Streitthema Arbeitslos
04.05.2001
Pro:
Gedanken, die mich bewegen
Kontra:
manche leben lieber vom Staat
Empfehlenswert:
Nein
 kleineswoelkchen
Über sich:
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Mit diesem Beitrag möchte ich ein Streitthema heute anschneiden, das jeden treffen kann. In Yopi wird dies zur Zeit stark als Diskussion geführt, was mich bewog, meinen Beitrag auch in Ciao auszustrahlen. Dort in yopi nennt sich das Thema *Arbeitslose-faul, unflexibel, träge?* Wir können nicht einfach sagen, *Arbeitslose sind faul* oder den Satz, *wer arbeiten will, der findet auch welche* zur Diskussion stellen. Geht nicht. Oder jedenfalls nicht in meinen Augen. Arbeitslos ********** War ich in meinem Leben noch nicht. Doch das liegt auch daran, das ich mich immer weiter entwickelt habe. Dies liegt zum einem nicht jedem und zum anderen bekommt oder sieht auch nicht jeder die Chance. Eine Weiterbildung kostet Geld und meist zahlt der Staat/Arbeitsamt jetzt eine Weitervermittlung. Dies sind Kosten, die in die Höhe schnellen. In meinem Bekanntenkreis muß ich leider feststellen, das über 80% der Menschen, die eine Weiterbildung verfolgten, diese entweder abbrachen oder mit Mühe und Not schafften und dann doch wieder auf der Straße standen, weil sie nicht das Faible dafür hatten. Weil sie aufgrund längerer Arbeitslosigkeit gezwungen wurden, diese Weiterbildungsmaßnahme in Angriff zu nehmen. Andere Menschen, die Interresse dafür gehabt hätten, die mußten erst brav ihr Jahr absitzen daheim, mußten erst einmal zeigen, das sie arbeitslos sind. Falsche Einschätzung der Marktlage. Man kann einen Koch nicht an eine Kreissäge stellen. Arbeitslosigkeit herrscht vorwiegend in ärmeren Regionen unseres Landes, im ehemaligen Osten, wo größere Kombinate, Fabriken oder Werkstätten schnell schlossen, weil sie nicht Marktfähig waren. Als Beispiel zähle ich jetzt nur einmal die Stadt Welzow in der Niederlausitz. Bis zur Wende waren dort 2 Glasfabriken, eine große Kohlenfabrik, dann eine ehemalige Zentralwerkstatt die sich zu eine Baumaschinenfabrik entwickelt hatte und ein großes Braunkohlenwerk sowie der Tagebau selbst. Die Stadt hatte mal 7000 Einwohner bis zur Wende. Nach der Wende schlossen innerhalb von 2 Jahren alle Werke, kleinere Abteilungen blieben erhalten. Diese gaben ca. 300 Menschen Arbeit. Die restlichen Einwohner und das gesamte Umland verloren ca.14000 Arbeitsplätze auf einen Schlag in der Region. Und keiner wollte arbeitslos sein. Doch hier herrscht immer noch eine sehr hohe Arbeitslosenrate, denn wo keine Kaufkraft ist, schließt sich wieder der Kreis. Verkaufseinrichtungen müssen schließen, die nächsten Menschen werden arbeitslos. Ungewollt arbeitslos, somit in dieser Region dazu verdammt, einen Job anzunehmen, der einen gar nicht anspricht. Also wird dies nicht gut gehen. Darum sage ich, arbeitslose sind nicht faul, jedenfalls nicht alle, denn viele können für ihre Situation nichts. Das sehr viele nach einen Ausweg suchen, zeigt weiteres Beispiel. Jetzt hat die Stadt Welzow maximal 3000 Einwohner von ehemals 7000. Die Menschen folgten dem Job. Sie suchten in neuen Bundesländern, im Ausland oder in anderen Regionen nach Arbeit. Die Menschen auf dem Land, die riesige Grundstücke und Felder haben, versuchen auf anderem Wege ihr Auskommen zu finden. Jeder versucht, doch wird es gelingen? Die Rückzugrate liegt bei einem geringen Prozentsatz. Faule Arbeitslose finden sich aber auch langsam mit ihrer Situation ab. Das Sozialamt zahlt ja nach Ablauf der Arbeitslosigkeit. Ungerecht ist, das die Sozialhilfeempfänger leider alles bekommen und sich nicht verpflichtet fühlen, endlich auch einmal an ihrer Situation etwas zu ändern. Ich bekam vor 2 Jahren kurz vor meinem Wegzug aus der Region von einer Freundin mal gesagt, *wieso soll ich arbeiten gehen, ich bekomme 1500,00 DM Sozialhilfe, mehr als mancher Lohn bei euch in der Tüte.* Stimmt, ich ging für 1000DM Brutto 6 Stunden auch mal arbeiten. Und die Löhne sind nicht viel höher für das Verkaufspersonal in dieser Region. Doch dieser Satz bestärkte mich damals, nicht in diese Lethargie zu verfallen, ich wollte was aus meinem Leben machen, wollte mal nie mich so gehen lassen. Vielleicht konnte ich euch anhand der Beispiele aufzeigen, das alles ein Für und Wider hat. eure andy
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12.07.2001 18:56
Ich bin jetzt seit März dieses Jahres Arbeitslos. eine Umschulung, die würde ich gerne machen, und zwar im IT Bereich. Nur wurde mir Arbeitsamt gesagt,"bevor ich anspruch auf eine Umschulung habe, muß ich erstmal mindestens 1 Jahr arbeitslos bleiben". Ist das nicht ein Witz? Nach diesem Jahr ist die Arbeitsmoral doch auf dem Nullpunkt!!! Ich habe mich jetzt entschlossen, eine 2. Ausbildung zu beginnen, da ich sonst keine Chance habe, in diesen Bereich reinzukommen. Nur bin ich schon 26 Jahr, und in diesem Alter ist es echt nicht einfach etwas zu finden. Aber ich gebe nicht auf. Gruß Mario
11.07.2001 00:41
Hallo andy, sei froh das du noch nicht arbeitslos warst . Ich finde deinen Bericht echt super du sprichst fast alles an was es da an Problematiken gibt. Mein Bruder hat nach langer Arbeitslosigkeit auch umgeschult , vom Rohrleger zum Fliesenleger , kaum war er fertig war er wieder arbeitslos. Arbeit kriegt er zwar angeboten aber das nur für eine lächerliche Bezahlung. Sollte man das glück haben das man eine Stelle vom arbeitsamt angeboten bekommt , muß man angst haben das man seinen Lohn bekommt ( steht in meinem Bericht übers Arbeitsamt). bis dann , Aldi110
25.06.2001 22:22
Ich kenn diese Problematik nur allzu gut. Bin selber seit geraumer Zeit arbeitslos. Daher betrifft es mich natürlich besonders stark, wenn diese Vorurteile und Sätze wie "Wer arbeiten will findet auch Arbeit" fallen. Es ist nicht lustig mit ca. 900 DM im Monat auskommen zu müssen. Es ist nicht toll zu Hause blöd rumzusitzen und die Zeit toschlagen. Es grüßt das Unikat:-) PS: Ich habe auch mal einen Bericht über das Thema Arbeitslosigkeit geschrieben. Wenn Du Lust hast, kannst Du ihn Dir ja mal lesen;-)