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Fantasy Filmfest 2001

5  23.08.2001

Pro:
nicht nur gut für die Nackenhaarmuskulatur

Kontra:
man muss schon Glück haben bei der Auswahl der Filme

Empfehlenswert: Ja 

katapult

Über sich: Film ab!

Mitglied seit:31.08.2000

Erfahrungsberichte:69

Vertrauende:31

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nach ein paar Tagen kennt man die meisten schon. Nein, nicht die ganzen Filme, von den Besuchern ist hier die Rede. Die über 60 Filme werden beim Fantasy Filmfest (FFF) nämlich in nur acht Tagen in lediglich zwei Sälen eines Kinos gezeigt (so war es zumindest in Berlin), und da der FFF-Besucher konditionsstark und treu ist läuft sich die relativ kleine Fangemeinde halt immer wieder über den Weg.

Dass das FFF nicht noch viel mehr Publikum anzieht hat schon so seine Gründe. Fantasyfilme interessieren nur wenige, und eigentlich laufen auch fast keine Filme, die man in die einst so klare Genredefinition pressen könnte. Hä? Was für Filme werden denn dann bitte schön auf diesem komischen Festival gezeigt? Der offizielle Untertitel des FFF bringt einen da schon etwas weiter: „15. Internationales Festival für Science Fiction, Horror und Thriller". Na gut, aber Science Fiction findet eigentlich auch nicht statt (ein paar Animationsfilme bilden da die Ausnahme).

Die Bezeichnung Fantasy steht wohl eher für ein sehr weites Verständnis von fantastischen Filmen; kein Wunder also, dass hier „Die fabelhafte Welt der Amélie" nicht aneckt mit dem „House on Terror Tract", der „Legion of the Dead" oder der „Bloody Beach". Das Horror-Genre dominiert schon ganz eindeutig, das erkennt man auch an den schwarzen T-Shirts der Dauerkartenbesitzer (neben Shirts mit Zombies und diversen Klassikern der Geschichte des Horrorfilms weist man sich hier auch gerne als Fan von Schwermetallbands aus).
Bevor jetzt aber der Verdacht aufkommen mag, man bekomme es auf dem FFF mit einer reinen Skurrilitätensammlung für Freunde des kultivierten Spaßes am schlechten Geschmack zu tun sei gleich Entwarnung gegeben: Die sechs Macher des FFF wählen etliche interessante innovative und unabhängige Produktionen aus, die ebenso genre-übergreifend sind wie die Mixtur des Publikums. Und neben dem Horror werden einem auch hoch spannende und (fast) blutlose Thriller gezeigt.

Damit die Medien etwas zu berichten haben zieht man auch mittelgroße Blockbuster ans Land; dieses Jahr waren das z.B. die Weltpremiere von „Jason X", die schon erwähnte „Amélie", das Sequel „Scary Movie 2" oder der neue Rodriguez „Spy Kids".
Viel spannender (weil dafür sind die Filmfestivals halt da) sind aber die vielen möglichen Entdeckungen - Filme, die noch auf einen Verleiher außerhalb ihres Produktionslandes warten.
Eingeteilt ist das Festival in fünf Sektionen. Den größten Raum nimmt die „Official Selection" ein, die auch nicht Halt macht vor Produktionen aus Chile oder Schweden (es gibt desweiteren noch die Reihen "Best of Festivals", "Focus Asia", "Midnight Madness", die "Hommage" galt Brian Yuzna).

Eben dieser schwedische Film namens „Sleepwalker" war m.E. (und ich konnte ja auch nur eine kleine Auswahl des umfangreichen Angebotes sehen) ein Höhepunkt. Ulrik Hansson erwacht in diesem Streifen eines morgens in seinem Bett, doch da liegt nicht mehr seine Frau, er betatscht stattdessen ein bluttriefendes Bettlaken. Und Frau und Kinder sind spurlos verschwunden. Da er aber von seiner Schlafwandlerei weiß installiert er eine Videokamera auf seiner Schulter, bevor er sich am nächsten Abend schlafen legt. Was er dann am nächsten Morgen aufgezeichnet sieht ist nicht nur für ihn ein Schock. Ein sehr intelligenter Thriller entwickelt sich aus diesem Aufhänger, und von eben diesen spannenden Filmen gab es einige zu sehen.
Leider kann ich an dieser Stelle nicht auf alle Filme genauer eingehen, aber ich probiere es mal mit einem Kurzdurchlauf:

„Series 7" (den gab es schon auf der Berlinale zu sehen) zeigt eine fiktive Fernsehshow, in der die Kandidaten sich gegenseitig töten sollen, und der Sieger sein Überleben gewinnt.

In „Donnie Darko", einer sehr aufwendigen Produktion, geht es um Teenängste, doch muss ich eingestehen, diesen prächtig gefilmten Film nicht verstanden zu haben.

Wer etwas über die Zusammenhänge zwischen dem Vietnamkrieg und Klassikern des Horrorfilms erfahren will sei der Dokumentarfilm „American Nightmare" ans Herz gelegt (lief auch schon auf der Berlinale).

Über „Die fabelhafte Welt der Amélie" (der läuft ja bereits im Kino) habe ich (Eigenwerbung!) im Ciao schon einen Bericht abgeliefert

„Visitor Q" heißt das neue Werk von Takashi Miike (einige kennen von ihm „Audition"). Es geht um eine morbide Familie, doch kommt man ganz amüsiert und glücklich aus dem Film (die DVD erscheint im November bei „rapideyemovies").

Unter dem Titel „Get Shorty" gab es 10 Kurzfilme zu sehen, die alle um einen Themenablauf kreisten: Straße- Auto-ungewöhnliches Ereignis.

„Subconscious Cruelty" ist ein Episodenfilm, der so brutal und grässlich ist, dass dabei meine persönliche Definition von Kunst ins Schwanken geriet. Ein Machwerk, das mich nur geärgert, wenn nicht angewidert hat.

Und der absolute Höhepunkt (das bestätigen auch andere Festivalbesucher) war „Memento". Dieser Thriller setzt Maßstäbe, er wird einmal ein Klassiker werden, und dazu schreibe ich demnächst mal einen längeren Bericht. Für mich der beste Film des Jahres (Kinostart im Dezember).

Nun ist das vielleicht nicht besonders effektiv, wenn ich hier so häppchenweise Filmtitel aufzähle, die Interessierten können aber zu jedem Film viel mehr erfahren, wenn sie die beste Filmseite des Internets anklicken - www.imdb.com. Dort gibt es eigentlich alles, was man wissen will, und viele Kommentare von Zuschauern vermitteln einem ganz interessante und konträre Eindrücke.

Das Fantasy Filmfest geht natürlich weiter. Es wird nächstes Jahr wieder von Mitte Juli bis Mitte August in (ich glaube) Köln, München, Berlin, Hamburg, Stuttgart und Frankreich als größter Wanderzirkus der Kinogeschichte herumreisen (Infos unter www.fantasyfilmfest.com).

Dann treffe ich bestimmt wieder die üblichen Verdächtigen, die sich da so herumtreiben. Ich werde mir mal überlegen, ob ich bis dahin nicht ein passendes T-Shirt finden muss. Ach, stimmt. Ich hab ja ein Shirt von Slayer. Ich kenne die Band zwar nicht, sieht aber schon sehr nach FFF aus.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Liamara

Liamara

04.10.2001 13:15

"Series 7" erinnert mich von deiner Kurzbeschreibung her aber seeehr an eine gewisse Stephen-King-Kurzgeschichte... :) Leider hab ich das FFF in Stuttgart bisher immer verpasst. Interessieren würd mich das ja schon, obwohl ich befürchte, viel Trash zu sehen. Na ja, aber wenn die Kategorie so weit ausgelegt wird, lohnt es sich vermulich doch.

chainsawyork

chainsawyork

05.09.2001 22:10

Läuft mit Slayer durch die Gegend und kennt die Gruppe nicht, besorg dir gefälligst ein anständiges "Texas Chainsaw Massacre" Hemd *g*. Grüße Jörg

Thomas_Groh

Thomas_Groh

29.08.2001 19:45

Na, wenn ich mir Deine Liste so ansehe, waren wir ja ein paar Mal schon ohne es zu wissen, "zusammen im Kino". Habe mir auch so einiges auf dem FFF in Berlin angesehen: Reanimator, American Nightmare, Get Shorty, Amelie, Le Rat, Nightmare, Tokyo Raiders, Pyrokinesis. Cheers, Thomas

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