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Wahlhilfe ...

5  20.11.2007

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chinook_1

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Mitglied seit:26.10.2006

Erfahrungsberichte:61

Vertrauende:42

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 82 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

3,4 Millionen Menschen kamen im letzten Jahr nach Rom, um den Papst zu sehen. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Berlins, inklusive Kreuzberg und Knut, oder der Besucherzahl zweier Hamburger Hafengeburtstage bei schönem Wetter. Der Papst Joseph Ratzinger, mit Künstlernamen auch Benedikt der XVI. alias Papa Ratzi heißend, 160 Schönwetterhafengeburtstage alt, gebürtiger Oberbayer, ist ein wahrer Touristenmagnet. Selbst die heißblütigen Italiener sind total verblüfft, dass ausgerechnet so'n teutonischer Kühlschrank, der als Kardinal den Ruf eines rückwärtsgewandten Katholiken inne hatte, dessen Name als Symbol für Konservatismus galt, ja, der - hinter vorgehaltener Hand - als inquisitorische Garotte Bayerns tituliert wurde (das ist jetzt keine Auszeichnung für die schönste Möhre!), sich in die Herzen von Muttchen Mirácoli und der Cosa Nostra betet.

Was macht diesen Mann derart begehrt, dass mehr Menschen jährlich auf dem Petersplatz als in Paris' Hilton sind … also dem Hotel … natürlich …

War er jemals im Knast? Sah man ihn ohne Höschen im P1 tanzen? Wurde er je wegen zu schnellen Fahrens mit dem Papamobil zu einer Geldstrafe verdonnert? Er war niemals Playmate des Monats, ja, noch nicht einmal ein Sex-Tape ist von ihm im Internet im Umlauf, oder? Nie sah man ihn auf dem Männerklo `ne Line schniefen, geschweige denn einen Joint rauchen! Skandalös. Naja, bei dem Joint bin ich mir jetzt nicht so sicher. Wer weiß, was da alles während des Konklaves durch den Schornstein gejagt wurde, aber okay, war sicher nur der Testlauf für `ne neue Weihrauch-Parfümkollektion …
Mit anderen Worten: der Mann hat eigentlich `ne saumäßige PR-Abteilung, und übt zudem nur `nen Stellvertreterposten mit ein bisschen Personalverantwortung aus, ein Tierwirt mit Fachrichtung Schäferei … sozusagen … und trotzdem fliegen ihm die BHs der zahlreichen Kumbaya-Sänger bei seinen weltweiten Auftritten entgegen … Wahnsinn!

Die Prominenten-Szene und die, die meinen, zu dieser zu gehören, sind ob dieses Phänomens mehr als Ungehalten, Unmut macht sich breit. Jahrelang grinsen sie breit in jede Kamera, fangen mehrere Liebesaffairen gleichzeitig an, zelebrieren ihre Hochzeit wochenlang dummdreist in der Glotze, lassen sich Schlauchboote in die Fresse implantieren oder gar in ein Dschungel-Camp einsperren, nur damit ihr Kopf - inklusive der Ersatzteile - mehrmals die Woche in den Zeitungen erscheint, Stress pur. Tja, und nu' stiehlt ihnen ein Kuttenträger mit Mütze die Show, da hilft auch kein Pilgern auf'm Jakobsweg.

Politiker, gemeinhin auch einen Promi-Status genießend, wollen nun eine Brise der päpstlichen Popularitätsaura inhalieren und an ihrem Image feilen, zumal dieses in den letzten Tagen ziemlich unter die Räder gekommen ist. Erst verliert die SPD ihr Maskottchen und Gründungsmitglied von 1869, den eisernen Franz, auch liebevoll Münte, der Knochen, genannt, der allerdings nun wenigstens noch in den Genuss der verlängerten Zahlung von ALG1 kommen kann, und seine zahlreichen Zigaretten nicht mehr heimlich auf'm Klo des Kanzleramtes rauchen muss. Ja, und dann steht auch noch Vadder Abraham Thierse in kohlrabenschwarzer Dunkelheit …

Wen kennt man denn eigentlich noch? Vor ein paar Jahren war's einfach: da gab's `nen Schröder und `nen Kohl, vielleicht noch `nen faltigen Fischer - fertig. Und jetzt? Jetzt müssen bei jeder Wahl im Vorfeld erklärende Politiker-Petzi-Bücher mit der Nr. 1390 ausgeteilt werden: Petzi trifft die Wolpertinger. Tja, ist auch nötig - Schavan hält man für `ne Familienlimousine von VW, Steinmeier, das ist der, der so aussieht wie `ne Eule, für den Chefornithologen des Vogelparks Walsrode, Glos für das Bärenmarke-Model und Kurt Beck für `nen … ääh … Bart.
Papa Ratzi kennt dagegen jetzt jeder. Es gibt Marzipan-Mitren und Benedikt-Schnitten, das Antlitz des Papstes prangt auf Kerzen und Kaffeelöffeln. Sogar bei Modeschöpfern stößt der Papst auf Interesse. Yves Saint Laurent hat eine Kollektion im "catholic chic" herausgebracht, das Magazin "Vanity Fair" bezeichnete den Kleidungsstil des Heiligen Vaters als "fancy".

Tja, soweit sind die Spitzenpolitiker echt noch nicht. Gibt's etwa einen Marzipan-Bart? Ne Merkel-Knopf-Kollektion? Na gut, die CSU, zumindest vom Namen christlich orientiert, versucht auf den Vermarktungszug aufzuspringen und preist Eddy Stoiber-Becher für günstige 1,90 Euro an - ist halt ein Auslaufmodell. In der Vorweihnachtszeit ist sogar ein Pauli-Bikini für 20 Tacken erhältlich. Dabei soll das jetzt keine Hommage an den Kiez-Kicker-Club im Astra-Bauarbeiterhandgranaten-Style sein, sondern wohl an CSU-Leder-Pauli erinnern - allerdings ganz stinknormal im bayrischen Stoff-Rauten-Look - nix Latex oder Bondage-Paketriemchen …

Sowas sollte SPD-Beck auch `mal einfallen - nur 25% der Bundesbürger würden Onkel Kurtie direkt zum Kanzler wählen, gar nur 17% zum Mainzer Funkenmariechen. Würde man noch ein iPhone als Wahlgeschenk raufpacken, wären's immerhin schon 30%. 46% würden aber den Bart direkt zum Kanzler wählen. Zum Vergleich: Merkel mit Bart bekäme nur 37,2%, Uli Hoeneß erhielte sogar 93% - ohne Bart, aber der hat 70 Millionen Ablösesumme auf dem Transfermarkt für die Stimmen berappt …

Dabei ist es doch so einfach, etwas mehr Volksnähe zu zeigen. Engagierte, natürlich vollkommen unabhängige Bundestagsabgeordnetenimageberater schlugen die Kampagne "Rent-a-Politician" vor, schließlich sind Bundestagsabgeordnete eh ein Schnäppchen, jeder Bürger zahlt ja demnächst nur 66ct pro Jahr für `ne Abgeordnetennase, vormals 60ct. Gegen einen geringen Aufpreis könne man sich dann z.B. einen Kurt Beck mieten, der bei einer Hochzeit - anstelle des Brautvaters - `ne Tischrede halten kann, z.B. die gefühlt neunstündige Hamburger Parteitagsrede. Die war supererfolgreich, zumindest fanden das die, die rechtzeitig vor Redenende von ihren Weihnachtseinkäufen zurückkamen und ihr Hirn gerade eben noch von Stand-by auf Notstrombetrieb umschalten konnten.

Für fünf Euro kann man den Renner "Rent-a-Schäuble" erhalten, gegen zwei Euro Aufpreis sogar in Begleitung von Jung und einer lustigen Bodenabwehrrakete - ein echter Knaller zu Silvester. Persönliche Daten zu den einzelnen Mietpolitikern, wie Kontonummern, Blutgruppe oder ggf. Geschlechtskrankheiten, kann man dann durch einen ungesicherten Zugriff auf irgendeinen Behördenrechner in Erfahrung bringen, ist alles dort vorrätig …

Jaha, man muss nicht immer das niedere Volk zum Krallenschneiden, für die Drecksarbeiten an der Basis vorschicken - selbst ist der Politiker, Vertrauen in die eigene Stärke. Nicht immer nur voreilig quatschen und Gesetze hinterher durch Gerichte mühselig legitimieren lassen. Aber gut, sowas nennt man verbale Inkontinenz, glaube ich …
Der Papst verspricht nicht so'n Mist, den er nicht einhalten kann, wie beispielsweise so manch Konkurrenzverein. Der sagt nicht: Hey, wenn Du Dich morgen in die Luft sprengst, bekommst Du hinterher 72 Jungfrauen - der erzählt Dir auch noch das Kleingedruckte, dass die verstreuten Einzelteile noch gefunden und zusammengepuzzelt werden müssen, bevor man dann vor irgendwelchen Türstehern kuschen muss …

Außerdem sehen die Politiker immer viel zu grimmig aus - nicht so wie der gutmütig, medientauglich lächelnde Papst, der kurz davor war, Matt Damon den Rang als "Sexiest Man Alive" streitig zu machen.
Der Schlüssel zur Attraktivität sei schließlich ein direkter Blick und ein strahlendes Lächeln, so eine Studie der Universität Aberdeen. Diese beiden Attribute suggerieren ein Signal, dass das Zusammentreffen mit dem Gegenüber eine gewisse Anstrengung wert sei. Dabei komme es vor allem auf die Kombination dieser Gesichtsentgleisungen an. Den direkten Blick haben die Volksvertreter ja durchaus drauf, wenn auch mehr starrend. Das Lächeln müssen sie aber noch etwas üben, auch wenn Angie Merkel es während ihres Aufenthalts im Geburtsort eben dieser Mimik, China, permanent zur Schau stellte, und es sogar so auf ein Titelblatt eines Magazins schaffte … → http://www.morgenpost.de/mag/2007/11/16/politik/932190.html?image=143796&js =1

Man nimmt die Optik - und die dadurch ausgelösten Nebeneffekte - sehr ernst und greift, strategisch bedingt, im demnächst anlaufenden Wahlkampf auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und die blondierenden Künste eines Coiffeurs zurück - zumindest die Politikerinnen: Psychologen der Uni Paris X-Nanterre fanden nämlich heraus, dass Blondinen Männer dumm machen. Sobald Männer eine Blondine entdeckt haben, verblöden sie augenblicklich und die Wissensleistung der Kerle sackt deutlich ab, unwiderruflich beobachtet in zahlreichen Tests à la "Wer-wird-Millionär-Frage-Antwort-Schema" … Zur Ehrenrettung der Männer muss aber noch erwähnt werden, dass dieser optisch ausgelöste, intellektuelle Kurzschluss nicht unbedingt dauerhaft anhält. Die Männer stellen sich eher auf das Klischee der minderintelligenten Blondine ein und verhalten sich somit instinktiv strunzdoof. Ähnlich, wie man sich in Begleitung gebrechlicher Menschen auf deren langsames Gehen einstellt. Also nicht wundern, wenn die Wahlhelfer urplötzlich alle blond und weiblich sind … Effekte bei den Frauen müssen leider noch ausgeknobelt werden, müssten aber ähnlich sein, der Papst ist ja in gewisser Weise auch hellblond. Das würde dann aber die Fragestellung aufwerfen, was beim Aufeinandertreffen eines blonden Pärchens geschieht - die Wissenschaft hat noch einiges zu tun …
Man munkelt übrigens, Schell und Mehdorn haben sich jetzt zeitgleich beim Friseur angemeldet …

Wer nun keinen Sinn in diesen Worten sieht, muss nicht zwangsläufig blond oder auf Blonde gestoßen sein… aber das ist ja auch vollkommen egal, die Café-Zeit ist eh vorüber … ciao!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
biggi_s

biggi_s

04.12.2008 14:34

Blondinen wissen das und nutzen ihr Wissen schamlos aus. Doch nicht so blöd, was? ;o)

hornvieh

hornvieh

04.11.2008 20:50

Huch, Matt Damon war "Sexiest Man Alive"? Naja, besser als der Papst *gg*

huutch

huutch

30.06.2008 17:53

Verflucht, meine Frau ist blond ...

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