Dummdeutsch 8
13.12.2004 (15.12.2004)
Pro:
tektionismus
Kontra:
bande
Empfehlenswert:
Nein
 pompadour
Über sich:
die reaktionen auf meinen jüngsten bericht zeigen mir, daß mich viele alte freunde trotz langer abwe...
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*** Dämliches Denglish *** "Wohl der größte IT-Auftrag je" http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,321876,00.html (7.10.04)Je nun, je was? "Biggest whatnot ever" mag auf Englisch funktionieren, aber auf Deutsch ist es ein Bauchplatscher ersten Ranges. "Es ist wie ein Ritt mit der Achterbahn" http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,321934-2,00.html (7.10.04) Man kann auf Pferden reiten, auf Eseln und, wenn es unbedingt sein muß, sogar auf Stieren. Man kann *mit* Beduinen reiten oder mit Mongolen. Und man kann *mit* Arabern *auf* Arabern reiten. Mit der Achterbahn hingegen fährt man. Außer bei den Angelsachsen: Da kann man nicht nur auf Achterbahnen, sondern sogar auf Motorrädern reiten. Aber eben nur da. *** Rechtschreib-Deform *** Seit der Schlechtschreib-Deform weiß keiner mehr, welche Wörter er in zwei zerhacken soll und welche nicht. Es werden sogar Wörter auseinandergerissen, die ihre Zusammengehörigkeit durch ein Bindungs-S demonstrieren, z.B. "seine alte Kritik an Bush als Gefechts unerfahrenen Oberkommandierenden..." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,299753,00.html (14.5.04)Statt daß der Schuster bei dem Leisten bleibt, den er kennt (und der meistens auch grammatisch wie akustisch sinnvoller ist), haut er fröhlich mit der Machete drein und hofft, daß es der Setzer schon richten wird. Nur leider ist der wegrationalisiert worden. "... etwa 100.000 türkisch sprachige Zyprioten. [...]. Von denen müsste der größte Teil rückgesiedelt werden, fordern die griechisch stämmigen Inselbewohner." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,293319,00.html (31.3.04) Heidenei, die Zyprioten sind ebenso stämmig wie sprachig! " ... Chef der Steuer befreiten Stiftung ... " http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,295053,00.html (14.4.04) "... als aller schwersten handwerklichen Fehler gebrandmarkt ..." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,299303,00.html (11.5.04)" Ein Widerrufsrecht des höchst Bietenden würde zudem 'eine Belästigung aller Bieter' bedeuten." http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,320687,00.html (30.9.04) Ich versuche mir gerade vorzustellen, was es außer dem höchst Bietenden noch geben könnte: den zutiefst Bietenden, den himmelhoch Bietenden, den aller Bietendsten... "... "Schurken" wie Nord Koreas Staatsschef Kim Jong II ...." http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,323661,00.html (18.10.04) A propos, in Ost Deutschland und Nord Amerika... äh... ach, lassen wir das!"... das Blut triefende Töten auf dem Monitor ...." http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/421/41380/3 (21.10.04) *** Sch.... Grammatik *** "Nicht verhindern konnte der Wirtschaftsminister aber eine von der Braun- und Steinkohleindustrie unerwünschten Lenkungswirkung des Emissionshandels zugunsten einer ökologischen Modernisierung des deutschen Kraftwerkspark:" http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,293226,00.html (31.3.04) Okee, man muß es vielleicht zweimal lesen. Das an sich ist schon schlimm genug. Kürzen wir mal alles Blähdeutsch raus: "eine unerwünschten Lenkungswirkung" und "Modernisierung des Kraftwerkspark". Zwei dicke Grammatikfehler in einem Satz: Sechs, setzen. "Mitte März diesen Jahres schrieb der CDU-Außenpolitiker Friedbert Pflüger in einem sechsseitigen Papier: Es kostete ihm Kraft und Mühe, diesen Eindruck zu zerstreuen." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,295158,00.html (14.4.04) Zwei Fehler in zwei Sätzen, die zusammen sogar kürzer sind als das Monster oben: Wie man sieht, sind unsere Journalisten nicht unbedingt berechtigt, auf unseren armen 15jährigen herumzuhacken."Al Sharpton, das Haar zum Helm gesprüht, kurvt im weißen Minivan über den Beritt und plaudert mit Studenten. [...] Auf der anderen ein oft widersprüchlicher, liberaler Idealismus - eine Herausforderung, an dem die Demokraten immer wieder zerbrochen sind." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,288183,00.html (2.3.04) An dem Herausforderung des Grammatik zerbrechen manchmal auch Journalisten. Davon abgesehen: wieviele von Euch wissen, was ein Beritt ist, ohne im Lexikon nachzuschauen? Mir ist der Begriff in jenem Artikel erstmals begegnet (und das gleich zweimal, wenn ich mich recht entsinne), nie davor und auch danach nie wieder. Wetten, daß der Schreiberling ihn erst kurz zuvor gelernt hatte und ein wenig angeben wollte? "...doch wird wohl kaum jemand aus der Umgebung Buttigliones dessen Einstellungen unbekannt geblieben sein." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,325265,00.html (27.10.04) Es ist schon bezeichnend, daß selbst ich diesen Satz zweimal lesen mußte, um zu merken, was mich da so zwickte - so sehr ist die Unart schon eingerissen, "jemand" nicht zu deklinieren. Warum sollte jemand den Einstellungen des Signore Buttiglione bekannt sein? Sind die Spitzenspione oder was?"Er sprach wenig, enthielt sich tapfer dem darwinistischen Kampf um die Dschungelkrone..." http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,326238,00.html (3.11.04) "Die USA ist auch ihr Land." www.stern.de (3.11.04) *** Platte Platitüden *** Es kommt gut, wenn man gewisse feststehende Wendungen in seinen Text einbaut. Man sollte nur aufpassen, daß man vor lauter Eifer nicht den Sand in den Kopf steckt*, denn wie man in den Wald hineinruft, so liegt man, und wie man sich bettet, so schallt es heraus.**"..., dass die US-Regierung schon lange den Nährboden für Abu Ghureib gesät habe." http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,298744,00.html (7.5.04) Wer Nährboden sät, wird Humus ernten! "Verheerende Anschläge auf den Philippen vereitelt" http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,293161,00.html Die journalistische Erfahrung lehrt, daß Anschläge immer verheerend sind. Auch dann, wenn sie gar nicht stattgefunden haben: Sie verheeren dann die Reporter-Karriere... hoffentlich. miss_varna hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß der entsprechende Artikel mittlerweile die Überschrift "Blutbad in Manilas Metro vereitelt" trägt, der auch nicht besser ist: Manila hat nämlich keine Metro (=U-Bahn). Es gibt aber eine geographische Einheit mit dem englischen Namen "Metro Manila", zu deutsch: Großraum Manila. "Häufig sei unter Politikern jedoch eine Sprache üblich, die "teilweise absolut unter die Würde" gehe..." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,303448,00.html (9.6.04) Unsere Politiker tragen nämlich Würde um den Bauch. Man sieht das gut am Kandesbunzler: Der war gar nicht dick - er hatte nur so viel Würde! Oder Joschka: Er hat nicht etwa an Gewicht zugenommen, seit er Minister wurde, sondern an Würde. Heute sind Schläge unter die Würdelinie verboten. *** Stupidità mista *** " Anschließend klingte Pilot Melvill das Raumschiff aus...." http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/840/33807/ (21.6.04) Muß wohl ein Klingone sein.... oder ein Enkel von Else Kling? "Schon der Begriff TCM ist keinesfalls 4000 Jahre alt, sondern wurde erst von den Maoisten geprägt - die die chinesische Medizin als Exportschlager entdeckten." http://www.spiegel.de/spiegel/inhalt/0,1518,324872,00.html (27.10.04) Es geht hier um traditionelle chinesische Medizin, abgekürzt TCM. Daß chinesische Medizin vor 4000 Jahren (als sie angeblich erfunden wurde) noch nicht traditionell war, sollte eigentlich keiner besonderen Erwähnung bedürfen. Daß der Begriff "TCM" noch jünger ist, sollte sowieso klar sein: Weder das lateinische Alphabet noch die deutsche Sprache sind alt genug dafür."..., weil viele Mücken resistent gegen das Medikament Chloroquin geworden sind. " http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,325956,00.html (2.11.04) Chloroquin ist ein Medikament gegen Malaria - gegen Mücken hingegen gibt es meines Wissens noch keinen Wirkstoff. "Mit dem ägyptischen Lied, das sie dann trällerte, wäre sie in der Talent-Show ihres ehemaligen Lebenspartners Dieter vermutlich schon in der Vorrunde grandios gescheitert." http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,326078,00.html (2.11.04) Die gute Naddel "sang" im Dschungelcamp "Hava nagila", lieh sich einen Monatsvorrat an rollenden Rs von Carrrolin Rrreiber und machte "Harrrva narrrgila" daraus. Die paar Leih-Rs machen aber aus einem hebräischen Lied bestimmt kein ägyptisches - nun ja, der Sechs-Tage-Krrrieg ist halt schon lange her. "Er ist der einzige auf der Welt, und er ist das modernste, was es gibt." K1 extra, Kabel Eins (2.12.04) Glaubt es oder nicht: Die Cheops-Pyramide ist die modernste Cheops-Pyramide der Welt. Und der Everest ist der kleinste Everest überhaupt. Ehrlich. - ) irgendein Fußballer
- *) Otto Waalkes
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03.03.2005 15:13
Sorry, kleiner Nachtrag - wie oft höre ich "die aktuellsten Stauinfos", da rollen sich mir die Fußnägel hoch. Als ob eine nachricht aktueller als aktuell sein könnte... Ts Ts Ts
03.03.2005 15:11
Gut beobachtet - da hätte ich noch einen für dich. Oft liest und hört man auch: "Das macht Sinn" - was einer 1:1 Übersetzung der englischen Redewendung "That makes sense" entspricht, was sich für meine Begriffe recht seltsam anhört. Da wäre das Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" ja genau das richtige für dich
24.01.2005 20:02
Weil ich jetzt nachsehen müsste, wie man "brilliant" schreibt, sage ich einfach: "toll". Und um dämliche Anglizismen zu vermeiden, betone ich, dass ich mit Deinen Ausführungen völlig d'accord gehe. Außer mit denen zum "Beritt". Das ist nämlich ein ganz tolles, viel zu selten gebrauchtes Wort. Anders als der "Sprengel", der etwas altväterlich-administratives (hast Du eigentlich schon mal was zu den Bindestrichadjetiven geschrieben?) hat, beschreibt er das, worüber man so Kontrolle hat, auf eine liebenswürdige und gutsherrliche Art. Außerdem gehört für mich zur Sprachpflege auch konservierender Artenschutz. Und der Beritt ist definitiv vom Aussterben bedroht. Da spielt es keine Rolle, dass man vielleicht ästhetische Bedenken haben könnte, denn die sind bei manch geschützter Krötenart auch angebracht.