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1-6 von 120 Erfahrungsberichten    
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ORGANSPENDER JA ODER NEIN? DAS IST HIER DIE FRAGE
Erfahrungsbericht von modschegibbchen über Alles mit 0...
31.03.2005


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Die Diskussion ist wichtig .  .  .
Kontra: .  .  .  aber so nicht, Prof .  Weber  -  zu wenig Aufklärung durch die Mediziner

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Nachdem kürzlich in der Sendung Stern-TV mit Günther Jauch wieder einmal sehr eindringlich und sehr sachlich über dieses Thema gesprochen wurde und der anwesende Spezialist sagte, dass eigentlich der Großteil der Bevölkerung indirekt einer Organspende zustimmen würden, sie sich aber nicht gut informiert und vor allem nicht zum Abgeben einer wirksamen Erklärung genötigt fühlen, habe ich mir gedacht, könnte ich diesen Bericht zu der Problematik einfach noch einmal aus der Versenkung holen...


Hallo,

eins vorweg: habe lange gesucht und am Ende das hier in dieser Kategorie eingestellt, weil die Untergruppen bei Menschen, bei Medizin, bei Aktuellen Themen einfach nicht passten und ich das Thema aber sehr wichtig und interessant finde - daher jetzt hier.

Also, hier jetzt mal keiner der sonst bei mir üblichen Berichte über Joghurt, Creme & Co., sondern ich möchte mal auf ein Thema aufmerksam machen, dass mich heute - unerwartet - bei der morgendlichen Lektüre wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen/ betroffen hat.

Die für mich schockierende Schlagzeile lautete "Organspenden nur für Spender". Boing!!! Das würde bedeuten, dass nur wer bereit ist Organe zu spenden (egal ob als Toter oder als Lebendspender), der soll im Notfall auch ein Spenderorgan bekommen.


Mit großem Interesse habe ich mir zunächst mal alles dazu durchgelesen, was dazu in der heutigen Ausgabe des "Wiesbadener Kuriers" zu lesen war. Auch die Bild-Zeitung hat das Thema heute aufgegriffen, so viel ich weiß.


Erst einmal, wer hat diesen ungeheuerlichen Satz von sich gegeben?

Im Artikel erfahre ich, dass es jemand war, der es wissen muss. In Wiesbaden beginnt am Wochenende der Internistenkongress und das zum Anlass nehmend hatte der Kongresspräsident Prof. Manfred Weber. Dieser Professor Weber ist seines Zeichen Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und Chefarzt der Medizinischen Klinik I in Köln.


Wie kommt der Mann zu dieser, wie mir scheint, sehr drastischen Aussage?

Man kann es sich leicht machen und einfach nur sagen, weil es zu wenig Spenderorgane und zu viele Menschen gibt, die auf eine Organspende oft jahrelang warten. Das trifft zwar den Kern, aber nicht wirklich das Problem. Man muss schon ein wenig tiefer gehen und sich mit dem Thema befassen. Zunächst einmal will ich kurz einige theoretische Dinge ansprechen - beachtet bitte, ich bin Laie, habe keinerlei medizinische Vorkenntnisse.


Was bedeutet "Organspende" und welche Formen gibt es?

Jeder hat sicherlich schon einmal davon gehört. Fortschritte in der Medizin ermöglichen es, sehr unterschiedliche Organe und Gewebe nach dem Tod (Hirntod) eines Menschen auf einen anderen Menschen zu übertragen. Mittlerweile können nicht nur Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut (Organe), sondern auch die Hornhaut der Augen, Gehörknöchelchen, Herzklappen und Teile der Blutgefäße, der Hirnhaut, des Knochengewebes des Knorpelgewebes und der Sehnen (Gewebe) transplantiert werden.

Eine Alternative zur Organspende von am Hirntod Verstorbenen ist die Spende von Organen oder Organteilen zu Lebzeiten - eine so genannte Lebendspende. Allerdings muss eine solche Lebendspende sehr sorgfältig abgewogen werden, da sich hier ein gesunder Mensch einer Operation unterzieht, die nicht seinem sondern ausschließlich dem Wohl eines anderen Menschen dient. Und wie jede andere Operation stellt eine Organentnahme für den Spender ein medizinisches Risiko dar, wenngleich dies insbesondere beispielsweise für die Nierenspende sehr gering ist.


Wer kann alles Organspender sein?

Als Organspender kommen Menschen in Frage, deren Gehirnfunktionen bereits erloschen sind, deren Herz-Kreislauf-System jedoch noch künstlich aufrechterhalten wird. Letzteres ist für die weitere Versorgung der Organe notwendig. Bei den meisten Sterbefällen tritt jedoch zuerst der Herzstillstand ein, scheiden die meisten Sterbenden auch als potenzielle Organspender aus. In Betracht kommen also nur diejenigen, bei denen der Hirntod vor dem Herzstillstand kommt. Das sind ungefähr 1% derer, die jedes Jahr in deutschen Krankenhäusern sterben.

Voraussetzung für die Organspende ist allerdings, dass die Organe gesund und funktionsfähig sind. Eine ärztliche Untersuchung zu Lebzeiten ist dafür nicht erforderlich, bringt auch wenig, wenn ich mich irgendwann man ärztlich untersuchen lasse und erst Jahre oder Jahrzehnte später meine Organe nach einem Hirntod für eine Spende infrage kommen. Um jedoch trotzdem das Risiko für die Menschen zu minimieren, die das Organ mal erhalten, werden nach Eintreten des Hirntodes - im Falle eines vorliegenden Einverständnisses - verschiedene Untersuchungen gemacht um beispielsweise die Funktionsfähigkeit des Organs zu prüfen. Hilfreich ist es natürlich immer, wenn gravierende Vorerkrankungen des Spenders bekannt sind - z.B. Krebserkrankungen oder abgeheilte Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder etwa Tollwut (wie vor kurzen erst ein Fall zeigte).

Mit erheblichen Einschränkungen verbunden sind Lebendspenden, die das Transplantationsgesetz gestattet. Auch kann nicht einfach jeder jedem ein Organ spenden. Das Transplantationsgesetz erlaubt nur Spenden unter Verwandten 1. und 2. Grades - z.B. Eltern/Kinder/Geschwister oder Ehepartnern, Verlobten.


Was sollte man noch über Organspende wissen?

Auch hier kann ich nicht Unmengen darüber schreiben, wie eine Organspende vor sich geht, weil ich zum einen nicht betroffen bin und ich wie gesagt kein Mediziner bin. Daher lasse ich den medizinischen Aspekt hier bewusst aus. Wer dazu mehr wissen will, findet sicherlich im Internet zahlreiche Möglichkeiten.

Wichtig in jedem Fall ist jedoch meiner Meinung nach das Gespräch mit den Angehörigen - egal ob eine Einverständniserklärung des Verstorbenen vorliegt oder nicht. Allerdings sehe ich hier auch einen Hauptgrund mit dafür, dass es in Deutschland zu wenige Organspenden gibt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese Gespräche für alle - den Arzt, ein als Transplantations-Koordinator tätiger Arzt und die Angehörigen - kein leichtes Gespräch ist und es daher oft gescheut wird. Erschwerend für dieses Gespräch kommt meines Erachten hinzu, dass Organspende eigentlich kaum thematisiert wird und keiner wirklich darüber Bescheid weiß. Die plötzliche Konfrontation mit dem Thema und dann noch die Aufgabe, hier als Angehöriger kurz nach dem Tod eines lieben Menschen auch noch eine diesbezügliche Entscheidung treffen zu müssen, führt für die Betroffenen zu einer völligen Überforderung, mit der sie - aus u.a. Zeitdruck (es könnten ja schon zig andere auf die Organe warten) - sehr allein gelassen werden.

Wichtig ist auch, dass die Angehörigen wissen, dass zwar eine Organentnahme stattfindet, aber der Verstorbene dennoch in einem würdigen Zustand zur Bestattung freigegeben wird und die Angehörigen zudem in jeder gewünschten Art und Weise von ihrem Verstorbenen Abschied nehmen können. In Gesprächen mit Kollegen und Verwandten habe ich erfahren, das da sehr große Bedenken bestehen, dass man seinen Verstorbenen "irgendwie zerschnippelt" beerdigen muss. Das ist eindeutig nicht so.

Das Gespräch ist das eine. Ebenso notwendig wie wichtig ist, dass die nächst gelegene Organisationszentrale der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) informiert wird. Diese Organisation ist die Koordinierungsstelle für Organspenden in Deutschland und arbeitet nach den Festlegungen im Transplantationsgesetz und sorgt dafür, dass Organspende flächendeckend und zu jeder Zeit möglich ist. Sie arbeitet eng mit 1.400 Krankenhäusern, den ca. 50 deutschen Transplantationszentren und der Vermittlungsstelle Eurotransplant im niederländischen Leiden zusammen.
Eurotransplant ist eine Stiftung, also eine gemeinnützige Organisation. Sie vermittelt und koordiniert den internationalen Austausch von Spenderorganen in Zusammenarbeit mit Kliniken, Transplantationszentren und Gewebetypisierungslabors in den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Luxemburg, Belgien und Slowenien. Das Einzugsgebiet umfasst ca. 118 Mio. Menschen.


Wie stehe ich persönlich zur Organspende und zur Äußerung von Herrn Prof. Weber?

Ich weiß auch, wie jeder hier, dass Nieren, Herzen, Rückenmark, Augennetzhäute usw. nicht unbegrenzt auf dem Baum wachsen und immer in jeder Form zur Verfügung stehen. Aber sie werden nun mal gebraucht um Leben zu erhalten und irgendwo müssen sie ja herkommen. Ich persönlich habe nichts dagegen, dass man im Falle meines Todes mit meinen Organen noch das Leben anderer Menschen rettet. Warum nicht? Es ist sinnvoll und dem Verstorbenen kann es letztlich egal sein. Aber um seinen Angehörigen den "Schock" oder die Entscheidung zu ersparen, bin ich auch der Meinung, dass sich darüber jeder zu Lebzeiten Gedanken machen und die notwendigen Vorkehrungen - Organspenderausweis oder schriftliche Verfügungen - treffen sollte.

Anders sieht es bei mir mit Lebendspenden aus und da bin ich - ehrlich gesagt, etwas zwiespältig. Ich kann nur hoffen, das sich mal nie in die Situation komme, hier eine Entscheidung treffen zu müssen. Allerdings weiß ich auch, wenn mir lieben und nahen Angehörigen nur eine solche Spende das Leben retten oder lebenswerter machen könnte, würde ich über meinen Schatten springen und dazu bereit sein.
Ich habe in der Diskussion oft gehört, dass man sich nicht eindeutig für Organspende entscheiden möchte, weil man vor Missbräuchen dieser Entscheidung Angst hat. Auch das kann ich nachvollziehen und verstehen, vertraue aber darauf, dass wir hier in Deutschland eine gewisse Rechtssicherheit doch durch das Transplantationsgesetz haben - eine 100%ige Sicherheit, das wissen wir auch alle, gibt es nicht.

Dieser Artikel in der Zeitung hat mich für dieses Thema schon wach gemacht und ich erinnere mich an die Diskussion mit meiner Tochter diesbezüglich vor reichlich einem Jahr. Ich hielt sie damals für sehr unbekümmert, als sie mir sagte, dass sie sich ohne wenn und aber einen Organspendeausweis zulegen will - und ihn inzwischen auch hat. Mir war damals nicht wohl bei den Gedanken - weil ich nicht viel darüber wusste und natürlich Ängste und Bedenken hatte. Gegen diese Angst kann man etwas tun, in dem man sich informiert.

Nichts allerdings halte ich hingegen von der radikalen Äußerung "Wer nicht spendet, bekommt auch im Notfall keine Organe" und ich kann nur hoffen, dass er "bloß" provozieren und damit die Diskussion anheizen wollte.

Denn dass es so ist, wie es gegenwärtig ist, ist meiner Meinung nach auch Schuld der Mediziner. Wenn nicht die Ärzte und Wissenschaftler, wer dann kann über alle Dinge, die mit diesem Thema zu tun haben, berichten, aufklären und mit Informationen die bestehenden Ängste nehmen? Ich finde, dass es sich Herr Professor Weber zu leicht macht, wenn er so etwas von sich gibt.
Ihm und uns nützen keine "Organspender", die sich aus Panik zu einer Organspende bereit erklären, sie sollten es tun, weil sie die Notwendigkeit einsehen und verstehen. Dazu ist meiner Meinung nach noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Jedoch kann die nicht darin bestehen, dass irgendwo unter "Bunte", "HÖR ZU" oder "Praxis aktuell" im Wartezimmer unserer Hausärzte, Antragsformulare für den Organspendeausweis verstauben und vergammeln.

Wer von euch, die das hier lesen, weiß, dass es eine Seite im Internet http://www.organspende-kampagne.de gibt, die über alles rund um die Organspende ausreichend, gut verständlich und umfassend informiert?

Zudem frage ich mich schon die ganze Zeit, wie sich die Prof. Weber diese von ihm gemachte und sicherlich für viel Wirbel sorgende Äußerung mit dem Eid des Hippokrates, den jeder Mediziner ablegen muss, vereinbaren lässt. Zur Erinnerung, der Eid verpflichtet Mediziner dazu, alles Unheil, sofern es in sein er Macht steht, von JEDEM Patienten abzuhalten und immer nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Der Mediziner darf dabei keine Unterschiede zwischen den Patienten machen und seine erste Richtlinie dabei ist es, den Menschen so gut er kann (und nicht so gut er will) zu helfen, d.h. er darf seine Kompetenzen nicht überschreiten oder eigennützig handeln.

Also, die Diskussion ist eröffnet - was meint ihr dazu? Liege ich mit meinen Ansichten bei dem Thema falsch?

Danke für´s Lesen, Bewerten und Kommentieren.

Euer Modschegibbchen

P.S. zu den Details da unten:

Meine Bewertung bezieht sich auf die Aussage, die diese Diskussion ausgelöst hatte, und wie ich die finde, weiß, wer den Bericht gelesen hat. Den Stern also dafür, dass man die Leute damit aufrüttelt, obwohl ich die Art und Weise nicht richtig finde.   

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01.01.1970

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