Abenteuern für eine bessere Welt - Rüdiger Nehberg
07.01.2004 (03.02.2004)
Pro:
Real erlebt, kurzweilig, spannend, gibt Stoff zum Nachdenken
Kontra:
Nichts
Empfehlenswert:
Ja
 Jippiaje
Über sich:
Hier sind Kommentare, Lesungen und Kritik herzlich willkommen.
(Letztere natürlich nur, wenn sie p...
Mitglied seit:30.04.2000
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Rüdiger Nehberg - Die Yanomami-Indianer //_/_/_/ Vorwort \_\_\_\_\_ Neulich radelte ich quietschvergnügt durch die Stadt, genoß das Wetter, die Luft, die Stadt selbst und dachte eigentlich an gar nichts und plötzlich... da sah ich ein Gesicht von der Litfaßsäule grinsen, das ich schon immer einmal persönlich kennenlernen wollte - Rüdiger Nehberg. Er kommt in die Stadt und gibt eine Dia-Show und berichtet über sein Leben. Rüdiger Nehberg war mir natürlich längst ein Begriff und ich mußte da einfach hin, das stand fest. Das tat ich dann auch und ich nehm’s vorweg – es war grandios! Auch wenn ich Rüdiger Nehberg namentlich kannte, gelesen hatte ich bis dahin noch nichts von ihm. Der Dia-Abend war total ergreifend, der Mensch selber so etwas von unglaublich sympathisch... Er hat viel durchgemacht auf seinen Reisen, extremes Elend gesehen, himmelschreiende Ungerechtigkeiten erlebt, gute Freunde verloren und doch, er hat eine extrem positive Lebenseinstellung, eine sehr offene Ansicht gegenüber allen Kulturen, ist durchaus auch kritisch gegenüber unserer und fremder Kulturen, er denkt sehr kritisch über unsere und andere Gesellschaften nach, hat trotzdem einen fantastischen Humor (geh’ ich später noch drauf ein) – kurz: Er ist einfach ein Typ, mit dem man gerne ein Bier trinken geht. Ja, ihr merkt schon, ich war von dem Abend total angetan, und wer solche Abend bereits schon einmal selbst besucht hat, weiß auch, daß anschließend die Bücher, wovon solche Abenteurer ja letztendlich leben, dort auch direkt verkauft werden. Und da habe auch ich zugeschlagen: „Die Yanomami-Indianer“. Ich habe das Buch hier bei Ciao als neue Produktkategorie beantragt und werde später diesen Bericht unter diesem Buch-Produkt einstellen lassen. //_/ Kurz zum Autor: Wer ist eigentlich Rüdiger Nehberg?\_\_\_ Sollte es doch tatsächlich den einen oder anderen geben, der Rüdiger Nehberg noch nicht kennt – hier eine kurze Vorstellung. Rüdiger Nehberg ist der bekannteste Abenteurer Deutschlands – für mich der bekannteste auf der Welt, denn ich kenne keinen anderen wirklich. ;-) Bei vielen gilt er als verrückt. Das ist er sicherlich irgendwo ein wenig, aber im positiven Sinne. Er schlägt sich nur in Badehose und ohne „zivile“ Hilfsmittel wochenlang durch unberührten Regenwald, umsegelt in einem Tretboot den Atlantik oder wandert tagelang durch die Wüste. Er gilt als Überlebenskünstler im wahrsten Sinne des Wortes und ist allseits auch als Survival-Man bekannt. Um seinen Reisen einen Sinn zu geben, setzt er sich auch für diverse Menschenrechte ein. So kämpft er aktuell gegen den jahrhundertlangen Brauch der rituellen Beschneidung von Frauen in Afrika und in der muslimischen Welt, die weitaus über das „bloße“ Herausschneiden der Klitoris hinaus geht. Das Faszinierende dabei, er geht mit ganz simplen Mitteln und Strategien vor und hat es tatsächlich geschafft, 2002 eine Konferenz mit allen Stammesfürsten des Afra-Volkes ins Leben zu rufen, die sich einstimmig für die Abschaffung der Beschneidung aussprachen. Dazu muß man wissen, daß insbesondere in Afrika Landesgesetze nichts gelten, wenn sie nicht von den Stammesfürsten getragen werden. Aber Rüdiger Nehberg hat es geschafft. Sein nächstes Ziel ist es, ein Banner gegen die Beschneidung auf arabisch zwischen die Türme der Hauptmoschee in Mekka aufzuhängen und somit für alle Moslems der Welt lesbar zu platzieren. Ich habe Rüdiger Nehberg erlebt und bin sicher, wenn ihm nichts zustößt, er nicht in Kürze schwer erkrankt, verstirbt oder verunglückt – er wird es schaffen! Aber zurück zum eigentlichen Thema - die Yanomami-Indianer. Sie sind das letzte große Urvolk im Amazonas Brasiliens, das trotz gesetzlichen Schutzes vertrieben, gemordet und geplündert wurde. Doch seit diesem Jahrhundert haben die Yanomami-Indianer einen akzeptablen Frieden. Und diesen Frieden haben sie maßgeblich Rüdiger Nehberg und seinen Freunden zu verdanken. Übrigens, was die wenigsten wissen und was ich bis zu dem besagten Abend auch noch nicht wußte, Rüdiger Nehberg erhielt für sein Engagement bereits das Bundesverdienstkreuz. //_/_/_/ Wovon handelt das Buch?\_\_\_\_\_ Das ist ganz schnell erzählt. Rüdiger Nehberg beschreibt seinen 20 Jahre langen Kampf für die Rechte der Yanomami-Indianer. Er beginnt mit seiner ersten Reise, u.a. wie er wie ein „Anfänger-Touri“ einem Betrüger auf den Leim geht, der ihn für nicht wenig Geld an einer Stelle mit dem Boot aussetzt, die längst kein unberührter Regenwald mehr ist. Rüdiger Nehberg lernt erst im Laufe der Zeit, wem man wie weit trauen kann - die Welt im Regenwald abseits der Zivilisation ist eine ganz andere, eine eigene. Er schreibt, wie korrupt die Regierungen sind, daß die größten Gefahren für sein Leben nicht von den Indianern ausgingen, sondern von den Weißen, die in ihrer Not fern jeglicher gesetzlicher Kontrolle nach Gold schürfen und wirklich alles tun, um ihrem Lebensglück vom Reichtum ein Stück näher zu kommen. Dabei arbeitete er auch selbst als Goldarbeiter und stellte fest, daß, wie so oft im Leben, das richtige Geld ganz andere Leute machen – die, die sich nicht annähernd schmutzig machen. Die Goldarbeiter hingegen können von Glück reden, wenn sie ohne Verlust heimkehren und da bleibt es auch schon mal nicht aus, daß Kollegen wegen eines Goldzahns umgebracht werden.Ich kann nicht alles erzählen, es sprengt den Rahmen des Berichtes. Nur noch einmal kurz zum Ausgang. Es klingt schon beinahe wie ein Happy End eines Romans: Es gelingt Rüdiger Nehberg und seinen Freunden, einen Film mit teilweise versteckter Kamera zu drehen, der das Elend der Yanomami-Indianer dokumentiert und der rund um die Welt geht - nicht zuletzt auch dank Greenpeace. Dieser Film hat die Yanomami-Indianer weltweit bekannt gemacht und ein interkontinentales Bewußtsein geweckt, so daß seit diesem Jahrhundert die Indianern ein Leben leben, das tatsächlich friedlich ist. //_/_/_/ Schreibstil\_\_\_\_\_ Ich weiß, ich weiß... Wenn ein Kapitel in einem Bericht „Schreibstil“ heißt, wird genau das recht schnell überflogen. Trotzdem wollt’ ich darauf kurz eingehen, denn: ...er ist einfach klasse.Von der ersten Zeile an ist das Buch total unterhaltsam. Rüdiger Nehberg hat eine ganz grandiose Art, real erlebte, auch grausame Dinge so rüberzubringen, daß sie trotz aller Realität und Härte sehr unterhaltsam zu lesen sind, ohne daß die Ernsthaftigkeit verloren geht. In seinem ganzen Schreibstil kommt seine durch und durch positive Einstellung zum Leben zum Ausdruck. Ja und eh ich noch länger versuche, das zu umschreiben, gebe ich Euch hier einfach mal ein paar kurze Kostproben: Im folgenden Abschnitt beschreibt Rüdiger Nehberg seine Überlegungen zum Durchqueren des Regenwaldes. Er entschied sich fürs Schwimmen und wägt die Gefahren ab. Es ist gleichzeitig eine Kostprobe seines Humors:„...Nur nicht leblos dahintreiben lassen, aber auch nicht wie ein Idiot planschen! Beide Verhaltensweisen sind unnatürlich und wecken Interesse bei den Piranhas. Also schwamm ich ruhig und regelmäßig... ...Weniger, um die drei Stundenkilometer zu erhöhen, als den ‚gesunden Fisch’ zu mimen. Blieb also nur das Signal, das von meiner roten Hose ausging. ‚Zieh sie doch aus, du Langsamdenker’ führte ich wieder meine traditionellen Selbstgespräche... ...War die Gefahr nun damit gebannt?... ...Statt der Hose hingen nun meine ‚Accessoires’ freipendelnd im Wasser. Für jeden Kampffisch so richtig mundgerecht! Dann war wohl die Hose das kleinere Übel. Ich zog sie besorgt und blitzschnell wieder an und vermehrte so die Chancen, meine Anhängsel zu behalten. Schließlich hängen die nicht nur an mir, sondern ich auch an ihnen. Symbiose. ...“ Einen Auszug vielleicht noch, der nur so vor Lebenslust sprüht:„...Fast zwanzig Jahre bleibe ich am Thema. Können wir den Völkermord schon nicht verhindern, so können wir ihn zumindest bremsen und retten, was zu retten ist. Das Ergebnis ist oft deprimierend: keine Reaktion der Brasilianer, Ignoranz der Mächtigen, Schweigen als Gegenwaffe. Dann die Wende! Christinas Krankenwagen wird in die Luft gejagt. Ein Brandanschlag auf das Büro der ‚Gesellschaft für bedrohte Völker’. Christina und ich werden zweimal ausgeraubt. ‚Komplimente’, die uns zeigen, daß sich der Gegner gestört fühlt. Die Arbeit trägt Früchte, das spornt an. ...“ //_/_/_/ Fazit \_\_\_\_\_ Das Fazit ist einfach – das Buch ist einfach grandios. Es deckt alles ab, was zu einem Bestseller gehört. Es ist spannend, real erlebt, informativ und wirklich total kurzweilig geschrieben. So ganz nebenbei schärft es die Sinne, über uns, unser Leben, unsere Gesellschaft und unsere Ansprüche nachzudenken. Am meisten jedoch hat mich beeindruckt, wieviele Illusionen Rüdiger Nehberg mit 68 Jahren noch mit sich trägt und vor allem, was er als einzelner „Spinner“ doch tatsächlich bewegt. Er ist Lichtjahre davon entfernt, desillusioniert dahinzuleben, wie so manch’ Fabrikarbeiter oder Firmenangestellter mit 40 Jahren oder vielleicht sogar noch jünger. Es ist ein echt klasse Buch für schlappe 9,90Euro und auch ideal zum Verschenken - vielleicht auch oder gerade auch, wenn einen die Geschenkideen verlassen zu haben scheinen, denn es ist ein Buch für wirklich jedermann.
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03.05.2004 01:53
Tja, manche halten ihn für ein bisschen verrückt. Aber das ist gewissermaßen Voraussetzung um so abenteuerlustig zu sein wie er. Ich bewundere ihn jedenfalls. Gut, dass es solche Menschen gibt, die sich auch auf spektakuläre Art für andere einsetzen und es verstehen, für ihr Anliegen eine breite Öffentlichkeit zu begeistern. Eine solche Begeisterung und Faszination vermittelt auch dein Bericht! Gruß Geiri
08.04.2004 13:24
Hallo Jippi, ich finde den Bericht für mich 'besonders hilfreich', denn Du triffst die Auszüge auf den Punkt, beschreibst Nehberg auch als Menschen (mit all seinen Accessoires) und machst schlicht und ergreifend auf ein wichtiges Thema aufmerksam - auch wenn Du nicht der Autor des Buches bist. Schön, dass Dir das Thema am Herzen liegt. Es sind eigentlich nie die Ureinwohner, die irgendwelche Gegenden schädigen, egal wo. Liebe Grüße, Stefan
18.03.2004 22:04
Klasse Bericht. Ich finde diesen Mann einfach faszinierend- auch wenn seine Ideen manchmal recht abgedreht erscheinen *g* Trollige Grüße store troll