Mein Berufsleben

5  19.04.2007 (01.01.2009)

Pro:
Zwei Kleine Kinder

Kontra:
Verhalten des Arbeitgebers

Empfehlenswert: Ja 

manuelmama

Über sich: Vielen lieben Dank für die tollen Bewertungen!!!!!!! Ziel für 2013: Silber werden! Schaut mal: ...

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Alles mit "B" - heute möchte ich euch von meinem kurzen Berufsleben erzählen.

Ich habe 1998 am Gymnasium in Triberg das Abitur gemacht und daraufhin an der Vorbeckschule eine Ausbildung zur Europasekretärin/Direktionsassistentin gemacht. Als sich diese Ausbildung dem Ende neigte, begann ich mit der Suche nach einer passenden Arbeitsstelle. Mein Mann (damals noch mein Freund) war etwas vorher mit dem Studium fertig und wir hatten beschlossen, hierher, nach Rosenheim, umzusiedeln, wo er auch sehr schnell einen guten Arbeitplatz gefunden hat.

Ich hab mich bei vielen Firmen in Rosenheim und München beworben und bekam eine Absage nach der Anderen. Wie enttäuschend, wofür hatte ich denn 2,5 Jahre wie eine Verrückte Vokabeln gebüffelt, Steno geübt, BWL und Buchführung usw. gelernt? Endlich jedoch klappte es doch. Ich bewarb mich bei einer Firma in München, von der ich die Info bekam, dass diese Stelle schon vergeben sei, jedoch eine andere noch zu haben wäre. Zum Vorstellungsgespräch wurde ich auch eingeladen. Und ich bekam die Stelle als Sekretärin des Logistikleiters. Mein Chef war Franzose, das Unternehmen ist französisch, laut Vorstellungsgespräch mit dem Chef würde ich bei diesem Job meine Sprachen anwenden können und außerdem wurde mir mitgeteilt, dass die Arbeit sehr abwechslungsreich wäre. Der Chef hatte momentan keine Sekretärin, die Arbeit wurde von einer Auszubildenden übergangsweise erledigt.

Voll Vorfreude ging ich also diese Stelle an und wurde aus meinen Träumen und Vorstellungen gerissen. Es war so langweilig, ich hatte nichts zu tun. Aus Langeweile habe ich die komplette Ablage neu sortiert, einen Urlaubsplan für das aktuelle Jahr sowie das Folgejahr erstellt. Es war eine reine Prestigestelle, ein Logistikleiter braucht eine Sekretärin egal ob es nötig ist oder nicht.

Schließlich hab ich mit dem Chef über meine Unzufriedenheit gesprochen. Er versprach, sich darum zu kümmern und ich bekam auch einen neuen Aufgabenbereich: Ich sollte eine der angehörende Marke betreuen, eine englische Marke. Wieder erhoffte ich mir endlich etwas mehr zu tun, damit ich abends zufriedener nach Hause gehen kann und wieder wurde ich enttäuscht, denn es änderte sich nicht wirklich was. Noch dazu verlangte mein Chef, dass ich bis abends um 18:00 Uhr anwesend sein sollte. Morgens war ich als Zugpendler jedoch bereits um kurz nach acht da, also hatte ich schnell jede Mende Überstunden. Aber wehe, man wollte mal einen Tag Urlaub, oder gar mehr als einen Tag, da ging mein Chef auf die Barrikaden. Außerdem konnte man dem Menschen, der während der Arbeit noch seinen Hausbau organisierte und im Büro rauchte wie ein Schlot, nichts Recht machen. Er ist auch mit den Leuten umgesprungen als wären sie alle der letzte Dreck und nur er wäre der jenige der hier was erreichen würde. Nachdem ich schon Magenkrämpfe bekam, weil ich da nicht mehr hin wollte, zog ich die Konsequenz und habe gekündigt. Das war noch in der Probezeit, daher galt nicht die im Vertrag vereinbarte Kündigungszeit von drei Monaten zum Quartalsende, sondern ich konnte schneller verschwinden.

Da ich ja selbst gekündigt hatte war ich logischerweise nicht Arbeitslosengeld berechtigt, deshalb hab ich mich sehr bemüht, schnell eine neue Arbeit zu finden, was mir im September 2001 auch gelang. Diesmal hatte ich es besser erwischt, was den Arbeitsweg betraf, denn die neue Stelle war in einer Firma in Rosenheim.

Ich arbeitete dort in der Export-Abteilung und mein Chef bzw. der Exportleiter war wieder ein Franzose. Bereits am Anfang merkte ich, wie schwierig es werden würde, in dieser Firma Fuß zu fassen. Die Kollegin, mit der ich zusammen arbeiten sollte, traute mir überhaupt nichts zu, und ließ mich nur einfachste Arbeiten machen und ich hatte überhaupt keinen Kontakt zu Kunden. Doch so langsam arbeitete ich mich ein, mit der Hilfer meiner anderen Kollegin, die mir einige ihrer Kunden zur Betreuung abgab. Ich betreute schließlich die Länder Schweiz, Österreich, Skandinavien, Spanien und Südamerika, sowie die meisten Osteuropäischen Länder. Die Arbeit machte sehr viel Spaß, zumal ich auch auf internationalen Messen teilenehmen konnte. So waren wir im Januar in England auf der Messe Toy Fair in Harrogate, einmal war ich auf der Ornaris in Bern und dreimal auf der Christmas World in Frankfurt. Die erste Mitarbeiterin, mit der ich zusammen arbeiten hätte sollen, war in der ganzen Firma sehr unbeliebt. Sie gab sich, wie ich in der Ablage herausgefunden hatte, sogar als Exportleiterin aus, was natürlich nicht korrekt war. Außerdem mitschte sie sich in Dinge ein, in denen sie sich überhaupt nicht auskannte. So haben wir ihr eine Zollprüfung zu verdanken, weil sie den Zollbeamten völlig falsche Informationen weiter gab.

So nach und nach bemerkte ich, dass in dieser Firma viel nach dem Prinzip der Vetternwirtschaft gehandhabt wurde. Irgendwie war jeder mit jemandem gut bekannt oder sogar verwandt. Leitungspositionen waren mit unfähigen Personen besetzt, der Vertriebsleiter Inland zum Beispiel konnte nicht mal mit den leichtesten Office-Aufgaben fertig werden. Er wusste nicht wie man einen Brief schrieb, oder wie man eine einfache Summe in Excel machte. Okay, dafür konnte er gut reden und auch mal das Blaue vom Himmel versprechen.
Mein Chef, der Exportleiter, kümmerte sich nicht um die ganze Welt, wie er es hätte tun sollen, sondern hauptsächlich um sein Heimatland, Frankreich. Alles andere wurde hintenangestellt und schien nicht so wichtig zu sein. Außerdem hatte auch er diese rechthaberische Art an sich, wie schon mein Chef in München.

Doch dann gingen die ersten Probleme los. Die Firma meldete Insolvenz an, unsere Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Es wurde ein Käufer gefunden, und die Exportabteilung hatte Glück. In der "neuen" Firma gab es keinen der Englisch oder Französisch sprechen konnte, daher wurde die Rosenheimer Exportabteilung bis auf die oben beschrieben unbeliebte und unfähige Person übernommen.
Jedoch wurden in anderen Bereichen viele Leute entlassen, vor allem auch in der Produktion. Fast in jedem Büro war auf einmal ein Tisch frei. Die Arbeit blieb jedoch, wodurch sich die Überstunden anhäuften.
Wir bekamen ein neues Computerprogramm, welches von einem der beiden neuen Inhaber selbst geschrieben wurde und ständig ausfiel, die Auslieferung an die Kunden wurde verzögert, es kam zu imensen Verspätungen was natürlich im Saisongeschäft sehr schlecht ist.
Aber ich hatte noch meinen Arbeitsplatz und mittlerweile einen sehr interessanten Kundenkreis, also was wollte ich mehr.


Im April 2005 wurde ich schwanger. Noch erzählte ich in der Firma keinem davon, dazu bin ich ja auch bis zu einem gewissen Grad nicht verpflichtet. Doch dann gingen erneute Gerüchte einer weiteren Insolvenz in der Firma herum. Und so kam es dann auch. Die Geschäftsleitung berief eine Versammlung ein, in der mitgeteilt wurde, dass die Firma nach Österreich (Kufstein) umgesieldelt werden wird und dass die Arbeitsplätze erhalten blieben. Man gaukelte sogar vor, einem Bus für die Arbeiter der Produktion zu organisieren, der diese zum neuen Arbeitsort bringen würde. Es war alles nur Schein. Hätten sie hier gleich die Wahrheit gesagt, wäre vermutlich keiner der Arbeiter mehr gekommen. Ich bin zum Betriebsrat gegangen um mich zu erkundigen, wie es weitergehen würde, denn wie gesagt, es gingen ja gewisse Gerüchte um. Der Betriebsrat, dem ich von der Schwangerschaft erzählt hatte, wusste zu dem Zeitpunkt jedoch auch nicht mehr, vor allem nichts über eine bevorstehende Insolvenz. Ich war nicht sonderlich beruhigt nach diesem Gespräch. Also hieß es abwarten. In der Zwischenzeit war ich auch mal bei einem Anwalt, der mir jedoch keine Hofnungen machen konnte. Nur etwas merkwürdig kam ihm alles vor, als wäre das alles vorgetäuscht, damit die Firma ins Ausland kann und man noch mehr Arbeiter losbekäme.

Schließlich war es so weit. Es wurde Insolvenz angemeldet. Meinem Vorgesetzten hatte ich inzwischen auch von der Schwangerschaft erzählt, er freute sich mit mir.
In der folgenden Zeit wurde ein Mitarbeiter nach dem anderen zum Chef gerufen und über sein Schicksal aufgeklärt. Wieder wurden viele entlassen. Nur mir sagte keiner etwas. Bis ich selbst mal an die Tür der Geschäftsführers klopfte und um ein Gespräch bat. Ich fragten ihn, ob ich übernommern werden würde bzw. wenigstens bis zum Mutterschutz weiter arbeiten könne. Er sagte mir und das werde ich nie vergessen: "Ich sehe keinen Sinn darin Sie weiter zu beschäftigen, Sie können ja nichtmal mit auf die Messen im Januar". Wie ein Schlag traf mich diese Aussage. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern erst gewesen. Das war es also. Man machte Überstunden noch und nöcher, hilft auch mal im Lager mit, ist sich für keine Arbeit zu schade nur dass der Kunde seine Ware bekommt, wird von allen Seiten her gelobt, hat sich keine Fehler zu schulden kommen lassen, und dann kriegt man eiskalt ins Gesicht gesagt, dass es keinen Sinn macht, weiter bei der Firma zu bleiben. Nur weil ich ein Baby bekam. Wie in Trance bin ich zu meinem Arbeitsplatz gegangen. Hab meinen Mann angerufen, hab es meiner Kollegin erzählt. Sonst noch keinem.

Ein paar Tage später, nach dem der erste Schock verdaut war, kam eine Person vom Arbeitsamt. Es wurde erklärt, wie, wann wir uns beim Arbeitsamt melden sollten. Ich bin natürlich auch zu dieser Besprechung gegangen und wurde von mehreren Leute ganz erstaunt angesprochen. Keiner hatte damit gerechnet, dass ich gehen musste. Ich erinnere mich noch an eine Kollegin, die entsetzt war, weil ich gehen musste während eine andere Büroangestellte, die ziemlichen Bockmist veranstaltet hatte in der letzten Zeit, bleiben durfte.

Mein Mann und ich hatten mal überlegt, ob wir wieder zum Anwalt gehen sollten. Wir haben es aber gelassen. Wozu? Es hätte eh keinen Sinn gemacht. In dieser Firma wollte ich nicht weiter arbeiten.

Von meiner Kollegin habe ich erfahren, dass der Geschäftsführer zu ihr bereits nach unserer Hochzeit gesagt hätte, dass mit mir jetzt eh nicht mehr zu rechnen wäre, denn verheiratete Frauen könne man nicht beschäftigen, weil die eh bald Kinder bekommen und dann nicht mehr arbeiten. Übrigens, dieser Mensch hat selbst vier Kinder.
Im Nachinein würde mich nur noch interessieren, ob diese Kollegin gewusst hatte, dass ich nicht übernommern werden würde. Denn es stellte sich heraus, dass sie über ihre eigene Zukunft schon längst Bescheid gewusst hatte und auch die neuen Büroräume in Österreich bereits gesehen ahtte.

In der verbleibenden Zeit habe ich meine Unterlagen in Ordnung gebracht. Ich bat meiner Kollegin an, ihr meine Kunden zu erklären, woran sie jedoch kein Interesse zeigte. Ich hatte in dieser Zeit nicht mehr wirklich Lust zu arbeiten. Ganz miserabel hab ich mich gefühlt, als meine Kollegin zur Weihnachtsfeier gegangen ist, die im Werk bei Nürnberg stattfand und noch zu mir sagte ich soll mit der Übersetzung der Artikelbezeichnung der neuen Artikel beginnen. Ich kam mir vor wie der letzte Mensch, sie geht feiern und ich soll die Arbeit machen wozu sie keine Lust hatte. Bisher hatte ich diese Übersetzung immer gemacht, doch in diesem Jahr nicht.

Ich hab mir meinen Resturlaub und die Überstunden als Freizeit genommen und bin Mitte Dezember das Letzte Mal zur Arbeit gegangen. Zusammen mit einer Kollegin aus dem Einkauf, die auch gehen musste, haben wir noch einen kleinen Umtrunk veranstaltet. Die Kolleginnen haben mir ein schönes Abschiedsgeschenk überreicht. Der Geschäftsführer hat mich ignoriert und nur mit der anderen entlassenen Kollegin gesprochen, der zweite Geschäftsführer hatte es nicht mal nötig zu kommen. Es war ein merkwürdiges Gefühl.

Von meinem Vorgesetzten habe ich ein sehr gutes Arbeitszeugnis bekommen. Dank des Insolvenzverwalters bleibt mein Arbeitsvertrag bis zum Ende des Erziehungsurlaubes bestehen, und ich konnte ihn auch nach der Geburt des zweiten Kindes verlängern. Deshalb muss ich keine Krankenkassenbeiträge bezahlen. Immerhin etwas. Die Frage ist nur, wo finde ich nach der Elternzeit Arbeit. Wer stellt mich ein, nach fünf Jahren Pause und insgesamt nur ca 5 Jahren Berufserfahrung?

In dieser ganzen Zeit zwischen Insolvenzanmeldung und meinem letzten Arbeitstag war ich immer ziemlich am Ende mit meinen Nerven. Jeden Abend musste mich mein Mann beruhigen, wir hatten auch Angst um unser Baby. Aber es ging alles gut und im April 2005 kam unser kleiner Manuel dann zur Welt.

Und ich kann sagen, ich fühle mich in meiner neuen Aufgabe als Mutter zweier aufgeweckter Jungs sehr wohl und kann mir nichts anderes mehr vorstellen. Ich habe in der Zwischenzeit eine Ausbildung zur Tagesmutter gemacht und hoffe, dass ich in diesem Bereich bald Fuß fassen kann. Schließlich sind Kinder das Wichtigste was wir haben, ohne Kinder gibt es keine Zukunft und ich bin stolz darauf, mich um meine Kinder kümmern zu dürfen und auch finanziell die Möglichkeit zu haben, die vollen drei Jahre Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen zu können.

Das Einzige was mich wirklich interessieren würde, ist, ob mir auch gekündigt worden wäre, wenn ich nicht schwanger gewesen wäre, oder ob das nur als guter Grund benutzt wurde. Aber das werde ich wohl nie erfahren.

Mittlerweile habe ich noch genau ein Jahr bis zum Ende des Erziehungsurlaubes. Wenn alles so klappt wie ich das möchte, werde ich im Herbst ein Studium beginnen und dann mal sehen, wie es weiter geht!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mungi60

Mungi60

23.12.2012 17:10

Ich bin heilfroh, dass ich so etwas nie durchmachen musste. Gruß Achim

tomrot

tomrot

28.03.2010 20:24

Was passr am besten zu "Alles mit B" natürlich noch ein B und ein H. lg tomrot

Diehexe007

Diehexe007

23.01.2009 14:25

Was willst du denn dann Studieren? Viel Erfolg dabei..

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