Sci-Fi- und Horror-Meisterwerk
11.01.2001
Pro:
brillante Ausstattung, wahnsinnig spannend, klasse Schauspieler und Charaktere, ungeheuer detailliert
Kontra:
könnte bei vielen Leuten zu Alpträumen führen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
mehr
 ElPerverso
Über sich:
Mitglied seit:17.07.2000
Erfahrungsberichte:19
Vertrauende:7
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
"Alien" ist zweifellos einer der berühmtesten und am meisten kopierten Filme, die es je gegeben hat. Seine Ausstattung, seine Atmosphäre, seine Dramaturgie und insbesondere sein Design eines außerirdischen Monsters setzten Maßstäbe, die bis heute gelten und die dafür sorgen, daß man bei jedem zweiten Science-Fiction- oder Horrorfilm denkt: "Oh, diese Szene ist wie in Alien!" Wer noch nichts von der Story gehört haben sollte, hier eine ganz kurze Zusammenfassug: In einer wohl nicht allzufernen Zukunft ist das Frachtraumschiff Nostromo mit 7 Mann Besatzung auf dem Rückflug zur Erde. Da fängt der Bordcomputer Mutter ein Funksignal unbekannter Herkunft auf, die Besatzung wird geweckt und landet gemäß Vorschrift auf dem Planeten, von dem dieses Signal kommt. Ein Außenteam wird gebildet, das das Wrack eines unbekannten außerirdischen Raumschiffs findet. Dort stößt Besatzungsmitglied Kane (John Hurt) auf einen Raum, in dem sich eine Menge große Eier befinden. Bei der Untersuchung eines dieser Eier öffnet sich selbiges, und ein seltsames Wesen springt heraus und saugt sich in Kanes Gesicht fest. Die Versuche der Mannschaft, das Wesen vom besinnungslosen Kane zu lösen, scheitern. Schließlich stirbt das Wesen jedoch von selbst ab, Kane erwacht und scheint sich zu erholen. Doch der wahre Horror beginnt erst...
"Alien" nimmt den Zuschauer von der ersten Sekunde an gefangen und versetzt ihn in einen Zustand nervöser, beklommener Erwartung. Schon die Eröffnungssequenz stimmt einen dank Jerry Goldsmiths sensationeller Musik perfekt auf den Film ein, augenblicklich setzt ein nervöses Kribbeln ein, und man rutscht unruhig auf seinem Sitz hin und her. Das Set an Bord der Nostromo ist einfach wundervoll. Jeder Raum, jeder Korridor sieht anders aus, und überall dominiert ein leicht "schmutziger", düsterer Eindruck. Die enorme Detailverliebtheit sorgt dafür, daß das Set einen ungeheuren Realismus ausstrahlt, neben "2001" hat es wohl nie einen Science-Fiction-Film gegeben, dessen Set so perfekt ausgearbeitet wurde und deswegen so immens realistisch wirkt. Auch der Detailreichtum ist fantastisch, schaut Euch mal die Raumanzüge an! Die langen Einstellungen und das fantastisch aufgenommene Licht unterstützen weiterhin im Einklang mit dem wirklich phänemenalen Soundtrack weiter die nervöse Spannung, die den Film so auszeichnet. Die Schauspieler sind allesamt absolut überzeugend und bringen ihre Charaktere vollkommen glaubhaft rüber. Tom Skerritts cooler, pragmatischer Captain Dallas ist fantastisch, er bleibt stets ruhig - nur in einer einzigen, wahrhaft klaustrophobischen Situation gerät er in Panik, und das aus gutem Grund. Veronica Cartwright als Lambert übernimmt den Part derjenigen, die als erste durchdreht und der nervenzerreißenden Atmosphäre nicht mehr standhält. Man beobachte sie mal in der Szene, wo die Mannschaft auf dem Planeten landet, schon dort scheint Lambert das Gefühl zu beschleichen, daß hier ein wirklicher Horrortrip auf die Crew wartet. Ian Holm begeistert als zwielichtiger, undurchsichtiger Wissenschafts-Offizier Ash ebenso wie Yaphet Kotto als Großmaul Parker oder Sigourney Weaver als pflichtbewußter und etwas schroffer 3. Offizier Ripley. Ein weiterer sehr starker Aspekt des Films ist, daß es zu Beginn keinen wirklichen Hauptdarsteller gibt, erst im Laufe des Films kristallisiert sich nach und nach heraus, wer die wirkliche Hauptperson ist bzw. wird. Glücklicherweise gibt es auch keine Schwarz-weiß-Malerei, keiner der Charaktere ist wirklich gut oder wirklich böse (okay, da gibt es eine Ausnahme, das wird aber an dieser Stelle ebensowenig verraten wie der Grund dafür).
Die Landschaft des Planeten entstammt ebenso wie das Alien an sich größtenteils dem Hirn des Schweizers H.R. Giger, der durch diesen Film absoluten Kultstatus erlangte. Sein biomechanischer Stil wirkt unwirklich und alptraumhaft und ist zweifelsohne ein integraler Part dieses Films. Es gibt wohl kein anderes Wesen, daß so oft in irgendeiner Form kopiert wurde wie seine schier unaufhaltbare außerirdische Killermaschine. Dramaturgisch ist der Film exquisit: Obwohl in der ersten Dreiviertelstunde kaum etwas passiert, ist der Film von Beginn an extrem spannend. In diesen ersten 45 Minuten hat der Zuschauer Zeit, sich in die Welt des Films hineinzuversetzen, das extrem realistische Set, der tolle Schnitt und die starke Kamera mit einem hohen Anteil an Szenen, die per Hand aufgenommen wurden, sorgen dafür, daß sich der Zuschauer direkt ins Geschehen versetzt fühlt. Durch die scheinbare Erleichterung, als es Kane wieder besser geht, erwischt der Film den Zuschauer auf dem völlig falschen Fuß, als beim gemeinsamen Essen die vielleicht furchterregendste und berühmteste Szene der jüngeren Filmgeschichte folgt. Selbst beim zehnten Ansehen fühlt man noch immer, wie einem ein Schauer über den Rücken läuft.
Der Film benutzt einige klassische Schockeffekte, so ist das erste Wesen, das die nervösen Helden aufspüren, nicht etwa das Monster, sondern nur die Bordkatze. Anders als im Klischee folgt der Schock jedoch nicht der Erleichterung auf dem Fuße, Brett (verkörpert von Harry Dean Stanton) wird losgeschickt, um die Katze einzufangen. Ab der folgenden Szene ist völlig klar, daß er sterben wird - und dennoch dauert es rund drei Minuten, bis es denn tatsächlich passiert, was umso gruseliger ist, da der Zuschauer jeden Moment mit dem Angriff des Aliens rechnet und dann rund drei Minuten auf die Folter gespannt wird. Der Film legt jedoch auch absichtlich falsche Fährten, so ist man in einer Szene nahezu überzeugt, daß Ripley die nächste sein wird, die dem Ungeheuer zum Opfer fallen wird, ist es dann aber doch nicht. Auch die Katze spielt eine ungewohnte Rolle (nämlich im Prinzip gar keine, obwohl sie erstaunlich hohen Anteil am Film hat!). Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt ist das "falsche" Ende. Heute hat jeder Film, der etwas auf sich hält, mindestens 2-3 Szenen, von denen man denken könnte, sie seien das Ende, doch 1979 war dies noch nicht so selbstverständlich. Außerdem besteht dadurch die Gefahr, daß das wirkliche Ende von der Spannung her nicht mehr ganz mithalten kann, aber auch das ist bei Alien glücklicherweise nicht gegeben. "Alien" ist ein ganz besonderer Film, weil er etwas geschafft hat, das nicht allzu vielen Filmen vor oder nach ihm gelungen ist: Er ist einer der besten Filme ZWEIER Genres, ein Klassiker sowohl des Science-Fiction- als auch des Horrorfilms. Die Idee eines Sci-Fi-Mosterfilms war zwar alles andere als neu, doch nie zuvor und höchstens dreimal danach wurde die Synthese auf derart gelungene Art und Weise vollzogen. Wie bereits angesprochen dürfte es außer "2001" kaum einen anderen Sci-Fi-Film geben, der einen so realistischen Ausblick in die Zukunft der Menschheit wagt. Aliens Bedeutung als Horrorfilm ist jedoch noch größer, nicht nur, weil er das am häufigsten kopierte Monster der Filmgeschichte bietet, sondern weil es kaum einen anderen Film gibt, der seine Zuschauer so sehr ängstigt. Erwartet jedoch bitte keinen Actionfilm! Fans dieses Genres werden in der Fortsetzung "Aliens" beglückt. Vielmehr stehen hier der langsame Spannungsaufbau und der psychologische Nervenkitzel im Vordergrund, getragen von der beeindruckenden Kulisse, dem unheimlichen Soundtrack und dem langsamen Tempo des Films. Glücklicherweise zeigt der Film sein Monster nur sehr kurz und nicht vollständig, und die wirklichen Schockeffekte sind größtenteils der Fantasie des Zuschauers überlassen, und die ist weitaus beängstigender, als jede Filmszene es je sein könnte.
Alien ist in der Tat ein Klassiker, der nicht nur Regisseur Ridley Scott und Sigourney Weaver berechtigte Reputation einbrachte, sondern auch nach über 20 Jahren noch genauso fesseln kann wie damals. Kaum ein anderer Film erreicht eine derart nervenzerfetzende Spannung mit vergleichsweise wenig Handlung. Wer den Film noch nicht kennt, sollte auf keinen Fall den Fehler machen, sich ihn nur so nebenbei oder auf einem Privatsender anzusehen, dieser Film verlangt vom Zuschauer volle Konzentration auf die Stimmung und Atmosphäre, und jede Werbepause vernichtet selbige leider völlig. Nach Möglichkeit sieht man sich den Film in einem abgedunkelten Raum auf einem wirklich großen Fernseher an und läßt sich durch gar nichts stören. Zum 20jährigen Jubiläum erschien Alien 1999 auf DVD, wer die Möglichkeit hat, sollte zugreifen, da neben herausgeschnittenen Szenen (ein Jammer, daß die Cocoon Sequence nicht im Film ist!) auch eine von Regisseur Ridley Scott kommentierte Fassung des Films enthält, die einen auf einen Batzen Details hinweist, die man sonst kaum bewußt wahrnimmt, die jedoch enorm wichtig für die Geschlossenheit des Ganzen sind. Ein exzellenter Film, der glücklicherweise auch in der deutschen Fassung kaum etwas von seinem Reiz verliert. Nicht umsonst gab es in den letzten 30 Jahren wohl keinen Film, der so viele billige Nachahmer gefunden hat, nicht mal Star Wars oder Der weiße Hai. Eine abschließende Warnung: Dieser Kultfilm ist nichts für Zartbesaitete!
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
21.09.2002 12:44
Psychologischer Nervenkitzel, das trifft es genau. Guter Bericht.
03.06.2001 12:47
ein ausgezeichneter Bericht zu einem ausgezeichneten Film! Alien hat seinerzeit wirklich Standarts gesetzt, die zum Teil heute noch unübertroffen sind!
31.05.2001 13:46
Besser kann man den Film nicht beschreiben! - Ich finde das auch einen der spannendsten Science-Fiction Filme aller Zeiten. - Und nachdem ich jetzt nach dem vierten Bericht immer noch so begeistert bin, wie vom ersten, wage ich es mal einem "Grünen" (bitte nicht falsch verstehen) mein Vertrauen auszusprechen. Denn von der Qualität Deiner Berichte können sich so einige "alte Hasen" mal eine Scheibe von abschneiden. - Bitte mach weiter so! - Gruß, Frank