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Ä wie Ärger!

1  06.02.2004

Pro:
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Kontra:
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Empfehlenswert: Nein 

Saphena

Über sich: www.trivago.de --- Viel Stress und noch viel mehr Arbeit...

Mitglied seit:06.09.2002

Erfahrungsberichte:368

Vertrauende:57

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 77 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Diese Kategorie heißt ALLES MIT Ä und weil nun mal Ä der erste Buchstabe von ÄRGER ist, fühle ich mich heute in dieser Kategorie pudelwohl. Warum ÄRGER? Weil ich mich seit Anfang des Jahres permanent ärgere...Über wen? Die Ärzte, die meine Mutter und meinen Vater zur Zeit behandeln...aber fangen wir mal von vorne an, zuerst einmal über die Ärzte meiner Mutter!

So etwa Anfang Dezember wurde meine Mutter von ihrer Frauenärztin zur Mammographie geschickt, auf Verdacht, ob da nicht etwas in ihrer rechten Brust wäre. Leider wurde der Verdacht durch die erstellten Bilder bestätigt und meine Mutter bekam einen Termin zur Biopsie, wo mittel einer Nadel kleine Gewebeproben aus der Brust entnommen werden sollten und auf ihren Charakter, also sprich böse oder nicht böse untersucht werden sollten. Bis dahin lief alles reibungslos, auch die Biopsie wurde von den behandelnden Ärzten gut und routiniert durchgeführt, doch alles, was danach kam, lässt mich mit Verwirrung und Skepsis, ja sogar einer gewissen Arroganz auf diese Ärzte blicken.
Drei Tage nach der Biopsie konnte meine Mutter das Resultat in Kurzform am Telefon erfragen. Da hieß es, es tut uns leid, der Knoten ist nicht gutartig und wir bitten sie nächste Woche zum Gespräch.
Unter einem Gespräch stelle ich mir ein umfassendes Aufklärungsgespräch vor, in dem Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten einer Erkrankung beleuchtet werden.
Meiner Mutter wurde noch mal kurz der Befund erläutert: Nein, der Knoten ist nicht gutartig aber auch nicht richtig Böse, wohl wäre es aber ein Mammakarzinom. Und daher müsste der Knoten entfernt werden, brusterhaltend, Termin? Wann passt es ihnen denn am Besten? Okay, dann machen wir das in 4 Wochen, im neuen Jahr. Montag wird operiert und sie kommen dann bitte am Sonntag Nachmittag vorher.

Alles schön und gut, Termin gemacht. Allerdings wurde meiner Mutter in keinster Weise über das der Operation folgende Prozedere aufgeklärt. Kein Wort über die sich im Falle einer brusterhaltenden OP anschließende Chemo- und Strahlentherapie, kein Wort über OP Risiken wie das Lymphoedem, kein Wort über REHA-Maßnahmen oder Kuren, gar nichts! Man hat ihr damals noch nicht mal irgendwelche Broschüren der Krebshilfe oder von ähnlichen Institutionen mitgegeben oder ihr etwas zu Lesen empfohlen, um sich auf das vorzubereiten, was kommt.

So, Sonntag vor der OP, meine Mama checkt ein und die annehmende Ärztin meint noch so, na, ja, und nach der OP kommt dann ja noch die Therapie mit Strahlen und so. Meine Mutter total geschockt, wie, warum das denn, das hat mir aber keiner gesagt? Die Ärztin , na, ja, das ist aber doch immer so....Toll, woher soll meine desinformierte Mutter dass denn bitteschön wissen, wenn ihr das keiner sagt?

Gut, OP hat meine Mutter gut überstanden, leider war auch noch ein zweiter Tumor in der Brust, aber der größte Teil des Busens ist noch da. 3 Tage später gibt es den Befund mit der Aussicht, die Brust müsse nun doch abgenommen werden. Hier haben sie mal eine Broschüre darüber, welche Brustaufbaumöglichkeiten es gibt, das OP Photos, von Frauen, die ich so operiert habe und Sonntag hätte ich gerne eine Entscheidung von ihnen. Keine Aufklärung über Risiken und welche OP überhaupt für den Brustaufbau bei meiner Mutter in Frage kommt, nichts!
Ja, und nach der Mitteilung über die Brustabnahme wurde meiner Mutter noch gaaanz viel erzählt, was sie aber verständlicher Weise nicht wirklich verarbeitet hat, fiel sie doch erst mal in ein großes schwarzes Loch.
Andere Maßnahmen wurden ergriffen, wie Ultraschall und Röntgen, die Standard sind, aber keiner erklärte meiner Mutter warum oder eben auch nur, dass es Standard ist, weshalb sie immer ängstlicher wurde.

Daraufhin, weil eben keiner wirklich wusste, was nun kommen würde, versuchte mein Vater, ein gemeinsames Arztgespräch zu organisieren, nach ewigem Nerven sollte dieses dann Sonntag stattfinden. Mein Vater also ab ins Krankenhaus, nur der Arzt ließ ausrichten, er würde wohl doch nicht kommen. Dann sollte er vielleicht auch keine Termine für Sonntags vergeben, wenn ihm dann morgens einfällt, er hätte doch keine Zeit oder Lust...Okay, er kam dann aber doch, und erklärte meinen Eltern immerhin ein bisschen was über den weiteren Verlauf, allerdings ging nach 10 Minuten sein Pieper und er war weg...Wenigstens hatte meiner Mutter mittlerweile zwei Info-Broschüren bekommen, die sie und mein Vater nun Lesen konnten und somit besser einschätzen konnten, was nun noch so kommen würde.

Nun ist die Brust ab und wieder aufgebaut, die Lymphknoten waren zum Glück alle frei, doch wie es nun wirklich weitergeht, dass bekommt sie nun angeblich in 2 Wochen endlich erklärt, aber bisher hat sie niemand weiter aufgeklärt, sie bekommt Informationen immer nur bruchstückhaft vorgeworfen und oft auch nur in Kurzform und in Fachwörtern, mit denen sie als Laie eh nix anfangen kann...

Allerdings sind die Ärzte fachlich wirklich gut, meine Mutter hat beide OPs supergut überstanden und auch die Heilung geht prima, also da kann man nicht meckern, aber es ist doch wirklich traurig, wie Patienten zu kurz kommen, weil der Arzt keine Zeit hat und auch ein bisschen vergisst, dass er Laien vor sich hat. Dabei schreibt schon die Deutsche Krebshilfe, die übrigens ganz tolle Broschüren herausbringt, in einer diesen: Nur eine gut informierte Patientin kann auch zu einer guten Partnerin des Arztes im Kampf gegen Krebs werden. Vielleicht liebe Ärzte, solltet ihr diese Broschüren nicht nur verteilen, sondern auch mal lesen?

Die Geschichte meines Vater mal in Kurzform, denn leider hat auch er gerade parallel gesundheitliche Probleme. Vor zwei Jahren hatte er schlechte Leberwerte und nach eingehender Diagnostik wurde ihm unterstellt, er solle doch einfach mal aufhören zu trinken, dann würden die Werte wieder gut werden. Leider ist mein Vater arg allergisch gegen Alkohol, aber das hat leider niemanden auch nur interessiert, denn das Urteil war gefällt und mein Vater so peinlich berührt, dass er nicht mit genug Widerstand reagiert hat. Er laß aber einfach die Packungsbeilagen seiner Medikamente und stellte fest, dass das welche dabei waren, die ziemlich auf die Leber schlagen können. Daraufhin bekam er neue Tabletten und die Werte besserten sich. Niemand ließ ihm mal eine Ernährungsberatung zukommen oder dachte darüber nach, dass seine Erkrankungen auch einfach durch ein metabolisches Syndrom ausgelöst werden könnten oder vielleicht ganz anders zu bewerten wären.

Nun sind die Leberwerte wieder schlecht und er wurde wieder zum Internisten überwiesen, immer noch schwingt der Alkoholiker mit. Und immer noch hat keiner der Ärzte sich mal die Mühe gemacht, die Packungsbeilagen seiner Medikamente zu studieren, denn er bekommt Tabletten seit 2 Jahren, die man normal für maximal 8 Wochen nehmen sollte und die auch wieder ziemlich auf die Leber schlagen können.
So, nun heißt es also auch für meinen Vater wieder abwarten, gestern wurde ihm Blut abgenommen und nächste Woche steht die Darmspiegelung an. Mal gucken, ob wir dann endlich mehr wissen!

Aber auch ich habe schon Erfahrungen mit Ärzten hinter mir, wo sich mir wirklich die Fußnägel aufgerollt haben und ich bin nur froh, das ich, auch wenn es nur Tiermedizin war, etwas studiert habe, wodurch ich den Ärzten Deutschlands nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert bin, sondern weiß, warum es geht und auch Fragen kann, wenn mir etwas unlogisch oder nicht sinnvoll vorkommt!

Dieser bericht ist mal etwas anders, als man es von mir gewohnt ist, aber ich musste meinem ÄRGER einfach mal Luft machen. Natürlich weiß ich, das nicht alle Ärzte so sind, aber umso trauriger ist es doch für jeden Patienten, der an so einen Arzt gerät, oder?
Gute fachliche Kompetenz ist unverzichtbar, aber auch eine wirkungsvolle Psychologie und das Wissen um den Menschen hinter der Krankheit sollte den Ärzten heutzutage nicht verloren gehen!
Ein weiser Blick sagt manchmal mehr als hundert Röntgenbilder und auch eine gute Anamnese hat schon so manches zu Tage gebracht!

Saphena, die nun für´s Lesen dankt und gespannt ist, wie Ihr darüber denkt und was Ihr vielleicht auch schon erlebt habt!

P.S. Ärger ist nicht empfehelnswert und daher nur einen Stern!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Porcupine

Porcupine

06.04.2004 03:20

Ich kann deinen Ärger sehr gut verstehen! Meine Eltern haben da bezüglich ihrer Krebserkrankungen mehr Glück mit den Ärzten gehabt. Meine Mutter ist wieder vollständig gesund, bei meinem Vater hoffen wir auch auf einen guten Ausgang. Aber sie haben wirklich vernünftige Ärzte, die sich viel Zeit nehmen und alles wirklich einfühlsam erklären, was vonnöten ist. Ich hoffe und wünsche dir und deinen Eltern, dass sie auch wieder gesund werden! :-) LG, Almut

K-Rainer

K-Rainer

18.02.2004 18:40

Hallo, ich hoffe und wünsche das Deine Eltern recht bald gesund werden. Über Ärzte kann ich bis jetzt noch nicht klagen, soviel wie ich weis keiner aus unserer Familie. LG Rainer

Dr.Claudia

Dr.Claudia

13.02.2004 20:34

Sicher sind nicht alle Ärzte so - die meisten aber leider schon! Gruß

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