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Die 10 übelsten Fußball-Fouls

1  27.06.2006

Pro:
uf eine spezielle Weise haben sich diese zehn Mitmenschen auch unsterblich gemacht…zumindest bei ihren Gegnern

Kontra:
hat weh getan

Empfehlenswert: Nein 

HansGruber

Über sich: "Eng!" (Mehmet Scholl auf die Frage, wie es nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1996 w...

Mitglied seit:04.07.2001

Erfahrungsberichte:177

Vertrauende:63

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Fußballfieber allenthalben. Ich wäre kein echter Fußball-Fan, wenn ich nicht auch meinen kreativen Beitrag dazu leisten würde, bei den Fußballverdrossenen noch mehr Brechreiz auszulösen. Übrigens: Ganz korrekt ist meine Überschrift nicht. Es müsste heißen: "Die 10 übelsten Fußball-Fouls (die ich in meinem Leben gesehen habe)". Denn ich bin viel zu jung und viel zu wenig auf den Fußballplätzen in dieser Welt herumgekommen, als dass ich mir anmaßen könnte, jedes brutale Foul gesehen zu haben. Alleine das Ausspielen des Weltpokals soll in den 50ern und 60ern des letzten Jahrhunderts dermaßen ruppige Ausmaße genommen haben, dass der FIFA nichts anderes übrig blieb, als die Duelle der Gewinner der europäischen und der Südamerikanischen Champion's-League im neutralen Asien auszuspielen. Auch kann ich nicht beurteilen, ob Horst Kasuppke in der Verbandsliga Hintertupfingen seinem Gegenüber derart kreativ die 16mm-Alustollen ins Fleisch gejagt hat, dass er auf diese Liste gehört. Nichtsdestoweniger habe ich eine kleine (subjektive) Auswahl getroffen, die verdeutlicht, dass es eben nicht nur ein Spiel ist, sondern oft genug blutiger Ernst. Bleibt anzumerken, dass die Reihenfolge beliebig ist. Ich habe nach Gutdünken ausgewählt und ebenso nummeriert. Also kann das Foul auf Platz acht durchaus fieser gewesen sein als das auf Platz zwei.


1) Uli Stein (Bundesliga, 1987)
Knapper Punktsieger vor Kahn, Chilavert, Schumacher, die zwar alle auch keine Kinder von Traurigkeit waren, aber in Sachen Dreistigkeit war Stein die klare Nummer eins. Im Spiel seines HSV gegen die verhassten Bayern segelte eine Flanke in Steins Strafraum, er flog heraus, Bayern-Stürmer "Kobra" Wegmann war früher am Ball, köpfte aber am Tor vorbei; dass Stürmer und Torwart bei solchen Aktionen zusammenrasseln, sieht man in jedem Spiel zehn mal. Aber offenbar sah es Stein als Frechheit an, dass dieser blöde Wegmann es wagte, in seinen Strafraum einzudringen. Stein wäre nicht Stein, wenn er dem dreisten Weißwurstfresser nicht zeigen würde, wo der Bartel den Most holt. Noch am Boden liegend, streckte er Wegmann mit einer linken Geraden nieder, die George Foreman zur Ehre gereicht hätte. Rote Karte für Stein, umgehend danach Rauswurf beim HSV. Gut für mich, denn so konnte ich den besten deutschen Tormann der Nachkriegszeit noch etliche Jahre zwischen den Pfosten der Frankfurter Eintracht fliegen sehen.

2) Leonardo de Auraujo (WM 1994)
Zeigte, dass Brasilianer auch anders können. Im Spiel gegen die USA hatte der langmähnige Linksverteidiger (einst in den Diensten von PSG und vom AC Milan) wohl schlechte Laune. Bei einem harmlosen Zweikampf an der Außenline verlor er erst den Ball und dann die Beherrschung. 180°-Drehung auf dem Standbein und dem Gegner die Elle mit Karacho in den Kiefer gejagt. Schickte den bedauernswerten Ami für mehrere Minuten ins Café Waagerecht und sich selbst aus dem Turnier; Leonardo wurde für den Rest der WM gesperrt. Kaufen konnte sich die USA dafür nichts, sie waren raus aus dem Turnier und Brasilien wurde Weltmeister.

3) Claudio Lopez (Primera Division, 1999)
Es war ohnehin ein hässliches Spiel, das der FC Valencia und Atletico Madrid damals austrugen. Noch in der ersten Hälfte wichst Valencias Carboni nach einem Pfiff des Schiedsrichters den Ball gefrustet unters Tribünendach (gelb-rot), Valencias Gerard fällt in der zweiten Hälfte an der Mittellinie mit zwei gestreckten Beinen einen Madrider Spieler (glatt rot) und Angloma verhindert (vom Schiedstrichter unbemerkt) mit seinem linken Arm ein Tor von Atletico, das den Ausgleich bedeutet hätte. Doch die Krönung liefert der wuselige Stürmer aus Argentinien: Schon in der Nachspielzeit hechelt er nach abgefangenem Angriff seinem Gegenspieler Santi bis zur Mittellinie hinterher und drängt ihn immer weiter nach außen ab. Kurz bevor der ganz in Aus läuft, spielt er den Ball ab, was Lopez nicht davon abhält, ihn trotzdem (schon außerhalb des Spielfeldes!!!) abzugrätschen. Den Schrei hört man bis auf die Tribüne, gelb-rot (meiner Ansicht nach noch zu wenig Strafe) für Lopez, der auch noch lamentiert - so frech muss man erst mal sein. Doch auch mit drei Mann mehr gelingt Atletico nichts mehr, Valencia gewinnt zwei zu eins und Lopez bleibt mir für immer in Erinnerung.

4) Jürgen Klinsmann (EM 1996)
Auch unser Bundes-Klinsi ist kein Lammfrommer. Sein Tritt in eine Werbetonne aus Pappe (Eletronik-Hersteller Sanyo freut sich heute noch über die PR) nach Auswechslung durch Trappatoni ist legendär, aber gegen Menschen aus Fleisch und Blut kann er auch gut hinlangen. Im Viertelfinale bei der EM in England scheint es, als ginge es nicht darum, wer mehr Tore schießt, sondern darum, wessen Gegenspieler länger liegen bleibt. Dass Sammer damals ein Bombenturnier spielte (und später Europas Fußballer des Jahres wurde) und Davor Suker gegen Köpke ein ultracooles Tor erzielte, verkommt zur Randnotiz. Klinsmann verstolpert an der Mittellinie den Ball, setzt im Sprint nach und tritt dem Kroatischen Gegespieler mit so viel Wucht von hinten in die Beine, dass es einen Schlag tut. Warum er dafür nur gelb sieht, weiß alleine der Schiedsrichter. Rache nahm Kroatien erst zwei Jahre später, als sie die völlig überforderten Deutschen mit 3:0 nach Hause schicken.

5) Slaven Bilic (EM 1996)
Deutschland - Kroatien, Teil 2. Nach Tumult im deutschen Strafraum liegt Christian Ziege am Boden und Slaven Bilic steht direkt neben ihm. Da erinnert sich der kroatische Abwehrspieler im Dienst des Karlsruher SC offenbar daran, dass Ziege bei den bösen Bayern spielt, die dem KSC immer die besten Spieler (Kahn, Kreuzer, Scholl, Sternkopf, Tarnat, Fink) wegkaufen. Da Uli Hoeneß gerade nicht anwesend ist und somit auch nicht bestraft werden kann, nimmt Bilic sich den Nächstbesten vor. Ziege liegt so schön in Opferhaltung vor ihm, da lässt sich Bilic nicht lange bitten und tritt ihm mit der Schuhspitze in die Rippen. Der Schiedsrichter Steht direkt daneben und macht nichts. Was soll's, Europameister wird Deutschland - ätsch! Auch wenn die Revanche nicht lange auf sich warten lässt (s.o.).

6) Dr. Carlos Billardo (WM 1990)
Ja, auch ein Trainer taucht in meiner Liste auf. Im Achtelfinale der WM in Italien spielt Argentinien gegen Brasilien. Dass Argentinien lange nicht so gut spielt wie vier Jahre davor, muss sich doch irgendwie ausgleichen lassen. Also füllten die Betreuer auf Geheiß von Argentiniens Coach Billardo in die Flaschen mit blauen Deckeln isotonische Getränke, in die Flaschen mit den nicht-blauen Deckeln Wasser mit einer Prise Brechmittel. In einer Spielunterbrechung laufen die Betreuer des argentinischen Teams aufs Feld, die Spieler der Albiceleste trinken nur aus Flaschen mit blauen Deckeln und lachen sich in Fäustchen, als Brasiliens Linksverteidiger Branco zur falschen Flasche greift. Der spielt daraufhin wie im Delirium, Argentinien gewinnt 1:0 und kommt bis ins Finale. Auch Jahre später flüchtet sich Billardo auf dieses Spiel angesprochen in nebulöse Quasi-Eingeständnisse ("Ich will nicht sagen, dass nichts passiert ist[…]") und wird sich wohl nie wieder in Brasilien blicken lassen können.

7) David Batty (WM 1998)
Im Spiel Tunesien - England passiert lange nichts weltbewegendes, da entschließt sich der Mittelfeldspieler von Newcastle United dazu, den Zuschauern etwas für ihr Eintrittsgeld zu bieten: Ein Spieler schlägt in der Nähe des englischen Strafraums eine Kerze (für euch Frauen: das ist, wenn der Ball, der wo mit volle Pulle getreten wird, ganz senkrechtmäßig hoch fliegen tut), ein tunesischer Spieler will den Ball köpfen. Aber im Kopfballspiel waren die Engländer schon immer unschlagbar und Batty will den Außenseiter nicht benachteiligen. Also geht er nicht etwa auch mit dem Kopf hin, sondern setzt zu einem satten Fallrückzieher an. Etwa 2,20m über NN trifft englische Schuhspitze auf tunesisches Jochbein. Batty ist Sieger nach technischem K.O.

8) Luis Figo (Primera Division, 2000)
Im Spätherbst 2000 spielte Real Madrid in Barcelona. Barcelona, der Stolz Kataloniens, wo sie die schnöseligen Hauptstädter verachten wie Aussätzige. Zwei mal im Jahr ist in Spanien Ausnahmezustand, wenn diese beiden Traditionsklubs aufeinander treffen. Und dann ist da Luis Figo, der mit Barca Meister wurde, Pokalsieger, Pokalsieger-Cup-Gewinner, er war Barcas Kapitän und Aushängeschild. Und im Sommer 2000 wechselt Barcas Held ausgerechnet zum Erzrivalen, zum schlimmsten Feind. Mit über 64 Mio. Euro Ablösesumme war er damals der teuerste Spieler der Welt. Doch als er ein paar Monate später in seinem alten Stadion spielen musste, war er die ärmste Sau. Als er vor der Fankurve der Barca-Anhänger einen Eckball treten wollte, musste das Spiel für Minuten unterbrochen werden, diverse Flaschen, zwei Handys und sogar ein Schweinskopf flogen auf das Spielfeld, Figo wurde 90 Minuten lang ausgepfiffen und ausgebuht. Gegen Ende des Spiels verlor er schließlich die Fassung: Mit zwei Metern Anlauf und zwei gestreckten Beinen grätschte er von hinten in Busenkumpel Rivaldo hinein, der Ball war längst weg. Sofort danach entschuldigte er sich überschwänglich und fasste sich an den Kopf, klassischer Ausraster. Kurz vor Ende schließlich wurde Figo ausgewechselt und schlich, begleitet von Pfiffen aus 90.000 Mündern, in die Kabine. In Barcelona ist er bis heute ein Geächteter.

9) Andrzej Juskowiak (Bundesliga, 1999)
Juskowiak, dieser bullige Brecher aus Polen, war eine der größten Würste, die ich je in der Bundesliga herumstolpern sah. Mit einigen Vorschusslorbeeren aus Portugal gekommen, enttäuschte er in Gladbach auf der ganzen Linie, wurde nach zwei Jahren (und nach Gladbachs Abstieg) nach Wolfsburg transferiert. Dort schoss er mal in einer Hinrunde stattliche zehn Tore und dann fast gar keine mehr, wurde weiter abgeschoben nach Cottbus, wo er schließlich auch kaum eine Hütte machte. In der Saison 1998/1999 spielte er mit Gladbach gegen Fortuna Düsseldorf und trat einen Kollegen praktisch invalide. Völlig plump rutsche er mit den Stollen voran in den Knöchel eines Düsseldorfer Spielers (war es Markus Anfang?), dieser blieb gefühlte zwei Stunden liegen und musste mit Knöchelbruch direkt ins Krankenhaus gefahren werden. Der Schiedsrichter schaute sich kurz den Knöchel des Düsseldorfer Spielers an (der um 90° verdreht war, leider in die falsche Richtung) und zeigte Juskowiak die rote Karte. Meine Empfehlung wäre gewesen: Juskowiak so lange sperren, bis sein Gegenspieler wieder fit ist.

10) Eric Cantona (Premier League, 1995)
Ja, er hatte definitiv einen Hau. Wie alle genialen Kicker stand er stets mit einem Bein in der Klapse. Aber keinen liebten die ManU-Fans so sehr wie ihn. Als ihn im Januar 1995 ein Fan von Crystal Palace aufs Übelste beschimpfte, sprang Cantona kurzerhand über die Bande und verpasste dem Unhold einen satten Kung-Fu-Tritt mit den Stollen voran mitten in die Brust. Cantona wurde für zehn Monate gesperrt und mit einer saftigen Geldstrafe bedacht. Doch seiner Popularität tat das keinen Abbruch, im Gegenteil: Er ist wohl immer noch der beliebteste Spieler der Klubs.

Liste derer, die die Top Ten nur knapp verpassten:
Günter Schäfer (Arminia Bielefeld), der Lars Ricken sämtliche Bänder im Sprunggelenk durchtrat, Knuuuuut Reinhardt (Borussia Dortmund), der Juves Lombardo Schien- und Wadenbein brach, Jose Luis Chilavert (Nationaltorwart von Paraguay), der einem Ersatzspieler der gegnerischen Mannschaft nach Spielende mit einem Faustschlag die Nase brach, Harald "Toni" Schumacher, der mit der Hüfte in Frankreichs Battiston hereinsprang und drei Zähne ausschlug, Vinnie Jones (heute Schauspieler), der Paul Gascoine mal dahin griff, wo es Männern richtig wehtut, Giovanne Elber der dem am Boden liegenden Lehmann das Knie ins Gesicht rammte, unser aller Oli Kahn, der in Matrix-Manier mit dem Fuß voran aus seinem Tor auf Dortmunds Chappi zuhechtete, Dennis Bergkamp, der an der Eckfahne mal eben Jugoslawiens Mihajlovic über den Bauch spazierte, als dieser am Boden lag, Hollands Kluivert, der einen Belgier mit einem gezielten Ellenbogenschlag niederstreckte und viele, viele mehr.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hammi79

hammi79

28.08.2007 14:43

klasse idee!!!

SexyGirl84

SexyGirl84

15.08.2007 16:15

das dand ich ja mal echt interessant. besonders punkt 7 mit dem fallrückzieher ins gesicht! *aua*

HilkMAN

HilkMAN

16.07.2006 10:25

Ich werde nie das Foul von Augenthaler an Völler vergessen, das diesen mehrere Monate lang außer Gefecht setzte. Das war ein Zwanzig-Meter-Foul - will heißen, der Gefoulte flog geschätzte zwanzig Meter durch die Luft...

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