Erfahrungsbericht über

Alfred Hitchcock - Prestige Collection [7 DVDs] (DVD)

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Alfred Hitchcock - Prestige Collection [7 DVDs] (DVD)

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6 Meisterwerke aus Hitchcock´s 1950ern

5  19.10.2007

Pro:
alles

Kontra:
mehr Boxen dieser Art !  !  !

Empfehlenswert: Ja 

donau_movies

Über sich: 2 Jahre später...

Mitglied seit:12.10.2007

Erfahrungsberichte:63

Vertrauende:24

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Details zur DVD - Box

Da hab ich sie: Eine Schöne, schwarze Blechbox mit Hitchcock´s Gesicht vorne drauf… Macht sich sehr gut im DVD-Regal!
An einer Lasche ziehen wir nun die 7 Seiten, 6 davon mit den DVD´s bestückt in die Höhe. Ganz unten findet sich noch eine Kartonhülle mit der Aufschrift "Der Fremde im Zug - Bonus Disc" und ein Booklet. Wirkt stabil und sieht witzig aus…
Diese Edition der Hitchcock Collection (habe sie auch schon nur in Kartonhülle gesehen) ist eine der schönsten Boxen in meinem Regal, obwohl man das grimmige Gesicht des Regisseurs ja nicht "schön" nennen kann ;-)
Das sind meine Eindrücke zum Äußeren; jetzt aber das wirklich Wichtige - das Innenleben:

DVD 1 - Der falsche Mann

zum Film:
Originaltitel: The Wrong Man
Spielduaer: ca. 101 min.
Jahr: 1956
Sprachen: deutsch, englisch (Mono)
Untertitel: deutsch, englisch, dänisch, finnisch, ungarisch, portugiesisch, hebräisch,
norwegisch, schwedisch, tschechisch, griechisch, polnisch, türkisch.
Untertitel für Hörgeschädigte: deutsch, englisch
FSK: ab 12

BONUS:
  1. Making of "Hitchcock und der falsche Mann"
  2. Trailer

Darsteller: Henry Fonda, Vera Miles, Anthony Quayle u.a.
Musik: Bernard Herrmann
Drehbuch: Maxwell Anderson, Angus MacPhail
Regie: Alfred Hitchcock
Inhalt:
Der Nachtklubmusiker Manny Balestrero wird unter dem Verdacht festgenommen, ein Versicherungsbüro und einige Delikatessengeschäfte ausgeraubt zu haben. Zeugen identifizieren ihn als den Täter. Als er bis zum Prozess gegen Kaution freigelassen wird, sucht er verzweifelt nach den drei Männern, mit denen er zum Zeitpunkt eines der Überfälle Karten gespielt hatte. Zwei der Zeugen für sein Alibi sind inzwischen tot, der dritte Mann bleibt unauffindbar…

Hintergrund:
Hitchcock drehte diesen Film für die Warner Bros. ganz ohne Gage; ein Versprechen, das er den Studios gab, nachdem der Vertrag für 4 Filme ausgelaufen war, und hiermit eingelöst wurde.
Es ist ein untypischer Hitchcock-Film, zumindest für jene, die nur "Psycho", "Die Vögel" oder "Vertigo" kennen; inzwischen habe ich fast alle seiner Werke gesehen (und auf DVD), und behaupte, daß es viele "untypische" Filme gab.
"Der falsche Mann" beruht auf Tatsachen, was den Regisseur faszinierte, und dazu veranlasste, keinen seiner berühmten Cameos einzufügen; stattdessen hält er zu Beginn einen Prolog. Es ist das einzige Mal, daß man Hitch in einem seiner Filme sprechen hört.
Der Film war kein Kassenerfolg, da auch die Kritiker unterschiedlicher Meinung waren; die einen störten sich daran, daß ab Mitte des Films auch die psychische Verfassung der Frau des zu unrecht Beschuldigten eine große Rolle spielt, und "das Publikum überfordert wird"; die anderen mochten es nicht, daß eine wichtige Zutat für die Hitchcock-Suppe fehlt: der Humor.
Ich denke, daß er diesen Alptraum ernst nahm, und somit Humor fehl am Platze war; er recherchierte gründlich, sprach mit den Richtern und Strafverteidigern von damals, und arrangierte ein Treffen mit dem echten Balestrero.

Kritik:
All diese Umstände machen den ersten Film der Box zu einem kleinen, aber sehr guten Film, kafkaesk, ungewohnt ernst und düster;
mit dem Hintergrundwissen, daß Hitchcock selbst als Jugendlicher einmal ein "Gefängnistrauma" erlebte, das ich am Schluß des Berichts kurz aufwerfe, sieht man den Film noch einmal etwas anders.
Kurz: des gibt keinen schlechten Hitchcock Film, Teil 1.

DVD 2 - Die rote Lola

zum Film:
Originaltitel: Stage Fright
Spieldauer: ca. 105 min.
Jahr: 1950
Sprachen: deutsch, englisch (Mono)
Untertitel: deutsch, englisch, dänisch, finnisch, ungarisch, portugiesisch, hebräisch,
norwegisch, schwedisch, tschechisch, griechisch, polnisch, türkisch.
Untertitel für Hörgeschädigte: deutsch, englisch
FSK: ab 6BONUS:
  1. Original-Dokumentation "Hitchcock und die rote Lola"
  2. Trailer

Darsteller: Jane Wyman, Marlene Dietrich, Michael Wilding, Richard Todd, Alistair Sim u.a.
Musik: Leighton Lucas, Cole Porter u.a.
Drehbuch: Whitfield Cook
Regie: Alfred Hitchcock


Inhalt:
Jonathan Cooper wird von der Polizei gesucht, die ihn verdächtigt, den Ehemann seiner Liebhaberin ermordet zu haben. Seine Verlobte Eve Gill bietet ihm an, ihn zu verstecken und Jonathan erzählt in Form einer Rückblende den tatsächlichen Ablauf, wonach seine Liebhaberin, die Schauspielerin Charlotte Inwood, die wahre Mörderin ist. Eve entscheidet sich, selbst nachzuforschen und lässt sich bei Charlotte Inwood als Zofe anstellen. Als sie den mit dem Fall beauftragten Detectiv Wilfred Smith trifft, beginnt sie sich in ihn zu verlieben. Im Laufe des furiosen Finales, als sie zwischen Cooper und Smith immer mehr hin- und hergerissen wird, stellt sich die Wahrheit heraus…

Hintergrund:
Immer wieder bin ich überrascht, welch gute Filme von den TV-Sendern einfach vergessen werden, trotz Namen wie Hitchcock, Dietrich, Wyman.
Nun gut, das macht uns dann umso mehr Spaß, wenn wir einen von denen entdecken.
Eine Woche zuvor war es "Mein Freund Harvey" mit James Stewart, hier ist es "Die rote Lola"…
Restlos begeistert war ich von der "Rückblende"; für alle, die NICHT wissen wollen, wie der Film ausgeht; sie sollten die nächsten Zeilen überspringen.
Ich habe bisher keine gefilmte Rückblende gesehen, die eine falsche Fährte legt; der Mörder lügt, und wir sind natürlich von seiner Unschuld überzeugt, die Verwirrung ist perfekt. Diese filmische "Lüge" wurde Hitchcock vom Publikum übel genommen, er bereute sie; tatsächlich war er nur wieder seiner Zeit voraus, da sie heute ein öfter verwendetes Stilmittel der Erzählkunst ist.

Kritik:
Hitchcock versteht es wie kein anderer, uns in die Irre zu führen;
bis zum Schluß spannender, völlig zu Unrecht fast vergessener Film in der Schaffensliste eines der größten Regisseure aller Zeiten.
Und über das unterkühlte Spiel der Dietrich muß man ohnehin kein Wort verlieren…

DVD 3 - Bei Anruf Mord

zum Film:
Originaltitel: Dial M For Murder
Spieldauer: ca. 101 min.
Jahr: 1955
Sprachen: deutsch, englisch (Mono)
Untertitel: deutsch, englisch, dänisch, finnisch, ungarisch, portugiesisch, hebräisch,
norwegisch, schwedisch, tschechisch, griechisch, polnisch, türkisch.
Untertitel für Hörgeschädigte: deutsch, englisch
FSK: ab 12

BONUS:
  1. Original-Dokumentation: "Hitchcock und Bei Anruf Mord"
  2. 3D: Ein kurzer Einblick
  3. Trailer

Darsteller: Ray Milland, Grace Kelly, Robert Cummings, John Williams u.a.
Musik: Dimitri Tiomkin
Drehbuch: Frederick Knott
Regie: Alfred Hitchcock
Inhalt:
Grace Kelly spielt Margot, die reiche Ehefrau des windigen Playboys Tony Wendice. Tony fürchtet den Verlust des Geldes, weil Margots Liaison mit dem Schriftsteller Mark zu einer Scheidung führen könnte. Er zwingt einen ehemaligen Schulkameraden, der in Schwierigkeiten steckt, zum Mord an seiner Frau. Der minutiös ausgefeilte Plan droht zu scheitern, als Margot es mit letzter Kraft schafft, ihren vermeintlichen Mörder mit einer Schere zu erstechen. Doch Tony schaltet schnell: mit eiskalter Berechnung liefert er der Polizei Hinweise, die seine Frau auf den elektrischen Stuhl bringen könnten...

Hintergrund:
Einer der bekanntesten Filme Hitchcocks, und somit der erste Grund, auch für Nicht-Fans, sich diese Box zuzulegen. Ursprünglich wurde er in einem 3D-Verfahren gedreht, von dem Hitchcock nicht viel hielt, von den Warner Bros aber dazu gedrängt wurde. Als der Film fertig war, hatte sich die Begeisterung seitens des Publikums für diese Technik wieder gelegt, und er kam nun doch nur in 2D in die Kinos…
Mit "Ein perfekter Mord" wurde er mit Michael Douglas neuverfilmt, meiner Meinung nach kann er dem Original aber nicht das Wasser reichen; die Inszinierung bei diesem Film ist nunmal die Handschrift eines Meisters, und Ray Milland ist nicht nur böse, sondern auch etwas hinterfotzig-sympathisches, was Michael Douglas nicht darstellen kann. Abgesehen davon fällt es auch schwer, ein ähnlich schönes Opfer zu finden…

Kritik:
Ähnlich wie "Rope" ein Kammerspiel, das Seinesgleichen sucht. Ray Milland ist derart gemein und genial zugleich, Grace Kelly (die einzige Schauspielerin, die auch ich wirklich schön finde bzw. fand) so unschuldig, und die Gesamtsituation teuflisch verzwickt, daß man nicht anders kann, als dranzubleiben…
Zum einen begeistert mich schon einmal die Ausgefeiltheit des Mordes, und daß Hitchcock nicht mehr als einen Raum braucht, um Hochspannung zu erzeugen. Zum anderen gibt es hier so viele unerwartete Wendungen, daß es regelrecht Spaß macht…
Böse: als Zuseher hält man doch wirklich am Anfang zum Mörder, und denkt sich `Mist´, als der scheitert…
Hitchcock sagte einmal, daß Mord auch Spaß machen kann, und hierfür ist "Bei Anruf Mord" ein perfektes Beispiel…

DVD 4 - Der unsichtbare Dritte

zum Film:
Originaltitel: North By Northwest
Spieldauer: ca. 131 min.
Jahr: 1959
Sprachen: deutsch (Mono), englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: deutsch, englisch, dänisch, finnisch, norwegisch, schwedisch, isländisch,
holländisch, italienisch
Untertitel für Hörgeschädigte: deutsch
FSK: ab 12BONUS:
  1. Original Kommentar von Drehbuchautor Ernest Lehmann
  2. Original Dokumentation "Destination Hitchcock: The Making Of North By Northwest"
    präsentiert von Eva Marie Saint
  3. USA TV-Spot
  4. Foto-Galerie
  5. Tonspur nur mit Musik
  6. Trailer

Darsteller: Cary Grant, Eva Marie Saint, James Mason, Jessie Royce Landis u.a.
Musik: Bernard Herrmann
Drehbuch: Ernest Lehmann
Regie: Alfred Hitchcock


Inhalt:
Ein unbescholtener Werbefachmann gerät irrtümlich ins Fadenkreuz eines feindlichen Spionagerings. Gefährliche Profikiller hetzen ihn quer durch die USA. Schließlich kommt es auf dem Präsidenten-Denkmal am Mount Rushmore zu einem spektakulären Showdown.

Hintergrund:
Zugegeben, die Inhaltangabe fällt hier etwas kurz aus, aber da dieser zu den bekanntesten Hitchcock-Filmen zählt, wollte ich mich nicht länger damit aufhalten. Man denke allein an die legendäre Flugzeugverfolgungsjagd, in der Cary Grant über ein Maisfeld gehetzt wird…
In diesem Film wird wiedereinmal klar, wie präzise Hitchcock Spannung erzeugen konnte, und so wurde er wegweisend für den modernen Thriller.
Auch der Aufwand dafür war verhältnismäßig groß: Da keine Dreherlaubnis im UNO-Gebäude von New York erteilt wurde, filmte man einfach mit versteckter Kamera!
Hitchcock verstand es, sexuelle Anspielungen so subtil wie möglich zu gestalten:
In der letzten Szene, in der sich Cary Grant und Eva Marie Saint in einem Schlafwagen befinden, und ein Liebesakt angedeutet werden soll, sieht man den Zug nur noch von oben, wie er in einen Tunnel fährt… Die damalige Zensur war nicht begeistert, konnte aber nichts dagegen unternehmen, da Züge nunmal in Tunnel "eindringen" ;-)
Hitchcock nannte es die "impertinenteste Schlusseinstellung, die er je gemacht hat".

Kritik:
Über jeden Zweifel erhabender Klassiker; wer den nicht kennt, ist selber schuld; er bietet Spannung, Humor und natürlich eine Liebesgeschichte - alles, was Hitchcock zu bieten hat, und ist nebenbei noch gesagt sein längster Spielfilm.

DVD 5 - Ich beichte

zum Film:
Originaltitel: I Confess
Spieldauer: ca. 91 min.
Jahr: 1953
Sprachen: deutsch, englisch (Mono)
Untertitel: deutsch, englisch, dänisch, finnisch, ungarisch, portugiesisch, hebräisch,
norwegisch, schwedisch, tschechisch, griechisch, polnisch, türkisch.
Untertitel für Hörgeschädigte: deutsch, englisch
FSK: ab 12

BONUS:
  1. Original-Dokumentation "Hitchcocks Bekenntnis: Ein Blick auf ,Ich beichte'"
  2. Kanadische Premiere von ,Ich beichte'
  3. Trailer

Darsteller: Montgomery Clift, Anne Baxter, Karl Malden, Brian Aherne, O.E. Hasse u.a.
Musik: Dimitri Tiomkin
Drehbuch: George Tabori und William Archibald
Regie: Alfred Hitchcock
Inhalt:
Der Sakristan Otto Keller beichtet Pater Logan, er sei bei einem Diebstahl ertappt worden und habe den Zeugen umgebracht. Der Geistliche wahrt das Beichtgeheimnis, obwohl er selbst unter Mordverdacht gerät, weil der Täter eine Soutane trug. Als sich herausstellt, dass der Ermordete eine Freundin des katholischen Priester erpresst hatte, scheint auch das Tatmotiv aufgeklärt zu sein. Aus Mangel an Beweisen wird Pater Logan zwar freigesprochen, aber man hält ihn weiterhin für schuldig…

Hintergrund:
Man kann diese DVD-Box auch als die "Box der zu unrecht Beschuldigten" nennen;
Dieses Thema faszinierte Hitchcock eindeutig, und hier wird es zugleich auf die Spitze getrieben: Was soll ein Geistlicher machen, der sein Beichtgeheimnis zu wahren hat?
Für manchen Zuschauer ist es wohl unerträglich, mitanzusehen, wie sich Pater Logan mit der Wahrheit zurückhält; und so ist es ein Film, bei dem man zwar von Beginn an weiß, was los ist, wer der Schuldige ist, der aber genau dadurch spannend ist und Spaß macht.
Hitchcock hatte die Idee zu dem Film schon jahrzehnte zuvor, fand aber keinen Drehbuchautor, der den Stoff adäquat umsetzen konnte.
So begab es sich, daß er erst nach "Der Fremde im Zug", der letzten DVD dieser Box, dieses Schuldübertragungsdrama verfilmte.

Kritik:
Man muß diesen Film eher als Drama, nicht als Thriller sehen.
Und als solches funktioniert er hervorragend. Das Dilemma, indem sich der Pater befindet, wird eindrucksvoll und nachvollziehbar dargestellt. Wieder ein eher ernster Film, was mich ja überhaupt nicht stört, damals aber dazu führte, daß er gemieden wurde.
Die Bildersprache, das Spiel zwischen Licht und Schatten, hell und dunkel, die suggestive Kameraführung und die vielen visuellen Details machen "Ich beichte" zu einem (für mich) sehr wichtigen Film in Hitchcocks Gesamtwerk.

DVD 6 und 7 - Der Fremde im Zug

zum Film:
Originaltitel: Strangers on a Train
Spieldauer: ca. 97 min.
Jahr: 1951
Sprachen: deutsch, englisch (Mono)
Untertitel: deutsch
FSK: ab 12BONUS:
Disc 1:
  1. US-Version (OmU)
  2. Original Kommentar von Regisseur Peter Bogdanovich, "Psycho"- Drehbuchautor Joseph Stefano, Patricia Highsmith-Biograf Andrew Wilson u.a.
  3. USA Kinotrailer

Disc 2 (Kartonhülle):
  1. Preview- Version (OmU, ca. 103 min.)
  2. Making of "Der Fremde im Zug: Ein Hitchcock-Klassiker"
  3. Die Hitchcocks über Hitch
  4. "Der Fremde im Zug: Aus der Sicht des Opfers"
  5. "Der Fremde im Zug: Eine Würdigung von M. Night Shayamalan"
  6. Wochenschau-Ausschnitt "Ein historisches Treffen"

Darsteller: Farley Granger, Ruth Roman, Robert Walker, Leo G. Carroll u.a.
Musik: Dimitri Tiomkin
Drehbuch: Raymond Chandler und Czenzi Ormonde
nach einem Roman von Patricia Highsmith
Regie: Dieter Bohlen…hoppala, vertippt; natürlich Alfred Hitchcock
Inhalt:
Der Tennisspieler Guy Haines lebt getrennt von seiner leichtlebigen Frau Miriam, die in eine Scheidung nicht einwilligt. Verliebt ist Guy in die aparte Ann, der Tochter von Senator Morton. Im Zug von Washington nach New York lernt er Bruno kennen, der ihm einen unglaublichen Vorschlag unterbreitet: Bruno will Miriam umbringen, im Gegenzug soll Guy Bruno's verhaßten Vater töten. Guy glaubt zunächst an einen Scherz. Doch am nächsten Abend tötet Bruno Miriam in einem Vergnügungspark, als Beweis bringt er Guy Miriam's Brille. Guy wird von der Polizei beobachtet. Bruno droht ihn anzuzeigen, falls er seinen Teil der Abmachung nicht einhält. Auf einer Cocktailparty erwürgt Bruno beinahe Mrs. Cunningham, als er Ann's Schwester Barbara (Patricia Hitchcock, der Regisseurs Tochter!!) ansieht, die Miriam verblüffend ähnlich sieht. Ann erkennt die Zusammenhänge. Bruno will Guy's Feuerzeug am Tatort verstecken, um so die Schlinge um Guy´s Hals weiter zuzuziehen…

Hintergrund:
Der letzte Film der Box weist auch am meisten Specials auf, obwohl ich mir die Preview Version noch nie so recht angesehen habe, da sie ja nur mit Untertitel versehen ist. Die Dokumentationen sind sehr interessant, wie immer übrigens.
Raymond Chandler als einen der Drehbuchautoren anzugeben, ist etwas zuviel der Würde, da Hitchcock mit seinen Versionen derart unzufrieden war, daß er schließlich kein Wort mehr mit ihm sprach, und stattdessen Czenzi Ormonde engagierte, die das Drehbuch fast komplett neu schrieb. "Schuster, bleib bei deinen Leisten" war der einzige Kommentar, dem man Hitchcock viel später dazu abringen konnte.
Patricia Highsmith (die auch die Romanvorlage zu "Der talentierte Mr. Ripley", grenzgenial verfilmt von Anthony Minghella verfasste) hat, für mich zumindest, hier einen weiteren intelligenten und vor allem manipulativen Thriller geschrieben.
Es fällt wieder auf, daß sich Hitchcock immer gern mit dem selben Team umgab: Er war die erste Zusammenarbeit mit Kameramann Robert Burks, der auch am Erfolg von "Bei Anruf Mord", "Das Fenster zum Hof", "Über den Dächern von Nizza", "Vertigo", "Der unsichtbare Dritte", "Marnie" oder "Die Vögel" maßgeblich beteiligt war.

Kritik:
Der 2. Schuldübertragungsthriller. Sauspannend und bösartig. Besonders in Erinnerung blieb mir die Szene, in der Bruno Guy bei einem Tennisspiel auflauert; er sitzt in der Zuschauermenge, die ihre Köpfe nach links und rechts, dem Ball nach bewegt, während Bruno´s Blick einzig und allein Guy gilt. Für solche Aufnahmen war Hitchcock berühmt…
Cameo: Hitchcock mit Kontrabass, steht ihm irgendwie ;-)

Fazit

Es gibt nicht viele Regisseure, die ausnahmslos zu bewundern sind; dazu gehören David Lynch, Stanley Kubrick und eben Alfred Hitchcock, wie mit dieser Box unter Beweis gestellt wird.
Mit "Die rote Lola" oder "Ich beichte" enthält er vielleicht auch weniger erfolgreiche Filme, aber "Bei Anruf Mord" und "Der unsichtbare Dritte" machen das wieder gut.
Also, wer die bekanntesten Hitchcock Filme schon gesehen hat, und sich "weiterbilden" will, wird begeistert sein; ich vertrete nach wie vor vehement den Standpunkt, daß er keinen einzigen schlechten Film gemacht hat; die "Schlechtesten" waren seine Frühwerke, wie "Irrgarten der Leidenschaft" von 1925, ein Stummfilm, oder "Riff-Piraten" von 1939, in dem er sich im Abenteuergenre versuchte…
Demnächst werde ich mir auch noch andere Hitchcock Filme zur Bewertung vornehmen, um meiner These weiteren Halt zu verleihen.

Zum Abschluß noch das Gefängnis-Erlebnis

Hitchcock war schon als Kind relativ korpulent, und hatte daher eine einsame Jugendzeit. Seine Schwester erzählt in einer Making of -Doku (auch auf dieser Box), daß er einmal etwas angestellt hatte; wenn ich mich recht entsinne, hat er gestohlen.
Sein Vater war mit einem Polizisten befreundet, und arrangierte einen mehrstündigen Knastaufenthalt für seinen Sohn.
Dieses Erlebnis war einschneidend für den Jungen; verfehlte aber seine Wirkung nicht.
Von nun an widmete er sich lieber Kriminalgeschichten, und später dem Film, als selbst zu einer zu werden…

Mehr Hitchcock, bitte!

Hier eine kleine Auswahl besonders sehenswerter Filme:
  1. 1927 Der Mieter
  2. 1929 Erpressung (Blackmail)
  3. 1935 Die 39 Stufen
  4. 1936 Geheimagent
  5. 1936 Sabotage
  6. 1938 Eine Dame verschwindet
  7. 1940 Rebecca
  8. 1941 Verdacht (Suspiction)
  9. 1943 Im Schatten des Zweifels
  10. 1944 Das Rettungsboot
  11. 1945 Spellbound (Ich kämpfe um dich)
  12. 1946 Berüchtigt (Notorious)
  13. 1947 Der Fall Paradin
  14. 1948 Cocktail für eine Leiche (Rope)
  15. 1954 Das Fenster zum Hof (Rear Window)
  16. 1955 Über den Dächern von Nizza (To catch a thief)
  17. 1955 Immer Ärger mit Harry
  18. 1956 Der Mann, der zuviel wusste
  19. 1958 Vertigo
  20. 1960 Psycho
  21. 1963 Die Vögel
  22. 1964 Marnie
  23. 1966 Der zerrissene Vorhang
  24. 1969 Topas
  25. 1972 Frenzy
  26. 1976 Familiengrab (Family Plot)



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Doofmatz

Doofmatz

27.10.2007 10:25

Jetzt muß ich gestehen, von den beschriebenen Filmen nur einen gesehen zu haben. Den fand ich zwar toll, dachte aber, Hitchcock wäre momentan noch nicht so meins.. ich gebe zu, Du hast mir Lust auf mehr gemacht. Wahnsinnsrezension.

Flensburg-Studi

Flensburg-Studi

20.10.2007 20:15

Vielen Dank für den tollen Bericht. Das macht Lust auf mehr. Finde es gut, dass auch mal weniger bekannte Filme von Hitcock in dieser Sammlung enthalten sind.

fresswahn

fresswahn

20.10.2007 12:32

... eine lohnenswerte Investition ...

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