Die von der Gesellschaft anerkannte Droge!
25.08.2001
Pro:
- -
Kontra:
Problem mit anderen Menschen, körperliche Beschwerden
Empfehlenswert:
Nein
 ingob
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:170
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 110 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo zusammen, diesmal möchte ich wieder etwas über eine Sucht schreiben. Eine Sucht, die in der Bevölkerung meist nicht auffällt bzw. sogar noch positiv gewertet wird. Eine Sucht, die man an sich selber gar nicht merkt, aber bei vielen Mitmenschen auffallend ist. Eine Sucht, die weiter verbreitet ist als die Sucht nach Zigaretten, Alkohol oder Rauschgift. Und Mann und Frau gleichermaßen betrifft.Wisst ihr was ich meine? Ich rede von Arbeit! Auch genannt: Workaholic! Kennt Ihr nicht auch Leute, die wöchentlich 60 Stunden und mehr arbeiten? Habt ihr nicht auch Großeltern die die Finger nicht von der Arbeit lassen können, obwohl sie schon längst in Rente sind und auf das Geld nicht angewiesen wären? Oder sie ständig an irgendwelchen Sachen basteln (meistens irgendwas mit Holz) oder Blumen züchten? Sinnloserweise jeden Tag die Erde im Garten umgraben (wie mein Opa)? Oder Leute, die nach ihrer „normalen „ Arbeit nach Hause kommen und dort noch den ganzen Tag arbeiten? Ich meinte damit jetzt nicht den normalen Haushalt, sondern wenn man es übertreibt, z. B. jeden Tag saugt, oder abstaubt. Erkennt ihr euch vielleicht selber!? Wer sind diese Leute? --------------------- Es sind meistens Leute in Firmen die durch ihre Leistungen sehr positiv auffallen, Leute die durchgängig überdurchschnittlich Arbeitsleistungen und Einsatzwillen erbringen.. Dies sind leider sehr oft Personen in den oberen Schichten oder Abteilungsleiter. Sie werden in Firmen oft als Vorbilder für die anderen Angestellten angesehen, oder legen die Messlatte neu fest. Wie kommt es dazu? ------------------ Laut Studien kommt es schon in der frühen Kindheit dazu, diese Entwicklung einzuschlagen. Dis kann zum Beispiel sein, wenn die Eltern oder Verwandte sehr erfolgreich in ihrem Leben waren oder sind und man selber dem nacheifern will. Man will immer perfekt sein. Und wenn etwas wirklich gut war, und man dafür Lob bekommt, macht man seine eigene Arbeit schlecht und deckt Sachen auf die noch besser hätten sein können. Diese Leute leben also in einer „Einbildung“, daß alles besser gemacht werden könne, und daß sie selber das sein müssten um es zu tun.Mit der Zeit merken sie, daß sie anerkannt und respektiert werden, doch sie wollen mehr. Also wird die wöchentliche Arbeitszeit noch weiter erhöht um noch mehr Erfolge verbuchen zu können. Und genau das ist das Verlaufsbild einer Sucht. Wenn man von etwas abhängig ist wird der Bedarf nach der Droge immer stärker mit der Zeit und der „Konsum“ steigt. So auch mit der Arbeit. Anfangs ist der Mitarbeiter ein Vorbild und ein „Held“. Doch wenn er seine Leistungen nicht erhöht, dann wird es allmählich zum Standard und es stellt nichts besonderes dar. Darum muß er seine Arbeitsleistung immer weiter erhöhen. Warum wird es in der Gesellschaft nicht bemerkt? ------------------------------------------------In der Gesellschaft wird es nicht bemerkt, weil es nach außen hin keine Erscheinungen gibt, so wie bei anderen Drogen. Arbeiten ist einfach das, was jeder von uns tun muß, der eine kürzer, der andere länger. Wenn jemand 60 Stunden in der Woche arbeitet ist das in der Gesellschaft nichts auffallendes, und schon gar nichts schlechtes. Schließlich regen sich ja nur alle über diejenigen auf, die nicht arbeiten. Sollte doch einmal einer etwas merken und fragen warum er so lange arbeitet, wird fast immer die Antwort kommen, er hätte nicht früher gehen können, es wäre gerade stress in der Firma bzw. ein Projekt müsse fertiggestellt werden. Diese Personen sind, egal zu welcher Tageszeit immer beim arbeiten, fallen also in der Bevölkerung nicht negativ auf. Sie sind nicht durchgehend in einer Kneipe oder einer Spielhalle, Sind nicht Drogenabhängig, sondern sie arbeiten. Und das kann ja wohl nicht schlecht sein. Jedoch ist diese Aussage ein Trugschluss und sehr gefährlich! Welche gefahren bringt es mit sich? -----------------------------------Gefahren bringt es aber, obwohl keine Erscheinungen zu sehen sind, sehr viele mit sich. So ist die Arbeitssucht einer der Hauptgründe, warum Beziehungen und Familien zerstört werden. Denn wer hat schon gerne einen Lebensgefährten, der nie da ist und sich immer nur seiner Arbeit widmet, nicht aber seiner Familie? Die Arbeitssucht ist ein Teufelskreis, wie jede andere Sucht auch. Um die Familie zu befriedigen müssen die Arbeitszeiten gekürzt und die Arbeit selber „vernachlässigt“ werden. Dadurch verliert der Süchtige jedoch seine hart erarbeitete Position in der Firma und es kommen Fragen nach dem Motto „Was ist denn mit Dir los, sonst gehst du doch auch nicht so früh“ auf. Wie ihr schon merkt stehen in beiden Interessen in einem Konflikt zueinander, und nur die wenigsten schaffen in diesem Moment die Kehrtwende.Oft kommen dann die Aussagen der Familie gegenüber, das es das letzte mal sei, „nur noch diese eine Arbeit fertig machen, und dann nehme ich mir wieder mehr Zeit für euch“. Dies weckt in den Lebensgefährten Hoffnungen die aber meistens nicht erfüllt werden. Denn wenn es soweit ist leider der Süchtige darunter, er ist quasi auf Entzug. Er fragt sich nach dem Sinn seines Lebens, sein Ego leidet. Also nimmt er die Arbeit wieder wie zuvor auf um sich wieder „glücklich“ zu fühlen und seinen Kollegen zu beweisen, daß mit ihm alles in Ordnung ist. Doch diese Menschen sind nicht glücklich! Sie sind es, die andauernd über die viele arbeit schimpfen, die Abend nach Hause kommen und mit den Nerven am Ende sind. Sie sind es, die dann den Stress von der Firma an ihren Angehörigen auslassen. Sie sind es, die die Schuld grundsätzlich anderen geben wenn etwas schief läuft, was mit der Zeit immer häufiger wird. Für Arbeitssüchtige gibt es nur die Arbeit, zwischenmenschliches, ja sogar die eigene Familie wird vernachlässigt! Und wenn es zu Hause Stress gibt, dann fliehen sie wieder zurück zu ihrer Arbeit, zurück zu ihrem „wohlbefinden“.Es gibt aber auch körperliche Erscheinungen mit der Zeit. Arbeitssüchtige nutzen ihre ganze Körperkraft für die Arbeit. So lange, bis sie wirklich körperlich „am Ende“ sind und sich schlapp fühlen. Doch auch dieses Gefühl lässt dich durch Willen und weiterer Arbeit überdecken. Am Wochenende sind meistens genau sie es, die im Bett liegen und nicht aufstehen wollen, die zu müde sind um etwas zu essen, oder teilweise sogar zu fertig um überhaupt zu schlafen. Hinzu kommen am Anfang rote Augen, Kopfschmerzen, Lustlosigkeit auf anderes als der Arbeit, Rückenschmerzen und so weiter. Das Mitgefühl für andere Menschen geht verloren, denn man kennt es selber nicht mehr, da dies durch den Arbeitsdruck ersetzt wurde.Die übermäßige Anstrengung führt auch meisten in späteren Lebensjahren sie Herz-Rhythmus-Störungen, Kreislauf-Kollaps, Schlaganfall oder Herzinfarkt. Muss das wirklich sein? Fazit: ------ Workaholic ist eine sehr gefährliche Sache, da man es selber nicht merkt, und es aus der Sicht der Gesellschaft nichts negatives ist wenn man viel arbeitet. Doch damit macht man sich sehr viel kaputt, seine Familie und zum Schluss sich selber. Also, solltest auch du dich in diesem Bericht wiedergefunden haben, dann überdenke mal deine Arbeitsgewohnheiten oder frage andere Leute was sie für einen Eindruck über dich haben.Gruß Ingo
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31.03.2002 21:44
Mein Daddy arbeitet sich total kaputt, manchmal sogar 2 tage ohne zu schlafen, ich dagegen strotze überhaupt nicht...bin dagegen eher faul....leider...aber wir sollten beide wohl das Mitelmaß finden! Super bericht!LIEBE GRÜßE Grinsebacke
23.02.2002 18:53
Wie wahr wie wahr!!!!
01.09.2001 17:38
Ein interessanter Beitrag Gruß Jus-tine