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Rallye Allgäu-Orient: Abenteuer sind nicht immer planbar

4  29.05.2011

Pro:
Abenteuer pur mit spannenden Kontakten

Kontra:
Der Abschluss geriet völlig daneben

Empfehlenswert: Ja 

dik1609

Über sich: Ich bin 53 und bedanke mich für Lesungen, Bewertungen und Kommentare - Gegenlesungen sind selbstvers...

Mitglied seit:04.06.2010

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 91 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als besonders hilfreich bewertet

Der Höhepunkt und Abschluss fielen aus. Und trotzdem möchte ich im Nachhinein meine Teilnahme an der Rallye Allgäu-Orient nicht missen. Auf rund 6.500 Straßenkilometern gab es Eindrücke, von denen ich noch lange zehren werde. Und allein deswegen hat es sich gelohnt, eines – so der Veranstalter – „der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt“ in Angriff zu nehmen. Das Abenteuer nicht immer so enden wie geplant, habe ich zudem gemeinsam mit rund 600 anderen Rallye-Teilnehmern erfahren. Nachdem ich über meine Vorbereitungen zu dieser Rallye hier bereits geschrieben habe (zu finden ist der Bericht unter dem 28. April), ist es jetzt an der Zeit, ein Resümee zu ziehen.

=== Ein ganz besonderes Regelwerk ===

Das Abenteuer, an dem ich als Mitglied des aus sechs Menschen und drei Autos bestehenden Teams der Jürgen-Wahn-Stiftung aus dem westfälischen Soest teilnahm, sollte eigentlich von Oberstaufen im Allgäu bis in die jordanische Wüste führen. Ein ganz besonderes Regelwerk sorgte dafür, dass diese Strecke eine ganz besondere für alle Teilnehmer wurde, denn verboten war eigentlich alles, was ein schnelles Vorankommen ermöglichen würde. Keine Autobahnen, keine Fähren, keine Navigationsgeräte – so sagten es die Vorschriften aus. Und dass die sich auf den Weg machenden Autos zumindest 20 Jahre alt sein mussten oder einen maximalen Wert von 1.111 Euro haben durften, machte die Sache ebenso nicht einfacher wie die Vorschrift, dass eventuelle Übernachtungskosten pro Person 11,11 Euro nicht übersteigen durften. Die Fahrzeuge sollten eigentlich nach der Zielankunft der Welt-Ernährungshilfe, einer Organisation der Vereinten Nationen, übereignet werden, damit diese sie als Ersatzteillager nutzten kann. Aber auch dazu kam es nicht - die Unruhen im arabischen Raum waren Grund dafür.

Erster Schock in Österreich

Ein Auto für die Rallye hatte ich schnell gefunden und gekauft – und so machte ich mich mit einem für 700 Euro erworbenen 24 Jahre alten Mercedes-Kombi 230 TE in Oberstaufen auf den Weg Richtung Orient. Der Start im Allgäu machte richtig Spaß, denn viele Menschen applaudierten den 333 Autos und ihren 666 Insassen, als die über die Startrampe im Kurpark fuhren. Dort wurden uns auch noch eine Tüte mit Obst und Getränke ins Auto gereicht - das begann ja alles schon recht gut. Und damit hatten wir auch schon unsere Reise durch insgesamt zwölf Staaten angetreten. Natürlich gab es immer wieder kleine Rückschläge, den ersten schon in Form eines kochenden Kühlers bei meinem Mercedes am ersten österreichischen Bergpass. Nach einer kurzen Pause wurde Wasser nachgefüllt, später wurde eine Überhitzung des Kühlers vermieden, in dem im Auto-Inneren alle verfügbaren Fenster geöffnet und die Heizung auf die höchste Stufe gedreht wurde. Noch nie im Leben hatte ich etwas von einer Viskose-Kupplung gehört - genau die aber war es wohl, die uns den Ärger einhandelte. Und weil die Kühler-Temperatur bei Berg-Etappen und im Stop-and-go-Stadtverkehr immer wieder bedrohlich anstieg, wurde später in der Türkei eine Werkstatt am Wegesrande aufgesucht. Nach zehn Minuten, kleinen Schweißarbeiten und der Zahlung von knapp fünf Euro war das Problem endgültig erledigt. Weitere technische Unzulänglichkeiten gab es nicht, die 24 Jahre Lebenszeit und elf Vorbesitzer waren meinem guten alten Mercedes nicht anzumerken.
Die Suche nach dem Campingplatz

Eine mehrere Stunden dauernde und erst nach Einbruch der Dunkelheit abgeschlossene Suche nach dem avisierten Campingplatz am Turner See in Kärnten, Regen ohne Ende, kleine Umwege von mehreren Stunden Dauer in Slowenien oder einen serbischen Zöllner, der einfach nicht glauben wollte, was wir da unternehmen wollten und der uns erst nach dem Überreichen kleiner Geschenke die Grenze passieren ließ, vermochten unser Team nicht weiter zu beeindrucken. Immerhin lagen wir im Zeitplan, erreichten von Deutschland aus über Österreich, Italien, erneut Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Serbien und Bulgarien das Etappenziel Istanbul. Zuvor hatten wir das Glück gehabt, bei Dauerregen bereits die zweite Nacht nicht im Zelt verbringen zu müssen, weil der von uns schon zuvor ausgesuchte Campingplatz im ungarischen Mako nahe der rumänischen Grenze auch über kleine Hütten verfügte, deren Anmietung bei einem Preis von 9,50 Euro pro Person genau dem vorgegebenen Budget entsprach. Als kleiner Höhepunkt war auch die Erledigung einer Sonder-Aufgabe anzusehen: Wir sollten eine Vertrags-Werkstatt eines der von uns gefahrenen Autos besuchen und uns diesen Besuch durch einen Stempel im Roadbook bestätigen lassen. In Rumänien fanden wir sehr schnell ein Mercedes-Haus - und erlebten dort einen phantastischen Empfang: Die gesamte Werkstatt-Besatzung begrüßte und bestaunte meinen "Oldtimer". Noch mehr freute sie sich, als sie aus den unergründlichen Tiefen des Autos deutsches Bier überreicht bekam - die Einladung zu Kaffee und Gebäck indes war schon zuvor ausgesprochen worden. Nicht so schön war dagegen eine Berg-Etappe in Bulgarien - eine unglaubliche und zum Teil kaum noch zu erkennende Straße sorgte dafür, dass wir hier für eine 10-Kilometer-Strecke rund zweieinhalb Stunden benötigten. Und ich wusste spätestens auch jetzt, warum mir vor der Rallye empfohlen worden war, zum Schutz der Ölwanne Stahl unter das Auto anzubringen. Gut, dass ich diesem Ratschlag gefolgt war.

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Stopp in Rumänien an einer Mercedes-Werkstatt

Ich lerne das Autofahren neu

Erfreulich problemlos gestaltete sich der Grenzübertritt von Bulgarien in die Türkei. Doch nun lernte ich das Autofahren völlig neu. Nichts war es mehr mit meiner eigentlich angeborenen ostwestfälischen Zurückhaltung: Wer hier nicht aggressiv fährt, der hat schon vor dem Umdrehen des Zündschlüssels verloren. Und so richtig Spaß machte es, in der türkischen Grenzstadt Edirne das Radio auf volle Lautstärke zu drehen, die Fenster herunter zu kurbeln und laut hupend durch die Stadt zu fahren. Bald erreichten wir auch die Metropole Istanbul, wo defensives Fahren endgültig kein Thema mehr war. Dass zwischenzeitlich im Stadtverkehr der türkischen Metropole auch mal ein Polizeiwagen geschnitten werden musste, wurde von allen Beteiligten ohne Kommentar hingenommen. Aber ganz ehrlich: Vor dieser Rallye hätte ich nicht gedacht, dass ich so Autofahren kann wie ich es in der Türkei tat. Und wie wichtig die Hupe eines Autos ist, habe ich auch erst hier erfahren - ohne sie wäre der Kontakt zu den anderen Team-Fahrzeugen wohl mehr als einmal hoffnungslos verloren gegangen. In Istanbul wurden alle 333 Fahrzeuge direkt vor der Blauen Moschee und der Hagia Sophia abgestellt - ein beeindruckendes Bild. Immerhin hatten wir hier endlich auch einmal ein wenig Zeit, besichtigten die Hagia Sophia, den Großen Basar, den Taksim-Platz und mehr. Zudem ließen wir uns immer wieder die türkische Küche so richtig schmecken. Am Abend des zweiten Tages stand dann der Massenstart vor der Blauen Moschee an - und wieder gab es einen unvergesslichen Moment, denn die Seitenstraßen waren gesperrt, die Rallye-Fahrzeuge konnten sich ohne Behinderung auf dem Weg zur Bosporus-Fähre machen. Mehrere tauschend Menschen standen Spalier und feuerten uns mit Blechtrompeten und Vuvuzelas an. Einfach phantastisch!

Nicht ganz so schön war es, sich anschließend auf der asiatischen Seite zum Fenerbahce-Stadion durchzuschlagen - und vor allem dort einen Parkplatz zu finden. Eigentlich sollten wir im Stadion das von uns natürlich zuvor erlernte Fenerbahce-Vereinslied zum Besten geben und zudem einem Vereinsvertreter einen Wimpel unseres Heimat-Fußballvereins überreichen - aber irgendwie klappte das alles nicht. Gleiches galt für den Besuch des Formel-1-Fußballspiels am Abend, für den wir am Stadion Freikarten erhalten sollten. Davon aber wusste an der Spielstätte Niemand etwas. Immerhin aber war zuvor das Versprechen der Stadt Istanbul, dass wir die Bosporus-Fähre kostenlos würden nutzen können, tatsächlich umgesetzt worden.

In die türkische Hauptstadt


Von Istanbul aus ging es nach Ankara - eine eher langweilge Strecke über eine ausgezeichnet ausgebaute Straße. In der türkischen Hauptstadt ging es zunächst zur Burg, wo eine Sonderaufgabe zu erledigen war, dann ging es zum Hippodrom, wo sich erneut alle Rallye-Teilnehmer und -Fahrzeuge sammelten. Besonders beeindruckend: Das finnische Team der "Flying Fins" hatte ein Riesenzelt aufgebaut, in dem es angeblich sogar eine Sauna gab. Dort erfuhren wir am nächsten Morgen auch endlich, wohin uns der weitere Weg führen sollte, denn die ursprünglich vorgesehene Landroute durch Syrien war wegen der dortigen Unruhen und der geschlossenen Grenze zu Jordanien nicht mehr möglich. Zunächst sollte es per Fähre nach Nordzypern und dann weiter nach Israel gehen – 330 Euro musste jeder Teilnehmer für die Fährüberfahrt bezahlen. Aber immerhin deutete alles darauf hin, dass wir unser Ziel in Jordanien doch erreichen würden. Verabschiedet wurden wir in Ankara in Anwesenheit mehrerer Fernseh-Sender vom türkischen Minister für Europa-Angelegenheiten, Egimen Bagis, der einerseits Werbung für die Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union betrieb, andererseits aber auch die Friedesmission der Rallye unterstrich. Besonders großen Beifall gab es natürlich, als Wilfried Gehr vom Organisations-Komitee mitteilte, dass der türkische Staat unsere Fährüberfahrt mit einem sechsstelligen Euro-Betrag bezuschussen würde. Und dann ging es nach einem Le-Mans-Start (alle Fahrer standen auf einer Linie, spurteten dann zu ihren Fahrzeugen und starteten die) und einer Ehrenrunde im Hippodrom weiter. Weiter Richtung Osten.
Barbier-Besuch in Kappadokien

Besonders gespannt war ich auf Kappadokien, das wir von Ankara aus kommend nach nur sechs Stunden erreichten. Die Feen-Kamine dort hatte ich bis dato nur im Fernsehen bewundern können, in natura aber sehen sie mit ihren vielen Höhlen noch beeindruckender aus. Und so nahmen wir uns auch die Zeit zum ausgiebigen Besuch des Freiluft-Museums in Göreme, ehe wir uns eine Unterkunft für die Nacht suchten. Acht Tage waren wir nun schon unterwegs - da lohnte sich dann auch der Besuch beim Barbier, der mir in traditioneller Art den Bart stutzte, was für mich als Wellness zu bezeichnen ist. Dass ich dafür gerade einmal 2 Euro zu bezahlen hatte, sei nur am Rande erwähnt. Die Fahrt sollte uns nun weiter nach Osten, ins Gebirge, führen, wo eine letzte Sonderaufgabe auf uns wartete. Als aus dem Regen in den Bergen allerdings Schnee wurde, entschied sich unser Team schnell dazu, die Route zu ändern, die Sonderaufgabe Sonderaufgabe sein zu lassen und uns in Richtung Mittelmeer zu orientieren. Und so erreichten wir den kleinen Ort Yumurtalik, wo wir in einem Motel Unterkunft fanden und sogar noch vom stellvertretenden Bürgermeister begrüßt wurden. Bis zum Hafen in Siflike war es nicht mehr weit, doch eine erste Enttäuschung erlebten wir, als die für den Abend um 22 Uhr vorgesehene Abfahrtszeit der Fähre auf den nächsten Tag 15 Uhr verlegt wurde. Aber alle hofften einfach, dass es dann klappen würde.
Die erste Schifffahrt

Nun ja, um 15 Uhr klappte es am nächsten Tag auch nicht. Aber irgendwann am späten Abend hatten wir dann doch den Zoll passiert und die Autos auf insgesamt drei Schiffen untergebracht. Und um 3.15 Uhr am frühen Morgen begann endlich unser erster Tag auf dem Mittelmeer. Aus meiner leisen Hoffnung, an Bord der Fähre eine Kabine ergattern zu können, wurde nichts - über derartige Übernachtungsmöglichkeiten nämlich verfügte das Schiff nicht. So richtig bequem war das alles nicht, aber immerhin fand ich in dieser Nacht für drei Stunden Schlaf. Um 11 Uhr erreichten wir Nordzypern - und endlich konnte ich mir auch die Zähne putzen. Auf der Fähre nämlich waren unsere Autos derart dicht aneinander geparkt worden, dass ich keine Tür öffnen und so auch meine Wasch-Utensilien nicht erreichen konnte. Dass Israel zwischenzeitlich unsere Einreise verweigert hatte und wir stattdessen über Ägypten nach Jordanien kommen sollten, störte auch niemanden. Die Fahrt über die Sinai-Halbinsel hin zum Roten Meer versprach ja schließlich Spannung. Und weil eine derartige Route schon vor dem Fahrtantritt nicht hatte ausgeschlossen werden können, hatte ich mir sogar den für Ägypten obligatorischen internationalen Führerschein besorgt - alles schien zu laufen, wir freuten uns schon auf die Wüsten-Prüfung in Jordanien. Die Laune stieg an.

Der schönste Rallye-Tag

In Nordzypern erlebten wir dann völlig überraschend zumindest aus meiner Sicht den wohl schönsten Tag der gesamten Rallye. Der türkische Teil der Mittelmeer-Insel, der sich selbst als eigenständiger Staat fühlt, tat alles, um für sich selbst zu werben und die Rallye-Teilnehmer zu beeindrucken. Aber all das war nicht nur Politik, denn auch die Menschen auf der landschaftlich wunderschönen Insel bereiteten uns einen begeisterten Empfang, den ich wohl niemals vergessen werde. Nach unserer Ankunft im Hafen ging es mit einer Polizei-Eskorte in den nahe gelegenen Ort Girne. Zuvor allerdings wurden in jedes Fahrzeug Informationspakete über Nordzypern sowie ein kleines Frühstücks-Paket gereicht. Alle Seitenstraßen waren gesperrt, damit die gut 300 Rallye-Autos freie Fahrt hatten. In Girne gab es kostenloses Mineralwasser für alle, eine Volkstanz-Aufführung - und eine Begrüßung der Rallye-Teilnehmer durch den Ministerpräsidenten des nur von der Türkei anerkannten Staates. Und dann ging es im Konvoi weiter quer durch den Nordteil der Insel. Im Bergdorf Iskele standen die Menschen schon an den Straßen, jubelten uns zu und ließen ihrer Freude freien Lauf. Auf dem Marktplatz war Besonderes für uns vorbeitet worden, wobei wir vor dem Betreten des Platzes noch eine Tüte mit Obst und Olivenöl geschenkt bekamen. Kinder in Trachten boten Folklore-Darbietungen, für uns war ein (kostenloses) Büffet aufgebaut worden und die Veranstaltung erhielt Volksfest-Charakter. Als dann auch noch junge Mädchen in Tracht jedem Rallye-Teilnehmer eine Blume überreichten, war es um mich geschehen: Die Rührung übermannte mich - ich verdrückte mich verstohlen in eine Ecke und ließ meinen Tränen der Rührung freien Lauf. Doch damit war dieser Tag immer noch nicht beendet, es ging weiter nach Lefkosa (Nikosia), wo erneut ein Festplatz für uns mit Luftballons geschmückt war. An mit weißen Tischdecken gekleideten Stehtischen gab es Getränke und Snacks, eine Band spielte, der Bürgermeister begrüßte uns und es gab erneut Volkstanz-Vorführungen. Wir wurden behandelt wie Staatsgäste. Selbst auf der Rückfahrt zum Hafen wurden wieder die Straßen (sogar eine Autobahn) gesperrt, um uns freie Fahrt zu gewähren. Diesen Tag werde ich wohl nie vergessen.
Die schlimmste Zeit der Rallye


Dann aber begann das Abenteuer erst richtig, denn erneut ging es auf die Fähre, wobei unser Team das Pech hatte, seine Fahrzeuge auf einer reinen Autofähre abstellen zu müssen und selbst Platz an Bord eines anderen Schiffes zu finden. 22 bis 28 Stunden sollte es dauern, bis wir das ägyptische Port Said erreichen würden. Unser Schiff aber war nicht so schnell wie angenommen (Maximum: 16 Kilometer pro Stunde) und wohl eigentlich auch nicht für derart lange Fahrten geeignet. Nach 48 Stunden lagen wir endlich vor der ägyptischen Küste und mussten dann entsetzt zur Kenntnis nehmen, dass es keine Einreisegenehmigung für uns gab. Offen ist dabei immer noch die Frage, wer dafür verantwortlich war – das Organisations-Komitee der Rallye beschuldigte die deutsche Botschaft in Kairo. Die wiederum wies alle Vorwürfe von sich. Und einige Mit-Fahrer wollten sogar wissen, dass schon beim Auslaufen des Schiffes im türkischen Silifke keine Einreisegenehmigung für Ägypten vorgelegen habe. Die Folge werden möglicherweise sogar noch einige Rechtsstreite sein, denn unsere insgesamt vier Tage auf der MS Calypso waren alles andere als eine angenehme Mittelmeer-Kreuzfahrt. Natürlich hatte dieses Schiff, das in den 1970-er Jahren unter dänischer Flagge die Strecke Helsingborg–Helsingör bediente, keine Kabinen, so dass auf dem Fußboden geschlafen werden musste. Zudem gab es für rund 250 Menschen gerade einmal drei Toiletten, die einen immer penetranteren Geruch verströmten, schließlich mussten während der erneut 48-stündigen Rückreise auch noch die Lebensmittel rationiert werden. Dass wir keine Wäsche zum Wechseln dabei hatten (die war ja in den Autos auf der anderen Fähre), sorgte auch nicht gerade für eine Verbesserung der Stimmung.
Der Abschluss

Wir haben auch diese unmögliche Schiffahrt überlebt, auch wenn die Hygenie arg zu wünschen ließ. Dem Veranstalter allerdings traute unser Team nicht mehr so recht, weswegen wir dessen Angebot ausschlugen, die Autos in der Türkei zu lassen - irgendwie stand da die Befürchtung im Raum, dass wir später eine Rechnung für die Einfuhr der Fahrzeuge vom türkischen Zoll erhalten würden. Also schlugen wir uns über Alanya, Edremit und einen Abstecher in die antike Stadt Troja in die EU, nach Griechenland, durch und ließen dort die Fahrzeuge beim Cousin des Freundes eines Bekannten zurück – ihre nächste Station wird wohl die Schrottpresse sein. Nach einer letzten Übernachtung in Kavala traten wir von Thessaloniki aus per Flugzeug den Heimweg an. Und ich weiß nun, dass ein Abenteuer nicht immer so enden muss wie vorgesehen. Deswegen auch heißt es wohl Abenteuer. Als Sieger fühle ich mich dennoch, weil ich meinen Traum vom Start bei dieser Rallye verwirklicht und viel Neues gelernt habe. Das als Hauptpreis ausgelobte Kamel hätte ich ja ohnehin nicht mit nach Deutschland gebracht. Und nach Jordanien werde ich sicher auch noch einmal kommen. Es muss ja nicht mit dem Auto sein.

Die Strecken

1. Tag: Löhne/Westfalen - Oberstaufen: 734 Kilometer (hier durfte noch die Autobahn benutzt werden!)
2. Tag: Oberstaufen - Turner See (Österreich): 530 Kilometer
3. Tag: Turner See (Österreich) - Mako (Ungarn): 596 Kilometer
4. Tag: Mako (Ungarn) - Vraca (Bulgarien): 566 Kilometer
5. Tag: Vraca (Bulgarien) - Istanbul (Türkei): 641 Kilometer
6. Tag: Istanbul (nur Stadtverkehr): 30 Kilometer
7. Tag: Istanbul - Ankara: 460 Kilometer
8. Tag: Ankara - Göreme: 329 Kilometer
9. Tag: Göreme - Yumurtalik: 601 Kilometer
10./11 Tag: Yumurtalik - Silifke: 243 Kilometer
12. Tag: Zypern: 219 Kilometer
13.–15. Tag: Auf See: 0 Kilometer (Das Schiff bewältigte immerhin rund 800 Kilometer)
16. Tag: Silifke - Alanya: 259 Kilometer
17. Tag: Alanya - Edremit: 764 Kilometer
18. Tag: Edremit - Kavala (Griechenland): 538 Kilometer
19. Tag: Kavala - Thessaloniki: 160 Kilometer
Mein Fazit

Natürlich wurde ich nach der Rallye gefragt, ob ich noch einmal mitmachen würde. Die Antwort lautet jein. Ja, ich würde noch einmal mitmachen, wenn es das erste Mal für mich wäre. Nein, ich möchte mich nächstes Jahr (oder übernächstes....) nicht wieder auf den Weg Richtung Orient machen, weil ich jetzt einfach viel zu viel weiß. Das Abenteuer nämlich wäre damit eingeschränkt, es würde schon so etwas wie Routine werden. Und dann ist der Reiz des Ganzen weg. Also: Die Rallye Allgäu-Orient war für mich eindeutig ein einmaliges Erlebnis. Und dieses Erlebnis war wunderschön. Es ist unglaublich, wie viele unterschiedliche wunderschöne Landschaften wir gesehen haben, wie viele Menschen wir kennen gelernt haben, die stets völlig offen auf uns zugegangen sind und die uns auch dann halfen, wenn sie selbst nur erahnten, dass wir möglicherweise Hilfe benötigten. Dass es dabei Sprachprobleme gibt, ist sicherlich nicht Neues. Aber irgendwie waren auch unsere unterschiedlichen Sprachen letztlich nie wirkliche Probleme, irgendwie haben wir uns immer mit allen Menschen unterwegs verständigen können. Dann die Dankbarkeit: In einem kleinen türkischen Bergdorf machten wir einer Familie kleine Geschenke. Die aber wollte das nicht unkommentiert lassen und brachte uns direkt aus dem Backofen ein noch warmes Brot an die Autos, das sicher eigentlich zum Eigenverzehr gedacht war. Dieses ist nur ein Beispiel von sehr vielen, die an dieser Stelle gar nicht alle aufzuzählen sind, mich in Gedanken aber ganz sicher noch über viele Jahre begleiten werden.

Alles andere als zufriedenstellend war der Abschluss der Rallye. Natürlich hatte ich mich ganz besonders auf die Fahrt durch Syrien und Jordanien gefreut. Dass es dazu nicht kam, ist in erster Linie der aktuellen politischen Situation zuzuschreiben. Dass wir allerdings vier Tage auf einem Schiff verbringen mussten, das seinen Aufgaben defintiv nicht gewachsen war, ist anderen Menschen zuzuschreiben. Und da das Organisationskomitee schon rund zwei Monate vor dem Rallyestart angekündigt hatte, einen Plan B für den Fall parat zu haben, dass nicht durch Syrien gefahren werden kann, muss ich an dessen Glaubwürdigkeit zweifeln. Wer einen Plan und Verantwortung für mehr als 600 Menschen hat, der hat auch bürokratische Hindernisse im Vorfeld zu klären. Genau das scheint nicht geschehen zu sein. Gespannt bin ich in diesem Zusammenhang darauf, ob uns die zuvor geleisteten Zahlungen für den Aufenthalt in Jordanien einschließlich Rückflug von Amman aus erstattet werden. Eigentlich gehört sich das, wobei einige Rallye-Teilnehmer schon laut erklärten, dass sie das OK verklagen wollen.

Einen in einer Hinsicht befriedigenden Abschluss fand die Rallye für uns dank unseres kleinen Abstechers nach Troja. Dort nämlich trafen wir ein anderes Team, das mit seinen Autos zurück nach Deutschland fahren wollte. Dabei war während des Rückweges der Besuch eines rumänischen Kinderheimes geplant. Und weil die Autos des Teams 59 inzwischen recht leer waren, konnten sie unsere eigentlich für ein syrisches Kinderheim gedachten Hilfgüter mitnehmen. Die wurden inzwischen am Sozialzentrum im rumänischen Lugoj abgeliefert. Und insofern wurde der grundsätzlich geplante gute Zweck der Rallye zumindest zum Teil erfüllt.

== Merke: Abenteuer enden nicht immer so wie geplant! ==
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
travelgirl

travelgirl

22.11.2011 18:19

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26.09.2011 13:14

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XXLALF58

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05.07.2011 14:04

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