Blind ist nicht gleich blöd!

3  28.10.2005

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Empfehlenswert: Nein 

Milena89

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo meine Lieben!

Mein heutiger Bericht soll mal nicht um ein Kosmetikprodukt handeln, sondern ich möchte mich euch ein bisschen vorstellen und über meine Behinderung sprechen, die mich schon seit der Geburt begleitet.

Eigentlich wollte ich darüber gar nicht schreiben, aber ich habe schon so viele Traurige Berichte gelesen, die mich total heruntergezogen haben und wo ich mir wirklich denke, dass ich es sehr viel besser habe, als viele Andere.

Ich möchte vom Anfang an beginnen, damit ihr einen kurzen Einblick in die Geschichte bekommt und überhaupt verstehen könnt, wie man darauf gekommen ist.

Als ich geboren wurde, war ich noch in meinem Heimatland, in Serbien.
2-3 Monate nach meiner Geburt, als mich meine Mutter gebadet hatte, wollte mein Opa mit mir spielen. Er sprach mit mir, streichelte mich und fuchtelte mit seinen Fingern vor meinen Augen, bis er dann bemerkte, dass ich seinem Blick und seinen Bewegungen nicht folgte und nicht ein einziges mal gezwinkert habe.

Am nächsten Tag wurde ich zum Arzt gebracht, der meinen Eltern sagte, dass mein Sehnerv nichtreagiert. Genaueres kann ich euch nicht wirklich sagen, da ich es selber nicht weiß. Für meine Eltern ist natürlich eine Welt zusammengebrochen und bestimmt wussten sie auch nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollten. Alle möglichen Ärzte wurden angerufen und um Rat gefragt. Sie wollten es nicht wahr haben, dass da nichts zu machen ist.

Ich kann nur einen Prozent von hundert sehen. Ich kann hell und dunkel unterscheiden und sehe Umrisse. In vertrauten Umgebungen, bewege ich mich frei. Von der Statur her, kann ich sagen, ob ein Mann oder eine Frau vor mir steht, aber wer genau das ist, weiß ich nicht. Fünf Meter sind das Maximum, wie weit ich sehen kann.

Nach ungefähr einem Jahr holte mein Vater meine Mutter und mich nach Österreich. Mit vier Jahren ging ich in den Kindergarten für Blinde und Sehbehinderte (Menschen, die doch noch etwas sehen) Kinder in Wien. Ich hatte dort sehr viele Freunde, die genau so waren wie ich und fühlte mich sehr wohl. In dem gleichen Gebäude besuchte ich die Volks - und Hauptschule und die polytechnische Schule. Jetzt gehe ich in die erste Handelsschule. Ich kann ganz normal Lesen, Schreiben und Rechnen wie jeder andere. Der Unterrichtsstoff ist ganz genau der gleiche, nur dass jeder von uns einen eigenen PC mit Braillezeile hat. Wenn ich euch jetzt alles ganz genau erklären würde, wie was abläuft, würde das den Rahmen sehr sprengen.

Damit ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln alleine von der Schule nach Hause gehen kann, mache ich das Mobilitätstraining. Ich brauche sehr viel Zeit dazu, da ich alles ganz genau erlernen muss. Vor 6-7 Monaten habe ich angefangen und vielleicht schaffe ich es noch vor Weihnachten, fertig zu werden. Bitte Daumen drücken!

Mein Umfeld sind eigentlich nur meine Familie und die Schule. Freunde, die ich außerhalb der Schule kennen gelernt habe, haben kein Problem mit meiner Behinderung. Auf der Straße falle ich kaum auf, da mein Sehrest reicht, mich auch ohne den Stock fortbewegen zu können. Bin ich mit der Schule unterwegs, kommen natürlich ab und zu Sprüche wie: Lass uns doch Blinde Kuh spielen! Oder: Was haben Blinde im Kino zu suchen, die können doch nichts sehen! Aber das ist mir ziemlich egal und ich gehe nicht weiter darauf ein.

Wenn mich ein Typ in der Disco anspricht, sage ich ihm nach einigem Wortwechsel, dass ich blind bin. Dann schaut er zuerst mal blöd - das merkt man ja und dann sagt er einfach OK und mir ist meistens zum Lachen zu mute, weil die manchmal ganz schön blöd darauf reagieren. Ich finde es echt toll, dass ich so meinen letzten Freund kennen gelernt habe und wir uns echt super verstehen und lieben.

Wenn wir doch gerade bei dem Thema sind - die Stimme ist der erste Eindruck
, der stimmen muss. Wie sie jetzt klingen soll, ist schwer zu beschreiben, da auch ein Mann, der keine sanfte Stimme hat, eine schöne Stimme haben kann. Natürlich tausche ich mich auch mit meinen Freundinnen aus, die mir sagen, wie er aussieht. Und ich kann euch sagen, dass Körper und Stimme eines sind und die Typen, mit denen ich bis jetzt zusammen war, waren wirklich fesch.

Ein negativer Punkt ist mir jetzt doch noch eingefallen. Wenn ich in Serbien bin, akzeptieren mich viele der Leute kaum. Es ist blöd, da ich mich mit den Jugendlichen dort nicht verstehe - oder besser gesagt, sie können sich auf mich nicht einstellen, da ich ja in der Disco doch relativ oft Hilfe brauche, wenn eine riesige Menschenmenge da ist. Die 5-6 Wochen, wo ich dann unten bin, muss ich halt irgendwie überstehen. Aber auf der anderen Seite kann ich die Menschen verstehen.. Sie sind eben gedanklich noch nicht so weit wie die Menschen in Deutschland, Österreich ...

Zum Schluss möchte ich euch noch sagen, dass ich diese Sache überhaupt nicht schön reden wollte. Ich bin es gewohnt und es gibt bestimmt viel härtere Fälle als meinen.
Ich muss zugeben, dass mir nichts mehr einfällt, worüber ich schreiben könnte und freue mich schon über eure Lesungen und Kommentare.

Warum ich es nicht empfehle?

Na ja, weil es erstens eine Krankheit ist und zweitens wünscht sich niemand, egal welche Behinderung zu haben.

LG Milena


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Buure5

Buure5

25.11.2005 23:35

Dumme Sprüche sind schon blöd. Ich betreue einen geistig Behinderten in der Freizeit . Blöde Kommentare gab es zwar noch nicht, aber die Blicke mancher Leute reichen schon. Find ich ziemlich ärgerlich. LG, Christa

Pop-Princes

Pop-Princes

25.11.2005 17:18

Ein Wahnsinnsbericht, der mich echt berührt hat. Gruß Steffi

BlackRose83

BlackRose83

19.11.2005 11:36

Schöner Bericht und Respekt, wie Du mit Deiner Blindheit umgehst! Lg, Jana

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