Freundschaft ist nur ein Wort?
12.06.2002
Pro:
sehr wichtig !
Kontra:
man kann an die Falschen geraten
Empfehlenswert:
Ja
 Gizmo1975
Über sich:
Freunde, Kaffee, Musik aus den 60ern bis 80er, tierlieb, schusselig...das bin ich. Z. Zt. selten hie...
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Wenn mich nicht alles täuscht ist dies nun wohl mein erster Bericht in dem es nicht um ein Produkt oder meine Tiere geht. Ich möchte mich heute einmal zum Thema "Freunde" äußern, über das ich in letzter Zeit - aus aktuellem Anlaß - viel nachgedacht habe.In der Hoffnung Euch nicht zu Tode zu langweilen, schreibe ich einfach mal auf, was sich so im letzten halben Jahr innerhalb bestehender Freundschaften ereignet hat. Eigentlich fing alles damit an, daß ich mich in meinem Job sehr unwohl gefühlt habe, nachdem ich dort vom Chef und einem Kollegen richtiggehend gemobbt wurde. Ich litt zum Schluß unter richtigen Angstzuständen, solange bis ich einer sehr guten Freundin geraten habe, sie solle doch ihren Job aufgeben (der für sie ebenso ungesund war wie meiner für mich). Irgendwann riet diese mir (und ich bin dankbar für diese Form der Ehrlichkeit) ich solle mir doch einmal an die eigene Nase fassen! Und erst danach erkannte ich, daß die Angst vor einer unsicheren Zukunft (durch eine Kündigung meinerseits) inzwischen viel kleiner war, als die tägliche Angst vor dem Job. Dieser Rat war Gold wert und ich habe ihn befolgt und bis heute nicht bereut. Inzwischen hat er dazu geführt, daß ich mich nun beruflich komplett verändern werde und einen alten Traum ausleben will.Direkt im Anschluß brach dann bei meinem damaligen Lebensgefährten die lange verdrängte Spielsucht (von der ich leider in den 2 1/2 Jahren unserer Beziehung nichts wußte und merkte) wieder durch. Und so kam es, daß er zunächst meinen Vater, dann mich und schließlich noch meine Mutter bestahl. Was mich betraf, so fand ich das am 22.12. heraus. Da ich zunächst nur sah, daß eine größere Summe von meinem Konto fehlte, ließ ich meine Karte sperren. Leider kam ich nun selber vor Weihnachten auch nicht mehr an Geld - und es fehlten noch div. Geschenke, zu deren Kauf ich mich mit derselben Freundin wie oben für den 24.12. verabredet hatte. Diese tat nun zwei Dinge: 1. Sie gab mir die nötige moralische Unterstützung und begleitete mich zur Polizei wo sie mich noch gegen die Beamten verteidigte die das ganze wohl irgendwie für einen Scherz hielten (Opfer und Täter tauchen wohl selten gleichzeitig auf). Zum 2. teilte sie mit mir alles Geld was sie noch hatte. So daß in zwei Familien nun die Geschenke etwas kleiner ausfielen. Doch irgendwie entsprach dies Weihnachten damit dem ursprünglichen Sinn eher. Die Zeit in der mein Ex und ich noch die gemeinsame Wohnung hatten, durfte ich dann vorübergehend bei einer Freundin wohnen. Die mich und meine Marotten mit Engelsgeduld ertragen hat und mir sogar für die Zeit danach zur Nutzung ihres PC´s einen Schlüssel für ihre Wohnung überlassen hat.Im Januar meldete sich dann ein alter Freund von mir wieder, der aus Gründen die ich bis heute nicht kenne irgendwann sagte er wolle mit mir nichts mehr zu tun haben. Nun hatte er seine Meinung geändert und hoffte wieder auf meine Freundschaft. Ich sagte ihm im Vorfeld, daß das Vertrauen erst wieder wachsen müsse, und wie wichtig mir Ehrlichkeit innerhalb einer Freundschaft sei - gerade nachdem ich so schändlich belogen worden war von meinem Ex. Er stimmte mir zu und betonte selber wieder und wieder die Wichtigkeit der Ehrlichkeit. Es hat nun 3 Monate gedauert, bis ich erkannte, daß er lügt (bei Sachen wo ich nicht einmal einen Sinn dahinter erkennen kann). Weiterhin stand dann für Anfang Mai der Umzug in eine kleinere Wohnung ins Haus. Im Bereich der Schönheitsreparaturen kam es dann zu großen Unstimmigkeiten mit dem Vermieter, die bis heute noch nicht geklärt sind. So kam es jedenfalls, daß wir letztendlich noch bis zum 17. Mai mit dieser Wohnung beschäftigt waren. Und auch wenn es utopisch klingt. Ich wurde von fast allen Menschen die der Meinung waren sie sind meine Freunde (zumeist war mir aber schon im Vorfeld klar, daß hier die Kategorie "Bekannte" eher zutrifft) sitzengelassen. Manch einer hat erst gar nicht Hilfe angeboten, obwohl ich dort noch einen Monat vorher beim Umzug kräftig mit angefaßt habe, andere wiederum ließen mich aus fadenscheinigen Gründen mitten im Umzug sitzen (selbst mein Vater ließ sich das nicht nehmen). Und an meinem Geburtstag (16. Mai) war ich dann mit Streichen in der alten Wohnung beschäftigt. Es riefen so viele Menschen an wie noch nie an meinem Geburtstag - und ich erzählte jedem der es nicht hören wollte, daß ich am Streichen sei. Doch nicht einmal dies veranlaßte auch nur einen der Anrufer seine Hilfe anzubieten.Geholfen haben letztendlich die oben erwähnte Freundin, die ihr letztes Hemd für mich gegeben hatte, mein Ex (notgedrungen er hatte schließlich auch dort gewohnt) und Freundin Nr. 2, die mich bei sich wohnen ließ. Nachdem klar war, daß die Arbeiten dort beendet sind meldeten sich übrigens einige wieder mit wortreichen Entschuldigungen. Zwischenzeitlich habe ich dann noch den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen, die m. E. Alkoholikerin ist und sich in ihrem Wesen sehr verändert hat. Eine "Freundschaft" die mich die letzten zwei Jahre viele Tränen und Vertrauen gekostet hat.Tja zum Schluß kam dann noch das klassische: "Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir, lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und ich lächelte und war froh...und es kam schlimmer" *g*. Nachdem ich nämlich nun bereits stolze vier Tage in meiner neuen Wohnung wohnte, platzte über Nacht der Schlauch meiner Geschirrspülmaschine und 2000 Liter Wasser bahnten sich ihren Weg durch das gesamte Haus bis in den Keller und in das Nachbarhaus. Alle Wohnungen außer meiner waren auf einen Schlag unbewohnbar, die Nachbarn hysterisch und der Klempner sagte trocken: "Das zahlt ihnen keine Versicherung". Ich glaube so nah wie in dieser Situation war ich einem Nervenzusammenbruch noch nie (obwohl ich für mein Alter schon manches erlebt habe). Doch auch hier kamen die bewährten Freunde mit Trost, Zuspruch und Thermoskannen-Kaffee. Und als mein Versicherungsvertreter sagte: "Mach Dir keine Sorgen, das ist alles abgedeckt, Du hast damit nix mehr zu tun, die sollen sich alle an mich wenden", war meine Welt schon wieder fast in Ordnung. Nun mag mancher sagen, wozu dieser Bericht, schließlich gibt es Schlimmeres im Leben. Das stimmt und deshalb stufe ich für mich es auch nur so als kleine bis mittlere Katastrophen ein! Doch ich glaube ich wollte einfach den beiden Freundinnen mit diesem Bericht meinen Dank zollen. Dafür daß sie mir durch diese Zeit geholfen haben. Denn solcherlei Erlebnisse haben immer einen Vorteil: Sie zeigen einem (sofern man es nicht eh schon weiß), wer wirkliche Freunde sind. Sie machen deutlich wie wichtig Freundschaft ist, wie schwer es ist Menschen zu finden, die nicht immer und überall auf den eigenen Vorteil bedacht sind und daß Freundschaft eben nicht nur ein Wort ist. Schlußendlich haben sie mir geholfen mein Leben komplett umzukrempeln, so daß dies als Jahr der Neuanfänge in meine Biographie eingehen kann. Man lernt dabei außerdem immer mißtrauisch zu bleiben - jedoch nicht so sehr, daß man den echten Freunden ebenfalls mit Mißtrauen begegnet. Schon seit langem weiß ich, daß ich auf meine Eltern nicht bauen kann, wenn ich in echter Not bin, doch seit kurzem weiß ich wieder sehr genau, daß es trotzdem Menschen gibt, auf die ich mich stützen kann. Und zwei von Ihnen sind inzwischen sogar hier aktiv: Danke an Zinti und Julchen79 (mein Schwesterchen)! Also seid lieb und hilfsbereit zu Euren Mitmenschen und sagt Ihnen (auch wenn es unangenehm ist) immer die Wahrheit. Denn damit schafft ihr die besten Voraussetzungen um wirkliche Freunde zu finden. Ach ja und entschuldigt die Ausführlichkeit, aber einen Psychiater kann ich mir nach diesen kostenintensiven Monaten einfach nicht mehr leisten ;-). Lg Eure Gizmo
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28.06.2003 17:32
Dazu fällt mir ein wunderschöner, trauriger und irgendwie sehr wahrer Spruch ein: "Vertraue nie einem Freund, denn wenn er dich enttäuscht, bricht es dir das Herz"... Es ist verdammt verletzend, wenn man merkt, dass die Freundschaft, die Liebe, das Vertrauen nur einseitig war. Aber du machst es richtig: Wer dich nicht wert ist, kann dir gestohlen bleiben! Ich bin nach tausend Enttäuschungen auch dazu übergegangen, seit zwei Jahren konsequent alle Kontakte zu den Menschen abzubrechen, die mir nur weh getan haben - und wenn sie noch so nahestehend waren! So habe ich nun einige "Freunde", einen Chef, eine Mutter, eine Schwester und einen Bruder weniger, aber dafür einen absolut liebenswerten Vater und einige wenige aber wunderbare, treue Freunde... Liebe Grüße, Gaby
17.10.2002 15:51
Vieles von dem was Du in Deinem Bericht schreibst erkenne ich wieder. Einen Freund kann man daran erkennen das er/sie sich mindestens so verhält wie man sich selbst gegenüber seinen Freunden verhalten würde. Liebe Grüße Gregor
11.10.2002 17:43
Wow! Du bist wirklich gut mit den ganzen Sch... ungegangen. Respekt für Deine Stärke! Was ich über Freundschaft rausgekriegt habe, ist: es gibt sehr wenige auf die man sich wirklich verlassen kann :-( Und die, die einem helfen, sollte man mit aller Macht festhalten LG, Janina