Auswandern nach Schweden

4  30.09.2008

Pro:
s . B .

Kontra:
s . B .

Empfehlenswert: Ja 

gudy2

Über sich: Ich werde nicht in euren Kreisen tanzen, weil ich eure Schritte nicht lernen will! Allen wirklichen ...

Mitglied seit:23.06.2002

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Auswandern! Nach Schweden?

Warum in die Ferne schweifen?
Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen.
Denn das Glück ist immer da.
(Goethe, "Erinnerung")

Schon immer zog es Menschen aller Nationen in der Ferne. Von Neugierde, Wissensdurst und Erlebnishunger oder Forscherdrang getrieben, verließen sie oft, das ach so traute Heim, die lieben Kinder und liebenden Ehefrauen und machten sich auf den Weg, in eine ungewisse, weil unbekannte Welt. Bis heute ziehen wir viele Nutzen aus der Neugierde dieser Menschen, die ihren Mut in ein Bündelchen schnürten, viele Ungequemlichkeiten und Gefahren auf sich nahmen, um die Botanik zu katalogisieren, kleinen Äffchen und Echsen einen Namen zu verpassen oder die Kartoffel und Kaffee nach Europa zu schleppen.
An diese Menschen, deren Reisen, für eine ganz große Gruppe von Menschen alles andere, als eine Bereicherung waren, möchte ich heute nicht erinnern.
Auch den Paradiesvögeln und dauerbekifften Aussteigern der letzten Jahrzehnte, gilt meine Aufmerksamkeit nicht.
Meine Gedanken drehen sich eher um die Menschen, die beruflich bedingt oder aus Unzufriedenheit über die Verhältnisse im eigenen Land, in der Hoffung, auf ein besseres Leben für sich und die Familie, in ein anderes Land gingen und gehen.

Ich werde in meinen Zeilen versuchen Fakten zusammenzutragen und Fragen zu beantworten, die oft an mich gestellt wurden. Jedoch möchte ich jeden Leser vorab schon darauf hinweisen, dass viele Zeilen rein subjektiver Natur sind, weil sie einzig und allein auf meinen begrenzten, ganz persönlichen Erfahrungen basieren.
Wir Menschen haben nunmal unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Empfindungen und Blickwinkel und sind zudem noch mit sehr unterschiedlichen Geistesgaben gesegnet.

Wenn ich in den Medien lese, dass Deutschland immer mehr zum Auswanderungsland wird und mir die Sendungen im Fernsehn anschaue, die über Auswanderer berichten (länger als 10 Minuten halte ich das kaum durch), dann frage ich mich oft, warum so viele Deutsche ihre Heimat verlassen.
Warum geht jemand mit 4 Kindern und einem Mehlsack, ohne Green Card und die geringste Ahnung über dort vorherschenden Bestimmungen, nach Amerika, um eine Bäckerei zu eröffnen? Was macht die 8 köpfige Familie in Spanien ohne Wohnung und Arbeit?
Wie kommt jemand auf die Idee, ohne Eigenkapital, ein Hotel in Thailand bauen zu wollen?
....und wer hat den Leuten erzählt, dass man in Schweden, mit einer abgebrochenen Kellnerinnenlehre, einen Job als Krankenschwester bekleiden kann?

Auch ich habe Deutschland den Rücken gekehrt, weil ich mit ganz vielen Begebenheiten in diesem Land nicht mehr zurecht kam.

Ein Stück eigene Geschichte:

Mich störte das deutsche Schulsystem schon in der Zeit, in der ich selber noch die Schulbank drücken musste.
Wenn man von Gewalt an deutschen Schulen spricht, dann vergisst man immer die Brutalität der Leher zu erwähnen, die aus kleinen, lebensfrohen Menschen, angepasste Duckmäuser macht, die sich in alle Richtungen biegen, um einen Hauch von Anerkennung zu erhaschen. Eigene Gedanken, eingene Meinungen sind nicht willkommen. Wichtig ist, dass der Lehrplan erfüllt wird!
Die Einsicht, das jedes Kind auf eine andere Art lernt, dass kleine Menschen ganz und gar nichts mit einem Einpeitscher anfangen können, der ihnen frühzeitig die Lust am Lernen raubt, findet in der deutschen Pädagogik nur wenig Platz.

Als mein Sohn (ein schwerer Fall von begeisterungsfähigem Freigeist) das 5. Lebensjahr erreichte, saßen wir zufällig beim Kinderarzt, zur Vorsorgeuntersuchung. Der Kleine blätterte im Wartezimmer in den Kinderbüchern und las allen laut daraus vor. Ich habe keine Ahnung warum der Junge schon lesen konnte, denn wir haben ihm das nie beigebracht.
Der Kinderarzt war begeistert und fragte meinen Sohn, ob er denn schon Lust hätte zur Schule zu gehen. Klar, antwortete mein Sohn ganz aufgeregt. Ich fand die Idee nicht so prickelnd, wollte dem Jungen allerdings nicht im Wege stehen. Nach vielen Tests landete mein Sohn also, mit 5 Jahren in der 1. Klasse. Er war nicht der Kleinste, aber der Jüngste. Die anderen waren alle mindestns ein Jahr älter - die meisten waren 2 Jahre älter und dann gab es noch eine Gruppe von Spätaussiedlern, die waren sogar 3 Jahre älter.
Mein Sohn hatte ganz eindeutig den Nachteil, dass er aus einem gewaltfreien Elternhaus kam, in dem er eine gewisse Wichtigkeit besaß und in dem sich die Eltern weder mit Möbelstücken prügelten, noch besoffen vor den Fernseher kotzten. In der Schule lernte mein Sohn nun eine ganz andere Welt kennen und so dauerte es nicht lange, bis er mit dem ersten blauen Auge nach Hause kam, weil er keinen Fußball spielen wollte.
Die Lehrerin sah zwar ein, dass es nicht ganz richtig ist, wenn man sich prügelt, zuckte jedoch die Schulter und wußte nicht so recht, was zu tun war. Mein Sohn hatte nie eine Chance gegen die größeren Jungs und so wurde er schnell zum Prügelknaben. Auch seine Lehrerin fühlte sich eher durch ihn gestört und beschwerte sich oft bei mir, weil mein Sohn ihren Unterricht langweilig fand. Mein Sohn fand seine Lehrerin dumm, denn als ihn die Großen einmal gegen eine Mülltonne schubsten, musste er sich bei der Mülltonne entschuldigen. Die anfänglich ganz guten Leistungen meines Sohnes gingen rasant in den Keller.
Seine Mathearbeiten gingen immer wieder in die Hose, weil er die Textaufgaben falsch bearbeitete.
Eigentlich waren sie nicht falsch, aber ihre Ergebnisse waren nicht gefragt.
Ein Beispiel:
Wenn ein Flugzeug bei Punkt A abfliegt und eine Leine mitnimmt, dann 300 Meter hoch fliegt und 500 m weit fliegt und bei Punkt B wieder landet, wieviel Leine hat es dann gebraucht?
Die meisten Schüler schrieben 1100m Leine. Das Ergebnis meines Sohnes war irgendwas ganz Krummes, mit einem Komma dazwischen und er war ganz beleidigt über die 5 unter seiner Arbeit.
Seine Erklärung zu dieser Aufgabe war, dass das Flugzeug keine 1100 m Leine braucht, weil ein Flugzeug keine Rakete ist, die senkrecht starten kann. Tatsächlich war sein Ergebnis mit einem geschätzten An- und Abflugwinkel von 45 Grad richtig! Aber soviel Denksport war eben nicht gefragt und so mussten wir ihm daheim das Denken schon abgewöhnen, damit er sich in der Schule besser anpassen konnte.
Seine Lehrerin sagte oft, dass sie mit meinem Sohn nichts anfangen kann, weil er ihren Unterricht sprengt.
Im Sachkundeunterricht stellte sie die Frage, was denn mit all den Blättern passiert, die im Herbst von den Bäumen fallen. Mein Sohn meldete sich, aber die Lehrerin nahm ihn nicht dran. Nach 20 Minuten verzweifeltem Fingerschnippen, erbarmte sie sich dann doch und mein Sohn faselte etwas von Baktierien, Zersetzung und Mikroorganismen, bis die Lehrerin ihn entsetzt unterbacht. Das führt zu weit.
Nachdem die Stunde rum war und kein Schüler eine Antwort geben konnte, bat die Lehrerin dann meinen Sohn nun doch mal zu erklären, was denn nun mit dem Blättern passiert, die im Herbst vom Baum fallen. Bockig antwortete mein Sohn, dass die Maikäfer sich daraus Regenschirme basteln, damit sie, bei schlechtem Wetter nicht nass werden. Nun ja, Lehrer zu sein ist auch nicht unbedingt ein einfacher Job.
Ich kann nicht zählen, wie oft ich in die Schule kommen mußte, weil mein Sohn unaufmerksam war, sein Tuschwasser ausgegossen hatte, zu viel träumte, seine Bücher nicht schnell genug auf dem Tisch hatte, den Unterricht sprengte oder einen faulen Apfel in der Schultasche hatte. Ich kann die Einträge ins Klassenbuch nicht mehr zählen, die mein Sohn kassierte, weil er sich nicht ordentlich aufgestellt hatte, seinen Tuschkasten nicht dabei hatte, Eselsohren in seinen Heften zu finden waren oder er seine Turnschuhe verkehrt herum anzog.
Mit den Jahren sah ich meinen Sohn immer öfter, wie ein totes Huhn über seinem Schreibtisch hängen- lustlos und zerbrochen am ganz normalen Schulalltag. Übelkeit und Erbrechen vor allen Klassenarbeiten, Zittern vor dem unheilvollen Tag, an dem die Lehrerin wieder, vor der ganzen Klasse seinen Schulranzen auskippt, in dem mein Sohn immer irgendwelche Steine, Mäusezähne oder Tierknochen aufbewahrte, weil die ihm zumindest genauso wichtig waren wie sein Rechenheft. Das Lachen der Mitschüler, die Blamage, der Spott.....
Aus dem einst so klugen Ouerdenker, war ein lustloses, angstvolles Wesen geworden, dass lieber ja zu allem sagte, als fröhlich im Unterricht zu lernen. Irgendwann erzählte er mir gar nicht mehr, dass er wieder 2 Stunden in der Garderobe stehen musste, weil er nicht schnell genug sein Buch aufgeschlagen hatte.
Die Grundschulzeit verging und schon bald standen wir vor den Toren des Gymnasiums. Mein Sohn war 9 Jahre alt und wenn die Zeit in der Grundschule schon verdammt hart war, so folgten jetzt Jahre, die mein Sohn bis heute nicht vergessen hat. Gleich in der ersten Woche gabs richtig eins auf die Nase, weil er keine Nike Schuhe trug. Nach 6 Monaten musste ich zum ersten Elternsprechtag. Auf den Fluren saßen wartende Mütter oder Väter, die ihre Wartezeit mit unglaublich wichtigen Börsennachrichten per Handy füllten, vom ihren Aktien, ihren neuen Autos berichteten und unglaublich beschäftigt zu sein schienen, ihre Rollex vorzuführen und ihre wichtige Position in ihrer Firma zu betonen. Danach landete ich bei verschiedenen Lehrern, die mir alle erzählten, wie dumm mein Sohn doch ist und dass er eigentlich gar nicht aufs Gymnasium gehört.
Rotstifte durchzogen die Arbeiten meines Sohnes und töteten den letzten Lernwillen.
Angst und Unwohlsein jeden Tag. Pauken und Hausaufgaben bis spät in den Abend.
Ich hatte weder weiterhin die Nerven, noch die Lust, meinen Sohn auf dem Gymnasium verschleißen zu lassen. Ich wollte, dass er irgendwann mal wieder lacht, fröhlich ist und einfach nur Kind sein darf. Mein Sohn weigerte sich jedoch das Gymnasium zu verlassen, weil es Angst vor einem Schulwechsel hatte.
Nach einem Elternsprechtag

Bilder von Alles mit A...
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Alles mit A... In Schweden zuhause
Hier wohne ich heute
in der 9. Klasse war für mich jedoch der Ofen entgültig aus!
Ich kam zu einer Lehrerin, die meinen Sohn in Deutsch, Geographie und Geschichte unterrichtete.
Die freundliche, ältere Dame schilderte mir seine Leistungen, in den schwarzesten Farben, mit den Worten, dass mein Sohn so stark in diesen Fächern abgebaut habe und sie es nicht mehr verantworten könne, mich nicht davon in Kenntnis zu setzen. Es wäre eine wahre Schande und eine Katastrophe, was der Junge noch leistete und sie würde sich gern eine Strafe für ihn ausdenken, um ihn wieder zu besseren Leistungen zu zwingen. Ich war entsetzt. Wie schade dachte ich, jetzt fängt der Kleine wohl an zu pubertieren. Das machen ja alle irgendwie durch. Eine halbe Stunde hörte ich mir an, wie schlimm die Leistungen meines Sohnes seien und dann schloss die Lehrerin mit dem Satz: Nein, ich kann dem Jungen leider nur noch eine "zwei" auf dem Zeugnis geben, alles andere wäre eine glatte Lüge. Ich dachte, ich spinne! Vor wenigen Sekunden hatte ich noch überlegt, dass es doch eigentlich egal ist, wenn er mal eine Ehrenrunde dreht und nun habe ich mir diesen ganzen Mist nur angehört, weil die Lehrerin der Meinung ist, dass die Note "gut" eine Katastrophe ist?
Die nächste Lehrerin war die, die für den französischen Unterricht zuständig war.
Während ich vor der Klassentür auf meinen Termin wartete, verließ eine Bekannte gerade das Klassenzimmer. Kreidebleich berichtete sie mir, dass die Lehrerin ihr gesagt hatte, dass ihr Sohn ein Volltrottel sei, dessen Antwort, wenn er sich mal im Unterricht meldet, einem Haufen Scheiße, auf einem goldenen Tablett gleiche. Außerdem sollte der Junge mal zum Psychologen, weil er immer so schwul läuft. Natürlich konnte ich das Entsetzen der Mutter verstehen, aber ich mußte doch lachen, denn so wirklich konnte ich mir nicht vorstellen, dass eine Lehrerin sich so äußert. Dann war ich an der Reihe!
Mein Gespräch mit der Lehrerin verlief ganz nett, bis ich meinen Namen nannte. Dann entwickelte sich ein recht bühnenreifes Stück, in dem die Lehrein erst hinter mir herlief, um einen Tisch herum und ich dann, während ich vor ihr weglief überlegte, warum ich das eigentlich tue und dann hinter ihr herlief, während sie vor mir weglief. Dabei kreischte die Lehrerin, dass mein Sohn ein Idiot sei und sie mir in die Hand versprechen würde, dass er bei ihr nie ein Bein auf den Boden bekommen wird, weil alle Lehrer angeblich der Meinung sind, dass mein Sohn viel zu blöde für ein Abitur sei und sich später mal freuen sollte, wenn er den Stand einer dämlichen Verkäuferin erreicht.
Okay, diese Studienrätin war alkoholkrank, rauchte hin und wieder im Klassenzimmer und der Ehemann hatte sich aufgehängt, aber selbst wenn ich, in aller Rücksicht, alle Widrigkeiten ihres Lebens abziehe, dann war das noch immer entschieden zuviel. Wie können solche Leute unseren Kindern etwas beibringen?
Mein kleinerer Sohn saß inzwischen in der 3.Klasse. Seine Lehrerin war ein echter Kinder - und Elterntraum!
Eine liebenswerte, junge Frau, die es verstand die Kinder zu begeistern. Der Kleine liebte es zur Schule zu gehen, machte seine Hausaufgaben eigentlich mehr für die Lehrerin und hatte prima Noten. Leider wurde diese Lehrerin ziemlich krank und so bekam er eine neue Klassenlehrerin. Der Kleine war nie jemand, der sich schnell die Butter vom Brot nehmen ließ, also protestierte er, wenn er eine Laterne aus Blechbüchsen basten sollte und fiel schnell in Ungnade. Als es Zeit wurde zum Schulwechsel, stellte ihm die neue Lehrerin ein Gutachten aus "Für ein Gymnasium ungeeignet".
Die Sommerferien standen vor der Tür und ich war heilfroh, ein bisschen Zeit zum Durchatmen zu haben.
Ich war immer der Meinung, dass egal welchen Beruf meine Söhne später mal ergreifen würden, es nicht darauf ankommt, besonders hohes Ansehen zu erlangen! Spaß machen muss ihnen ihr Job und egal, ob sie ihre Erfüllung als Straßenmaler in Paris unterm Eifelturm oder als "blöde Verkäuferin" erlangen, so lange sie damit glücklich werden, ist mir alles recht! Ich muss mein Selbstwertgefühl nicht aufpolieren, indem ich mit geschwollener Brust verkünde, dass mein Sohn der Präsident der vereinigten Kaninchenzüchterinnung ist. Für mich wäre es das höchste Glück, wenn mir meine Söhne später mal sagen, dass ihnen ihr Job tierischen Spaß macht und sie lebensfrohe Menschen geblieben sind.
Allein der Ausspruch der Lehrerin von den "blöden Verkäuferinnen" ist nicht nur eine Frechheit, sondern er spiegelt auch die deutsche Denkweise wieder, in der viele Menschen sich fortwährend zu Höherem berufen fühlen und verdammt gern auf andere herab sehen.
Viele Deutsche scheinen ihre Hirarchien zu brauchen, um sich abzuheben vom "dummen" Rest. Sie stecken Menschen gern in Schubladen, um sich erhabener und besser zu fühlen.

Ich hatte einfach die Nase gestrichen voll von Patienten, die mir schon beim ersten Kontakt entgegenblubberten, welch wichtige Position sie bekleiden, von Lehrern, die sich für den Nabel der Welt halten und auch von Nachbarn, die kurz vor dem Nervenzusammenbruch standen, wenn ein Kind ihnen eine Tulpe, im wohlgepflegten Blumenbeet, abpflückte.
Ich wußte, dass ich irgendwas verändern musste - schon allein meiner Kinder wegen.
Eines abends blätterte ich in der Zeitung und stieß auf ein Stellenangebot in Schweden.
Zunächst dachte ich, das wäre doch zu schön um wahr zu sein. Schweden, das Land in dem ich schon so oft war, um die Batterie wieder auftanken zu können, in dem ich mich oft mehr daheim fühlte, als in Deutschland und....warum eigentlich nicht?
Die Bewerbung war schnell geschrieben und dannach erfolgte ein Bewerbungsgespräch in Frankfurt und wenige Tage später stand schon fest, dass wir nach Schweden auswandern werden.

Vorbereitungen

Was die Vorbereitungen betrifft, so weiss man am Anfang wirklich nicht so recht, womit man anfangen soll.
Sollte man daheim wirklich alles auflösen? Das Haus/die Wohnung gleich verkaufen/kündigen?
Es gibt unglaublich viele Dinge zu bedenken und man sollte sich wirklich Gedanken dazu machen, was man ganz und gar ablegen oder evtl, noch irgendwie erhalten möchte.
Es stellen sich die Fragen, ob man sich in dem Land auf Dauer wohlfühlen wird, ob die Kinder in der Schule zurecht kommen werden, ob sie Freunde finden, ob man am Arbeitsplatz zurecht kommen wird oder ob das Gehalt reicht. Ich kann jedem Auswanderer nur ganz dringend raten, nicht gleich alle Brücken im Heimatland abzubrechen, denn nach meiner Erfahrung, gehen die meisten Auswanderer, die in Schweden gelandet sind, nach ein paar Jahren zurück. Man kann diese Fragen zunächst gar nicht beantworten, denn man braucht Zeit, um eigene Erfahrungen sammeln zu können.
In ein Land zu gehen, dass man noch nie gesehen hat und evtl. nur aus Büchern oder Fernsehberichten kennt, halte ich, besonders wenn man Kinder hat, für bedenklich! Selbst wenn man auch schon mehrfach in dem Land Urlaub gemacht hat, kennt man das Land längst nocht nicht. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man in einem Land lebt oder einfach nur mal ein paar Wochen dort verbringt!
Bevor ich nach Schweden zog, hatte ich 15 Jahre meinen Urlaub dort verbracht, das ganze Land von Norden nach Süden bereist und besaß ein kleines Ferienhaus im Wald, unweit eines wunderschönen Sees. Obwohl ich dadurch schon viel von Schweden kannte, wußte ich im Grunde nichts über das "Alltags- oder Arbeitssleben" in Schweden.
Vorsicht vor den Traumländern, von denen so mancher schwärmt. Der Alltag sieht oft anders aus!
Hinzu kommen auch die Gedanken an die neue Sprache, denn wer wirklich mit dem Gedanken spielt, in ein anderes Land zu ziehen, kann nicht erwarten, dass die Einheimischen für ihn deutsch lernen! Um in einem fremden Land wirklich auf Dauer zurecht zu kommen, muss man die Landessprache können.

In diesem Punkt kann ich den Schweden jedoch nur die Höchstnote mit Auszeichnung verleihen! Schweden tut viel für die Einwanderer! Überall werden in den Hochschulen und Gymnasien kostenlose Sprachkurse angeboten, die mit einer nationalen Prüfung und einem Zeugnis enden. Wie lange man, bis zum Bestehen der Prüfung braucht, ist jedem selbst überlassen.
Wer nach der Prüfung seine Sprachkenntnisse weiter verbessern will, findet alle möglichen, weiterführenden Kurse, die natürlich auch kostenlos sind. In Schweden geht man gern zur Schule und darum ist die Auswahl an Kursen groß. Wer Lust hat, weitere Fremdsprachen zu lernen oder sich für Geschichte, Mathe, Physik, Kunst, Malerei oder Handwerk interessiert, findet überall offene Türen.
Noch ein Wort zu den Kindern!
Kinder lernen Sprachen viel schneller, als Erwachsene! Darum muss man sich als Elternteil absolut keine Sorgen machen, selbst wenn das Kind noch nie in Kontakt mit der neuen Sprache war.
In Schweden kommen die Kinder der Auswanderer erstmal zusammen in eine Klasse. Dort lernen sie intensiv und liebevoll schwedisch und werden viele Monate auf den Besuch der ganz normalen Schulklasse vorbereitet. Zum Elternsprechtag bekommen die Eltern einen Übersetzer, weil sie meistens ja selber noch nicht so richtig schwedisch sprechen.

Der Weg nach Schweden

Hat man die Familie in Deutschland und die Kinder von der Schule abgemeldet, die Koffer gepackt und in der neuen Heimat ein Dach über dem Kopf gefunden, kann es eigentlich schon fast losgehen.
Ich möchte jedoch noch darauf hinweisen, dass es extrem wichtig ist, schon so etwas, wie einen halbwegs sicheren Job im Auswanderungsland zu haben, wenn man nicht viele viele Euros auf dem Bankkonto hat. Auch Schweden wartet nicht auf die Auswanderer, um ihnen gleich den Traumjob in die Hand zu drücken. Es gibt genügend Arbeitslose in Schweden! Bestimmte Berufe sind allerdings Mangelware und über diese Berufe sollte man sich vorher unbedingt informieren.
Soweit mir bekannt, sind es vor allen Dingen die medizinischen Berufe, die in Schweden gern gesehen sind und verschiedene handwerkliche Facharbeiter.
Hier muss ich jedoch gleich eine Einschränkung einbauen!
Wer glaubt, die Schweden nehmen jeden, der mal irgendwas von einem Fach gehört hat, der irrt gewaltig.
Für die Anerkennung eines Diploms oder eines Gesellenbriefes muss man schon so einiges tun. Wer also in Deutschland mal Krankenschwester war, kann natürlich auch in Schweden ein bisschen im Krankenhaus arbeiten, aber er muss ganz unten anfangen, denn die Ausbildung zur Krankenschwester dauert in Schweden etwas länger und ist ein Hochschulstudium.
Dem Lernwilligen stehen in Schweden alle Türen offen und bis zum 52. Lebensjahr, werden Fortbildungen, ein Studium oder eine Umschulung finanziell unterstützt.
Viele Auswanderer glauben, sie könnten sich schon irgendwie durchschlagen. Ich rate ganz dringend davon ab, sich ohne wirkliche Vorbereitung in ein anderes Land zu begeben, denn dann wird man recht schnell von der Realität eingeholt! Das führt bei den Meisten zu Unmut und oft trägt dann, in ihren Augen, das Auswanderungsland die Schuld.
Ein Beispiel:
Meine Söhne waren noch in der Einwanderungsklasse, als mich irgendwann die Mutter einer deutschen Mitschülerin besuchte.
Die ca. 35 Jahre alte Frau war, wie ich, gut ein halbes Jahr in Schweden. Sie hatte die Nase inzwischen gestrichen voll. Auch sie hatte in irgendwelchen Zeitungsberichten gelesen, dass man in Schweden Personal im Pflegerischen bzw. im medizinischen Bereich suchte.
Sie war mit der Überzeugung nach Schweden ausgewandert, eine Stelle als Krankenschwester zu bekommen, obwohl sie selber nur eine abgebrochene Lehre als Kellnerin vorweisen konnte. Im pflegerischen Bereich hatte sie nie gearbeitet, traute sich aber absolut zu, den "billigen" Tätigkeiten einer Krankenschwester oder Altenpflegerin gewachsen zu sein. Dass man ihr vorschlug, erstmal die Sprache zu lernen, um eine Ausbildung in Schweden machen zu können, empfand sie als Zumutung. Als man dem Ehemann auch noch ans Herz legte, einen Sprachkurs zu belegen, um als Maurer irgendwelche Arbeitsanweisungen zu verstehen, wurde die Familie so böse, dass sie über die Schweden nur noch als Rassisten sprachen.
Der Traum von der friedlichen Waldidylle, mit den vielen schönen Seen, aus denen man sich täglich sein Abendessen fangen kann, war geplatzt. Nun war Schweden Schuld an der ganzen Misere, denn man hatte ja schließlich in Dresden alles aufgegeben, um den Schweden zu helfen. So böse bestrafen die Schweden also, das soziale Engagement der hilfsbereiten Einwanderer!

Der erste Weg eines Einwanderers aus einem EU Land sollte der Weg zur Einwanderungsbehörde sein.
Dort beantragt man, recht formlos und unkompliziert seine Aufenthaltsgenehmigung.
Wer einen Arbeitsvertrag oder ein geregeltes Einkommen (das kann auch eine deutsche Rente sein) und einen Wohnsitz nachweisen kann, bekommt ohne Probleme eine Aufeinthaltsgenehmigung für 5 Jahre.
Gleichzeitig bekommt man seine Personnennummer, die in Schweden von größter Wichtigkeit ist.
Man braucht diese Personennummer beispielsweise zur Eröffnung eines Kontos bei einer Bank, für den Telefonanschluß oder beim Kauf eines Autos. Eigentlich braucht man sie überall, denn in Schweden wird alles gern registriert, was ich persönlich nicht als Nachteil empfinde.
Nach dem Ablauf der 5 jährigen Aufenthaltsgenehmigung, wird der Aufenthalt unbefristet verlängert. Wer Schwede werden möchte, kann dann einen Antrag auf einen schwedischen Pass stellen und die Staatsbürgerschaft annehmen.
Dazu muss er seine deutsche Staatsbürgerschaft nicht unbedingt ablegen!

Der schwedische Sozialstaat

Die Schweden habe schon etwas früher erkannt, dass ihre Kassen schnell leer sein werden, wenn man dem Volk das Leben zu sehr erleichtert. Darum haben sie schon vor Jahren recht sinnvolle Rückschritte gemacht, die ich persönlich als Fortschritt bezeichne.

Kindergeld gibt es, so lange ein Kind zur Grundschule geht. Die Grundschule dauert 9 Jahre! Während dieser Zeit bekommt man für jedes Kind 950 SKR (ca. 104 Euro). Danach, wenn das Kind zum Gymnasium geht, gibt es einen Studienbeitrag von 1050 SKR (ca. 118 Euro). Studienbeitrag und Kindergeld werden immer nur an die Mutter des Kindes gezahlt, sofern das Kind eine Mutter hat!
Beginnt das Kind später mit dem Studium, bekommt es während des Studiums 2200 SKR Studienhilfe, die nicht zurückgezahlt werden müssen! Braucht der Student mehr Geld, kann er zusätzlich monatlich 5000 SKR Studienlohn bekommen, die dann allerdings später, zinnslos zurückgezahlt werden müssen.
Ein Arztbesuch kostet in Schweden 100 SKR im Quartal. Kosten für Medikamente müssen, bis zu einem Satz von ca. 1800 SKR im Jahr, selbst getragen werden.
Zahnbehandlungen sind für Kinder und Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr kostenlos. Danach wird jede Zahnbehandlung teuer! Allein für eine Kontrolluntersuchung muss man ca. 400 SKR bezahlen.

Die Schwedische Schule

Die Schulen in Schweden sind Ganztagsschulen! Die Schüler bekommen dort täglich ein reichhaltiges, warmes Mittagessen - in vielen Grundschulen auch ein Frühstück. Schulmaterialien, wie Bücher, Hefte, Tuschkästen, Taschenrechner, Zirkelkästen u.s.w. müssen nicht privat gekauft werden!
Alles, was mit der Schule zu tun hat, ist kostenfrei für die Eltern

Da meine beiden Söhne nicht die besten Erfahrungen mit deutschen Schulen hatten, taten sie sich sehr schwer, mit dem Gedanken an eine neue, schwedische Schule, in der man auch noch nicht mal die Sprache verstand. Außerdem steckte auch noch die Trauer über den Abschied von allen Freunden in den Knochen. Mein ältester Sohn war in seiner Heimatstadt Mitglied im Jugendstadtrat, hatte einen netten Freundeskreis und es machte ihm viel Spaß, seine politischen Ideen ausleben zu können.
Das alles war mit einem Schlag vorbei!
Ich erinnere mich noch gut, wie ich den Jungen, der mich inzwischen um einen ganzen Kopf überragte, an der Türe zum Klassenzimmer ablieferte. Er hatte Angst und heulte Rotz und Wasser.
Wie gern hätte ich ihm den Weg ins Klassenzimmer abgenommen oder ihm zumindest die Angst genommen. Das war jedoch unmöglich und so sah ich ihn, mit einem dicken Kloß im Hals, hinter der Türe zum Klassenzimmer verschwinden, nicht ohne ihm vorher das Versprechen gegeben zu haben, dass wir morgen wieder nach Deutschland zurückfahren würden, wenn diese Schule ähnlich dem deutschen Gymnasium ist.
Auf meinem Heimweg kamen mir ganz arge Zweifel, ob es wirklich eine gute und richtige Entscheidung gewesen war, die Kinder aus ihrem Alltag herauszureißen.
Es war der Moment, an dem ich mich verfluchte und in dem ich am Liebsten alles wieder rückgängig gemacht hätte.
Den ganzen Tag über beschäftigte ich mich zwanghaft damit, irgendwelche Kisten auszupacken, kam aber nicht wirklich innerlich zur Ruhe. Irgendwann saß ich völlig verzweifelt auf meinen Kisten, stellte mir vor, wie es meinen Jungs jetzt wohl in der Schule gehen mag und ließ die Kisten lieber eingepackt.
Als sich die Zeiger der Uhr immer weiter auf die 17. Stunde zubewegten, wurde ich immer nervöser. Ich ging den kleinen Waldweg entlang zur Haltestelle, wo in wenigen Minuten der Schulbus meine Kinder wieder absetzen würde. Es dauerte nicht lange, bis ich in der Ferne den kleinen Schulbus entdeckte, der gemütlich über den Waldweg schaukelte. Als er näher kam, sah ich kleinere und größere Köpfe durch die Fenster des Busses lachen. Der Bus hielt, spuckte meine Jungens aus, gefolgt von vielen Kinderstimmen, die alles, was ihnen auf Deutsch so einfiel, durcheinander kreischten. Auf Wiedersehen, bis morgen, besuch mich mal, bis bald und viele Hände winkten fröhlich hinter den beiden her. Meine Söhne fielen mir um den Hals und sagten wie aus einem Mund:"Das war der schönste Schultag den wir im Leben erlebt haben."
Ich sah die Beiden nie zuvor so fröhlich aus der Schule kommen. Nun ja, es war der erste Tag und es sollten noch viel weitere Tage folgen.
Das Blatt hatte sich jedoch dauerhaft gewendet! Meine Söhne sind plötzlich so gern zur Schule gegangen, dass ich mit ihnen kämpfen musste, wenn sie mal eine Grippe hatten. Sie wollten selbst mit Fieber keinen Schultag verpassen.
Beim ersten Elternsprechtag hörte ich von den Lehrern, viele wundschöne Geschichten über meine Söhne und dass es ganz toll ist, dass sie so viele eigene Ideen haben, die man unbedingt fördern müsste.
Rotstifte gibt es in Schweden nicht, aber ganz viel liebevolle Unterstützung. Wenn ein Kind mal hustet, kocht die Lehrerin für ihn Tee, wenn die Kinder müde waren, gab es kleine Pausen mit Massagen und lustigen Geschichten. Lob gab es öffentlich, aber Tadel nur unter 4 Augen. Der Unterricht lief immer viel praxisnäher ab und alle Schüler hatten einen Riesenspaß, wenn man mit dem Lehrer tauchen ging, um Meeresboden hochzuholen, den man dann später mikroskopisch untersuchen konnte. Die Schüler lernten recht früh selbständig zu arbeiten, eigene Projekte in Angriff zu nehmen oder sich mit einem Thema allein zu befassen. Eigene Ideen, Vorschläge oder auch Kritik, waren dabei immer willkommen.
Hat ein Schüler, in irgendeinem Fach ein Problem, dann wird er von allen Seiten unterstützt - auch von Seiten der Mitschüler.
Es gibt einen ziemlich großen Unterschied zwischen der deutschen und der schwedischen Lernbereitschaft der Schüler!
Wenn mein Sohn in Deutschland mal eine Arbeit in den Teich gesetzt hat und eine Nachprüfung machen musste, dann war die Reaktion der Mitschüler " Ach, ist doch scheißgeal, wenn du das nicht bestehst. Ich habe auch eine 5. Na und?"
Die Reaktion der schwedischen Mitschüler: "Oh je, sei nicht traurig, denn du wirst das schaffen. Komm, wir helfen dir! Hast du am Wochenende Zeit? Wir kommen dann bei dir vorbei und üben einfach. Es wäre doch gelacht, wenn du das nicht schaffen würdest. Wenn wir zusammenhalten, dann kann keiner von uns durchfallen, denn jeder hat ja bestimmte Fächer, in denen er richtig gut ist".
Die Einstellung der Schüler spiegelt sich auch im Aussehen der Schule bzw. der Klassen und der Instandhaltung der Einrichtung wieder.
Für schwedische Schüler ist die Schule zu der sie gehen "ihre" Schule und die muss man natürlich immer schön halten. Da kommt niemand auf die Idee Mobiliar zu zerstören, die Wände zu bekritzeln oder Einrichtungsgegenstände zu beschädigen.
Die Gymnasien (ab dem 16. Lebensjahr) sind hervorragend ausgestattet.
Jeder Schüler hat dort die Möglichkeit seine Richtung individuell zu wählen.
Für den technisch Interessierten, gibt es große Werkstätten, in denen er seinen Wissensdurst stillen kann. Der Künstler kommt in den Bild-und Kunstsälen oder in der schuleigenen Theaterwerkstatt, im Musiksaal, in dem er alle möglichen Instrument erlernen kann oder beim Gesangsunterricht, voll auf seine Kosten. Multi Media, Design, Rechtswissenschaften, Elektronik, Krankenpflege, Literatur oder die Ausbildung zum Ingenieur, Koch oder Goldschmied - angeboten wird eine breite Palette von Ausbildungsmöglichkeiten, die neben dem Abitur absolviert werden kann.
Es gibt die Möglichkeit das Gymnasium mit einem fachbezogenen Abitur und einer abgeschlosenen Berufsausbildung zu verlassen.
Um das auf die Reihe zu kriegen, muss man sich ganz schön ins Zeug legen, aber........und das erleichtert die Sache ungemein, man bekommt jede nur mögliche Unterstützung!
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, ein sprachlich oder naturwissenschaftliches Abitur zu machen, mit dem man später die Fächer Biologie, Physik, Mathe oder Medizin u.s.w. studieren kann.

Wir leben inzwischen, seit gut 10 Jahren in Schweden. Der "Idiot" der Verkäuferin werden sollte, hat ein recht gutes Abi gemacht und inzwischen Geschichte und Archäologie studiert. Nun studiert er noch Mathe, Englisch und Germanistik.
Der Kleine, der für ein Gymnasium ungeeignet war, hat problemlos die Punkte erreicht, um in den mathematisch - naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums aufgenommen zu werden und hat nur noch knapp ein Jahr, bis er mit mit seinem Medizinstudium beginnen kann.

Ich bin dem Land Schweden, den engagierten Lehrern, die voller Geduld und Liebenswürdigkeit, meinen Kindern gezeigt haben, dass man Spaß am Lernen haben kann und die nie einen Zeigefinger erhoben haben, unglaublich dankbar für die Rettung meiner Kinder!
Meine Söhne sind inzwischen fast 18 und 24 Jahre alt. Im Grunde, bin ich den Weg nach Schweden für sie gegangen.
Zunächst waren meine eigenen Schritte etwas wackelig, denn man muss sich erstmal daran gewöhnen, dass man viele Dinge hinter sich lassen muss. Es ist gewöhnungsbedüftig, nicht mehr überall übers Ohr gehauen zu werden. Am Anfang traut man dem Braten oft nicht, kann kaum glauben, dass die Menschen, um einen herum, einfach nur ehrlich sind und dich nicht begaunern wollen.
Man braucht Zeit, bis man versteht, dass die Uhren in Schweden anders ticken.
Die Menschen arbeiten um zu leben, aber sie leben nicht, um zu arbeiten! Die Arbeitszeit wird strikt eingehalten, aber Pause ist Pause und wenn Feierabend ist, dann läßt man den Bleistift fallen, denn morgen ist ja auch noch ein Tag!
Überstunden werden auf die Minute genau erfasst und später ausbezahlt oder in Freizeit abgegolten.

In Schweden gibt es keine Hirarchien. Jeder wird gleich behandelt und das nicht nur auf dem Papier.
Es gibt auch kein "Sie" unter allen Menschen. Man spricht sich mit dem Vornamen an und benutzt das "Du".
Dabei ist es völlig egal, ob man mit der Reinigungsfrau des Gymnasiums spricht oder bei einem Prof. zur Untersuchung muss.
Man braucht das "Sie" nicht, um sich zu distanzieren oder sich Respekt zu verschaffen, denn die Menschen respektieren einander auch ohne das Pluralis majestatis!
Man redet nicht schlecht hinterm Rücken eines Menschen, sondern klärt Ungereimtheiten unter 4 Augen.
Die Menschen in Schweden leben auch ganz gut, mit nur einer Krankenkasse, die weder einen Klasse für die Chefarztbehandlung hat, noch das Versprechen auf 1-2 Bett Zimmer vergibt. Alle Schweden sind bei dieser einen Krankenkasse versichert, in der gleichen Klasse und mit gleicher, ausreichender Behandlung. Private Kassen gibt es nicht! Wozu auch?
Es gibt auch nur sehr wenige private Arztpraxen. Die Gesundheitsversorgung liegt bei den örtlichen Vårdcentralen (eine Art Polyklinik, in der mehrere, unterschiedliche Ärzte, von der Kommune angestellt, ihren Dienst tun).

Wer nach Schweden auswandern will, sollte sich im Heimatland schon um eine Bleibe in Schweden kümmern, denn es gibt recht wenige Mietwonungen. Dann stellt sich natürlich auch noch die Frage, ob man lieber im ländlichen Bereich leben möchte, oder in den wenigen Großstädten Schweden, als da wären Stockholm, Göteborg oder Malmö. Stockholm und Umgebung ist ein sehr teures Pflaster!
Häuser sind in Schweden, besonders im ländlichen Bereich, wesentlich günstiger, als in Deutschland!
Wer sich von daheim aus schonmal einen Überblick verschaffen möchte, dem kann ich nur die Seite "www.hemnet.se" empfehlen.
Hier findet man alle aktuellen Angebote zum Verkauf angebotener Häuser/Reihenhäuser, Bauern-oder Pferdehöfe, Freizeithäuser oder Grundstücke, vom gesamten Königreich Schweden:-)
Leider ist diese Seite nur auf schwedisch. Viele Objekte werden aber auch auf deutsch beschrieben.
Kleine Hilfestellung:
Als erstes landet man auf der Steite, auf der man das "Bundesland" (län) auswählen kann, in dem man etwas kaufen oder mieten möchte.
(1/3 | Sökning-Bostäder till salu). Klickt man die erste obere Spalte (Välja län) an, öffnen sie die Namen aller "Bundesländer" Schwedens.
Hier muss man nun das gewünschte Län anklicken und daraufhin kommen alle Kommunen des Läns zum Vorschein, mit der angegebenen Anzahl zu verkaufender oder zu vermietender Objekte. Nun markiert man einfach die Kommune, deren Objekte man ansehen möchte und geht dann zu Punkt 4 (4. Gå vidare här:) und klickt "sök bostad" an. Dann erscheint eine neue Seite auf der man eingeben muss, was man sucht. (1. Välj boendeform:) Villa/Radhus (Villa/Reihenhaus), Fritidshus (Freizeithaus),Gård (Hof), Bostadsrättslägenhet (Mietwohnung), Tomt (Grundstück). Das Gewünschte mit einem Häckchen versehen und dann unter 2. Förfina din sökning (Verfeinere deine Suche) den Preis, die gewünschten qm und Anzahl der Räume eingeben und auf "nästa" klicken. Unter "Välj visningsalternativ:" einfach nur noch auf "Visa Bildlista" klicken und schon erscheinen alle Objekte, die im Moment in dieser Gegend zum Verkauf oder zur Vermietung angeboten werden.
Bei Interesse an einem Objekt, kann man sich gleich mit der angegebenen Adresse oder auch telefonisch mit dem Anbieter in Verbindung setzten. Keine Angst vor Maklern! Fast alle Häuser werden in Schweden über Makler verkauft. Mit den Maklern, die man so aus Deutschland kennt, haben sie nichts gemeinsam!
In Schweden zahlt auch nur der Hausverkäufer eine Provision (1%) an den Makler. Für den Käufer ist der Hauskauf kostenlos.
Es entstehen auch, anders als in Deutschland, keine Notarkosten!

Die schwedischen Steuern

Auch hier unterscheiden sich Deutschland und Schweden sehr.
Die Schweden haben 2 Arten von Steuern. Die erste Steuer wird an die Kommune gezahlte, in der man seinen Wohnsitz hat. Die beträgt, je nach Kommune, zwischen 30,3 und 32 %. Bis zu einem Einkommen von 20.000 SKR liegt der Steuersatz am untersten Level. Wer mehr als 20.000 SKR brutto verdient, zahlt 32%. Die 2.Steuer, die von jedem getragen werden muss, wird an den Staat gezahlt. Auch hier werden die niedrigeren Einkommen begünstigt.
Wer unter 20.000 SKR brutto im Monat verdient, ist von der Staatssteuer befreit.
Dabei ist es völlig egal, ob der Ehegatte mehr verdient oder nicht! Es gibt in Schweden keine Steuerklassen.
Alle "Groß"verdiener haben jeden Monat Abzüge in Höhe von ca. 43 bis 46%. Dabei sind alle Sozialabgaben, wie Krankenkassenbeiträge, Arbeitslosenversicherung u.s.w. berücksichtigt und im genannten Prozentsatz beinhaltet.
Den Berufsstand der Steuerberater gibt es in Schweden nicht! Man braucht sie einfach nicht!
Seine Steuererklärung kann man per SMS machen.
Jede persönliche Einnahme muss versteuert werden, egal ob es sich dabei um Guthabenszinsen, Aktiengewinne oder Mieteinnahmen handelt. Wer jedoch Kredite oder Hypotheken hat und dafür natürlich Zinsen zahlen muss, dem werden die Zinsen vom Einkommen abgezogen.
Abschreibungen, Aufwandsentschädigungen u.s.w. mit denen sich so manchen Millionär in Deutschland um die Steuer drückt, gibt es in Schweden nicht.
Jeder hat zu zahlen und da da gibt es einfach nicht zu diskutieren.

Straßen und Verkehr

Der Straßenverkehr in Schweden läuft, durch das Fehlen großer Ballungsgebiete sehr ruhig.
Man läßt sich Zeit, weiss was ein Reißverschlußverfahren ist und selten begegnet einem ein "Fahrcowboy" auf der Straße. Überraschende Blitzgewitter gibt es nicht! Auf jede Blitzanlage, wird vorher per Beschilderung hingewiesen.
Wer trotzdem meint schneller fahren zu müssen, als die vorgeschriebene Geschwindigkeit erlaubt, wird sich sehr wundern, wenn er die Rechnung ins Haus bekommt.
7 km/h (immer minus Toleranz) zu schnell, kosten 1500 SKR (ca. 160 Euro) Wer meint, er müsste 15 km/h zu schnell fahren, der zahlt 3000 SKR (330 Euro) und wer es schafft mit 30 km/h erwischt zu werden, der kann seinen Führerschein gleich für die nächsten 3 Monate der Polizei übergeben.
Auf Autobahnen ist eine Maximalgeschwindigkeit von 110 km/h erlaubt. Auf Landstraße 90 km/h oder eben was die Beschilderung so vorschreibt.
Wer meint, die vorgeschriebene Geschwindigkeit, mehr als 30 km/h zu überschreiten, darf gleich einen kostenlosen Urlaub hinter schwedischen Gardinen einplanen. Gleiches gilt für Alkohol am Steuer.

In den 10 Jahren, die in nun schon in Schweden verbracht habe, sind mir viele drollige Eigenarten der Menschen hier aufgefallen. Ich bin jedoch nie einem Menschen begegnet, der nicht höflich, freundlich und hilfsbereit war.
Wir sind damals mit ca. 15 anderen Familien, in denen mindestes eine Person aus dem medizinischen Bereich kam, nach Schweden gekommen. Alle stammten aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Alle waren von den Arbeitsbedingungen und dem Schulsystem hellauf begeistert.
Trotzdem, gibt es meines Wissens, außer uns, nur noch eine Familie, die bis heute in Schweden lebt.
Die meisten sind nach Deutschland zurückgekehrt oder von Schweden aus, in andere Länder gezogen.
Woran das liegt, mag für die leute, die Schweden nur von Urlaubsreisen kennen, unverständlich sein.
Erlebt man doch wunderschöne Urlaubswochen im Sommer, an einsamen Seeufern, auf einsamen Wanderwegen, in einsamen Holzhäuschen.
Es ist genau diese Einsamkeit, die viele Menschen zurück in die Heimat führt.
In Schweden Freunde zu finden, ist ungefähr mit einem 6er im Lotto vergleichbar.
So, wie man es aus Deutschland gewohnt ist, läuft es in Schweden nicht. Mal eben auf einen Sprung, bei einer Freundin vorbeischauen, weil man einen Kaffee abstauben möchte oder einfach mal 5 Minuten schwatzen, weil man gerade in der Nähe war, ist den Schweden fremd. Es gibt immer ein

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Oberlisbler

Oberlisbler

05.01.2012 01:42

Mensch - diesen Beitrag habe ich noch gar nicht gelesen! Da hole ich doch gleich mein letztes Wäschestück hervor und wünsche Dir gleichzeitig ein wunderbares 2012! GLG Günter :-)

momo40

momo40

14.10.2010 22:03

verdientes BH nachgereicht, LG

momo40

momo40

14.10.2010 16:15

werde hier noch mal erscheinen, LG

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