Schlafwagen-Tennis
12.11.2004
Pro:
Schnell erlernbare Steuerung, angenehm große Auswahl an Spielern und Schauplätzen, unterschiedliche Spielmodi
Kontra:
Die wichtigsten Spielmodi (Karriere, Weltrangliste) fehlen jedoch, was die Langzeitmotivation unweigerlich tötet, bestenfalls durchschnittliche Grafik, schwache Soundeffekte, insgesamt biedere Aufmachung
Empfehlenswert:
Nein
 juni79
Über sich:
Was passiert hier momentan eigentlich? Liebe Grüße jedenfalls nach wie vor (nur) an alle lieben User...
Mitglied seit:16.08.2004
Erfahrungsberichte:179
Vertrauende:53
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 89 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Tennissimulationen würden aller Voraussicht nach zu meinen Lieblingsspielen auf Videospielkonsolen gehören, ja wenn es nicht das „winzige“ Problem gäbe, dass nahezu alle erschienenen Tennisspiele der letzten gut 10 Jahre eine wenig berauschende Qualität haben. Da ich nicht über eine Microsoft X-Box verfüge und demnach nicht in den Genuss des überragenden Spiels „Top Spin“ kommen kann, „Jimmy Connors Tennis“ für das Supernintendo mir schon zu alt ist und ich mich maßlos über die Tatsache ärgerte, dass bei „Virtua Tennis“ es tatsächlich nur einen einzigen Gewinnsatz gibt (ich dies nebenbei gesagt für die armseligste Schlamperei eines Entwicklerteams innerhalb der letzten Jahre halte), wurde ich ein bisschen neugierig, als mir vor wenigen Wochen rein zufällig ein weiteres Tennisspiel für das Nintendo 64 aus unserer Videospielsammlung in die Hände fiel, sein Name ist „All Star Tennis 99“. Wie möglicherweise der ein oder andere von Euch am Titel erkannt haben dürfte, erschien dieses Spiel „erstaunlicherweise“ im Jahr 1999 und demzufolge wäre es für Euch im Falle eines etwaigen Interesses heutzutage schon sehr preiswert zu haben, mehr als 10€ müsst Ihr ganz sicher nicht mehr für dieses Spielmodul ausgeben. Doch das allein ist natürlich nicht entscheidend, darf es zumindest eigentlich nicht sein, vielmehr ist natürlich die (hoffentlich vorhandene) Qualität maßgeblich und ob eine solche bei diesem Sportspiel für das Nintendo 64 tatsächlich vorhanden ist, erfahrt Ihr jetzt. Fast schon klar dürfte sein, dass die Tennisgrößen aus dem Jahr 1999 sich die Ehre geben, so macht Ihr beispielsweise die Bekanntschaft mit Michael Chang oder Gustavo Kuerten, allerdings lege ich nie besonders viel Wert darauf, dass ich einen bekannten Spieler steuern oder gegen ihn antreten darf, von mir aus steuere ich auch gerne Heinz Müller oder Egon Schmidt, wenn nur die Spielbarkeit stimmt. Denn oft ist es doch so, dass viel zu viel Geld für die Lizenz bekannter Namen ausgegeben wird und dann kaum noch welches für eine hochqualitative Umsetzung auf die jeweilige Spielkonsole übrig ist. Ehrlich gesagt, mag dies tatsächlich bei All Star Tennis 99 der Fall sein, doch dazu später noch mehr. Jedenfalls existieren insgesamt sechzehn wählbare Charaktere und acht verschiedene Tennisschauplätze, wobei sich die einzelnen Courts selbstverständlich in ihrer Art des Bodenbelags voneinander unterscheiden, so dass zum Beispiel im englischen Wimbledon natürlich auf Rasen gespielt wird. Je nach Bodenbelag unterscheidet sich auch die Geschwindigkeit des Spiels, so ist das Spieltempo auf Rasen viel höher und sind die Ballwechsel an sich in der Regel wesentlich kürzer als auf einem Sandplatz oder auf Asche.
Für zwei menschliche Spieler sicherlich reizvoll ist der Freundschaftsspiel-Modus, in welchem Ihr Euch entweder im Einzel oder im Doppel die Filzbälle gegenseitig um die Ohren haut. Außerdem habt Ihr im Solospielermodus die Möglichkeit, an einem Turnier teilzunehmen. Für mich war jedoch der Arcade-Modus am Interessantesten, in welchem ich versuchte, einen Computergegner nach dem anderen auszuschalten. Nicht ganz ernst nehmen dürft Ihr dann schließlich noch den Bomb-Modus, in welchem Ihr für eine kurze zeit regungsunfähig seid, sollte eine solche neben Euch explodieren, was wenig überraschend sehr oft den Verlust des Ballwechsels zur Folge hat. Ansonsten bietet Euch All Star Tennis 99 nichts bahnbrechend Neues, in üblicher Manier drescht Ihr auf den Tennisball per Volley, Lob, Grundlinienschlag, Schmetterball und natürlich beim Aufschlag ein und variiert zudem den Schnitt des Balles entweder mit einem Slice oder einem Top Spin. Entscheidend dabei ist, wie Ihr beim Ausführen des Schlags zum Ball steht, je nachdem ob Ihr diesen schon seit geraumer Zeit anvisieren und in aller Seelenruhe ausholen oder diesen erst noch so gerade eben mit letzter Kraft erreichen konntet, woraus sich dann auch automatisch der Winkel beim Ausführen des Schlags ergibt. Dies hört sich eventuell spektakulär an, ist es aber leider nicht, auch wenn ich vereinzelte Spezialschläge des weiteren zur Verfügung stehen. Diese sind erstens unnötig verkompliziert worden und zweitens sind diese erst ausführbar, wenn bei einem richtig langen Ballwechsel Eure Energieleiste voll gefüllt ist und Ihr im richtigen Zeitpunkt zuschlagt, was dann doch ziemlich selten vorkommt. So richtig kann ich es gar nicht beschreiben, aber irgendwie fehlt bei den etwas fad wirkenden Ballwechseln der letzte Kick. Doch dieses Manko würde in meinen Augen gar nicht so schwer wiegen, gäbe es da leider nicht auch noch andere gewichtige Defizite in diesem Tennisspiel. Leider Gottes ist es nämlich so, dass die Langzeitmotivation völlig auf der Strecke bleibt, was bei einer Tennissimulation meiner Ansicht nach einfach unverzeihlich ist. Es existiert kein motivierender Spielmodus, welcher Euch über Wochen oder gar Monate „bei der Stange halten“ könnte, von einem spannenden Karrieremodus mit Blick auf die Weltrangliste einmal ganz zu schweigen. Stattdessen ist es fast schon grotesk, dass wir so schrecklich unwichtige Sachen wie die Farbe des Tennisballs einstellen dürfen, was in meinen Augen fast schon ein Armutszeugnis darstellt. Genauso vergessen könnt Ihr das etwaige Kreieren eines eigenen Spielers oder etwa eine mitreißende Soundkulisse. Melodien sind bei Tennissimulationen eh von extrem geringer Bedeutung, erst recht haben diese natürlich nichts im Spiel zu suchen. Doch ich hätte mir da doch deutlich mehr von der Soundkulisse versprochen wie beispielsweise Reaktionen beim Publikum, gelungene Sprachausgabe bei Spielern und Schiedsrichter oder anderweitigen realistischen Klängen während der Ballwechsel, welche für eine angenehme Spielatmosphäre hätten sorgen können.
Die Grafik ist da zwar einen Tick besser, alles Andere wäre aber auch katastrophal gewesen. Doch erwartet bloß nicht zuviel von der Euch dargebotenen Optik, macht Euch bloß keine falschen Hoffnungen, denn alles in allem genügte die Grafik schon damals so gerade eben noch durchschnittlichen Ansprüchen. Die Figuren sehen zwar angenehm groß aber doch wenig detailliert gezeichnet aus und auch die Animationen wirken ziemlich hölzern. Dass die Steuerung da leicht von der Hand geht und die Kameraperspektive immer auf der Höhe ist, sorgt lediglich dafür, dass aus diesem Spiel kein extremer Flop geworden ist. Im Großen und Ganzen bin ich von dieser müden und fast schon lieblos dahingeschluderten Tennissimulation für das Nintendo 64 enttäuscht, die gravierenden Negativpunkte der unspektakulären Präsentation und der fehlenden Langzeitmotivation sorgen jedenfalls dafür, dass ich Euch dieses Tennisspiel trotz des inzwischen niedrigen Preises leider nicht mehr empfehlen kann. Nur absolute Tennisfanatiker greifen zu und dies eigentlich auch nur dann, wenn diese regelmäßig einen anderen menschlichen Mitspieler zur Hand haben, denn spätestens im Solospielermodus sinkt der Spielspass doch schon nach sehr kurzer Zeit ganz tief in den Keller.
Ach ja, übrigens: Gamezone.de: pineline Yopi.de: Yasmeen Dooyoo.de: Yasmina24
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
Verwandte Tags für All Star Tennis 99 (Nintendo 64)
|
|
12.11.2004 15:35
supa Bericht... das Spiel kenne ich nicht, aber nen alten N64 hab ich noch irgendwo rumstehen... sollte den mal wieder auspacken und die alten sachen zocken :-)))