Grauzone 1: DOPPELGÄNGER
17.01.2003 (10.07.2003)
Pro:
Unbeglaubebal
Kontra:
. . ask yourself
Empfehlenswert:
Ja
 Rotha
Über sich:
Ich brauche Urlaub von Ciao. Ergo ist CIS deaktiviert. Ciao, bis demnächst vielleicht.
Mitglied seit:19.05.2002
Erfahrungsberichte:18
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Für w.gruentjens. Wir sitzen in seinem kleinen Büro, wie wir es immer nach einer Behandlung tun, um noch einen Kaffee zu trinken und eine Zigarette zu rauchen. Er wirkt sehr nachdenklich heute, nicht so lustig und humorvoll, wie ich es von ihm gewohnt bin."Stimmt etwas nicht mit dir, Claas?" "Doch, doch, Es ist soweit alles O. K. Nur, es ist da etwas passiert...." "Ärger zu Hause?" "Nein, nein, das ist es nicht, es ist etwas anderes. Ich.....ich fürchte, selbst du wirst es mir nicht glauben." "Na los, spuck es aus!" Claas Pedersen ist ein ehrenwerter Mann. Das sagen alle, die ihn schon lange kennen. Er ist einer von denen, die mit beiden Beinen im Leben stehen; er ist überaus korrekt, ein hervorragender Handwerker und alles andere als ein Spinner. Claas ist Zahnarzt und seine Praxis liegt nur wenige Schritte von seiner Stammkneipe entfernt, in der er gerne nach getaner Arbeit noch ein Bierchen trinkt."Es war unten bei Paula, ich wollte noch schnell ein Bier trinken. Robert war da, Renate war da, na ja, alle die wir so kennen. Ich habe gesessen, wo ich immer sitze. Du weißt schon, vorne am Tresen gegenüber vom Spiegel. Ich habe mit Paula und den anderen ein wenig geklönt. Eigentlich war alles so wie es immer ist.“ Paula heißt die Wirtin unserer Stammkneipe. Und dort spielt auch die Geschichte, die er mir erzählt. Es ist eine Geschichte, die so unglaublich klingt, daß man meinen sollte, er hätte zu tief ins Glas geschaut. Nur, Claas ist kein Säufer. Ich habe ihn noch nie betrunken gesehen, das dürfen Sie mir glauben."Wie gesagt, wir haben geklönt und dann hat sich links neben mir jemand auf den freien Hocker gesetzt. Hörst du mir gut zu?“ „Natürlich Claas". "Plötzlich fragt Robert, warum ich mich denn umgesetzt hätte, aber ich schwöre, ich habe mich nicht umgesetzt. Ich saß auf meinem alten Platz. Was redest du da Robert, habe ich gesagt. Er hat nicht reagiert." "Dann wird sich Robert wohl getäuscht haben." "Ich fürchte nein .... ich habe es nicht gleich gemerkt, aber als ich in den Spiegel schaute....ich saß nicht mehr auf meinem Platz.." "Das ist unmöglich, Claas, du wirst dich umgesetzt haben, ohne es zu merken." "Nein, ich schwöre es, ich habe nicht die Hocker getauscht" Seine linke Hand, in der er die Zigarette hält, zittert leicht. "Er...... ich..... ich meine, das, was neben mir saß, berührte leicht meinen Arm und fragte ob ich ein Bier möge. Versteht du, was ich sagen will?" "Nein, Claas. Wer denn nun? Du? Oder er? Oder wer?" "Er. Verdammt noch mal, er! Oder meinethalben ich!" "Willst du damit sagen..." "Ja, das will ich. Ich saß neben mir." "Claas, bitte. So etwas gibt es nicht. Dir sind die Pferde durchgegangen." "Ich habe in meine Augen gesehen, in mein Gesicht! Er hat mich angelächelt und gesagt, ich solle nicht beunruhigt sein, es sei nun einmal so. Ich habe zu Renate rüber gebrüllt, sie solle mir sagen, daß es nicht wahr sei, aber sie hat mir nicht geantwortet, sie hat mich nicht gehört, sie hat mich nicht einmal angesehen. Sie hat zu ihm rüber geschaut und gefragt ob sie morgen einen Termin bekommen könne." "Ich kann das nicht glauben, Claas."Er zündet sich mit einer nervösen Bewegung eine neue Zigarette an, ohne zu merken, daß die andere im Aschenbecher noch glimmt, greift in seine Brieftasche und legt einen fast neuen Hundert-Mark-Schein auf den Tisch.. "Ich fragte ihn, was er mit mir gemacht habe. Er lächelte nur und hob sein Glas." "Sie hören dich nicht, mein Freund, hat er gesagt, sie sehen dich auch nicht. Auch du siehst dich nicht, denn ich bin du, und du, mein Freund, bist ich. Stoßen wir `drauf an, sagte er". "Einmal angenommen, deine Geschichte stimmt. Wie willst du sie beweisen?" "Hör zu wie es weiter geht. Er wandte sich jetzt Robert zu und unterhielt sich mit ihm über unsere Frauen. Verstehst du! Er unterhielt sich mit Robert über meine Bea und über Roberts Sigrid! Er wußte alles, alles aus Roberts, meinem und Beas Leben. Verdammt noch mal, wenn du so willst, alles,was uns betraf! Ich habe ihn gefragt, woher er es wisse und was mit mir geschehen sei. Es sei so, antwortete er wieder, und ich müsse meinen Hundert-Mark-Schein heute nicht mehr anbrechen. Dann bat er Paula um die Rechnung, zahlte mit seinem Hundert-Mark-Schein, steckte das Wechselgeld ein, stand auf und ging.""Eine merkwürdige Begebenheit." "Als ich in den Spiegel sah, saß ich auf meinem Platz, ich hatte ihn ja nicht verlassen. Renate grinste rüber und meinte, ich hätte wohl heute Hummeln unterm Hintern. Du kennst ja ihre Art. Ich war völlig von der Rolle, glaub mir, ich konnte es nicht begreifen, ich wollte nur noch nach Hause. Ich bat Paula um die Rechnung und die sagte, daß ich doch gerade gezahlt hätte." Aber das beweist doch Deine Geschichte nicht". "Am nächsten Tag kam Renate pünktlich zur Behandlung. Ihr Termin war in meinem Kalender eingetragen. Aber nicht von mir." Er reicht mir den Kalender hinüber. Es ist nicht seine Handschrift und auch nicht die Handschrift einer seiner Mitarbeiterinnen.Als ich Paula fragte, meinte sie, es sei richtig; Claas habe nur ein Bier getrunken, merkwürdigerweise aber zwei Biere bestellt und auch bezahlt. Er habe sogar zweimal zahlen wollen. Sie wisse ganz genau, daß sie seinen Hundert-Mark-Schein gewechselt, den Rechnungsbetrag in die Kasse gelegt und daß sie alles per Kassenbuchung erfaßt habe, und sie konnte sich erinnern, zwei nebeneinander stehende leere Gläser abgeräumt zu haben. Neben Claas habe auch niemand gesessen. Daß er die Hocker gewechselt habe träfe auch zu. Sie habe aber keinerlei Erklärung dafür, daß der Buchungsvorgang bei der abendlichen Abrechnung nicht mehr vorhanden gewesen sei und auch der Rechnungsbetrag gefehlt habe. Diese Geschichte hat sich im Jahre 1994 zugetragen. Renate war Leiterin einer Bankfiliale. Sie wurde 1995 zu einer Strafe von zwei Jahren mit Bewährung verurteilt, weil sie Bankgelder in erheblichem Umfang unterschlagen hatte. Robert hatte 1995 in Italien einen schweren Autounfall und sitzt seither im Rollstuhl. Paula haben wir 1995 beerdigt. Sie starb an Krebs. Claas Pedersen hat seine Stammkneipe nie wieder betreten. Er begann ein neues Studium und ist heute Pastor in einer kleinen norddeutschen Gemeinde. © Rotha 12.02 Publ.: Talkon, Ciao, IJ
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30.08.2003 10:48
Jetzt sitze ich da mit einer Gänsehaut und erinnere mich an einen Traum, von dem ich mir wünschte, er wäre wahr gewesen. Vielleicht war er es. Auch wenn es nur eine Geschichte war, Geschichten schreibt die Wirklichkeit oder?Liebe Grüße in den Norden von Suvi
11.08.2003 13:14
außergewöhnlich erzählte geschichte, die mich sogar ein wenig an ein buch erinnert, das ich zur zeit lese - wirklich gut...mfg thomas
07.08.2003 22:22
wow! geniale geschichte. so gut, dass du *malnachuntenblinzelt* ja richtig für verwirrung gesorgt hast :-)ich bin beeindruckt. ehrlich!