Ali G indahouse

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Ali G indahouse

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Der Rap wird gesellschaftsunfähig

1  28.02.2005

Pro:
Vielleicht die Originalversion .  .  . ?

Kontra:
So gut wie alles

Empfehlenswert: Nein 

freetibet

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:31

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 32 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Von Komikerzeugnissen wird man in den vergangenen Jahren förmlich überschwemmt. Besonders im Fernsehen präsentieren sich viele Newcomer. Die in den neunziger Jahre entstandene Comedywelle steht für industriell erzeugte und professionell verbreitete Komikprodukte. Heiterer bin ich seitdem nicht geworden; durch die große Auswahl aber schaut man genauer hin und wird auch ein bißchen geschmäcklerisch, oder?

England, in der Jetztzeit. Ali G. (Sasha Baron Cohen) ist ein arbeitsloser junger Mann im Londoner Vorort Staines. Ali hat sich, wie einige andere junge Leute auch, komplett in die Welt der Ghangsterrapper nach US-amerikanischem Vorbild eingewebt. Seine Umgebung nimmt sein Verhalten schwer genervt zur Kenntnis, denn Ali ist eigentlich nur ein tolpatschiger Junge mit blühender Phantasie und bestimmt kein gefährlicher Straßentiger. Warum auch, in einem nüchtern-proletarisch geprägtem Stadtteil?
Es gehört zu Ali Selbstverständnis, seine Rapphilosophie an die Jugend weiterzugeben. Deswegen unterrichtet er im lokalen Freizeitzentrum Kinder im Grundschulalter. Als das Freizeitzentrum von der Schließung bedroht wird, kettet er sich an und tritt in den Hungerstreik, den er allerdings nach 5 Minuten wegen akuter Gier nach fastfood wieder abbricht.

Durch seine Aktion wird der Vizepremierminister (Charles Dance) auf ihn aufmerksam, der Ali erfolgreich für den Wahlkampf seiner Partei gewinnt, freilich nicht um Wähler zu gewinnen, sondern zu vergraulen. Alis peinliche Auftritte und die verlorenen Wahlen sollen den alten Premier zum Rücktritt zwingen und seinem intriganten Vertreter den Weg zum Parteivorsitz bahnen. So geschieht es. Ali zieht in den Wahlkampf, blamiert seine Partei regelmäßig und gründlich und bringt sie innerhalb von 10 Tagen auf die Verliererstraße.
Doch dann geht Ali aus einer Fernsehdiskussion gegen den Spitzenkandidaten der anderen Partei ohne eigenes Zutun als Sieger hervor. Das sichert ihm den Wahlsieg und er zieht ins Parlament ein. Auch dort produziert er nur Unsinn und zieht sich zunächst den Zorn des Premierministers zu. Als er aber dafür von der Presse als -Achtung, Satire!- "Stimme einer neuen Generation" gefeiert wird, beruft ihn der Premier sogar ins Kabinett. Als Liebling der Presse werden seine Ideen natürlich berücksichtigt und nun kann Ali seinen Vorstellungen freien Lauf lassen. Die Asylbewerberfrage löst er zum Beispiel damit, nur noch gut aussehende Frauen ins Land zu lassen. In einer außenpolitisch kritischen Situation läßt er den beteiligten Staatschefs Tee mit Marihuana servieren. Die Situation entspannt sich, doch die Presse kommt der Sache auf die Spur. Ali muß zurücktreten. Als der Vizepremier auch noch erfolgreich das Gerücht lanciert, der Premierminister hätte Sex mit Prostituierten, hat er sein Ziel erreicht. Er wird Premierminister anstelle des Premierministers. Nun liegt es an Ali, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen...

"Ali G. Indahouse" ist gewiß kein Film, der mit befreienden Reflexionswendungen oder mit einer überragenden Inszenierung überzeugen will, er möchte unterhalten und nur unterhalten - und das geht gründlich daneben. Bei Komödien sollte man ordentlich etwas zu lachen haben, sich mindestens jedoch über Gebühr amüsieren können. Hier langweilte ich mich jedoch größtenteils, auch wenn mir einige Gags gut gefielen und die Grundidee des Films (ein Dummkopf kommt an die Macht) ein gutes Vehikel für die Figur Ali G. zu sein scheint.

Denn die Figur Ali G ist gar nicht so unsympathisch. In seinen Träumen, nach denen er konsequent die Realität interpretiert, ist Ali ein Gangsterrapper. Dazu gehört:

• Schwarz sein
• ein bestimmter Kleidercode
• eine nicht gesellschaftskonforme Weltanschauung
• für das Gute eintreten
• die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Straßenkids
• das "dissen" einer konkurrierenden Gruppe
• die Pflege eines sexistischen Frauenbildes
• das Schöpfen der eigenen Identität aus Rapmusik
• Marihuana rauchen

Dummerweise sind die Zustände in US-amerikanischen Städten nicht so ohne weiteres auf Alis Umgebung zu übertragen genauer: beide haben so gut wie nichts miteinander gemein. Insofern ist die Entstehung von Komik eigentlich vorprogrammiert. Den Einfall, die Sekretärin des Vizepremierministers mit Anzüglichkeiten und einem dilettantisch vorgetragenem Tanz zu beeindrucken (und dabei kräftig auf die Nase zu fallen) ist jedenfalls in der Theorie nicht schlecht - leider hat er mich nur etwas unterhalten. Als Ali wegen ungebührlichem Verhalten aus dem Parlament gewiesen wird, packt er den Rassismushammer aus: "Nur, weil ich schwarz bin?" ruft er den indignierten Parlamentariern zu.
Natürlich ist er weiß. Und so weiter.
Die Figur Ali G veralbert alle europäischen Möchtegernghettorapper, die ihren amerikanischen Vorbildern versuchen nachzueifern und dabei an der eigenen Dummheit und der kreuzbraven Natur ihrer Umgebung scheitern. Gut nachgedacht, schlecht umgesetzt.

Noch einen Schritt weiter geht es, als Ali Wahlkampf treibt und ins Parlament einzieht. Der Zusammenprall von Alis tolpatschigem Wesen und seiner kruden Rapphilosophie mit der großen Politik erzeugt die komische Fallhöhe. Zum Beispiel versucht Ali im Wahlkampf eine feministische Gruppe mit den Worten zu überzeugen: "Wählt mich, denn ich weiß genau, was ihr Lesben braucht. Ich steh total auf Frauenbewegung und ich hab jede Menge von Euren Videos. Wenn ihr mich wählt, verspreche ich Euch, die Steuern auf Dildos zu ermäßigen." Die Ansprüche einer feministischen Gruppe an einen Politiker und das Frauenbild eines Möchtegernrappers: das geht nun wirklich nicht zusammen. Deshalb mußte ich bei Alis in aller Naivität vorgebrachtem geschmacklosem Wahlversprechen immerhin mal schmunzeln - immerhin.

Die Komik des Films funktioniert also aufgrund des Zusammenpralls von jeweils zwei Ebenen: Alis geträumter Ghettorealität und der Nüchternheit seiner tatsächlichen Umgebung sowie der einer elitären politischen Klasse mit einem ebenso weltfremdem wie naiven Rapper. Daraus hätte man wahrscheinlich einiges machen können, aber mehr als eine in weiten Teilen langweilige Szenenabfolge ist daraus nicht geworden.

Besonders gestört haben mich zwei Dinge. Zum einen beißt sich der Humor von Ali G. zu häufig an der Gürtellinie fest und zwar auf einem Niveau, daß auch Fips Asmussen und ähnliche Leute auf das Zuverlässigste bedienen: dem Niedrigsten nämlich.
Zum anderen ist der Film synchronisiert worden. Ich habe Ali G noch nicht im Original gesehen, kann mir aber lebhaft vorstellen, daß auch er wie eigentlich jeder Komiker eine Menge seiner Wirkung aus Stimme und Sprache bezieht. Mola Abedisi spricht den Darsteller von Ali G und seine Stimme raubt ihm vermutlich alles, was ihn auszeichnet. Noch ganz am Anfang improvisieren Ali und ein Freund übermütig einen Rap. Was in der Originalfassung vielleicht komisch gewesen ist, wird hier von schlechten Synchronsprechern zu Tode (nicht) übersetzt. Was die Verantwortlichen hier wohl geritten hat...?
Eine Untertitelung hätte der Sache hier wohl mehr gedient. Da die Zielgruppe des Films wohl Ali Gs VIVA-Gemeinde ist, bleibt die Entscheidung für eine, und dann noch schlechte!, Synchronisation unverständlich. So versanden auch die wahrscheinlich weniger schlechten Gags und nur sie, nicht die Handlung, hätten dem Film den notwendigen Drive, die notwendige Dreistheit geben können.

Tja.

Also, ein grottenschlechter Film und eins jener Komikprodukte, die man der Welt getrost hätte ersparen können. Da jedoch das Format des Spielfilms und die deutsche Nachverhunzung Ali G daran hindern, seine (unter Umständen) komische Kraft zu entfalten, würde ich ihm noch eine Chance geben. Bei entsprechenden Improvisationstalent des Darstellers könnte die Ali G Show durchaus lustig sein.
Dieser Film jedoch ist übelster Trash, den man sich sparen kann. Dann lieber Gerhard Polt auf Latein - nachsynchronisiert von Peter Klöppel.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
manwah

manwah

08.02.2006 17:52

Och jo, Peter Klöppels lateinisch würde ich auch lieber hören, wo ich so überhaupt nicht zur Zielgruppe dieses FIlms gehöre (und Mola Adebisi schon immer zum kot*** fand ;-) Grüße manwah

Franky_Boy28

Franky_Boy28

13.01.2006 20:21

So schlecht ist der Film nun auch wieder nicht. Ist ja nicht so, dass die Herren Gefühlskino oder ein Drama drehen wollten. Für die Zielgruppe die anvisiert war, ist der Film durchaus lustig, zumindest teilweisen. Und das man bei Ali G nichts aber auch gar nichts ernst nehmen darf ist eh klar. Kurzweilige 90 min und das wars, der Bericht ist gut, lässt den Film meiner Meinung nach aber etwas zu schlecht wegkommen. Da gibt es wesentlich schlimmere Kino"Erlebnisse" in letzter Zeit zu bestaunen. Gruß Lars

Tucholsky

Tucholsky

12.11.2005 12:13

Jaaa! Ich will die lateinische Version von Peter Klöppel! Jaaa !

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