Der Tod fährt mit (in Memory for Bibe)

1  30.01.2003

Pro:
-

Kontra:
Entsetzen,Trauer, Schock,

Empfehlenswert: Nein 

Mr.Crash

Über sich:

Mitglied seit:24.11.1999

Erfahrungsberichte:291

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 25 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der Tod fährt mit ( in Memory for Bibe)

Die Geschichte, die ich hier erzählen möchte, liegt zwar schon einige Jahre zurück, aber auch heute noch ist diese Aussage immer noch zutreffend. Noch heute, 25 Jahre danach, höre ich jedes Wort, das wir damals gesprochen haben, sehe ich jedes Gesicht, das mit Tränen in den Augen in die Erde blickte, noch heute nach 25 Jahren weiß ich jede Geste des Trostes, die wir uns gegenseitig nahe brachten.
Noch heute nach 25 Jahren sehe ich den Erdhügel, der einen meiner besten Freunde für immer unseren Blicken entzogen hat.

In Memory for Steve Lawry – Bibe (Name geändert)

Der Traum vom Fahren liegt in dem Menschen schon immer im Blut.
Bereits als Jugendlicher, beginnt es. Zuerst, in sehr jungen Jahren, freut man sich wenn man den ersten Tretroller bekommt, dann wenige Jahre später, das erste Fahrrad, mit dem man schon tolle Geschwindigkeiten erreichen kann. Nicht auszudenken, wie es ist, wenn man noch einen Tachometer dazu bekommt, um zu erkennen, nun fahre ich mit dem Rad bereits 25 km/h schnell. Schneller wird es mit dem ersten Mofa, hier sind schon 30 km/h und mehr drin.
Dann wird man 16, damals war’s jedenfalls so, das erste Kleinkraftrad mit 80 Kubik Hubraum, im Volksmund nur die 80er genannt, durfte man Lenken, wenn man die erforderliche Lizenzprüfung erfolgreich abgelegt hatte.
Nun war man in der Clique bereits der absolute Star, der „Mädchenschwarm“, alle standen um einen herum.
Alle begutachteten die „neue Maschine“, die gut und gerne bereits 80 Km/h und mehr lief.
Alle sahen nur die Maschine, keiner sah, daß auf dem Soziussitz, bereits ein ungebetener Gast Platz genommen hatte – DER TOD !
Der Rausch der Geschwindigkeit, brachte schon so manchen von uns zu Fall, immer wieder jedoch ging es glimpflich aus und außer Blechschäden und leichten Schrammen kamen immer alle Beteiligten relativ unbeschadet davon.
So nach und nach vermehrten sich die 80er, in der Gruppe und man summierte sich zu einer kräftigen Einheit zusammen. Man brach aus der Gesellschaft aus, und nannte sich Rocker, die üblichen Rangeleien unter einzelnen, rivalisierenden Gruppen blieb auch nicht aus.
So wurde man langsam 18 und die Gedanken an schnellere, größere Maschinen wurden immer Realer.
Die ersten großen Maschinen, ließen nicht lange auf sich warten, bereits einen Tag nach dem 18ten fuhren die ersten diese schnellen, teilweise unberechenbaren Straßengeschosse. Auch mein Freund Stevens (genannt Bibe) konnte schon einige Zeit vor mir diese schnelleren Geräte fahren.
Bereist jetzt kristallisierte es sich heraus, daß man mit diesen Maschinen nicht mehr nur Schrammen davon trug, hier passierten bereits die ersten harten Crash’s, die ersten gefährlichen Stürze, die ersten Brüche waren die Folge.
Doch keiner von uns beachtete die Gefahr, die sich auf unserem Sozius breit machte – DEN TOD!
Niemand hörte die Worte, die zur Vorsicht mahnten, wir waren unzerstörbar, welcher Irre Glaube.
Ich also noch auf der 80er, während mein Bibe bereits die etwas schnellere 250er fuhr. Bald darauf wurde es die 350er. Wie sich die Kraft der Maschine erhöhte, so wurde die Gefahr um das Hundertfache erhöht – und keiner merkte es.
Die Sucht nach Geschwindigkeit war zu groß, zu gewaltig um sich Vorsichtig zu benehmen.

Dann kam der Tag, den ich nicht mehr vergessen kann, auch nicht will, dieser Tag hat für viele von uns, alles geändert.
Es war auch noch ein besonderer Tag, mein 18ter Geburtstag, vielleicht hat sich deshalb dieser Tag so in meinen Kopf gebohrt, daß dieser Teil für immer fest geschweißt ist, ich weiß es nicht.
Alles war an diesem Tag Happy, ich wurde 18 mein Schein zum Führen von Krafträdern lag schon bereit, um am nächsten Tag in Empfang genommen zu werden.
Die Maschine war schon so gut wie gekauft, und ich freute mich schon riesig auf die erste Fahrt, mit dem neuen 250er Geschoss.

Doch alles sollte anders kommen....................

Wir feierten also den 18er recht gut und hatten jede Menge Spaß, viel Fan würde man heute sagen.
Bibe wollte am nächsten Tag ein kleine Spritztour mit einigen Freunden unternehmen und ging deshalb schon ziemlich früh von der Party.
„Hey Bibe, Alter“, sagte ich noch, „pass auf Dich auf, nicht daß wir Dich von der Mauer kratzen müssen“, „Logo, wird schon werden“ war die Antwort.
So gingen wir auseinander und keiner dachte daran, daß wir uns nie mehr wieder sehen würden – nicht mehr in diesem Leben.
Am nächsten Morgen holte ich den Schein und meine „Mühle“ ab, die erste Tour war fällig, alles bombastisch, klasse, stark, geil ..........
Da ich in der Nacht arbeiten musste, wurde noch ein wenige herumgefahren und ich freute mich meine Maschine, am Abend, Bibe zu präsentieren.
Da wir auch im gleichen Betrieb arbeiteten, wusste ich daß ich Ihn am Abend auf jeden Fall treffen würde.
Ich wartete auf Ihn, doch wer nicht kam, war Bibe, wo war er???
Eine Stunde später, wurde es zur traurigen Gewissheit, Bibe war mit seiner Maschine im Alter von 20 Jahren, bei der Rückfahrt von seinem Ausflug in einer Baustelle von der Straße abgekommen und mit über 120Km/h in die Absperrungen gerast, keine Chance den herum fliegenden rot - weißen Absperrbrettern zu entkommen. Eines davon wurde aufgewirbelt und zerfetzte Ihm die Brust und die Lunge.
Keine Chance zum Überleben lies Ihm der ungeliebte Beifahrer – DER TOD!

Fast 200 Motorradfahrer und ihre Maschinen gaben IHM das „letzte Geleit“, erwiesen BIBE die „EHRE“

Noch heute, fast 25 Jahre nach diesem Erlebten, fahre ich noch bei Ihm vorbei und Lege eine Blume hin, oder sage „nur“ mal Hallo...........

In Memory for Bibe

Motorradfahren, eines der gefährlichsten Hobbys, die es gibt!
Freunde des Zweiradsportes, Bitte fahrt Vorsichtig und denkt beim Fahren daran, daß es Menschen gibt, die EUCH wieder zu Hause erwarten!
Denkt daran, daß man nur „ein Leben“ hat, werft es nicht so leichtfertig weg!

Vergesst nicht den ungewollten Mitfahrer auf dem Sozius – DEN TOD!

© Mr.Crash in Memory 2003


Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
mamamela

mamamela

21.02.2003 13:50

Ausenstehende können dieses erlebnis wohl schwer kommentieren. Deshalb laß ich es lieber, da ich auch noch nie in einer derartigen Situation war. lg mela

zitrol

zitrol

18.02.2003 11:20

. . . . . . .

chyna1

chyna1

31.01.2003 15:28

So traurig Dein Bericht auch ist, er ist s.h. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich hatte vor 9 Jahren einen schweren Unfall und verlor meine damalige beste Freundin und mein Freund und es tut heute noch sehr weh. Evtl. sollte ich hier mal meine Geschichte veröffentlichen, denn darüber reden kann gut tun, schreiben vielleicht auch. Alles gute wünsche ich Dir von herzen. Grüssle Katja

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 196 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. antje123
  2. Karobi
  3. mamamela
und weiteren 22 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.