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DDR - EIN MÄRCHEN AUS URALTEN ZEITEN ... (?)

5  09.05.2006 (14.12.2010)

Pro:
nicht alles war wirklich schlecht, einiges sogar erhaltenswert

Kontra:
die wirklich schrecklichen Seiten des Arbeiter -  und Bauernstaates

Empfehlenswert: Ja 

modschegibbchen

Über sich: DANKE CIAO; DIE MEINPAKET.DE-SCHWEMME SCHEINT GEBANNT...

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Hallo,

beim Abarbeiten des CIS hatte ich in letzter Zeit immer wieder mal einen Fragebogen über die ehemalige DDR gelesen, in denen verschiedene Mitglieder hier über ihre Erinnerungen an und ihre Ansichten über die ehemalige DDR niedergeschrieben haben. Diese Berichte, auch wenn ich manche Dinge in dieser Hinsicht anders sehe oder erlebt habe, so fand ich das, was ich in den Berichten lesen konnte, interessant und lesenswert. Aber auch die Diskussion, die sich den Berichten in den Kommentaren anschloss, war spannend, weil sie viele Meinungen widerspiegelt. Besonders die Antworten und Kommentare, die ich bei DagSonja gelesen habe mich veranlasst, die Fragen auch zu beantworten.

Einige wissen es ja, ich hatte die meiste Zeit meines Lebens in Leipzig gelebt. Habe also auch meine Erfahrungen in der DDR gemacht und meine Erinnerungen an diese Zeit sind noch immer präsent.


1. KOMMST DU AUS DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN, WENN JA, WOHER?
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Gut, ich lebe inzwischen seit fast 5 Jahren n Wiesbaden und fühle mich hier auch sehr wohl. Aber geboren wurde ich in Riesa, bin aber bereit kurz nach meiner Geburt mit meine Familie nach Leipzig gezogen. Dort hatte ich dann fast 37 Jahre gelebt – bin also ein waschechter Sachse.

2. WIE ALT WARST DU ALS DIE WENDE KAM UND WIE HAST DU SIE ERLEBT?
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Als die Wende kam war ich 25 Jahre alt und meine Tochter gerade 4 ½ Jahre alt. Auch allein erziehende Mutter hatte man in der DDR viel zu tun und ständig Stress. Mütter haben überall in der Welt unabhängig vom gesellschaftlichen System zu tun. Der 9.11.1989 – habe mal im Outlook geblättert - war ein ganz normaler Donnerstag. Wie immer hatte ich früh meine Tochter in den Kindergarten gebracht, bin im Stechschritt zur Straßenbahn um pünktlich um 6.45 Uhr im Betrieb zu sein. Ich arbeite Vollzeit, nach Dienstschluss schnell wieder in den Kindergarten, Kind abholen, langsam nach Hause durch den Park nach Hause spaziert – unterwegs noch ein paar Einkäufe. Zu Hause dann mit meiner Tochter gespielt oder mit ihr gemalt, mit ihr Abendbrot gegessen, frisch gewaschen und bettfein Sandmännchen geguckt und mich nachdem ich meine Tochter ins Bett gebracht hatte erst um den Haushalt gekümmert und dann an meine Hausaufgaben gemacht und m Selbststudium für mein Fernstudium gelernt. Die Woche drauf waren wieder 4 Tage Vorlesungen angesagt, da musste ich was tun. Vom Fall der Mauer hatte ich eigentlich erst einmal nichts mitbekommen. So gegen 22 Uhr kam meine Mutti rüber zu mir – sie wohnte über die Straße – und war fix und fertig. Sie hatte immer wieder im Fernsehen die Nachrichten geschaut, weil sie es einfach nicht glauben konnte. Sie hatte geweint und war sich sicher, dass sie die Grenzen am nächsten Tag wieder zumachen würden. Ich hatte keinen Fernseheran udn wusste damals von nichts.

Ich hatte damals auch nichts wirklich dran geglaubt, dass die Genossen das für immer so lassen wollten. Es war ungeheuerlich. Am nächsten Tag war irgendwie alles anders, im Betrieb fehlten viele, weil sie bereits in irgendeiner Trabbi-Karawane gen Westen zum „Nur-mal-gucken“ waren. Die Möglichkeit zum Ganzwegziehen in den „Westen hatte in meinem näheren Umfeld damals eigentlich niemand genutzt. Lustig war es dann allerdings in der darauf folgenden Woche. Von unserer Studiengruppe – ca. 25 Leute von überall her aus der DDR – fehlten schon mal ca. 50 Prozent und vom Lehrerstamm war nur noch einer da: der Lehrer für Marxismus-Leninismus. Der mimte dann da Allround-Talent und sollte alle anderen Fachbereiche vertreten – von Wirtschaftsmathe über Betriebsökonomie bis hin zur Buchführung.

Eine wahnsinnig spannende, aber irgendwie auch komische (nicht im Sinne von "witzig") Zeit. Vieles hatte sich damals in relativ kurzer Zeit mit wahnsinnigen Schritten verändert. Auch nach dem 9.11.1989 war nichts mehr so wie es mal war. Als wir, gute Freunde und meine Lieblingstante mit meinem Lieblingsonkel sich immer wieder Montagabend bei den Montagsdemos in der Leipziger Innenstadt trafen, ahnten wir zu keiner Zeit, dass das alles doch irgendwie so schnell gehen würde. Während der Montagsdemos waren sicherlich die fehlende Reisefreiheit und das geteilte Deutschland auch Themen, aber ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass es die Wut der Menschen auf den Staat, der sie einsperrte, die Stasi, die sie schikanierte und bespitzelte, und die Aussicht, dass sich das nicht so schnell ändern wird, die Hauptmotivation vieler war, die sich Montag für Montag in der Innenstadt trafen. Ich war nicht von Anfang an bei den Montagsdemos, aber als ich durch Zufall im Büro aus dem Fenster sah und die Panzer- und Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei vorbei in Richtung Innenstadt fahren sah, war ich so entsetzt, dass ich sagte, das kann doch nicht wahr sein. Was wollen die denn noch für Scheiß anstellen um uns hier zu behalten? Unsere damalige Staatsführung nahm für sich in Anspruch, Verfolgte des Naziregimes und friedliebend zu sein, und hetzen jetzt schwerbewaffnete Polizisten gegen die eigene Bevölkerung? Undefinierbare Irrsinn! Unverständlich, weil von den Demonstranten und auch dem Pfarrer der Nikolaikirche immer wieder gesagt wurde „Keine Gewalt“. Von da ab, habe ich mich mit Freunden abgesprochen, und wir hatten wechselseitig an den Montagen auf die Kinder aufgepasst – einer war immer dran, das wechselte jede Woche, und der Rest ging montags zur Demo. Ich will heute noch nicht daran denken, was passiert wäre, wenn man uns „geschnappt“ hätte. An dem „berühmt-berüchtigten“ 9. Oktober, kurz nach dem letzten Republiksgeburtstag, den die „glorreiche“ DDR feiern durfte, hatte ich die Kinder zu hüten und war nicht in der Leipziger Innenstadt. Damals ahnte keiner, dass Mielke bereit war den Schießbefehl zu erteilen.

Komischerweise bin ich erst Wochen später zusammen mit meiner Tochter Richtung Westen gefahren – zum Gucken. Liegt vielleicht daran, dass ich schon damals Panik vor Massenaufläufen und Menschenmengen gehabt hatte... Außerdem stand bald fest, die machen die Mauer nicht mehr wieder zu - dastraun die sich nicht! -, man konnte sich Zeit lassen...

3. WAS WAR DEINER MEINUNG NACH GUT IN DER DDR?
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Auch wenn der Satz schon ziemlich abgenutzt wurde, so trifft er auch heute noch den Kern: Nicht alles war schlecht in der DDR und es hätte genug gegeben, dass es auch wert gewesen wäre, dass man sich mal in Ruhe hätte überlegen sollen, ob man nicht das eine oder andere hätte übernehmen können. In typisch deutscher Manier hatte man damals alles schnell, zu schnell einfach als schlecht bezeichnet und über Bord geworfen. In den Jahren nach der Wende sind viele Dinge wieder aufgetaucht – mit anderen Namen vielleicht – über die man sich dann lang und breit die Köpfe heiß diskutiert und deren „Neuerfindung“ uns hier in Deutschland viel Zeit, Geld und Nerven kosten.

Zu den Dingen, die in der DDR gut waren zählt folgendes, auch wenn wir heute wissen, dass die Genossen sich das eigentlich finanziell nicht leisten konnten:

1. Kinderbetreuung

Als ich nach einiger Zeit wieder arbeiten gehen wollte, bekam ich einen Krippenplatz in einer Kindereinrichtung, die von früh 6.00 Uhr bis abends 18.00 Uhr das ganze Jahr über – ohne Betriebsferien, in denen ich mich alleine um teuren Ersatz kümmern musste – geöffnet hatte. Diese war liebevoll eingerichtet, kindgerecht gestaltet und hatte einen wunderschönen Garten hinterm Haus und einen Park mit 2 Spielplätzen vor dem Haus, 3 Mahlzeiten (Frühstück, Mittag, Vesper). Als meine Tochter 3 Jahre als war, kam sie in den Kindergarten. Gleiche Betreuungszeiten, 2 Mahlzeiten (Frühstück brachen die Kinder mit in den Kindergarten). Ganzstagsbetreuung im Vorschulalter war damals kein Thema, heute streiten sich die Parteien, wer denn zuerst auf diese Idee gekommen wäre – und davon wird nicht ein einziger Betreuungsplatz geschaffen.

Sicherlich war es auch zu DDR-Zeiten nicht unbedingt selbstverständlich, dass jedes Kind schon einen Krippenplatz bekommen konnte, wenn die Eltern das wollten. Auch da gab es Auswahlkriterien – Alleinerziehende oder Eltern im Schichtdienst wurden bevorzugt. Aber spätestens ab dem 3. Lebensjahr, wenn der Wechsel von der Krippe in den Kindergarten erfolgte, standen ausreichend Kindergartenplätze zur Verfügung. Für die Betreuungskosten mussten die Eltern keine Bank überfallen, um sie bezahlen zu können, sondern man bezahlte lediglich ein anteiliges Essengeld – die Höhe richtet sich danach, ob das Kind vor oder nach dem Vesper abgeholt wurde.

Und was für mich als Mutter am wichtigsten war: Während ich arbeitet, war mein Kind in guten Händen – konnte mit Gleichaltrigen spielen, bekam regelmäßig seine Mahlzeiten, hatte genügend Zeit zum spielen, kam regelmäßig an die frische Luft und auch Mittagsschlaf war kein Problem. UND meine Tochter fühlte sich wohl. Kindgerechte Betreuung ohne politische Zielvorgaben, wie es oft unterstellt und behauptet wurde.


2. Bildungswesen

Das Prinzip der Polytechnischen Oberschulen – vergleichbar mit den heutigen Realschulen – war bis auf einige wenige Dinge in Ordnung und was das Vermitteln von Wissen anbelangt wesentlich besser geeignet als das heutige Schulsystem. Die Schulen hießen nicht umsonst „Allgemein bildende...“, denn genau das war es auch. Die Schüler bekamen eine allumfassende gute und solide Allgemeinbildung. Wenn ich mir heute so manche Umfrageunter Jugendlichen ansehe, bei der es um Allgemeinwissen geht, stehen mir die Haare zu Berge. Hey, Computer & Playstation ist nicht alles!

Ein Vorteil des damaligen Schulsystems war auch der, dass von Rostock bis zum Fichtelberg in der gesamten DDR der gleiche Unterrichtsstoff an den Schulen mit einheitlichen (also überall gleichen) Schulmaterialien (Lehrbüchern, Nachschlagewerken, ja sogar Taschenrechner als es sie dann endlich gab) vermittelt wurde. Auch die Frage in den Abschlussprüfungen waren in der gesamten DDR identisch. Dass hat nichts mit Einheitsbrei und sozialistischer Gleichmacherei zu tun, sondern machte es möglich, die Leistungen und das Wissen der Schüler innerhalb eines Landes vergleichbar zu machen. Man konnte als feststellen, ob die Küstenbewohner den Unterrichtsstoff besser oder schlechter beherrschten als die im Thüringer Wald oder in Berlin. Heute sind die Lehrpläne und auch die Unterrichtsgestaltung Sache der Bundesländer – jedes Bundesland hat da uneingeschränkte, aber nicht immer sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten, bei denen eher das Interesse der Lobbyisten (wie Schulbuchverlage etc.) im Vordergrund stehen als das Vermitteln von Wissen oder der Bildungsstand unserer Jugendlichen. Spätestens wenn ein Schüler innerhalb eines Schuljahres von einem Bundesland in ein anderes umzieht, kommt das ganze Dilemma der Kleinstaaterei in Deutschlands Bildungslandschaft voll zur Geltung, denn die nun neu zu besorgenden Lehrbücher sind dabei noch das kleinste Problem. Im Extremfall kommt der Schüler in der Schule nicht mehr mit, weil der Lehrstoff und dessen Vermittlung kaum konvertibel sind.
Heute denkt Bundesbildungsministerin Schawan, sie hätte was besonders Fortschrittliches erfunden, indem sie sich für eingeitliche Schulbücher ausspricht - udn ihre Meinung verteidigen muss. Eigentlich Schnee von gestern, gabe es alles schon mal, allerdings in einem anderen System...

Apropos Schulbücher: Hat sich die jemals jemand aus den alten Bundesländern angesehen? Ach hier stelle ich die kühne Behauptung auf, dass die in der DDR benutzten Schulbücher wesentlich geeigneter waren, Wissen zu vermitteln als mit denen heute. Hier lassen wir mal Staatsbürgerkundebücher außen vor. Auch die Lehrmittelfreiheit, d.h. Schulbücher wurden kostenlos zur Verfügung gestellt, war gut...

Auch die Diskussion über Ganztagsangebote in deutschen Schulen nehmen sicherlich alle ehemaligen DDR-Bürger mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis und denken sich, was wollen die eigentlich? Gab es doch alles schon mal. Ganztagsschulen war in der DDR kein Exot, sondern Standard. Vor der Schule gab es Betreuung, nach der Schule gab es Betreuung. Aber nicht nur als pure Verwahrung um die Kinder von der Straße zu holen, sondern mit Mittagessen, Spielen, Mittagsschlaf (in der 1. Klasse) UND Hausaufgabenbetreuung durch geschultes Personal.

Auch die Förderung von Talenten in Arbeitsgemeinschaften in den Schulen am Nachmittag war nicht das Schlechteste. Ich selbst hatte anfangs in einer Zeichen AG meine damalige Leidenschaft gefrönt und dann ab der 9. Klasse für jüngere Schüler selbst geleitet. Feriengestaltung war top und sehr abwechslungsreich, so dass selbst Schüler, die nicht wegfuhren, erlebnisreiche und tolle Ferien verbrachten. Auch hier kann man sagen, diese Feriengestaltung war für familien bezahlbarudn keineswegs ein finanzieller Drahtseilakt.

Und noch was fand ich gut: Kein Markenzwang unter den Schülern. Natürlich gab es neidische Blicke, wenn jemand die neuste Lewis von der Westverwandtschaft präsentierte, aber dass Eltern sich Sorgen machten, dass ihr Kind nicht „dazugehört“, weil es die neuesten Sportschuh oder die angesagteste Hose eben nicht hat (weil die kaum bezahlbar sind), war gar kein Thema.

Gewalt an der Schule? Klar, Keilereien auf dem Schulhof oder Hänseleien gab es auch. Aber dass Kinder so gemobbt wurden, dass sie Angst hatten in die Schule zu gehen, auch das war uns fremd. Messer oder andere Waffen? Fehlanzeige – eine Steinschleuder war das höchste der Gefühle – solange bis der Lehrer sie konfiszierte und sie erst wieder vor den Sommerferien rausrückte.


Preis dafür: Nur das Essengeld – 55 Pfennig pro Tag – mussten die Eltern bezahlen. Dass nur ein Elternteil arbeiten geht um die Kinderbetreuung bezahlen zu können, das gab es in der DDR nicht.

Bei all der Diskussion um die Schaffung von Anreizen für de Deutschen wieder mehr Kinder in die Welt zu setzen, solle man sich schon alleine über diese beiden Punkte mal Gedanken machen. Beide Punkte sind keine Sozialromantik der Kommunisten, sondern werden auch heute in anderen Ländern unserer Welt praktiziert. Dort klappt es bestens mit dem Nachwuchs z.B. Frankreich, Finnland). Und für die, die jetzt meckern, wer soll das denn bezahlen? Wieso sieht man es nicht als Investition in unsere Zukunft? Und wieso müssen Eltern in Deutschland für Kinderbetreuung horrende Summen zahlen, aber schon allein das Nachdenken über Studiengebühren für Langzeitstudenten (also die, die nicht mit der Regelstudienzeit auskommen) ist in Deutschland schon unanständig? In unserem Land wird so viel Geld zum Fenster rausgeschmissen, weswegen kann man es nicht nehmen und in unsere Zukunft, die Kinder stecken?

3. Ausbildung/Arbeit/ Vollbeschäftigung

Vollzeitarbeit war in der DDR selbstverständlich. Ich sage heute immer scherzhaft: alle hatten Arbeit, aber nicht alle hatten wirklich was zu tun. Aber dafür ab es verschiedene Gründe, aber der, dass Ossis (´tschldigung, ich hasse das Wort auch) nicht arbeiten können, gehört da nicht dazu. Auch was den Einstieg in das Berufsleben anbelangt, hatten es die Jugendlichen in der DDR einfacher. Man bekam vielleicht nicht immer den Ausbildungsplatz in seinem Traumberuf, aber man bekam die Möglichkeit, überhaupt erst einmal einen Berufsabschluss zu machen. Das finde ich, ist aus heutiger Sicht mit Gold kaum aufzuwiegen. Ich kann mich noch gut an die schlaflosen Nächte erinnern, als meine Tochter eine Ausbildung suchte und nichts ging mehr. Es hat uns beide, meine Tochter und mich, viele Nerven, viel Zeit, viel Energie und vor allem viel Geld gekostet, dass sie heute endlich ihre Ausbildung – allerdings auch in ihrem Traumberuf – machen kann. Das hat uns in all den Jahren eine Stange Geld gekostet, aber sie hat ihren Beruf inzwischen mit einem guten Abschluß in der Tasche. ...und sie hat schon während der letzten Monate ihrer Ausbildung einen Job gefunden, der ihr Spaß macht und der ihr verschiedene Perspektiven bietet.

Auch gut war, dass keiner Angst haben musste, dass am Ende des Monats kein Gehalt kam, weil der Chef keine Kohle hatte. Hatte innerhalb von 2 Jahren die Erfahrung machen müssen. Zweimal bekam ich monatelang kein Gehalt, weil die Bude aufden Konkurs zusteuerte udn einmal konnte sich der Chef von unserem "gemeinsamen" Geld nicht trennen. Die Erfahrungen blieben mir in der DDR erspart.

4. Preise

... für die ganz normalen Lebensmittel und die Lebenshaltungskosten allgemein. Keiner musste sich Sorgen machen, dass er morgen keine Möglichkeit mehr hat, sein Leben finanziell zu bestreiten oder er sich die Wohnung nicht mehr leisten kann. Ob die Mieten nun kostendeckend waren oder nicht, sei nun mal dahingestellt, aber sie waren in jedem Fall bezahlbar...

... für Museen oder andere kulturelle Einrichtungen. Jeder, auch mit noch so wenig Geld, konnte sich in der DDR Museums-, Opern-, Theater- oder Kinobesuche leisten, wenn er das wollte. Die Eintrittspreise machten das nicht zum unerschwinglichen Luxus, wie das leider heute der Fall ist. Sicherlich werden nun wieder einige lästern und sagen, kein Wunder, dass die DDR pleite war. Diese Lästermäuler sollten sich jedoch auch mal überlegen, dass z.B. in den USA, die immer wieder als kapitalistischsten aller Länder bezeichnet wird, der Besuch kultureller Einrichtungen wie Museen kostenlos ist. Ich finde, ein Land, das es zulässt, dass ganze Bevölkerungsgruppen von solchen Dingen über den Preis ferngehalten werden, stellt sich selbst kulturell ein Armutszeugnis aus. Hierbei geht es nicht darum, das man den neuesten Actionfilm kostenlos in den Kinos ansehen sollt, sondern darum, unsere Museen und Ausstellungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

... für gute Bücher. Sicherlich war die Auswahl in den Buchläden nicht so kunterbunt wie heute und die der Bücher, die über den Ladentisch gehandelt wurden, eher begrenzt. Aber Bücher zum Lesen gab es dennoch genug und Lesen im Land der Dichter und Denker wurde nicht zum Luxus hochstilisiert. Auch die kostenlose Nutzung der Büchereien fällt mir hier spontan ein. Sicherlich müssen die Kosten irgendwie gedeckt werden und die Städte sind chronisch pleite. Aber ich denke, um Kinder und Jugendliche an Bücher heranzuführen wäre es schon überlegenswert, ob die Jahresgebühren – in Wiesbaden seit 2 Jahren 10 € - nicht erst ab einem bestimmten Alter (z.B. 18. oder 21. Lebensjahr) erhoben werden. Wenn es aufgrund der Haushalslage eben nicht anders geht, dann sollten eben nur diejenigen zur Kasse gebeten werden, die ein Einkommen haben – Kinder und Jugendliche haben es meist nicht.


So, dass waren ein paar Beispiele. Man könne hier auch noch den guten Zusammenhalt untereinander nennen, wenn man Hilfe brauchte, irgendein Nachbar oder die Kollegen fragten nie lange. Auch was die Kriminalität anbelangt, lebten wir in der DDR unbeschwerter. Bei uns gab es auch Verbrechen keine Frage, aber nicht in dem Maße.

... oder der grüne Ampelpfeil, der sich ja inzwischen als Gesamtkunstwerk an Ampeln im ganzen Bundesgebiet zeigt.

4. WAS HAT DIR NICHT GEFALLEN?
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1.) Fehlende Reisefreiheit

Ich finde es unmöglich, wenn ein Staat sich anmaßt seinen Bürgern zu sagen, wohin sie wann reisen dürfen und/oder das auch noch an Bedingungen wie unmittelbare Verwandtschaftsverhältnisse knüpft. Soweit darf die „Fürsorgepflicht“ des Staates einfach nicht gehen. Wären die Grenzen offen gewesen, hätte es sicherlich den einen oder anderen gegeben, der auch ganz weggegangen wäre. Aber längst nicht in den Massen, wie es letztendlich im Sommer und Herbst 89 passierte.

Die Reisefreudigkeit des „gelernten DDR-Bürgers“ hätte sich über das Geld geregelt, sowie jetzt auch. Denn wer damals das Geld für teure Ausflüge in das kapitalistische Ausland nicht hatte, konnte ebenso wenig reisen, wie heute. Es ging hier einfach darum, dass man sich nicht eingesperrt fühlte, sondern dass man die Gewissheit gehabt hätte, wenn man morgen zu Tante Erna nach München wollte oder sich damals hätte Mallorca leisten können, dass man das auch hätte tun können. ...ganz davon abgesehen, wie weit wäre der gemeine DDR-Bürger mit seinem Indianergeld im Westen den gekommen? Wie alles Verbotene weckte eben dieses Reiseverbot Begehrlichkeiten....
An der Stelle möchte ich aber auch mal zu bedenken geben, es gab schon auch über Jugendtourist, dem damaligen DDR-Reisebüro, sehr, sehr begrenzte Möglichkeiten, auch mal ins kapitalistische Ausland zu machen. Aber diese waren wirklich nicht billig und nur der, auf den sich die Genossen 1000%ig verlassen konnten, durfte mit. So ist meine Freundin damals über die FDJ zum Beispiel zu einem Fußballspiel in Athen gewesen. Denkt aber bitte nicht, dass sie die Akropolis damals je gesehen hätte...
Aber selbst so genannten Bruderstaaten des Warschauer Paktes trauten sie irgendwann nicht mehr und schränkten auch in diese Richtung das Reisen ein, und da wurden damals – als beispielsweise die Grenzen zu Polen dichter wurden – doch viele munter und stocksauer. Jugoslawien – kaum vorstellbar, dass man da als normaler DDR-Bürger so ohne weiteres hinkam, denn die Grenzen Richtung Italien waren nicht so dicht wie die innerdeutsche Grenze.

Insgesamt eine dumme und unhaltbare Situation, mit der sich die Genossen einen ständig brodelnden Krisenherd im eigenen Land geschaffen hatten.


2.) Versorgungslage/ Mangelwirtschaft


Sicherlich, auch in der DDR ist niemand verhungert. Aber es war schon sehr nervig, wenn man ständig seine Einkäufe organisieren musste, weil es dienstags im Milchladen Joghurt, donnerstags der Konsum Lieferung bekam mit Dingen, die schnell weg waren, donnerstags im Gemüseladen die Obstsorten der Saison verkauft wurden und freitags beim Fleischer Rouladen oder gekochter Schinken zu bekommen war, wenn man beizeiten da war und sich anstellte. Extremer wurde es immer vor den Feiertagen, wo dann die Jagd af Schokoosterhasen oder -weihnachtsmänner oder eben auf Bananen, Apfelsinen & Co. losging. Ich muss allerdings auch sagen, dass ich das eher weniger erlebte, weil meine Mutti beim Fleischer arbeitete und sie da aufgrund der begehrten „Tauschobjekte“ immer dafür sorgte, dass wir das alles hatten - ohne Schlange zustehen. Da gingen schon mal die Rouladen gegen Orangen, Bananen usw. unterm Ladentisch raus...

Wenn´s nicht so traurig gewesen wäre, hätte man sich drüber krank lachen können, dass immer vor den Feiertagen oder vor den Volkskammerwahlen begehrte Produkte verstärkt unters Volk gebracht wurden. In Leipzig hatten wir immer das zusätzliche Phänomen zur Frühjahrs- und Herbstmesse. Ebenfalls nicht so gut war, dass die Versorgungslage in Berlin besser war als in den anderen Städten. Kann mich noch gut daran erinnern, mit wie langen Einkaufslisten immer Kollegen auf Dienstreise in die Hauptstadt abfuhren und wie sie dann wiederkamen... Aber wir haben solche Kollegen immer gern vom Bahnhof abgeholt und beim Tragen geholfen :o)

Auch dass man 13 Jahre auf einen Trabbi oder noch länger auf einen Wartburg warten musste, war sicherlich nicht optimal. Die Sage geht um, dass Eltern sogar für ihre Neugeborenen schon Anmeldungen abgaben. Allerdings, wie hätte es anders sein können, waren solche Anmeldungen ebenfalls immer gute Tauschobjekte.... ...und diese Autos waren schon irgendwie für die Ewigkeit gebaut, denn die mussten ja meist auch 13 Jahre und länger halten – und das taten sie dann meist auch.

Was ich ebenfalls nicht so berauschend fand, waren die hohen Preise und Wartezeiten für Autos (z. B. Wartburg, 4-Takter um die 33.000 DDR-Mark bei einem Durchschnittsverdienst von 600 DDR-Mark), technische Geräte, Möbel, Kleidung. Das Warten war das eine, die begrenzte Auswahl und Anzahl das andere. Freunde von mir hatten da schon „nette Anekdötchen“ vom Warten vor dem Möbelkonsum ab früh um 2 Uhr mit Campinghocker und Thermosflasche...


3.) Man musste schon aufpassen, was man wann wo sagt und welche Ohren dabei ganz weit auf waren.

GHG – Gucken, Horchen, Greifen – wie die Stasi m Volksmund auch hieß war schon allgegenwärtig. Aber man wusste es, konnte es nicht ändern und hat sich mit der Situation arrangiert; ohne dass man es nun guthieß. Wie subtil die Staatssicherheit am Ende tatsächlich umging, erfuhren wir ja erst nach dem Zusammenbruch der DDR. Vorher ahne man manches, aber diese Vermutungen wurden meist durch noch menschenverachtendere Methoden noch fernab jeglichen Verständnisses übertroffen.

In der eigenen Familie haben wir weit nach der Wende erfahren, wer und wie gezielt ganz normale Bürger, von denen wir es nie erwartet hätten, auf meinen ständig ausreisewütigen Onkel angesetzt waren – seine 70jährige Vermieterin, bei der er zur Untermiete wohnte, und ein ehemaliger Lehrer, der ihn angeblich immer so gefördert hatte. Ergebnis: 5 Jahre Bautzen und dann Freikauf über Vogel durch die Bundesrepublik. Und auch das zählte zum Ergebnis: Wer erst einmal auf diese Art und Weise „rausgeschmissen“ wurde, wurde auch zur „unerwünschten Person“ erklärt und regelmäßig an Besuchsfahrten zu Verwandten in der DDR gehindert, weil man ihn an der Grenze nach stundenlangem Schikanieren einfach wieder in den nächsten Zug gen Heimat setzte. Ach ja, und auch wenn diese "Flüchtigen" gute Abschlüsse hatten, wer über RA Vogel freigekauft wurde, bekam keine Zeugnisse mit - die waren ja Eigentum der DDR. So sorgten die Genossen dafür, dass der Start im Westen nicht zu leicht wurde.

Seine Pappenheimer mit den großen Ohren kannte man ja irgendwie und wusste, bei wem man seine Zunge im Zaum halten musste. Das war belastend, aber wesentlich beunruhigender fand ich die Tatsache, dass es eben auch viele gab, von denen man nie erwartet hätte, dass sie einen aushorchten. Nun denkt bitte nicht, dass man davon ständig einen Pulk um sich hatte, nein, ganz sicher nicht, aber es reichte das Wissen, dass es solche Menschen gab. Das war das meiner Ansicht nach schlimmste, dieses ständig an der Oberfläche wabbelnde Misstrauen. Aber, weil es eben nicht anders ging, hat man sich auch damit arrangiert. Was hätte man auch tun sollen?


4.) Wohnungsnot

Auch wenn der Mensch im Sozialismus im Vordergrund stehen sollte, so schloss das den eigenen Wohnraum nicht mit ein. Es gab einfach zu wenige Wohnungen und die die es ab, wurden entweder verschoben oder blieben z.T. leer stehen.

Der Traum von einer eigenen Wohnung mit 18 war in der DDR schnell ausgeträumt. Kriterien für eine schnellere Vergabe waren entweder man heiratete oder bekam ein Kind und hatte dafür kein Platz – oder man hatte die Nase voll, gute Gründe und eine Eingabe an die Partei, den Bürgermeister oder den Staatsratsvorsitzenden. Ich kann mich noch sehr gut an meine wöchentlichen Besuche beim Wohnungsamt Leipzig-Nord und die arrogante Sachbearbeiterin, die meinte „Bringen Sie das Kind doch erst einmal zur Welt, Sie wissen ja noch gar nicht, ob es dann auch lebt.“, erinnern. Ich erinnere mich aber auch an meine Eingabe und meinen Besuch in der Stadtgebietsparteileitung nachdem mir der Bürgermeister sagte, dass eine Mansarde bei 4° Plus im Winter doch besser sei als gar keine Wohnung. Ja ja, im Sozialismus steht der Mensch im Mittelpunkt...

5.) Die Genossen unter sich...

Ich hatte damals in einem Kontor für Unterrichtsmittel und Schulmöbel gearbeitet, dass dem Ministerium für Volksbildung direkt unterstand und was da so ablief war schon ziemlich schräg.

Nicht erst nach der Wende dachte man sich, vielleicht wissen es Erich & Co. da oben gar nicht besser, denn wenn ich mir so monatlich die Berichte an das Ministerium angesehen hatte... Wir hatten z.B. immer die kostenlose Auslieferung von Spielsachen an die Kindereinrichtungen vorgenommen und immer melden müssen wie viele Kindergärten eben die Sachen am Ende bekamen, denn nicht immer reichte da Zeug für alle, die das Ministerium auf den Verteiler geschrieben hatte. Bevorzugt handelte es dabei um so genanntes Militärspielzeug - Holzautos, Plastiksoldaten, etc. Die Meldung ging zwar mit salbungsvollen Worten an das Ministerium raus, aber nie wurden die vielen Schreiben der Kindereinrichtungen erwähnt, in denen uns mitgeteilt wurde, dass man kein Militärspielzeug mehr wolle und es auch leid sei, die armeegrünen Holzautos umzulackieren, zumal das bei den Plastesoldaten ja ohnehin nicht ging. Meldung ans Ministerium: Alles ausgeliefert, alle hochzufrieden, basta!

In den Parteiversammlungen wurde schon mitunter sehr kritisch diskutiert, aber die Meldungen „nach oben“ spiegelten diese Diskussionen nie wieder. Wer als Genosse zu kritisch war, wurde eben mal zur Seite genommen (wo dann schon alle Mann der Parteileitung zur „Klassenkeile“ angetreten waren), um den Genossen wieder auf Linie zu bringen – in dem man ihn z.B. mal ganz nebenbei sagte, was er dem Staat alles zu verdanken hat und was er noch für Möglichkeiten (beruflich) hätte, wenn er seine Haltung nicht überdenke...

Allerdings ist das kein spezielles Verhalten der alten DDR-Genossen. Ich stelle immer wieder fest, dass sich alles immer wieder in jeder Gesellschaftsordnung auf eine ganz subtile Art und Weise wiederholt. Den Regierenden – früher wie heute – wird es durch das Fußvolk einfach sehr leicht gemacht, vorhandenen Probleme oder Zustände nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen, weil ganze Heerscharen nur daran sitzen bittere Wahrheiten in salbungsvollen Worten zu verpacken – so dass man das Problem entweder nicht erkennt oder es für nicht so schlimm einschätzt.


Sicherlich nur ein paar Beispiele und sicherlich fällt mir im Nachhinein noch so manches ein, was ich nicht gut fand in der DDR.


5. WIE HAT DIR DAS SCHULSYSTEM DER DDR GEFALLEN?
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Dazu habe ich eigentlich schon sehr ausführlich beim Punkt 3 geschrieben. Ich fand das Schulsystem der DDR bis auf einige Sachen sehr gut und halte es auch heute noch für das qualitativ bessere System, weil mit diesem System eine wirklich gute Allgemeinbildung vermittelt wurde.

Auch der zeitliche Ablauf, wann die Weichen für das spätere Berufsleben gestellt wurden, finde ich auch heute noch wesentlich überlegter als heute. In der 10klassigen allgemein bildenden Polytechnischen Oberschule lernten alle Schüler gemeinsam bis zur 8. Klasse. Eine vorherige Spezialisierung auf technische, naturwissenschaftliche, wirtschaftliche oder musische Profile bereits in der Unterstufe, wie es heute der Fall ist, gab es nicht. Alle bekamen bis zum 8. Schuljahr den gleichen Stoff vermittelt und mussten sich in der 8. Klasse entscheiden, welchen schulischen Weg sie nach der 8. Klasse einschlagen wollen. Heute müssen Eltern bereits in der Unterstufe entscheiden, welches Profil (Technik, Wirtschaft, Naturwissenschaft oder Kunst) ihr Kind b der 5. Klasse haben soll. Das finde ich zu früh, zumal das Kind selbst hier nicht mitentscheiden kann, sondern das die Eltern für ihr Kind tun. Aber nicht jede Schule bietet alle Profile an und spätestens, wenn es zu einem Schulwechsel komm, kommen auch die ersten Probleme, wenn nämlich die neue Schule, das bisherige Ausrichtungsprofil gar nicht lehrt. Durch diese frühe „Spezialisierung“ verbaut man sich selbst den Weg, unseren Kindern eine gute Allgemeinbildung zu vermitteln und erzieht sie schon im frühen Kindesalter zu „Fachidioten“. Und was ist, wenn das Kind z.B. künstlerische Fähigkeiten hat, die Eltern aber aus taktischen Gründen sich für ein Fortkommen im naturwissenschaftlichen oder technischen Profil entscheiden?

6. FÜR FRIEDEN UND SOZIALISMUS SEID BEREIT....! (BEGRÜßUNGSSATZ DER LEHRER UND SCHÜLER) WAS HÄLST DU DAVON?
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In meinen letzten Jahren an der Schule wurde das aber schon eher locker gehandhabt, außer vielleicht im so genannten Staatsbürgerkundeunterricht. Die Lehrer für dieses Unterrichtsfach waren schon ganz eigene Herzchen...

Ich persönlich finde, ein einfaches „Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ hätte es auch getan...


7.WER WAREN DEINE LIEBLINGSSÄNGER-GRUPPEN DER DDR?
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Ich gebe hier mal offen zu, dass mich auch bei der Musik, das eher „Verbotene“ gereizt hatte und das waren nun mal die Sänger und Musikgruppen bei den Westsendern Ich hatte eigentlich keine besondere Lieblingssänger oder –bands, sondern entschied bei jedem Lied wieder neu: Gefällt es mir oder eher nicht. Mache ich auch heute noch so. Es gibt ja auch bei den so genannten Stars immer mal einen Titel, der nicht so gut ist. Aber die Puhdys, Karat, Ute Freudenberg (die mir heute nicht mehr so zusagt), Veronika Fischer, City oder Silly sagten mir natürlich was.


8.UND WELCHE SCHAUSPIELER?
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Och, auch das wechselte immer und kam auf den jeweiligen Film an. Kann mich aber noch gut daran erinnern, dass es bei zweien eigentlich keine Einschränkungen gab:

Zum einen Rolf Herricht, der leider mit 53 Jahren viel zu früh starb, und der nicht nur ein wirklich wahnsinnig talentierter Gegenpart von Hans-Joachim Preil war. Die Sketsche der beiden sind Klassiker und ich war froh als mir meine Tochter voriges Jahr zu Weihnachten 3 alte Amiga-Schallplatten mit den beiden schenkte. Wenn die beiden im „Der Gartenfreund“ über die Tatsache, dass jeder gute Gärtner in seinem Garten einen Haufen hat nur Herr Herricht nicht, streiten, dann ist das auch heute noch Kult. Oder bei Mückentötolin der Mücke schlecht wird, dann lach ich heute noch herzhaft

Zum anderen der Schwarm aller DDR-Mädchen schlechthin: Gojko Mitic, der Chefindianer der DEFA. Muss zugeben, auch heute noch ein Hingucker, allerdings sind die Rollen, die er heute spielt eher nichts für mich.

Aber auch Jürgen Zartmann, Ingeborg Krabbe, Anne-Katrin Bürger oder Renate Blume hatte ich immer ganz gern gesehen.

9. WIE HAT DIR DAS DDR-FERNSEHPROGRAMM GEFALLEN?
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Ich muss zugeben, dass ich mich da nicht so ganz zu äußern kann, denn wir hatten zu DDR-Zeiten lange keinen Fernseher in meiner ersten Wohnung stehen. Aber als wir ihn dann hatten, war ich nicht immer ganz zufrieden mit den Programmen. Besonders an Feiertagen wie Tag der Republik am 7. Oktober oder am 1. Mai konnte man es fast vergessen – Paraden und solche Dinge.

Allerdings was das Kinderfernsehen anbelangt, da war es einfach unschlagbar. Wenn ich da an das tägliche Sandmännchen oder solche Sendungen wie „Professor Flimmrich“ am Samstag, „Zu Besuch im Märchenwald“ am Sonntagnachmittag denke oder die vielen wirklich schönen Verfilmungen der Märchen der Gebrüder Grimm... Das hatte schon was.

Ansonsten war es bei den beiden DDR-Programmen wie heute auch: Entweder es kam was Interessantes auf beiden Programmen oder es kam überall nur Mist. Ausweichen auf die Westkanäle konnte ich auch nur bei schönem Wetter, weil es keine anständige Antenne auf dem Dach ab und sich die Zimmerantenne da nicht so kooperativ zeigte. Hatte in der Zeit dann viel Radio oder Kassetten und Platten gehört und viel gelesen.

10. ZU DDR-ZEITEN, GAB ES NUR BEGRENZTE REISELÄNDER:WIE WAR DAS FÜR DICH?
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Irgendwie fand ich es schon belastend, dass meine Mutti damals auf Antrag zu unseren Verwandten in den Westen fahren durfte und ich nicht, weil die Verwandtschaftsverhältnisse (Großtante, Großonkel) für eine Genehmigung nicht ausreichten...

Aber ansonsten habe ich mich da wahrscheinlich wie viele andere mit dem Zustand an sich arrangiert. Ich war damals in meinem Betrieb bei der Vergabe der FDGB-Ferienplätze mit zuständig. Da meine Tochter damals noch nicht in die Schule ging, war ich zeitlich unabhängig und so konnte ich nach der Vergabe immer sofort einen, manchmal auch zwei, der noch nicht vergebenen Ferienplätze reservieren und bekam die dann auch.

Auf die Art und weise sind meine Tochter und ich – meist zusammen mit meiner Freundin, die wir mal in solch einem Urlaub kennen gelernt hatten – viel durch die wirklich schönen Ecken der DDR gereist. Wie gesagt, die Situation war eben so und man fand sie nicht sonderlich toll, aber man konnte sie nicht ändern. Also hat man sich damit arrangiert. Ich muss allerdings auch zugeben, die Urlaube, die wir damals verbracht hatten, waren immer sehr schön und wesentlich erholsamer als später die in Griechenland, der Türkei, auf Mallorca oder Grand Canaria, die auch schön waren, aber wesentlich stressiger.


11.WAS HÄLST DU VON DER STAATSICHERHEIT?
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Jeder Staat hat seinen Geheimdienst, diese Tatsache ist sicherlich unbestritten. Perfide finde ich, wie sich die Genossen gegen ihre eigenen Bürger einen solchen ausgeklügelten, zum Teil menschenverachtenden und nur noch auf Kontrolle (egal mit welchen Mittel) ausgerichteten Apparat in all den Jahren aufgebaut und fast bis zur Perfektion betrieben haben. Ich frage mich heute noch, ob die vor dem ganz normalen Bürger wirklich so viel Angst haben mussten, nur weil der vielleicht reisen wollte, seinen Wohnort frei wählen, sagen was er wollte und nicht unkritisch war.

Das was bei der Stasi und durch die Stasi gemacht wurde, ist einfach nicht zu akzeptieren und durch nichts zu rechtfertigen. Ich finde auch, dass man die Verantwortlichen da wirklich zur Rechenschaft ziehen sollte. Und genau da liegt mein Problem. Die Verantwortlichen, also die Großen, zieht kein Mensch zur Verantwortung, man hat sich bisher nur an die Kleinen gehalten. Wenn ich heute in den Medien sehen, dass sich diese Stasi-Offiziere als Opfer des bundesrepublikanischen Rechtssystems sehen und sich zu einem Verein zusammenschließen, um uns mit ihrer Sicht der Dinge zu manipulieren, ihre Taten als rechtsstaatlich zu rechtfertigen und das auch noch auf Kosten der Steuerzahler, denn die bekommen ja als eingetragener Verein staatliche Zuschüsse, dann frage ich mich schon, ob ich im falschen Film bin. Diese ehemaligen „hohen Tiere“ der Stasi verhöhnen ihre Opfer öffentlich und keiner tut etwas dagegen.

Und dann sehe ich auch die „Kleinen“, die es bei der Stasi auch gab, denn auch dort arbeiten Menschen in den ganz normalen Berufen – Hausmeister, Sekretrinnen, Köche, Putzfrauen, Pförtner. Die werden aufgrund dessen, dass sie eben in dieser Institution gearbeitet hatten, geächtet und erhielten nach der Wende nicht mal mehr einen Job. Im Gegensatz dazu haben es ein paar ihrer früheren Chefs nach der Wende in die Chefetagen großer Konzerne geschafft. Da frage ich mich doch, wie ernst ist es den Deutschen mit der Aufarbeitung?

Wenn ich heute sehe, dass Menschen, die im Sport, in den Medien oder in sonstigen Berufen erfolgreich sind und dann heute über eine mit 16, 17 Jahren unterzeichnete Beitrittserklärung „stolpern“, dann frage ich mich auch, was das soll, dass diese damals von noch nicht einmal Volljährigen mit welchen Mitteln auch immer erpresste Erklärung heute so vernichtend gegen die Leute eingesetzt wird. Da interessiert es keinen Menschen, wie diese zustande kann, ob der Betreffende wirklich jemanden geschadet hatte und ob er danach wirklich aktiv für die Stasi gearbeitet hatte. Alle werden über einen Kamm geschoren und verurteilt. Aber fragt sich jemand von denen die dann immer mit erhobenem Zeigefinger dastehen auch nur einmal, wie sie als 16-, 17jähriger in solch einer Situation in solche einem System gehandelt hätten. Aus dem eigenen Bekanntenkreis weiß ich, dass die Stasi bewusst Konfliktsituationen ausgenutzt hatte um Menschen unter Druck zu einer Unterschrift unter diesen Erklärungen zu zwingen. Die wenigstens, die diese unterschrieben haben, haben es aus freien Stücken getan.

Und noch etwas: Ich finde, dass so lange nach der Wende die Birthler-Behörde (früher Gauck) endlich ihre Arbeit einstellen sollte. Zum Aufarbeiten war genügend Zeit, mehr Zeit als man sich früher nach dem Krieg zur Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechern genommen hatte. Damit meine ich nicht, dass nun alle Akten vernichtet werden sollten, aber ich meine, die wirklich brisanten Stasi-Unterlagen sind von der Stasi schon vorher gezielt vernichtet oder zur Seite geschafft worden. Oder weswegen hat man von den wirklich hohen Stasi-Offizieren nie gehört, dass sie zur Rechenschaft gezogen wurden?

Und noch etwas: Ich finde es oft unerträglich, wenn westdeutsche Politiker oder auch ganz normale Bürger uns erzählen wollen, wie schwer wir es doch gehabt haben mit der Stasi & Co. und uns aber gleichzeitig alle für Spießgesellen dieser Machenschaften halten. Dann frage ich mich dann immer, woher nehmt ihr eure Weisheiten und woher wollte ihr denn wissen, wie es war? Wir ehemaligen DDR-Bürger wissen ja auch nicht, wie ihr euch unter der Partei- und Staatsführung der DDR gefühlt oder verhalten hättet... was mir bei derartigen Diskussionen oft fehlt ist das Verständnis ´für einander und die Erkenntnis, dass in sehr unterschiedlichen, gegensätzlichen Systemen auch sehr unterschiedliche Lebensläufe entstanden sind, die wiederum Auswirkungen auf sehr unterschiedliche (Welt)anschauungen haben. Man sollte die Vergangenheit nicht als k.o.-Kriterium, sondern als Chance sehen.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Dr.Ed

Dr.Ed

30.01.2012 18:26

Als "Wessi" kann ich da in vielerlei Beziehung nicht mitreden, aber selbst ich bin der Meinung, dass nicht alles in der DDR schlecht war.

rider-of-apocalypse

rider-of-apocalypse

03.01.2012 18:18

°°° TOP °°° ich finde es schon fast erschreckend, dass jetzt eine Generation volljährig ist, die die DDR gar nicht mehr kennt ... gott bin ich alt ...

hansi04

hansi04

20.12.2011 14:44

BH, als ehemaliger Spandauer kann ichzur DDR kaum was sagen, bin heute mit ner DDR - Bürgerin verheiratet

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