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Nebentätigkeiten - Abzocker

1  30.12.2004

Pro:
nichts

Kontra:
Arme haben keinen Job, Reiche suchen sich gleich eine ganze Handvoll

Empfehlenswert: Nein 

hspindler

Über sich: Hurra, die Bronze- Zeit ist da. Ein ganz herzliches Danke an alle, die mir dabei geholfen haben, so ...

Mitglied seit:21.04.2000

Erfahrungsberichte:642

Vertrauende:90

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 55 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Mein Tagesablauf

6:30 Uhr aufstehen, der Koch hat das Frühstück schon fertig, frischer Kaffee steht auf dem Tisch

7:15 Der Firmenchauffeur fährt vor und holt mich zur Arbeit ab

7:15 - 7:45 Vom Auto aus diverse Telefonate für den Nebenjob als Versicherungsverkäufer, glücklicherweise mit dem Firmenhandy

7:45 Arbeitsbeginn

7:45 - 9:45 Erst einmal zwei Kunden beraten, ich hab noch einen Nebenjob als Handyverkäufer. Derweil macht der Chauffeur den Einkauf und fährt mit dem Firmenwagen noch meinen Schwager zum Flughafen, der mir für den Gefallen 100 Euro gibt. Das mache ich oft so, schließlich steht der Wagen sonst rum und der Chauffeur langweilt sich.

9:45 - 10:00 Uhr Gespräch mit dem Chef über die nächste Gehaltserhöhung

10:00 - 11:00 Uhr: Aussendienst- Termin, ein Kunde will ein Haus kaufen, ach ja, ist auch ein Nebenjob als Immobilinemakler

11:00 - 12:00 Uhr Jetzt aber ins Zeug legen und ein paar Telefonate für die Firma erledigen. Bei der Gelegenheit aber nicht vergessen, den Kunden eine Lebensversicherung oder einen Fondssparplan ans Herz zu legen.

12:00 - 14:00 Uhr: Mittagspause Nutze ich, um den Kollegen die neuesten Handys vorzuführen und noch eine Lebensversicherung zu verkaufen

14:00 Uhr - 15:00 Uhr Mist, der Chef will eine Besprechung machen, da fällt der Termin mit dem Gebrauchtwagenkäufer ins Wasser - ja, ja, ist auch ein Nebenjob als Autoverkäufer. Gut, muss ich den Termin auf 15:00 Uhr verschieben

15:00 - 16:00 Uhr: Gebrauchtwagen vertickt

16:00 - 17:00 Uhr: noch mal kurz für die Firma ins Zeug gelegt, schließlich hat der Chef die Gehaltserhöhung bewilligt, weil ich immer so fleissig bin.

17:00 - 17:45 Uhr: Chauffeur bringt mich wieder nach Hause. Auf dem Heimweg gestalte ich denn noch die Webseite für die Werbeagentur, für die ich seit 4 Wochen nebenher arbeite. Gut, dass die Firma mir ein geniales Notebook sponsort und mir auch die ganze Grafiksoftware finanziert hat.

17:45 - 18:30 Abendessen, der Koch hat wieder genial gekocht.

18:30 - 22:30 Uhr: Gäste haben sich angesagt, ich gebe einen Empfang für meinen zukünftigen Arbeitgeber, schließlich brauche ich noch einen Nebenjob mehr, das Leben ist teuer.

22:30 Uhr: Nach einem anstrengenden 16 Stunden- Tag falle ich erschöpft ins Bett. Gut dass die Putzfrau aufräumt.

Morgen sollte ich unbedingt noch einmal mit meinem Chef reden. Die paar Prozent Lohnerhöhung, obwohl ich 16 Stunden jeden Tag für ihn arbeite, das ist wirklch zu wenig.

Lohnabrechung:

Hauptberuf: 3500 Euro
Nebenjob als Versicherungsverkäufer: 800 Euro
Provisionen als Autoverkäufer: 400 Euro
Provisionen als Handyverkäufer: 600 Euro
Nebenberuf als Werbegrafiker: 500 Euro
Nebeneinnahmen durch Verleih des Firmenwagens/Chauffeurs: 400 Euro

Unter dem Strich kommen 6200 Euro raus. Dafür muss ich aber dann auch 16 Stunden jeden Tag hart ran.

Gut ist, dass mein Chef mir Miete, Strom und Gas bezahlt, aber er kann ja auch wirklich nicht verlangen, dass ich bei dem mickrigen Gehalt selbst für solche Kosten aufkomme. Schließlich muss ich mich für die Firma gesunderhalten, das geht nur, wenn es in der Wohnung auch warm ist, also muss der Chef es auch zahlen!

Das ganze hört sich etwas utopisch an, sicher macht soetwas auch kein Chef der Welt mit, es sei denn, der Chef ist das Deutsche Volk und der Arbeitnehmer ist ein Bundestagsabgeordneter.

Wenn man sieht, wie viele Bundestagsabgeordnete Nebenjobs haben, die einen Menschen eigentlich schon ganz allein von morgens bis abends ausfüllen müssen, muss doch wirklich der Gedanke an Abzockerei aufkommen. Man muss ja nur schauen, wie wenige Abgeordnete sich im Plenarsaal aufhalten, wenn es nicht gerade um eine hochwichtige Abstimmung geht.

Wenn jemand neben seinem Job als Abgeordneter noch Geschäftsführer eines größeren Unternehmens ist oder für mehr als 60.000 Euro im Jahr Übersetzungen durchführt, kann etwas nicht passen. Viele Abgeordnete sitzen darüber hinaus in diversen Aufsichtsräten großer Aktiengesellschaften, darunter muss doch die Arbeit als Bundestagsabgeordneter leiden.

Es mag zwar sein, dass manche Menschen gerne serh viel arbeiten, jedoch würde jeder Chef einschreiten, sobald der eigentliche Hauptberuf leidet.

Der Wähler hat leider nur die Chance, bei der nächsten Wahl einen anderen Abgeordneten zu wählen. Ob der aber nach der Wahl plötzlich etliche Nebentätigkeiten annimmt, steht in den Sternen.

Wir haben zur Zeit wirtschaftlich schwierige Zeiten. Da wäre es angebracht, dass die Abgeordneten sich auch voll und ganz dem Amt widmen, in das sie gewählt wurden und nicht nur ans Kohlescheffeln denken.

Verwerflich ist meines Erachtens nicht nur, dass mit Nebenjobs viel, viel Geld gemacht wird, sondern auch, dass die Politiker ihren bekannten Namen schamlos nutzen, um an solche Jobs zu kommen.

Ausserdem sollte es Abgeordneten generell verboten werden, irgendwelche Gelder nebenher anzunehmen, so wie es auch jedem Beamten verboten ist, Gelder von Unternehmen oder Personen anzunehmen, mit denen er dienstlich zu tun hat.

Wenn Politiker wie Laurenz Meyer großzügige Gelder und kostenlosen Strom von der RWE erhalten, ist doch klar, wem sie dann Dienste erweisen, sobald sie an irgendwelchen Entscheidungen beteiligt sind, die diesen Firmen nutzen oder schaden.

Die Glaubwürdigkeit der Politiker jedenfalls sinkt von Tag zu Tag. Mittlerweile ist es so weit, dass ich einem polnischen Gebrauchtwagenverkäufer, der mir in einer SPAM- Mail einen Ferrari für wenig Geld verspricht, mehr trauen würde, als einem Politiker, der irgendetwas zusagt.

Dazu kommt dann noch hochgradige Arroganz. Zum Beispiel wurde am 19. Dezember 2004 das letzte Teilstück der A31 eröffnet. Den schnellen Bau der Autobahn hat nur die hiesige Wirtschaft mit Millionenspenden ermöglicht, der ursprüngliche Termin lag im Jahr 2015.
Die Eröffnung sollte der Bundesverkehrsminister Manfred "Mautheld" Stolpe durchführen. Der jedoch kam zu dem Termin einfach ohne jede Ankündigung nicht. Keine Absage, keine Mitteilung, er lässt einfach auf sich warten, bis dann der Ministerpräsident von Niedersachsen, Herr Wulff, die Bahn eröffnet.

Das zeigt, wie viel auf den persönlichen Einsatz anderer in der Politik gegeben wird. Schönen Dank, Stolpe! Schönen Dank, Meyer ...

P.S.: Schade, dass es nicht erlaubt ist seine Wählerstimme bei Ebay meistbietend abzugeben (oder darf man?). Es ist ja ohnehin egal, wer an die Macht kommt, am Ende denken sie ja ohnehin nur an sich.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Andrea5464

Andrea5464

28.06.2007 16:19

Das mit der A31 habe ich life miterlebt, da ich beruflich immer zwischen Emsbüren und Gelsenkirchen pendeln mußte und durch das unfertige Teilstückchen extreme Umwege fahren mußte. Ist schon krass, was die Politiker so alles nebenbei einstecken, ohne wirklich etwas zu tun. Habe selbst einen 16 Stun den Tag gehabt und das sogar 7 mal in der Woche, das würde ein Politiker nie schaffen. Also Hut ab vor den normalen menschen, die leisten wesentlich mehr, nur bekommen sie auch weniger Anerkennung dafür. Tja, verkehrte Welt. Klasse Bericht, regt auf jedenfall zum Nachdenken und Diskutieren an. LG Andrea

pekru

pekru

05.05.2005 20:04

älterer bericht - immer noch aktuell! gruß peter

GKdeu9Pkt

GKdeu9Pkt

01.04.2005 22:54

Ich habe Deinen Bericht nun zum dritten Mal durchgelesen und kann mich auch nach dem dritten Mal nicht Deiner Meinung anschließen. Vorab...deswegen möchte ich mich einer Bewertung enthalten...oder gar entziehen. Obwohl ich weder Bundestagsabgeordneter bin noch viel für Poklitiker übrig habe finde ich, dass dieser Bericht eine absolut einseitige Betrachtung an den Tag legt. Vielleicht nur dazu...Versicherungen zu verkaufen oder auch Immobilien zu verkaufen erfordert ein unglaubliches Know-How. Viele Hintergrundinformationen, rechtliche, sowie steuerrechtliche Dinge sind zu beachten, um ein solches Geschäft an den Mann zu bringen...ich kann mir also nicht vorstellen, dass dies jeder kann. Und sollte jemand von einem Bundestagsabgeordnetem eine Lebensversicherung oder ein Haus kaufen...naja was soll ich dazu sagen...dass finde ich seltsam, um nicht zu sagen komisch. Selber Schuld könnte man ja auch sagen oder...!??! Schnell schließt man sich einer öffentlichen Meinung an, ohne diese genau zu hinterfragen...dies ist sicherlich menschlich (ich erwische mich ja selbst auch dabei...)!!! Der Bericht ist mir persönlich zu einseitig und stellt die individuell zu betrachtende Situation(gerade von in der Öffentlichkeit stehenden Politikern) zu wenig dar. Trotzdem sportliche Grüße Alex

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