Böhse Onkelz und Rechtsextremismus
24.04.2006
Pro:
Ich bemühe mich um eine objektive und umfangreiche Darstellung
Kontra:
Alles schon 1000 - mal durchgekaut
Empfehlenswert:
Nein
 DarkShadowTB
Über sich:
Bewertungen sind unwichtig! Mich interessieren sinnvolle Kommentare. Deshalb bitte: 1. Keine Bewertu...
Mitglied seit:25.05.2004
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Vorweg: Ich habe diesen Bericht aus zwei Gründen nicht in die Kategorie "Böhse Onkelz" gestellt. Erstens ist es aus irgendeinem Grund nicht mehr möglich Berichte in dieser Kategorie zu kommentieren, und mir sind sinnvolle Kommentare erheblich lieber als jegliche Bewertungen. Zweitens wird es in diesem Bericht nicht um die Musik der Band gehen, ihre Biographie oder welchen Einfluss sie auf mein Leben hatte. Dieser Bericht ist lediglich mein Beitrag zu der leidlichen Frage inwiefern diese Band der rechten Szene angehört bzw. angehörte. Diese Frage schließt natürlich wesentliche Bereiche aus ihrer Musik und ihrer Biographie mit ein - aber ich werde alles auf dieses eine Thema reduzieren. Von daher verüble ich es auch keinem Onkelzfan, wenn er ab hier nicht mehr weiter liest. Meine Empfehlung und Bewertung des Themas bezieht sich nebenbei aus dem selben Grund auf die Diskussion an sich. Ich werde mich um eine objektive Darstellung des Themas bemühen, und meine persönliche Meinung erst zum Schluss einbringen. Im Einzelnen unterteile ich den Bericht in folgende Bereiche: 1. Die Geschichte der Band bis zum Ausstieg aus der Skinheadszene - beschränkt auf den Aspekt "Onkelz und rechts" 2. Das indizierte Album "Der nette Mann" 3. Richtigstellung einer Auswahl der verbreitetsten Gerüchte über die Band 4. Distanzierungen der Band vom Rechtsextremismus 5. Stichpunktartige Zusammenfassung der Kernpunkte 6. Zwei Statements prominenter ehemaliger Onkelzkritiker aus der Musikszene 7. Informationsquellen 8. Persönliche Stellungnahme 1. Die Geschichte der Band bis zum Ausstieg aus der Skinheadszene - beschränkt auf den Aspekt "Onkelz und rechts" Die Böhsen Onkelz gründeten sich am 25. November 1980 als Punkband in einem Vorort von Frankfurt. Zunächst bestand die Band aus Stephan Weidner, Kevin Russell und Peter Schorowsky, ein halbes Jahr darauf kam noch Matthias Röhr hinzu. Zu diesem Zeitpunkt waren die Bandmitglieder 16 - 17 Jahre alt und kamen, mit Ausnahme von Matthias Röhr, allesamt aus völlig katastrophalen Familienverhältnissen. In ihrer Freizeit trieben sie sich meist in der Punkszene Frankfurts herum, und gerieten dort auch häufig mit diversen, teils ausländischen, Straßengangs aneinander. Aus diesen Konfrontationen resultierte eines der ersten und unrühmlichsten Onkelzlieder mit dem bezeichnenden Titel "Türken raus". (Zitat: "Türken raus, Türken raus, alle Türken müssen raus"). Aus der Tatsache, dass sie in Frankfurt regelmäßig mit Ausländern (aber auch anderen Jugendgruppierungen) aneinander gerieten schlussfolgerten sie, dass dies die "typischen" Ausländer seien. Ein weiterer Aspekt war sicherlich auch das bekannte Sündenbockprinzip. Wie bereits erwähnt kamen die Bandmitglieder allesamt aus "schwierigen" familiären Verhältnissen. Und anstatt die Verantwortung für ihr Leben bei sich selbst zu suchen, waren sie einfach gegen Alles und Jeden: Hippies, Ausländer, Polizisten und Lehrer sowieso, eigentlich die gesamte Erwachsenenwelt und - auch die zählten zu ihren Feindbildern - Neonazis. Diese Ablehnung äußersten sie in verschiedenen Liedern, die allesamt kaum ernsthaft als Musik zu bezeichnen sind und großteils nicht einmal einen richtigen Text hatten.Das Jahr 1981 war zugleich auch das Jahr, in dem in Deutschland die Skinheadszene aufkam. Die Skinheadszene stammte aus England und ging dort ursprünglich aus der Arbeiterklasse hervor, zu der auch viele schwarze Einwanderer gehörten. Es handelte sich damals um eine völlig unpolitische Szene, der es vorrangig um Widerstand gegen das Establishment und Spaß haben ging. So war es zunächst auch mit der Skinheadszene in Deutschland, allerdings hatte die deutsche Szene einen großen ideologischen Nachteil gegenüber den englischen Skinheads. Eine Arbeiterklasse, die dermaßen ausgebeutet wurde wie die in England, gab es in Deutschland faktisch nicht. Die Ideologie einer unpolitischen Protestbewegung aus der Arbeiterklasse war als Hintergedanke für die Skinheadszene in Deutschland somit nicht verwurzelt. Und schnell hatten rechtsextreme Parteien herausgefunden, dass es dort eine neue, wütende und zugleich orientierungslose Jugendbewegung gibt, die sich sicherlich für ihre Zwecke einspannen ließe. Da ihnen die Punkbewegung zu kommerziell und unübersichtlich wurde, wechselten die Onkelz im Laufe der Jahre 1981 - 1983 einer nach dem anderen vom Punklager in die Skinheadszene. Die Einflussnahme rechtsextremer Parteien auf diese Szene war zu dieser Zeit noch gering, und die Frankfurter Skinheadszene war mit der Punkszene zunächst recht eng verwoben (Die ersten deutschen Skinheads waren schließlich fast ausschließlich ehemalige Punks). 1981 nahmen sie auch ein erstes Demotape auf, auf dem unter anderem der Song "Türken raus" enthalten war. Wie weit es mit der ausländerfeindlichen Einstellung der Onkelz zu dieser Zeit her war zeigt sich daran, dass sie am 14. November 1981 im türkischen Familienzentrum Frankfurts auftraten. Der Song "Türken raus", den sie dort ebenfalls spielten, wurde dort laut Auskunft der Bandbiographie "Danke für nichts" eher als Lachnummer aufgenommen. Im Dezember 81 schrieben sie den Song "SS - Staat im Staate", dessen Text ausnahmsweise nicht aus Stephan Weidners sondern aus Kevin Russells Feder stammte. Wie bereits erwähnt gehörten auch Neonazis zu den zahlreichen Feindbildern, welche die Onkelz damals hatten, und dies sollte in dem Lied eigentlich zum Ausdruck gebracht werden. (Zitat 1: "SS - Staat im Staate, wird´s das noch einmal geben? SS - Staat im Staate, wir wollen´s nicht erleben."). Leider war der Text aber dermaßen dumm-provokant formuliert, dass sich nicht nur Neonazis sondern auch Opfer des Naziregimes dadurch provoziert fühlen mussten. (Zitat 2: "Ach, du Jude, altes Schwein - Wer soll in der Gaskammer sein?."). Bemerkenswert ist, dass dieses Lied daher sowohl von Onkelzkritikern als auch von Onkelzbefürwortern immer wieder zitiert wird, wobei beide es vehement schaffen nur die Textstellen zu benennen, die gerade so wirken wie sie die Band gerne darstellen möchten. Objektiv muss man hierzu sagen, dass die Ablehnung von Neonazis ebenso wenig mit ernsthafter politischer Auseinandersetzung zu tun hatte wie die Ablehnung von Ausländern, sondern im Grunde genommen auf dem selben "Wir sind gegen alles was anders ist als wir"-Prinzip beruhte. Und das schloss sowohl Ausländer als auch Neonazis mit ein.1983 schrieb Stephan Weidner einen weiteren ausländerfeindlichen Text mit dem ebenfalls sehr eindeutigen Titel "Deutschland den Deutschen". (Zitat: "Skinheads im Zusammenhalt gegen euch und eure Kanakenwelt"). Zum Hintergrund des Liedes steht in der offiziellen Bandbiographie folgendes: "Daß die Ausländer keine Schuld an seinem Schicksal hatten und man sie nicht für all die Mißstände im Land verantwortlich machen konnte, wußte er auch damals schon. Trotzdem, es waren ihm einfach zu viele und außerdem gingen ihm die ewigen Auseinandersetzungen und Schlägereien auf den Sack." Der Text war darüber hinaus ein besonderer Griff ins Klo, da die Parole "Deutschland den Deutschen" 1979 von der NPD als Wahlkampfslogan verwendet wurde. Dass sie damit den Rechtsextremisten, die eifrig dabei waren die Skinheads für sich zu rekrutieren, in die Hände spielen würden, hätte ihnen eigentlich klar sein müssen. Der Text stieß auch Stephans damaliger Ehefrau Pia übel auf, deren Großvater im KZ Neuengamme ermordet wurde. Im selben Jahr brachten die Onkelz ein zweites Demotape heraus, auf dem sowohl der Song "Deutschland den Deutschen" als auch erneut der Song "Türken raus" enthalten war. Von diesem Tape wurden zwar nur 100 Stück verteilt, es verbreitete sich über Kopien aber schnell nahezu in der gesamten deutschen Skinheadszene, die zu diesem Zeitpunkt noch verhältnismäßig klein war. Im Herbst 1983 spielten die Böhsen Onkelz ein Konzert im "Berliner Bunker" vor rund 50 Skinheads. Dieses Konzert war das letzte mal, dass das Lied "Türken raus" und das einzige mal, dass das Lied "Deutschland den Deutschen" von der Band gespielt wurde! Im Herbst 1984 bekamen die Onkelz ihren ersten Plattenvertrag, der im Grunde genommen ein reiner Ausbeutervertrag war. Sie unterschrieben einen Vertrag über drei Studioalben bei der Plattenfirma Rock-O-Rama, die zu diesem Zeitpunkt noch nichts mit rechtsextremen Musikgruppen zu tun hatte, bei welchem die Rechte für die Songs auf Lebzeiten an den Inhaber des Labels Herbert Egoldt überschrieben wurden. Es war vereinbart, dass die Band 1 DM für jedes verkaufte Album bekommt - dieses Geld wurde aber nie ausgezahlt. Zur Widerlegung einiger Gerüchte über die Band ist es wichtig festzuhalten, dass die Bandmitglieder an ihren ersten drei Studioalben keinen einzigen Pfennig verdient haben! Im selben Jahr nahmen sie ihr erstes Studioalbum "Der nette Mann" auf. Auf die Indizierung des Albums möchte ich an dieser Stelle noch nicht eingehen, die ist ein Thema für sich und kam auch erst 1986. Wichtig ist, dass dieses Album entgegen späterer Behauptungen keine ausländerfeindlichen oder faschistischen Texte enthält. Die Lieder "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen" blieben die einzigen rassistischen Lieder, welche die Onkelz je verfasst haben, und wurden beide nie auf irgendeiner Platte veröffentlicht. Dennoch zeichnete sich das Album durch einen fast schon lächerlichen Patriotismus aus, bei dem sie sich aber gleichzeitig von neofaschistischem Gedankengut distanzierten. Am Besten belegen lässt sich dies anhand des Songs "Deutschland" (Zitat: "Zwölf dunkle Jahre in deiner Geschichte machen unsere Verbundenheit zu dir nicht zunichte. Es gibt kein Land frei von Dreck und Scherben. Hier sind wir geboren, hier wollen wir sterben.").Im Jahr 1985 gab es gleich mehrere Entwicklungen, die für das Thema "Onkelz und rechts" von Bedeutung sind und letzten Endes dazu führten, dass die Band aus der Skinheadszene ausstieg. Rock-O-Rama orientierte sich immer mehr in Richtung rechtsradikale Musik, und versuchte auch die Böhsen Onkelz in diesem Image zu halten. Die Onkelz mussten laut Vertrag noch zwei Alben für dieses Label herausbringen, und veröffentlichten 1985 sowohl das Album "Böse Menschen - Böse Lieder" als auch "Mexico". Letzteres war eine Mini-LP, die gerade mal 6 Lieder enthielt, um den Vertrag aufzulösen ohne Rock-O-Rama noch unnötig viel Songmaterial in die Hände zu liefern. Gleichzeitig versuchte Herbert Egoldt alles, um der Band ein rechtsextremes Image aufzudrücken, und als das nicht recht funktionieren wollte probierte er andere Skinheadbands, die bei ihm unter Vertrag waren, als "neue Onkelz" zu integrieren.Rechtsextreme Parteien hatten zunehmenden Erfolg bei ihrer Einflussnahme auf die Skinheadszene, und ein immer größerer Anteil von Skinheads posierte auf Konzerten mit dem Hitlergruß. Es gab auch mehrere Anfragen verschiedener rechtsextremer Parteien und Vereine an die Onkelz auf Versammlungen aufzutreten - diese Angebote wurden von der Band stets grundsätzlich abgelehnt. Zudem bekamen die Rechtsextremen unfreiwillige Hilfe durch die Presse, welche die Skinheadszene schon zu dieser Zeit als grundsätzlich rechtsextreme Bewegung deklarierte. Jugendliche, die neu in die Skinheadszene kamen, übernahmen dieses Bild aus den Medien, um sich anzupassen. Als Skinhead muss man also Ausländer hassen, das "Dritte Reich" toll finden und diese oder jene Band hören (Namen dieser Bands werden hier keine Erwähnung finden). Diese Entwicklung dokumentierten die Onkelz mit dem Lied "Hässlich, brutal und gewalttätig". (Zitat 1: "Wir tragen alle Hakenkreuze, Skinheads haben nur Gewalt im Sinn. Ist es das, was ihr hören wollt, dass wir hirnlose Schläger sind?") (Zitat 2: "In den Medien steht es immer wieder, dass wir Schlägertrupps für Nazis sind, doch wir haben uns nichts vorzuwerfen, denn es ist ihr Gerede, das stinkt."). Anmerkend muss man hier hinzufügen, dass sich an der Berichterstattung über die Skinheadszene bis heute nichts geändert hat. Tatsache ist, dass die heutige Skinheadszene gespalten ist und es sowohl rechtsextreme als auch unpolitische Skinheads gibt. Eine zuverlässige Statistik darüber, ein wie großer Anteil der Skinheads nun tatsächlich dem rechtsextremen Lager zuzurechnen ist und wie viele der unpolitischen Oi-Bewegung angehören liegt mir allerdings nicht vor. Die Bandmitglieder wurden "erwachsen", das heißt sie wurden sich zunehmend darüber im Klaren, dass es sinnlos ist anderen die Schuld für ihre eigene Situation in die Schuhe zu schieben - seien es Ausländer oder sonst wer. Ein genaues Datum, oder auch nur ein genaues Jahr, in dem das stattfand lässt sich nicht benennen. Das ist auch logisch, denn erstens geht ein solcher Prozess der Bewusstwerdung nicht von heute auf morgen und zweitens handelt es sich bei den Böhsen Onkelz um vier unterschiedliche Personen, bei denen diese Entwicklung einleuchtend nicht völlig synchron verlaufen ist. Am Deutlichsten wird dies bei dem Auftritt in der Talkshow "Live aus dem Alabama" vom 9. September 1985. Diese Sendung komplett zu analysieren würde den Rahmen sprengen, aber dort wurde sehr deutlich wie es zum damaligen Entwicklungsstand der Onkelz in Bezug auf ihre rassistische Einstellung stand. An der Diskussion nahmen nur Stephan Weidner und Kevin Russell teil. Ihre Gegenredner waren Efkan und Irini, beides zwei vollkommen integrierte und gebildete Ausländer. Stephan zweifelte zu diesem Zeitpunkt zwar schon stark an seiner Einstellung zu Ausländern, war aber teils immer noch in seinen alten Vorurteilen verhaftet. Kevin hatte noch immer das Bild vor Augen, dass Ausländer das wesentliche Problem in seinem Leben seien. Beide konnten jedoch nicht abstreiten, dass die beiden Menschen die da vor ihnen saßen so gar nicht den Türkenschlägern entsprachen, auf die sich ihre bisherigen Erfahrungen mit Ausländern bezogen. Stephan und Irini hätten vielleicht sogar zu einem Konsens kommen können, wäre das Wort nicht immer wieder an das Publikum gegeben worden wo, wie es in Talkshows nun einmal üblich ist, jeder seinen Senf dazu gab ohne auf das zuvor Gesagte wirklich einzugehen. Zudem saßen in der vorderen Reihe zwei Jugendliche aus der rechtsextremen Wiking-Jugend. Keine Skinheads, sondern Kühnen-Anhänger mit Seitenscheitel und in nagelneuen Onkelz-T-Shirts, die jeden Distanzierungsversuch der Band von neofaschistischem Gedankengut endgültig zunichte machten. Kevin verstrickte sich derweil zunehmend in eigene Widersprüche und seine Ausführungen gipfelten darin als er ernsthaft versuchte Ausländer für das verantwortlich zu machen, was in seinem Leben alles schief lief - und das war so einiges.Die Zwänge innerhalb der Skinheadszene wurden den Onkelz zu eng. Sie verstießen in jeder Hinsicht gegen die strenge "Kleiderordnung" innerhalb der Szene, ließen sich ihre Haare wachsen und unterschieden sich auch musikalisch zunehmend von dem was man als typische Skinheadmusik kennt, allein schon dadurch, dass sie zunehmend Gitarrensoli in ihre Songs einbauten. Hierzu steht in der Bandbiographie sehr treffend: "Skinheads wollten singen, grölen, brüllen, nicht die haarlosen Köpfe schütteln." Den endgültigen Schlussstrich unter die Skinheadphase der Band zog ein Konzert am 9. November 1985 im "Berliner Bunker". Zu diesem Zeitpunkt trug außer Kevin niemand aus der Band mehr eine Glatze und auch modetechnisch entsprachen sie nicht mehr den Skinheadregeln. Das Konzert fand vor rund 200 Skinheads statt, die vor der Bühne mit Hitlergruß posierten und das ganze Konzert über "Sieg Heil" und "Ausländer raus" brüllten. Wie schon gesagt waren Neonazis der Band zuwider, und an ihrer ausländerfeindlichen Einstellung begannen sie zunehmend selbst zu zweifeln. Dieses Publikum war nicht mehr das, mit dem die Onkelz etwas zu tun haben wollten. Sie kamen den permanenten Aufforderungen das Lied "Türken raus" zu spielen zwar nicht nach, spielten das Konzert aber dennoch zu Ende. Man muss ihnen an dieser Stelle vorwerfen, dass sie dieses Konzert nicht sofort abgebrochen haben! Nach diesem Konzert, genau am 9. November 1985, beschloss die Band der Skinheadszene endgültig den Rücken zu kehren.In der Zeit von 83 - 85 gaben die Onkelz lediglich vier Konzerte, eines davon in England, die je vor einem Publikum von durchschnittlich 100 Skinheads stattfanden. In den Folgejahren trennten sich die Onkelz zunehmend von der Skinheadszene. Sie versuchten von da an jeden, der auf ihren Konzerten als Rechtsextremist zu erkennen war, aus der Halle zu verweisen. Dies gestaltete sich zunächst noch äußerst schwierig, da diese noch einen deutlichen Anteil der Onkelzfans ausmachten, gelang im Laufe der Zeit aber immer besser, da Neonazis kaum noch auf den Konzerten auftauchten. Seit 1986 distanzierte sich die Band immer wieder unmissverständlich in Interviews, auf Konzertansagen, in Songtexten und durch Benefizaktionen von neofaschistischem oder rassistischem Gedankengut. Unpolitische Skinheads sind aber bis zum Ende fester Bestandteil der Onkelzfans geblieben, und auch Rechtsextremisten traten vereinzelt immer mal wieder auf Konzerten auf und machten dann unangenehme Bekanntschaft mit der Security. Dies liegt nicht zuletzt auch an der öffentlichen Darstellung der Band: Wenn man überall liest, dass diese Band rechtsextrem sei, ist es nur logisch, dass auch Rechtsextremisten das glauben und dann ernsthaft auf den Konzerten auftauchten. Dabei gelten die Onkelz seit Mitte der 80er in der rechtsextremen Szene als Verräter, und es gibt kaum eine Fascho-Band, die nicht auch ein Anti-Onkelz-Lied in ihrem Repertoire hat. Spätestens seit den frühen 90er Jahren kann man die Böhsen Onkelz als professionelle Hard-Rock-Band bezeichnen. 2. Das indizierte Album "Der nette Mann"Das Album "Der nette Mann" wurde 1986 von der BPJS wegen pornographischer und gewaltverherrlichender Darstellung auf die Liste für jugendgefährdende Schriften gesetzt. Insgesamt werden in dem neunseitigen Indizierungsbericht 6 Songtexte beanstandet. Erwähnenswert ist dabei, dass nicht einer dieser Songtexte in dem Bericht fehlerfrei wiedergegeben wird und die falsch wiedergegebenen Textstellen teilweise als Argumentation für die Indizierung herangezogen werden. Zitate aus den Liedern darf ich, da sie auf dem Index stehen, folglich leider nicht angeben. Im einzelnen werden folgende Lieder beanstandet: Frankreich 84: Dabei handelt es sich um ein Fußballlied, welches anlässlich der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich 1984 geschrieben wurde. Stein des Anstoßes an dem Text war das Wort "Frankreichüberfall", welches die BPJS zu einer Kette von Schlussfolgerungen führte, die ich hier einfach mal durch ein Zitat verdeutliche: "Sie stellen damit den Kriegsbeginn mit Frankreich als positiv dar. Nationalsozialistisches Gedankengut, insbesondere die Vorherrschaft und Dominanz des deutschen Volkes werden propagiert. (…) Das französische Volk wird wie Freiwild beschrieben." Nur um es noch einmal zu verdeutlichen: In dem Lied geht es um Fußball, nichts anderes. Diese von der BPJS gezogenen Schlussfolgerungen beziehen sie allesamt auf das Wort "Frankreichüberfall", welches am Ende des Refrains fällt.Fußball + Gewalt: Ein Hooligan-Song, der im Gegensatz zu "Frankreich 84" unbestritten einen äußerst gewalttätigen Text hat. Das Einzige, worüber man unterschiedlicher Meinung sein kann, ist, inwieweit es mit Artikel 5 des Grundgesetztes vereinbar ist gewalttätige Texte zu verbieten. Bemerkenswert ist auch, dass weitaus brutalere englische Songtexte anderer Interpreten, insbesondere aus den Musikrichtungen Death Metal und Rap, von der BPJS völlig unbeanstandet blieben. Der nette Mann: Dieses Lied handelt über einen Kindermörder, und soll darstellen, dass streng genommen jeder freundliche Nachbar ein solcher Unmensch sein könnte. Da das Lied aus der Sicht des Triebtäters geschrieben ist, interpretierte es die BPJS als Aufforderung dazu, kleine Kinder zu töten - dabei beinhaltet der Text eigentlich das genaue Gegenteil und soll auf eben dieses Thema aufmerksam machen.Dr. Martens Beat: Hierbei handelt es sich um ein Lied, dessen gewalttätiger Inhalt ebenso wie bei "Fußball + Gewalt" nicht abgestritten werden kann. Inhaltlich geht es darum, wie jemand mit Stahlkappenstiefeln zusammengetreten wird. Böhse Onkelz: Dem Lied wird nationalsozialistisches Gedankengut unterstellt, allerdings wird nahezu der gesamte Text falsch wiedergegeben. So heißt es im Indizierungsbericht "Wir sind die Herrscher und die Könige der Macht. Wir sind die Macht, also spielt unsere Hymnen." Nur kommen diese Textstellen weder in diesem noch in irgendeinem anderen Onkelzlied vor!Mädchen: In dem Lied geht es um Sex, und damit ist auch schon alles gesagt. Das Lied ist wegen pornographischer Darstellung verboten. Heutzutage laufen im Radio Lieder, die weitaus krassere Texte haben, aber damals war man diesbezüglich wohl noch etwas prüder. Das Lied "Deutschland", welches ich im ersten Abschnitt des Berichtes als Beispiel für dieses Album zitiert habe, wird in dem ganzen neunseitigen Bericht mit keinem einzigen Wort erwähnt. Grotesk ist auch, dass die beiden ausländerfeindlichen Lieder "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen" von der BPJS nie beanstandet wurden, da sie nie auf einem offiziellen Tonträger erschienen sind - sie unterliegen allerdings einer freiwilligen Selbstzensur durch die Band. "Der nette Mann" ist das einzige offizielle Onkelz-Album, welches in Deutschland auf dem Index steht. Die Band hätte gegen den Indizierungsbeschluss eine Einspruchsfrist gehabt, die sie aber unbekümmert verstreichen ließ. Warum hätten sie auch etwas gegen die Indizierung unternehmen sollen, wenn sie ohnehin nichts an dem Album verdienten? Und Rock-O-Rama konnte sich freuen, da der Verkauf des Albums nach der Indizierung erst recht boomte. Man muss allerdings hinzufügen, dass die Onkelz auf ihren späteren Alben ebenfalls Lieder sowohl über Sex als auch über Triebtäter hatten, die nicht beanstandet wurden. Das Album wurde vorrangig deshalb indiziert, weil es zu einer Zeit herauskam, in der die BPJS generell recht eifrig alle Alben als jugendgefährdend einstufte, auf denen provokante Texte enthalten waren. Bemerkenswert ist lediglich, dass die Böhsen Onkelz die einzige Band sind, der man später immer wieder versucht hat daraus einen Strick zu drehen. Wer möchte findet den vollständigen Indizierungsbericht unter http://www.onkelz.de/timeline_dokumente/bps-indizierung.pdf . 3. Richtigstellung einer Auswahl der verbreitetsten Gerüchte über die Band Zunächst einmal muss man sagen, wie es zu der Pressekampagne gegen die Böhsen Onkelz gekommen ist. Bis in die frühen 90er Jahre waren die Böhsen Onkelz außerhalb der Skinheadszene und Teilen der Metalszene kaum bekannt. In den frühen 90er Jahren gab es eine schwere Reihe von Brandanschlägen mit rechtsradikalem Hintergrund, der Schlimmste ereignete sich am 22. & 23. August 1992 in Rostock und gilt bis heute als schlimmster rechtsextremistischer Übergriff in der Geschichte der BRD. Ein Aufgebot von rund 2.000 rechten Skinheads überfiel ein Asylantenheim und steckte es in Brand während die Nachbarschaft, die Feuerwehr und sogar die Polizei zunächst tatenlos zuschaute. Und wie es in der deutschen Presselandschaft leider üblich ist wurde schnell ein Sündenbock gefunden: Weil unter den Tätern auch einige Mitläufer Onkelz-T-Shirts trugen, wurden die Böhsen Onkelz, die seit wenigen Jahren gerade eine professionelle Band waren, als ideologischer Wegbereiter für diese Taten erklärt. Alle Geschichten, die über die Onkelz in den folgenden Jahren erdacht und verbreitet wurden, aufzuzählen würde jeglichen Rahmen sprengen. In den Zeitungen wurden Daten und Namen wild durcheinander geworfen, Songtexte der Onkelz wurden auf rechts uminterpretiert, umgeschrieben oder gleich ganz frei erfunden und man schreckte auch nicht davor zurück Fotos irgendwelcher Neonazis als Bandfotos auszugeben. Im Zusammenhang mit Onkelzkonzerten kam es vor allem in den frühen 90ern häufig zu Gegendemonstrationen durch Linksextremisten, die das Konzert verhindern wollten. Dabei kam es öfters zu Ausschreitungen, für die anschließend die Konzertbesucher verantwortlich gemacht wurden - entgegen der offiziellen Polizeiberichte. Vereinzelt wurde sogar über Krawalle nach Konzerten berichtet, wo gar kein Konzert stattgefunden hat! Viele Vertreter der Öffentlichkeit legten der Band auch nahe einfach ihren Namen zu ändern oder auf englisch zu singen. Inwiefern das Schlüpfen in eine neue Identität ruhmreicher gewesen wäre als eine offene Vergangenheitsbewältigung mag jeder selbst beurteilen. Ich beschränke mich daher auf die 10 meiner Ansicht nach verbreitetsten Gerüchte:- Das wohl verbreitetste Onkelzgerücht ist, dass der Ausstieg der Onkelz aus der Skinheadszene rein kommerzielle Hintergründe hatte. Dabei hat die Band zu diesem Zeitpunkt noch mit keinem ihrer Alben Geld verdient, war öffentlich praktisch unbekannt und die Musik war kaum mehr als ein Hobby. Die Fans bestanden zu dieser Zeit fast ausschließlich aus Skinheads, von denen ein entscheidender Anteil der rechtsextremen Szene angehörte. Zu diesem Zeitpunkt auf die Bühne zu gehen und den eigenen Fans zu sagen: "Wir haben keinen Bock auf euch, verpisst euch!" war aus rein kommerzieller Sicht eher der absolute G.A.U.! Unbestritten ist, dass die Onkelz sicher nie einen solchen Erfolg gehabt hätten, wenn sie in der Skinheadszene geblieben wären. Doch wer das zu der Zeit schon prognostiziert hätte, dem hätte man massiven Realitätsverlust bescheinigen müssen. - Der Ausstieg der Band aus der Skinheadszene wurde zeitlich auf die 90er Jahre verlegt. Es wurde behauptet, dass die Band sich erst seit kurzem vordergründig von der Szene distanziere, dabei distanzierte sie sich seit 1986 immer wieder unmissverständlich.- Auf dem 1992 erschienenem Album "Heilige Lieder" befindet sich ein Lied mit dem Titel "Noreia", in dem es inhaltlich um Sex geht. Die Medien änderten den Titel des Liedes kurzerhand in "Noreira" um, und stellten dann fest, dass das rückwärts gelesen "Arier on" bedeutet. - Beim 1996 erschienen Album E.I.N.S. schlussfolgerten manche Zeitungen, dass die Punkte zwischen den Buchstaben sicher auf eine Abkürzung hindeuten. Da aber keine Bedeutung für diese vermeintliche Abkürzung zu finden war machte die TAZ daraus in kreativem Journalismus "Eigentlich immer noch Skinheads", was auch sogleich von anderen Medien übernommen wurde. Einige wenige übersetzten es auch mit "Einzug in den Nationalsozialismus". Blanke Ironie ist, dass sich gerade auf diesem Album ein Track mit dem Titel "Enie Tfahcstob Rüf Ediona-Rap" befindet. Es handelt sich dabei um ein Instrumentalstück mit gesprochenem Text in der Mitte, den man nur verstehen kann, wenn man das Lied rückwärts abspielt. Dessen Kernaussage lautet: "Wer rückwärtsgesprochene satanische oder faschistische Botschaften auf unseren Platten vermutet, muss ausgesprochen dämlich sein und außerdem unter extremem Verfolgungswahn leiden."- Es gibt unzählige Lieder mit eindeutig rechtsradikalem Inhalt, die angeblich von den Böhsen Onkelz stammen. Dies liegt vorrangig daran, dass es kaum ein Lied irgendeiner deutschen Fascho-Band gibt, welches über die diversen Tauschbörsen im Internet nicht auch unter dem Namen "Böhse Onkelz" zu finden ist. Am hartnäckigsten halten sich diese Gerüchte in Bezug auf zwei Lieder mit den Titeln "Judenrepublik" und "Tausendmal berührt". Insbesondere bei Letzterem ist es allein deshalb lachhaft, da es sich dabei um eines der zahlreichen Anti-Onkelz-Lieder aus der rechtsextremen Szene handelt. - Ebenso gibt es zahlreiche CDs, auf denen der Name Böhse Onkelz steht, die teilweise durch ein rechtsextremes Cover auffallen, oder aber Compilations zusammen mit diversen neofaschistischen Bands sind. Dabei handelt es sich um Bootlegs, also Veröffentlichungen die ohne Einwilligung der Onkelz, und somit illegal, vertrieben werden. Der Großteil dieser "Best Ofs" ist auf das Plattenlabel Rock-O-Rama zurückzuführen, welches im Besitz der Masterbänder zu den ersten drei Studioalben ist. Fakt ist allerdings leider, dass die ersten drei Alben der Böhsen Onkelz auch in der rechtsextremen Skinheadszene bis heute einen regelrechten Kultstatus haben.- Auf ihrem Abschiedsfestival spielten die Böhsen Onkelz das Lied "Der nette Mann", auf welches ich bereits näher eingegangen bin. Daraus strickten manche Zeitungen, dass die Onkelz "verbotene rechtsradikale Lieder" auf dem Konzert gespielt hätten. Dass die Ermittlungen diesbezüglich von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurden, und die Onkelz für das Lied (ausnahmsweise) nicht einmal Strafe zahlen mussten blieb hingegen in sämtlichen Medien unerwähnt. Zudem wurde teilweise über Tote und Vergewaltigungen auf dem Konzert berichtet - eigenartig nur, dass davon im offiziellen Polizeibericht zu dem Festival kein einziges Wort steht. (http://www.polizei.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=117895) - Kevin Russell trug eine Zeit lang ein brennendes, zerbrechendes Hakenkreuz als Tattoo auf der Innenseite des linken Unterarms. Auf einem Schwarz-Weiß-Foto, welches auf Seite 116 der Bandbiographie "Danke für nichts" abgebildet ist, kann man das auf dem ersten Blick aber nicht richtig erkennen, da die Flammen so nicht deutlich sind. Im Internet kursieren unscharf eingescannte Versionen dieses Bildes, auf denen auch die abbrechenden Stücke nicht als solche erkennbar sind - und so wurde aus dem brennenden, zerbrechenden Hakenkreuz kurzerhand ein Hakenkreuztattoo. Wer es überprüfen will muss sich nur eine scharfe Version des Fotos anschauen (so wie es in dem Buch abgebildet ist), darauf ist das Auseinanderbrechen des Hakenkreuzes deutlich zu sehen.- Eine ganz besondere Erwähnung verdient das 2001 ausgestrahle MTV-Masters über die Böhsen Onkelz. Die Redakteurin Leyla Piedayesch begleitete die Onkelz während der gesamten Tour 2000, erhielt Einblick in das Archiv des BOM (Böhse Onkelz Management) und führte zahlreiche Interviews. Heraus kam ein sehr gelungener Bericht - der in dieser Form aber leider nie gesendet wurde. Kurz vor der Fertigstellung entzog man Frau Piedayesch jegliche Verantwortung über den Beitrag und änderte ihn so ab, dass die Band als rechtsradikal dargestellt wurde. Dazu schnitt man Interviews, in welchen die Onkelz entlastet wurden, heraus (darunter eines mit der Ausländerbeauftragten des Landes Bremen, die zusammen mit den Onkelz ein Benefizkonzert für die Opfer rechter Gewalt organisiert hatte) und ersetzte sie durch Interviews mit Leuten, die seit jeher versuchen die Böhsen Onkelz in die rechte Ecke zu drängen, ohne jemals persönlich mit ihnen zu tun gehabt zu haben - darunter die Band "Die Ärzte" und sogar ein Vertreter der NPD. Statements der Bandmitglieder, in denen sie sich von rechtem Gedankengut distanzierten, wurden durch eine nachträgliche Off-Moderation als unglaubwürdig dargestellt. Leyla Piedayesch, selbst Iranerin und somit sicher keine Rechtsextremistin, war über die Änderungen so verärgert, dass sie sich weigerte den Beitrag unter ihrem Namen abzuzeichnen. Die Onkelz antworteten auf die Sendung mit dem Lied "Keine Amnestie für MTV". (Zitat: "Ich zeigte euch die Wahrheit, doch die Wahrheit macht euch Angst. Angst vor der eigenen Courage oder einfach Arroganz.") - Sehr beliebt ist es offenbar, Textstellen der Onkelz aus jedem Zusammenhang zu reißen und dann in einen rechten Kontext zu setzen. So wurden Stellen wie "Auf alte Götter", "Willkommen im Reich der Onkelz", "Ich bin Bomberpilot, ich bring euch den Tod" oder "Lasst uns die Kugeln spüren" einfach ohne jeden Textzusammenhang wiedergegeben - mit dem Hinweis, dass dies typische rechtsextreme Äußerungen der Band seien. Zwei der dreistesten Beispiele will ich abschließend anhand dessen erläutern, dass ich mir erlaube den kompletten Songtext einzufügen, so dass der Kontext deutlich ist, und anschließend das herausgezogene Zitat benenne.Deutschland im Herbst: (Als Intro wird eine Nachrichtenmeldung über die Anschläge in Rostock 1992 eingespielt.)Ich sehe alle gegen alle, jeder gegen jeden. Keine Achtung vor sich selbst, keine Achtung vor dem Leben. Ich sehe blinden Hass, blinde Wut, feige Morde, Kinderblut. Ich sehe braune Scheiße töten, ich sehe dich. Deutschland im Herbst Deutschland im HerbstIch höre weiße Geräusche, rassenreine Lieder, ich höre hirnlose Parolen von Idioten und Verlierern. Ich höre die Lügen der Regierung, die Lüge eures Lebens, die Lüge über uns. Ich höre dich An sich ein eindeutiger Text. In der Berichterstattung hierzu wurde allerdings in der Zeile "Ich sehe braune Scheiße töten" das Adjektiv kurzerhand zum Substantiv gemacht, so dass sie nun lautete "Ich sehe Braune Scheiße töten". Der komplette Rest des Textes, der sich ebenfalls gegen Rechtsextremismus richtet, wurde dabei natürlich verschwiegen. Ähnlich ging es mit folgendem Lied, welches sich in der ersten Strophe gegen Linksextremisten und in der Zweiten gegen Rechtsextremisten richtet.Ohne mich: Antifa - Ihr könnt mich mal. Ich lache über euch, und ihr merkt es nicht mal Ihr kämpft gegen mich, wie lächerlich. Denn euren wahren Feind, den seht ihr nicht. Ihr denunziert, ihr seid schlecht informiert. Moralisch bankrott, dass ihr das nicht kapiert. Ihr seid blinder als blind, Pseudomoralisten, dumm und intrigant, nicht besser als Faschisten.Ohne mich Mich kriegt ihr nicht Ich bin frei wie der Wind Kapiert ihr das nicht Ohne mich Mich kriegt ihr nicht Ich hab´ das dritte Auge Seht ihr das nicht Und hier ein paar Worte an die -rechte- Adresse: Leckt uns am Arsch, sonst gibt´s auf die Fresse. Ich hasse euch und eure blinden Parolen. Fickt euch ins Knie, euch soll der Teufel holen. Ihr seid dumm geboren, genau wie ich. Doch was ich lernte, lernt ihr nicht. Ihr seid blind vor Hass, dumm wie Brot. Ihr habt verschissen, eure Führer sind tot. Dieses Lied wurde vollständig auf die Textstelle "Antifa - ihr könnt mich mal" reduziert. Die Textstelle "nicht besser als Faschisten" wurde verschwiegen, dass sich die zweite Strophe gegen Rechtsextremisten richtet sowieso. 4. Distanzierungen der Band vom Rechtsextremismus Distanzierungen fanden durch Songtexte, Benefizkonzerte und unzählige Stellungnahmen sowohl in Interviews als auch auf Konzerten statt.a) Songtexte: Die Lieder "Deutschland im Herbst" und "Ohne mich" sind die deutlichsten Stellungnahmen der Böhsen Onkelz zu diesem Thema. Darüber hinaus gibt es aber noch zahlreiche Lieder, in denen es zwar nicht unmittelbar um Rechtsextremismus geht, es aber dennoch angeschnitten wird. Dazu fünf Zitate: "Hast nicht viele Freunde und willst die nicht verlieren. Willst die Geschichte wiederholen, willst wieder marschieren." (aus "Hass-tler")"Ich will dich nicht belehren, du bist selber alt genug. Doch es ist traurig aber wahr, das Problem bist du. Die Hölle ist in dir und kein Ort an den man geht. Unsere Hölle schaffen wir, und nicht der, der vor uns steht." (aus "Das Problem bist du") "Demokratie ist nur ein Wort, solang man sie nicht lebt." (aus "Worte der Freiheit")"Ich bade mich in Dummheit, bin ein übler Denunziant. Ich kreuzige mich selbst, und ich bin stolz auf unser Land." (aus "Nenn mich wie du willst") "Es ist nicht gerad´ berauschend, was ich hier seh´. Ich seh´ die Bullen töten Schwarze in LA. Ich seh´ den Krieg in Jugoslawien, den Hass in unserem Land. Wenn ihr etwas ändern wollt, fangt bei euch an. Das "Hier" ist euer Erbe, doch wenn es euch nicht gefällt, dann werdet bessere Menschen und ihr kriegt `ne bessere Welt." (aus "Entfache dieses Feuer")b) Benefizkonzerte Am 01.05.1993 in Geiselwind beim Rock-Gegen-Rechts Am 17.10.1993 in Bremen bei der Rock-gegen-Rechts-Veranstaltung "Mensch" Am 09.03.2001 in Bremen bei der Rock-gegen-Rechts-Veranstaltung "Gegen den Hass"Auf einem Rock-Gegen-Rechts-Konzert in Frankfurt zum Jahreswechsel 92/93 sollten die Onkelz erst auftreten, wurden aber wieder ausgeladen, nachdem andere Künstler sich weigerten gemeinsam mit den Böhsen Onkelz aufzutreten. Darüber hinaus gab es verschiedene Spendenaktionen seitens der Böhsen Onkelz durch T-Shirt-Verkäufe, die zwar nicht unmittelbar mit Rechtsextremismus zu tun hatten, aber mit einer rechtsextremen Ideologie nicht zu vereinbaren gewesen wären - unter anderem für ein Kinderheim in Peru.c) Stellungnahmen: Ich füge hier aus den Jahren 1986 - 1999 jeweils ein Zitat aus einem Interview ein. Die Aussagen stammen, insofern nichts anderes dabei steht, von Stephan Weidner, und sind der Überprüfbarkeit halber alle aus der "Timeline" auf "www.onkelz.de" entnommen. 1986: "Für die Zukunft der Skinbewegung sehe ich einigermaßen schwarz. Zu viele Leute, die früher die Bewegung geprägt haben sind verschwunden, zu viele Leute, die diesen Ruf nicht halten können, sind dazu gekommen."1987: "Man muß sich mal eins überlegen. Wir waren damals, wo es angefangen hat, dabei und haben die ganze Bewegung mit aufgebaut. Und dann siehst du, wie ein paar Idioten die ganze Sache kaputt machen." 1988: "Einer von uns zum Beispiel hat den Wehrdienst verweigert und leistet zur Zeit seinen Zivildienst ab - aus welchen Gründen auch immer. Und da sagt man uns noch ernsthaft nach, wir würden Neo-Faschisten unterstützen oder seien gar selbst welche. Wir sind zwar Musiker, aber keine Idioten!"1989: "Ich meine, wir haben einen ziemlichen Hals auf die Franzosen gehabt zu dieser Zeit, wir haben da so auf die Schnauze bekommen von den Bullen, und das war so ein bisschen Hasstirade auch auf die, das war schon dabei, aber es sollte eigentlich keine Volksverhetzung oder irgendso ein Quatsch sein, damit haben wir nichts am Hut." 1990: (Aus diesem Jahr ist in der "Timeline" kein Zitat zu dem Thema zu finden.)1991: "Wir haben größtenteils auch schwarze Musik gehört, Soul und Ska. Die Politik kam eigentlich viel später in die Bewegung, und zwar zu einem Zeitpunkt, wo wir schon dabei waren - auch aus diesen Gründen - uns von dieser Bewegung zu distanzieren." 1992: Gonzo: "Dass Fremdenhass gestoppt werden muß, ist wohl allen klar, die noch einen vernünftigen Gedanken im Kopf haben!"1993: "Die Vorfälle im letzten Jahr, Rostock, Mölln usw. sind an uns nicht spurlos vorbeigegangen. "Deutschland im Herbst" ist unsere Reaktion auf diese Ausschreitungen, und die Wortwahl zeigt deutlich, was wir davon halten: "Braune Scheiße", das sind diese Chaoten für mich, nicht mehr und nicht weniger." 1994: (auf einem Konzert) "Wer noch einmal den Arm so ausstreckt, kriegt von mir persönlich was auf die Fresse! Unser Konzert ist kein Podium für Rechtsradikale."1995: "Die paar Dummköpfe, die da draußen rumlaufen und irgendwelche Aktionen starten, sind nichts anderes als Handlanger, die nicht merken, dass sie für politische Zwecke eingespannt werden. Mir hat es schon damals an der Skinhead-Bewegung gestunken, dass irgendwann jede Scheiß-Nazipartei meinte, Skins für ihre Zwecke rekrutieren zu müssen - und damit bei einigen Vollidioten auch noch offenen Türen eingerannt hat. Diese Schlägertrupps müssen endlich aufwachen und etwas für ihren Scheißgrips tun." 1996: "Gerade von linker Seite wird immer so getan, als hätten sie die Moral für sich gepachtet, als wären sie auf der richtigen Seite - und vom rein theoretischen Aspekt her will ich denen ja gar nicht Unrecht geben, denn mir ist Faschismus absolut zuwider, und ihn zu bekämpfen ist eine absolut wichtige Sachen. Dann aber mit faschistischen Mitteln zu kämpfen, das lehne ich ab."1997: "Wir haben keinen Bock, uns vor irgendeinen politischen Karren spannen zu lassen - und schon gar nicht vor einen rechten." 1998: "Prinzipiell finde ich 'ne rechte Strömung beschissener als eine linke, mit der ich mich dann doch mehr anfreunden kann. Die Argumente der rechten sind halt ziemlich doof."1999: "Wichtig ist für uns nur, dass unsere Fans wissen, wo's lang geht, dass wir nicht mit rechten Ideologien sympathisieren." 5. Stichpunktartige Zusammenfassung der Kernpunkte- - Die Böhsen Onkelz haben 1980 ein rassistisches Lied mit dem Titel "Türken raus" verfasst. Dieses Lied wurde auf zwei verschiedenen Demotapes in Umlauf gebracht, und bis zum Herbst 1983 mehrmals live gespielt. - Die Böhsen Onkelz haben 1983 ein weiteres rassistisches Lied mit dem Titel "Deutschland den Deutschen" verfasst. Dieses Lied wurde auf einem Demotape in Umlauf gebracht, und im Herbst 1983 einmal live gespielt. - Die Böhsen Onkelz spielten Mitte der 80er Jahre vor einem Publikum, welches zu einem entscheidenden Anteil aus Rechtsextremisten bestand, ohne etwas dagegen zu unternehmen. + - Die Böhsen Onkelz haben sich seit 1986 immer wieder in Interviews, auf Konzerten und durch ihre Songtexte unmissverständlich gegen Fremdenfeindlichkeit und Neofaschismus geäußert. Wer auf Onkelzkonzerten als Rechtsextremist zu erkennen war, wurde der Halle verwiesen. - Die Böhsen Onkelz haben mehrere Benefiz
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10.06.2013 11:40
wow super Bericht
22.07.2011 22:10
Ich liebe die Onkelz und war es immer leid, mich rechtfertigen zu müssen, demnächst kopiere ich nur noch den Link zum Bericht. Tja, mittlerweile hab ich auch einige Probleme mit dem Umgang der Onkelz dank Kevin Russell, aber das ist ja ne andere Kiste. LG
21.11.2010 12:37
in meiner "wilden" Teenie-Zeit bin eine zeitlang auf diese Band abgefahren. Ich gestehe, ich wollte meinen damaligen Freund damit beeindrucken! Als der sogenannte Freund nicht mehr aktuell war, sind die Onkelz ebenfalls in Vergessenheit geraten....