All Families Are Psychotic
02.04.2003
Pro:
Genuss der Sprache, irgendwann dann doch irgendwie packend
Kontra:
Identifikation mit dem Buch ist zunächst ein bisschen schwierig . Message nicht ganz vertretbar für mich .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 elslaesstgruessen
Über sich:
°°°°°°Who Else But Els °°°°°°
Mitglied seit:13.07.2001
Erfahrungsberichte:73
Vertrauende:73
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 146 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hey Folks. Grüße gehen an den Bücherfrühling!Ein Buch mal wieder in blindem Vertrauen in den Autor gekauft, Douglas Coupland hat nämlich auch das geniale Buch Generation X geschrieben, vielleicht ist er ja daher einigen bekannt. Vielleicht ist das Buch ein bisschen wie eine SoapOpera. Das alles, was dieser Familie aus dem Buch passiert, ist verdammt viel und sind definitiv harte Schicksalsschläge, die in so gehäufter Form sicher nicht auftreten, und wenn, dann verkraftet man es ganz bestimmt nicht so gut, wie sie es machen. Es ist eine Familie von fünf Leuten, die Eltern sind schon lange auseinander, eine Tochter hat eine leichte Behinderung und ist trotzdem sehr erfolgreich, ein Sohn wurde eigentlich nie wirklich erwachsen und hat das Leben noch nicht ganz verstanden und der dritte macht eigentlich nichts so richtig. Dazu kommen noch verschiedene Lebensabschnittsgefährten, die alle an verschiedenen Schicksalen mehr oder weniger beteiligt sind. Was sie aber doch verbindet, obwohl die Leben bisher in völlig verschiedenen Bahnen verlief, ist, dass fast alle wirklich heftigen Krankheiten haben, fast die Hälte aller, die an der Story beteiligt sind, sind HIV-positiv, einer hat Krebs und wird daran bald sterben. Oder es ist jemand schwanger und will das Baby austragen und dann verkaufen, erzählt ihrem Freund aber, sie will es abtreiben, oder jemand anders ist schwanger und der Vater ist aber in einem ziemlichen Endstadium von AIDS. Eine solch heftige Thematik würde man wahrscheinlich niemals erahnen, da meiner Meinung nach der Titel All Families Are Psychotic schon mal nicht allzu ernst klingt und vor allem, was ich im Nachhinein wirklich irreführend finde, steht auf dem Buchumschlag nichts über die Ernsthaftigkeit, sondern vielmehr wie witzig umwerfend und wundervoll und „bitter-sweet“ das Buch ist. Auch beim Lesen wird man nie in die bedrückende Stimmung versetzt, die es eigentlich vielleicht erzeugen sollte, wenn es um solche Krankheiten und bald sterbende Menschen geht. Dieser Effekt, wird vielleicht wirklich durch die Sprache erzielt. Es ist wirklich sehr flüssig geschrieben und eher in einer Alltagssprache. So lebt das Buch auch häufig von Gesprächen in wörtlicher Sprache, oder die Gedankengänge verschiedener Personen in originaler Form widergegeben sind. Anhand von Rückblicken werden auch parallel zur Handlung familiäre Episoden erzählt. Da Gedanken und Rückblicke allerdings nicht immer leicht zu unterscheiden sind zur momentanen Handlung, macht es das Verständnis des Buches nicht unbedingt einfach. Also die Sprache selber ist wirklich schön, allerdings auch verwirrender Erzählstil. Das Buch steigt jedoch direkt mit der Handlung ein und da schon allein die Familie selber aus fünf Mitgliedern besteht, und dazu verschiedene außenstehende Personen; und die Perspektive der Erzählung und die Konzentration auf Protagonisten ständig wechselt und zwischen allen rotiert, ist es schwierig, wirklich nachzuvollziehen, wer mit wem eigentlich was zu tun hat, wer wen mag und wen hasst, und vor allem ist es wirklich schwer, eine Beziehung zu den Charakteren aufzubauen und sich ihnen zu identifizieren. Bei mir hat dieser Eindruck circa bis zur Mitte des Buches angehalten und da ich die Handlung dadurch mit einem sehr distanzierten Abstand gelesen habe, war es für mich eine Story, die einfach so dahinplätschert und so gar keine Spannung aufbaut. Ab der Hälfte jedoch, kennt man die Figuren langsam und da dann auch die momentane Handlung fast spannend wird, habe ich dann das Lesen wirklich genossen und die letzten Seiten haben mich dann meinen Schönheitsschlaf gekostet, weil ich es dann wirklich nicht mehr weglegen konnte und nun endlich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Was mich wirklich ein bisschen trotzdem betroffen machte, war der Umgang mit den Krankheiten. Nun wird diese Betroffenheit eben nicht durch Worte einem aufgedrückt, aber wenn man auch nur sich ein bisschen in die Geschichte einfühlt, und man darüber nachdenkt, wird es beklemmend. Viele der Charaktere haben AIDS und verschiedenste Symptome und die ständige Einnahme von Medikamenten und die Schwächung dadurch und alles wird thematisiert, auch Gefühle, die man durch die Diagnose durchlebt und die das Leben mit der Krankheit verändern. Jedoch werden sie nie lehrend oder mit erhobenem Zeigefinder nahegelegt, sondern wirklich erst bei selbstständigem nachträglichem Nachdenken wird einem das Ausmaß bewusst. Beim Lesen hatte ich durch den Umgang mit der Krankheit den Eindruck, dass es schon ein paar Jahre älter ist, jedoch wurde das Buch erst 2001 zum ersten Mal veröffentlicht. Allerdings könnte das Buch wirklich die Botschaft vermitteln, AIDS ist gar nicht so schlimm, da sie so einfach zu heilen ist. Vielleicht ist es in dem Buch auch nur der Glaube an eine erfolgreiche Heilung, es endet, bevor wirklich bewiesen ist, dass sie wieder gesund sind, aber es wirkt schon so. Sorry, wenn ich jetzt ein Teil des Ende damit verraten habe, aber darum geht es auch nicht unbedingt.Es geht wohl eigentlich Familieleben, Familienzusammenhalt und wie verkorkst so was wie Familie eigentlich ist. Denn kennt irgendjemand eine wirklich „heile“ Familie? Meine ganz bestimmt nicht. Und das Leben der Familie in dem Buch könnte auch verkorkster nicht sein, die einzelnen Mitglieder leben ihr Leben in völlig unterschiedlichen Richtungen und werden nur durch einen Anlass wieder zusammengeführt, eine Festlichkeit der Tochter, wo man als Familie eben irgendwie die Verpflichtung hat, zu kommen. Aber in diesem paar Tagen, ereignen sich die verschiedensten Zufälle, die eigentlich das gesamte Beziehungsgeflecht durcheinander bringt und neu ordnet. Der Ausgang der Geschichte hat mich dann auch wiederum ein bisschen geärgert, da die Verkorkstheit dieser Familie so gut nachvollziehbar ist und so logisch ist und dann endet doch wieder alles in einem Happy End? Ganz so happy hätte es wirklich nicht sein müssen. Es macht schon Spaß dieses Buch zu lesen, da wenn man sich also erst einmal hineingelesen hat und sich mit der Geschichte vertraut gemacht hat, wird man es wirklich lieben lernen und kann gar nicht mehr aufhören zu lesen, bis es nicht wirklich zu Ende ist. Jedoch sind so einige Aspekte enthalten, die ein bisschen Nachdenken erfordern und meinungsbildend sollte es wirklich nicht sein. Es ist nur Fiktion und es ist definitiv keine reine Unterhaltungsliteratur. Ich kann es empfehlen, wenn man wirklich gerne liest und dabei auch mal etwas „andere“ Literatur, wenn man sich auf Bücher einlassen kann und vor allem kann ich es mal wieder in der Originalversion empfehlen, da es einfach schönes Englisch ist. Es kann einen faden Beigeschmack hinterlassen, es kann zwischendurch ein bisschen langweilen, man kann manchmal nicht verstehen, warum dieses Buch nun geschrieben wurde, was die Story eigentlich soll, aber man kann auch das Lesen einfach geniessen und dann mit einem Lächeln auf dem Gesicht die letzte Seite beenden und erst mal total begeistert sein von dem Buch. Es kann wirklich so und so sein. Ich war zunächst eher enttäuscht, dann total begeistert, dann habe ich es mit vier Sterne gewertet und kann eine Empfehlung aussprechen, wenn man denn Lust hat, sich auf das Buch einzulassen. Feed Your Head ... Hungry For Books – Els grüßt den Bücherfrühling!!!
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03.05.2003 21:00
Schöner Bericht. Ich fand das Buch super, aber an einigen Stellen hast Du sicher recht damit, dass man nicht so recht weiß, was das eigentlich soll. Für mich macht das allerdings Douglas Coupland aus.
08.04.2003 22:14
Stimmt. Worum es geht, weiß ich nun, jetzt muß ich nur noch das Buch lesen. LG, giovanna
06.04.2003 20:10
ach ja... der kommentar vom kommissar.... hab ich vergessen, weil ich keine zeit htte... jetzt nochmal gelesen und... mir fällt trotzdem keiner ein ;) außer: meine familie auch.