschnitt und ein Extra über Hitchcock privat, in dem seine Tochter und seine Enkelkinder zu Wort kommen, runden diese Veröffentlichung ab.
Noch ein Hinweis zur Beschaffenheit der Box. Die DVDs der Filme befinden sich jeweils in Amaray-Hüllen, die in einem großen schwarzen Pappschuber drin stehen. Auf diesem prangert das Konterfei von Alfred Hitchcock und am Rand sind die jeweiligen Filmplakate abgebildet.
Fazit: Wenn man die Box als ganzes betrachtet, dann kann man Warner nur für die Veröffentlichung loben. Natürlich gibt es bei einer sieben DVDs umfassenden Box, hier und da die ein oder andere Schwäche, das eine Extra ist vielleicht mal etwas weniger gut als das andere, die Bildqualität ist bei einem Film etwas schwächer als beim anderen, aber das liegt in der Natur der Sache.
Insgesamt kann man sich nämlich nur freuen. Man bekommt sechs sehenswerte Filme geboten, von denen man fünf auf jeden Fall als hervorragend einstufen kann. Dazu merkt man, dass sich wirklich Mühe gegeben wurde, diese Filme möglichst gut zu präsentieren. Das fängt bei der Bild- und Tonqualität an, wo größtenteils enorm viel aus den Filmen herausgeholt wurde, und hört bei den Extras auf. Dort stechen vor allem die Making Of heraus und auch wenn im Laufe dieser Besprechung auch etwas Kritik an dem ein oder anderen Making Of geübt wurde, so ändert das nichts daran, dass alle sehr interessant und sehenswert ist. Das ein oder andere ist dabei vielleicht noch einen Tick besser als die weiteren Produktionen. Für jeden Fan des Regisseurs ist diese Box wirklich ein Muss. Die Box müsste überall für unter 60 € zu bekommen sein, so dass man nicht einmal 10 € pro Film zahlt. Auch wer sich bisher noch nicht so intensiv mit dem Werk von Hitchcock beschäftigt haben, kann durchaus einen Kauf der DVD in Erwägung ziehen. Die Filme in dieser Box bieten eine sehr gute Gelegenheit, um einen ersten Einblick in das Schaffen des „Master of Suspense“ zu bekommen und einen zum Hitchcock-Fan werden zu lassen.
Eine ganz eindeutige Kaufempfehlung, ohne Abstriche!
[1] Lesenswert hierzu: Kerstin Kratochwill, Almut Steinlein (Hg.): Kino der Lüge, ISBN: 3-89942-180-9; Die Einführung von Jochen Mecke in welcher auch auf „Die rote Lola“ eingegangen wird, ist als Leseprobe im Internet zu finden: http://www.transcript-verlag.de/ts180/ts180_1.pdf © Björn Becher 2005
P.S.: Aus irgendeinem Grund hat CIAO nicht das von mir eingeschickte Produktbild verwendet, sondern ein anderes, welches aber nicht zu dieser Collection gehört (sondern wohl zu einer der beiden Collections aus dem Hause Universal)
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19.04.2005 14:04
Ziemlich perfekter Bericht, Kompliment. Auch wenn ich Hitchcock nie wirklich was abgewinnen konnte.... ;-) Gruss, Maurice
15.03.2005 09:28
uff, ich mag ja das b.h. eigtl nich so aber dafür hassu es verdient ;)
13.03.2005 11:01
super sache diese sammlung.....achja und dein bericht ist sehr umpfangreich und super ausführlich....bh ;o)))