Nebel der Nostalgie! (Klappe, die achte!)
19.04.2004
Pro:
nicht autobiografisch, schwermütig
Kontra:
nicht autobiografisch, schwermütig
Empfehlenswert:
Ja
 s.maki
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:31
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Manchmal schmerzt ihn es noch heute. Gerade in solchen Momenten, die er gerade jetzt durchlebt. Jetzt in diesem Augenblick, wo er wieder mal ruhe findet. Momente wo er sich Ruhe könnt, entspannen möchte und relaxen will. Doch er betrügt sich selbst in dem Gedanken, dass er Ruhe findet, dass er entspannen oder gar relaxen kann. Er entspannt bei besten Willen nicht. Gedanken durchreisen wieder seine Ruhe, scheppernd laut, bedrückend schnell, so schnell, dass er sie nicht begreifen, nicht fassen, nicht vertreiben kann. Der Körper krampft, das Herz schlägt schwer, es drückt, es schmerzt, es schreit, es schlägt mit jedem Schlag so stechend tief, dass er wünschte es würde nicht mehr schlagen. Entspannung gehrt zum Paradoxem, gehrt für ihn zur reisenden Wut, rastlose Verzweiflung und alles zerrennenden Angst. Wut! Wie kann er wütend sein? Er hat sie ziehen lassen, hatte er doch den Mund nicht aufgekriegt, um zu sagen, nein, bleib hier, verlass mich nicht! Geschwiegen hat er, toleriert, Verständnis gezeigt, nichts gesagt. Stille bewahrte er! Doch jetzt könnte er schreien, laut schreien, soll laut, dass es in den eigenen Ohren schmerzt und wieder schallt. Und er schreit, er schreit den Schmerz hinaus, doch niemand vernimmt sein Rufen, sein Aufschrei, sein Stöhnen, seine Wehklagen. Nur er hört sie, nur er vernimmt sie, nur in ihm erklingen sie. Zu leise lärmt es in ihm, dass es jemand nur vermag es zu ahnen. Niemand sieht, hört, spürt sein Schmerz, nicht einmal das seine Augen schon längst erloschen sind. Schon lange die Umwelt faszinierend fesselnd strahlten sie nicht mehr. Das Funkeln erlosch im Augenblick als das Ihrige Antlitz in ihnen erlosch. Allein spürt er den Schmerz! Quälend ungewiss, unsicher, kindlich im Umgang mit seinen Gefühlen, strotzend, wütend aufbäumend, verzehrt ihn dieser ungerechte Kampf, dieser aussichtslose Konflikt in sich, in ihm. Ohne Bewegung rast er, hasstet er durch die Vergangenheit. Schweigend schreit er! Schweigen? Wie konnte er nur schweigen, alles hinnehmen und verstehen? Zu spät die Erinnerung an das damalig Vergessene, zu spät um laut zu schreien. Warum schweigen die Reflexionen nur jetzt nicht? Warum lassen ihn die Gedanken keine Ruhe, warum wehren sie sich den jetzt so gegen das Gefühl allein zu sein. Hätten sie nicht schreien, quälen, schmerzen können, als es darauf ankam? Als Sie noch in seinen Armen lag? Verzweiflung! Wie kann er nur zweifeln? Selbstsicher, gekonnt, charmant, umschweifend lebend, ging er zuvor nicht einmal mit verschwommenen Blick durch die Zeit. Selbstsicher, gekonnt, charmant, geschickt umgehend verrat er seine eigenen Gefühle, erlaubte ihnen nicht ein Wort, verbot ihnen jede Rührung. Unterschwellig glommen, lodernd leicht hörten sie nie auf zu schweigen, bis zu dem Augenblick als Sie durch Ihr Gehen die Tür aufsprengte, die den Sauerstoff zum entzündend, zum explodieren, zum zerknallen zurückhielt. Der Backdraft zerriss in ihm jede Illusion, jegliche Kraft, jegliche Vernunft, jeder Bruchteil an Stärke wurde von ihm verzehrt. Die Pflicht weiter zu stehen, Stärke, Willenskraft, eine Illusion, ein Schauspiel, welches Shakespeare gleich kommt, die perfekte Illusion. Doch wann brach sie? Wann hörte sie auf ihn schützend zu isolieren, wann platzte ihre sanfte, weiche, Geborgenheit spendende Hülle? Wann verrat der Illusionist seine Tricks. Wäre sie doch sein Geheimnis geblieben! War er auch nur eine Illusion, ein Schauspiel, so gut, dass er ihm selber verfiel? Begann nun auch, er, sein perfektes Schauspiel zu brechen, mochte es auch nun ihn zerplatzen lassen. Sollte nun jeder sehen, dass sich ihn ihm auch nur etwas zerbrechliches wiederfand? Angst! Wovor hatte er Angst? Nicht eine Unsicherheit wurde ihm bisher zur Last. Nichts mochte ihn von seinem Verlauf, von seinem Pfad, von seinem Sein abzubringen. Doch als diese Sackgasse ein unerwartetes Ende fand, ein Fels, der aus dem Nebel unbezwingbar hervorsprang und den Weg zerbrach, war er allein. Kein Weg der ihn führte.Die Hand die ihn sicher behütend, schützend den Weg weisend führte, riss sich los von ihm, verlies ihn so grob, rabiat, hart und kalt, wie sie ihm zuvor so lange sanft und behütend geführt hatte. Als er Ihre Hand zum letzten Mal ergriff, war sie bereits zurückgezogen, verschwunden im Nebel, im Nebel der sich Nostalgie nennt. Nostalgie, die Sehnsucht nach dem verlorenem, dem alten, dem gewohnten, dem geliebten.Im Nebel verliert man sich sehr schnell. Von jeder Seite nur der Lärm, die rasenden Gedanken, verschlingend ergreifen sie Vergangenheit und Gegenwart. Erfassen jegliche Vernunft, Willen und Stärke und scheiden ihn als Nebel aus. Dichter und immer dichter sieht er sich zusammen, verschleiert ihm die Sicht. Doch wonach blickt er, wonach sucht er jetzt, wohin geht er jetzt?Er sollte aufstehen, weitergehen, den jeder Nebel endet mal und eröffnet wieder freie Sicht. Und aus dem Nebel herausgetreten, erkennt man vielleicht eine neue Hand. Ein bisschen schwermütig ist es schon, aber warum nicht. Mein ganz besonderer Dank gilt Marillchen, die mir wahrscheinlich ganz unbewusst den Anstoß zum Verfassen einer neuen Kurzgeschichte gegeben hat. Tausend Dank!!!
P.S.: Keine Angst mir geht es gut, ist nicht autobiografisch!!!
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09.08.2005 09:43
die spannung steigt mit jedem geschriebenen wort. ich freu mich auf das nächste. lg habboslife
03.08.2005 19:15
Mein Kommentar ist wohl mit dem Absturz vorhin verloren gegangen. Auf jeden Fall wollte ich betonen, dass mir dieser Teil nach Lektüre der vorangegangenen noch besser gefallen hat, Schwermut hin oder her, und das b.h. hast Du Dir wirklich verdient. Ich hoffe, dass bald noch mehr aus Deiner Feder kommt....
25.07.2005 21:05
puuh, ist das fesselnd!