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HEINZ ERHARDT - Ein Leben...

5  04.07.2005

Pro:
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Kontra:
xxx

Empfehlenswert: Ja 

AsmodinaHamburg

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:81

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 95 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

+++ V O R G E P L Ä N K E L +++
Nachdem ich meinen Bericht zu dem Buch "Das große Heinz Erhardt Buch" geschrieben habe, lass ich es mir nicht nehmen euch noch ein bisschen mehr über diesen genialen Menschen verraten zu wollen.
So habe ich mich bemüht, aus diversen Quellen, eine kleine Übersicht seines Lebens und Schaffens zusammenzustellen:

Heinz Erhardt…
Schauspieler, Kabarettist, Schriftsteller, Musiker, Komödiant, Humorist, Chansonnier, Dichter, Komponist, Ehemann, Vater, Großvater…
… all das war er und noch viel mehr!
Sein Humor war (und ist) einer der ganz besonderen und einzigartigen Art.
Verdrehte Redewendungen, Wortspiele, sinniger Unsinn, gnadenlose, skurrile Dichtkunst.
Er hatte eine gehörige Portion Selbstironie, er begann seinen Witz dort wo Mensch es schwer hat mit dem Leben ehrlich zu sein… doch nie gingen seine Witze zu Lasten anderer oder waren verletzend. Dazu kam seine sympathische Art und gespielte, liebenswerte Tollpatschigkeit.
Gnadenloser und zeitloser Humor nicht nur zu seiner Zeit, sondern auch und grade wieder im neuen Jahrhundert.
Seine Vorbilder waren Otto Waalkes und Willy Astor und Adolf Tegtmeier (Jürgen von Manger) … oder war es umgekehrt?

+++ G E B U R T & K I N D H E I T +++
Am 20. Februar 1909 wurde Heinz Erhardt im lettischen Riga geboren.
Die meiste Zeit seiner Kindheit verbrachte Heinz bei seinen Großeltern, da seine Eltern sich kurz nach seiner Geburt trennten.
Seine Mutter ging nach St. Petersburg, während sein Vater als Kapellmeister in Deutschland sein Geld verdiente.
Von seinem Großvater, Paul Nelder, welcher in Riga seinerzeit ein Musikhaus führte, erlernte er das Klavierspiel.

+++ S C H U L E, S T U D I U M & E R S T E R . J O B +++
Kurz vor seiner Einschulung lebte er bei seiner Mutter in St. Petersburg, konnte sich dort aber nie wirklich eingewöhnen.
Zurück in Deutschland tourte er mit seinem Vater von Ort zu Ort und lebte auch eine Weile bei der 2. Frau seines Vaters, Käthe Erhardt, in Hannover bis er schließlich zu seinen Großeltern nach Riga zurückkehrte.
So besuchte er von 1919 bis 1926 fünfzehn verschiedene Schulen!
Aus diesem Grunde der ewigen Hin- und Hergerissenheit auch alles ohne durchschlagenden Erfolg.
1926 schmiss er das Deutsche Gymnasium in Riga ohne das Abitur zu machen und studierte dann, am Leipziger Konservatorium bis 1928 Musik (Klavier und Kompositionen).
Anschließend absolvierte ein Volontariat in einem dort ansässigen Musikgeschäft.
Dieses beflügelte ihn dazu von 1928 bis 1938 das Musikgeschäft und die Konzertagentur seines Großvaters zu leiten, nach 10 Jahren kam dann aber die große Pleite.
Vielleicht mag das daran gelegen haben das er lieber auf den Flügeln spielte und komponierte als sie zu verkaufen…

Sein Großvater verstarb 1929, Erhardt der Heinz erbte zwar das komplette Vermögen, überlies aber seinem Stiefvater (der Dritte Mann seiner Mutter) die Führung des Geschäftes.
So hatte er mehr Zeit mit seinen selbst geschriebenen und komponierten Werken auf Bunten Abenden und verschiedensten Veranstaltungen bekannt zu werden.

+++ E R S T E . S C H R I T T E . A L S . S C H A U S P I E L E R +++
1932 stand er das erste Mal auf einer
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Schauspielbühne und zwar der des "Deutschen Schauspiels in Riga".
Seine Rolle war die eines lustigen Tunichtguts mit dem Namen Birnstiel, auch hatte er die Musik des Stückes komponiert.
Leider blieb, trotz weiterer Einstellungen und großem Lob, der wahre Erfolg an dieser Stelle aus.

+++ H O C H Z E I T & K I N D E R +++
1935 kam es zur Hochzeit mit der Tochter des italienischen Konsuls in St. Petersburg, Gilda Zanetti.
Kennen gelernt hatten sich die beiden - ganz romantisch - in einem Fahrstuhl…
Mit ihr hatte er vier Kinder,
drei Töchter: 1936 Grit - genannt Gigi, 1940 Verena, 1944 Marita und
einen Sohn: 1943 Gero. Dieser war in späteren Jahren ein erfolgreicher Regisseur.
Aus finanzieller Not heraus (Erhardts Stiefvater unterschlug ihm das Erbe seines Großvaters) lebten sie bei Gildas Mutter.
Gilda war die Liebe seines Lebens und sollte ihn bis zu seinem Ende begleiten.

+++ K A B A R E T T +++
Ab 1938 ging er nach Berlin an das "Kabarett der Komiker" von Willi Schaeffers (Altmeister des deutschen Kabaretts) und arbeitete dort sehr erfolgreich und mit großer Fangemeinde.
Dieses war sein Durchbruch.
Er glänzte als musikalischer Humorist und als Pianist und Entertainer an der Seite der Tänzerin La Jana.

+++ M I L I T Ä R D I E N S T +++
1941 wurde Heinz Erhardt zum Musikkorps der Marine eingezogen.
Zu seiner Musterung sei zu erwähnen dass es letztendlich die 3. war!
Bei der Ersten und Zweiten wurde er wieder nachhause geschickt, bei der Dritten kam er (als Brillenträger und Nichtschwimmer) nach Strahlsund, weil die dort ansässige Marine eines Klavierspielers bedurfte.
Auch dort wurde sein Talent nicht verkannt und er reiste von Standort zu Standort und bis an die Front um seine Kameraden zu unterhalten.
In seiner ganzen Dienstzeit hielt Heinz Erhardt daher nicht einmal eine Waffe in den Händen!

+++ R A D I O +++
1945 zum Ende des Krieges landete er in Hamburg und blieb dort.
Mit seiner Familie, die er ein Jahr später nachholte, lebte er erst in Hamburg-Blankenese und dann in Hamburg-Wellingsbüttel.
Hier lernt er den Conférencier Will Mayer kennen und erarbeitet mit ihm zusammen in wöchentlichen Auftritten beim NWDR (ehemaliger Vorläufer des heutigen NDR und WDR), seine eigene Radioshow "So was Dummes".
Erhardt beweißt sich hier mit einem zeitgetreuen Humor und hat eine riesige Fangemeinde unter den Hamburger Hörern.
Aufgrund der damaligen englischen Besetzung musste jede seiner Sendungen, vor der Ausstrahlung, durch die Zensurbehörde. Dieses jedoch ohne auch nur einmal zensiert zu werden!
Die Meinung der Engländer: "Es ist der einzige Deutsche, über den wir lachen können, ohne auch nur ein einziges Wort zu verstehen!"
Bei anderen Sendern, wie z.B. dem Südwestfunk oder dem Bayrischen Rundfunk wirkt er in Ausstrahlungen wie der Reihe "Hörerlieblinge" oder "Kabarett am Wochenende" mit.
Einer seiner größten Rundfunkerfolge ist aber unbestritten die Parodie der "Zehn Pfennig Oper". Nach der Uraufführung 1948 im NWDR wird diese immer wieder in sämtlichen westdeutschen Radiosendern ausgestrahlt.

+++ T H E A T E R +++
1946 begann Heinz Erhardts Theaterkarriere.
Sein erstes Stück war "Frauen haben das gerne", bald gefolgt von den Komödien "Verzeih, das ich dich liebe", "Hurra ein Junge" und "Strammer Junge angekommen".
Letzteres wurde etwa siebzig Mal aufgeführt.
Sein größter Theatererfolg war aber "Lieber reich - aber glücklich".
Fünfunddreißigtausend Zuschauer sahen dieses Stück alleine in Hamburg bis es in 52 weiteren Städten auf Tournee ging.
Weitere Erfolge waren "Kleopatra die Zweite" (1955), in Zusammenarbeit mit Peter Ahrweiler,
"Mit besten Empfehlungen" (1963) und
"Das hat man nun davon" (1969).
Eigene Werke findet man nur wenige in der Theaterwelt von Heinz Erhardt.
Die meisten seiner Stücke stammen von dem Autorenduo Arnold & Bach.
Von ihm selber stammen nur einige Einakter mit denen er seine "Bunten Abende" füllte.

Von 1947 an begann Heinz Erhardt seine berühmten "Erinnerungsalben" zu führen.
Hierbei handelte es sich um dicke, Ledergebundene Wälzer in welche er Programmhefte, Zeitungsartikel und Fotos klebte und Notizen schrieb.
Letztendlich waren es 19 bis zum Rand volle Alben.

+++ K I N O +++
1957 hatte er seine erste Kinohauptrolle als Marmeladenfabrikant Theodor Hagemann in "Der müde Theodor".
Noch im gleichen Jahr folgte, ebenso erfolgreich, "Witwer mit fünf Töchtern".
Insgesamt folgten, in den kommenden 15 Jahren, 39 Heinz Erhardt Filme
(Siehe Filmographie).

+++ F E R N S E H E N +++
1960 bis 1963 machte Heinz Erhardt Fernsehen.
Diesem Medium hatte er immer skeptisch gegenüber gestanden, trotzdem gründete er 1960 die "HEP" (Heinz Erhardt Production).
In Zusammenarbeit mit dem NDR wurden sechs halbstündige Filme gedreht
(Siehe Filmographie).
Er hatte immer "Angst" über den Bildschirm als "ungebetener Gast und zu unpraktischen Zeiten", in die Wohnstube der Fernsehzuschauer zu kommen. Zumindest formulierte er es gerne und häufig so :o)

+++ L I T E R A T U R +++
Schließlich eroberte Heinz Erhardt auch noch das Medium Buch.
So erschien 1963 das Büchlein "Noch´n Gedicht" im Fackelträger Verlag.
Diesem folgten drei weitere Gedichtsbände und der Sammelband "Das große Heinz Erhardt Buch".

+++ S H O W M A S T E R +++
1970 hatte er sein Debüt als Showmaster beim "Baden Baden Roulette".

+++ K R A N K H E I T & T O D +++
Im Dezember 1971 erleidet er einen Schlaganfall von dem er sich nie wieder richtig erholte.
Er war fortan halbseitig gelähmt und sein Sprachzentrum war unwiederbringlich zerstört, so konnte er wohl verstehen, aber selber nicht mehr reden!
Dies muss wohl das Schlimmste gewesen sein was ihm hätte passieren können… er sprach ab diesem Tag kein Wort mehr…
In der Nacht zum 5. Juni 1979 stirbt er im Alter von 70 Jahren in Hamburg und wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof in allen Ehren beigesetzt.
(Kapelle 13, im Osten des Friedhofes, Grablage: Bi 66, 605-606)

Vier Tage zuvor hatte er das Große Bundesverdienstkreuz erhalten.
Da er auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes nicht in der Lage war dieses öffentlich entgegen zu nehmen, wurde es ihm im Kreise seiner Familie im Wohnzimmer seines Hauses in HH-Wellingsbüttel überreicht.

Zu seinem Nachlass gehörten, unter anderem, eine Reihe von Klavier Kompositionen welche er zwischen 1925 und 1931 schrieb.
1994 wurden dreiundzwanzig dieser Stücke auf CD veröffentlicht.


<<< F I L M O G R A P H I E >>>
1949 Gesucht wird Majoran
1950 Liebe auf Eis
1955 Drei Tage Mittelarrest
1956 Die gestohlene Hose (Rolle: Ferdinant Kofler)
1956 Mädchen mit schwachem Gedächtnis (Rolle: Albert)
1956 II A in Berlin
1956 Ich und meine Schwiegersöhne
1957 Witwer mit fünf Töchtern (Rolle: Friedrich Scherzer)
1957 Der müde Theodor
1958 Immer die Radfahrer
1958 Vater, Mutter und neun Kinder (Rolle: Friedrich Schiller)
1958 So ein Millionär hat´s schwer
1959 Der Haustyrann (Rolle: Paul Perlacher)
1959 Natürlich die Autofahrer (Rolle: Eberhard Dobemann)
1959 Drillinge an Bord (Rolle Eduard, Otto und Heinz Bollmann)
1960 Der Vogelhändler (Rolle: Professor Würmle)
1960 Der letzte Fußgänger
1960 Kauf dir einen bunten Luftballon
1961 Mein Mann, das Wirtschaftswunder (Rolle: Paul Korn)
1961 Ach Egon! (Rolle: Egon Kummer)
1961 Drei Mann in einem Boot
1961 Freddy und der Millionär (Rolle: John Lion)
1962 Axel Munthe. Der Arzt von San Michele (Rolle: Brunoni)
1962 Die Post geht ab (Rolle: Walter Eberhardt)
1962 Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett (Rolle: Mr. Keyser)
1963 Apartmentzauber (Rolle: Waldemar Fischer)
1964 Doddy und die Muskeltiere (Rolle: Maxim Popper)
1964 Wenn man baden geht auf Teneriffa (Rolle: Tristan Wenzel)
1964 Die große Kür
1965 Der Ölprinz (Rolle: Kantor Aurelius Hampel)
1966 Das Vermächtnis der Inka (Rolle: Professor Morgenstern)
1966 Das gewissen Etwas der Frauen (Rolle: Schluessel)
1967 Otto ist auf Frauen scharf
1967 Aktien und Lorbeer
1969 Warum hab ich bloß 2x ja gesagt?
1969 Klein Erna auf dem Jungfernstieg (Rolle: Onkel Fritz)
1969 Charleys Onkel
1970 Die Herren mit der weißen Weste (Rolle: Heinrich Scheller)
1970 Was ist denn bloß mit Willi los? (Rolle: Willi Winzig)
1970 Das kann doch unsern Willi nicht erschüttern (Rolle: Willi Winzig)
1971 Unser Willi ist der Beste (Rolle: Willi Winzig)
1971 Willi wird das Kind schon schaukeln (Rolle: Willi Kuckuck)

½ Stunden Fernsehfilme (Heinz Erhardt Production) 1961 bis 1963:
- Abenteuer in Norfolk
- Willi Winzig
- Der Kurpfuscher
- Eine gewisse Marietta
- Der Fachmann
- Ein ruhiges Stündchen

<<< B Ü C H E R >>>
- Das große Heinz Erhardt Buch (von 1970 - 2005, 2,5 Mio. Mal verkauft)
- Unvergesslicher Heinz Erhardt
- Noch´n Gedicht
- Noch´n Erhardt
- Noch´n Buch
- Und Viertens (vergriffen)
- Noch´n Gedicht und andere Ungereimtheiten
- Der verstimmte Elefant
- Heinz Erhardt privat
- Das Neueste von Heinz Erhardt (vergriffen)
- Satierliches und himmlischer Käse (vergriffen)
- Klassisches aus heiterem Himmel (vergriffen)
- Von der Pampelmuse geküsst (Reclam)
(- Mopsfidel im Wirtschaftswunderland)
(- Das kleine Heinz Erhardt Buch)

<<< C D ´ s >>>
- Das Beste von Heinz Erhardt und Konsorten
- Da gibt´s gar nichts zu lachen
- Heinz Erhardt
- Nicht die falsche Dame drücken
- Noch´n Gedicht
- Ein Portrait
- Schalk im Nacken, frisch vom Rill
- Wie er leibt und lebt
- Immer wenn ich traurig bin
- Seine großen Erfolge
- Klavierkompositionen
- Heinz Erhardt & Freunde
- Meisterstücke
- Blah Blah Blah
- Kabarettgeschichte(n)
- Und noch´n Gedicht
- Das Beste aus 40 Jahren
- Was bin ich doch für ein Schelm
- Die Made

(Quellen: www.amazon.de, www.heinzerhardt.com ,www.wikipedia.de, www.netlexikon.de ,www.fmi.uni-passau.de/~weindler/heinzerhardt.html, http://www.wendtour.de/erhardt.htm,
http://www.musicline.de/de/artist/Erhardt,Heinz, Broschüre "Prominentengräber" des Ohlsdorfer Friedhofs und diverse andere.)

Vielen Dank fürs lesen, bewerten und kommentieren
und in Gedenken an den Erhardt, den Heinz...
Gruß Asmodina


(AsmodinaHamburg @ Ciao)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
SabineG1959

SabineG1959

23.04.2006 00:33

Einfach klasse - hab ich gerade erst entdeckt hier! Mein Sohn und ich haben so oft über seine Witze und Filme gelacht! Alles Liebe von Sabine :)

enigmaTR-13

enigmaTR-13

30.08.2005 18:07

Ein super toller/detaillierter Bericht über einen super Schauspieler, der es so auch verdient hat, bin ein Heinz-Erhardt-Fan, Heinz-Erhardt war Humor pur, besser geht es nicht!

Cybermike1202

Cybermike1202

28.08.2005 12:56

Da war wohl ein riesiger Heinz-Erhardt-Fan am Werk. Ich mag auch seinen hintergründigen Humor. Toller Bericht!

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