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wieso bekam Hitler keinen Friedens-Nobelpreis

1  13.01.2006 (15.07.2007)

Pro:
Einblick in die enge  Psyche von Hitler

Kontra:
Schwer lesbar, humorlos, historisch unkorrekt und

Empfehlenswert: Nein 

silbertanne3

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:26

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 136 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der Bericht handelt vom 5. Kapitel von "Mein Kampf", wo Hitler auf den ERSTEN WELTKRIEG versucht einzugehen ...

MEIN KAMPF - Kapitel V

Was schreibt und denkt Hitler über den 1. WELTKRIEG, den er selbst miterlebt hatte und wo er von 1919-24 zur weiteren Recherche 5 Jahre Zeit hatte ....Durch "Mein Kampf" muss man sich wirklich durchkämpfen. Damals wie heute kaum gelesen. Da ich mich persönlich für die Zeit vor 1918 interessiere, war ich gespannt auf dieses Kapitel und hätte auch jeden richtigen "Treffer" Hitlers durchaus positiv vermerkt.

Ich war enttäuscht über die Oberflächlichkeit und seine wirre Abhandlung, konnte kaum etwas nachvollziehen aus dem historischen Hintergrund. Was ich von anderen Geschichtsbüchern wie Autobiographien aus jener Zeit im Hinterkopf hatte. Die bekannten Ereignissen des Ersten Weltkrieges verschweigt Hitler fast alle.

MEIN KAMPF - : IN EINER FALSCHEN ZEIT GEBOREN ...

>Im Vorwort des 5. Kapitels von "Mein Kampf" (Der 1. Weltkrieg) beklagt sich Hitler darüber, daß er in einer "falschen" Zeit leben würde. Wo es angeblich nur um den "wirtschaftlichen friedlichen Wettbewerb unter den Völlkern" gehe.

Zitat: "Die einzelnen Staaten gruben sich damals (d.h. um 1913) gegenseitig den Boden ab und nehmen sich die Aufträge weg". Das ist übrigens ein Zitat, daß auch von kommunistischen Miesmachern der damaligen Zeit stammen könnnte, diese haben mit Hitlers Ablehnung von Frieden und Demokratie mehr gemeinsam als man ahnt ....

>> Deutschland war nach 1900 langsam zur wohlhabendsten Wirtschaftsmacht der Welt nach Amerika avanciert. Es herrschte eine - jedenfalls innenpolitisch - recht optimistische Stimmung in Deutschland, diesen Eindruck hatte ich fast immer nach Lektüre einiger Geschichtsbücher. Namhafte Historiker wie Krokow oder Haffner nennen es sogar die einzig glückliche Zeit, die Deutschland je hatte
Jene heute verdrängte - Epoche 1888 - 1913, die in ihren gutmütigen Zügen im "Hauptmann von Köpenick" charmant verewigt wurde. Und der Kaiser war zwar ein Großmaul, aber ein Mann von Prinzipien und Liebe zum eigenen Land. Diplomatisch war etwas unbeholfen und cholerisch, aber sowas verzeiht man doch einem Mann, der so viel Engagement für Erfindungen, Schulreform und neue Universitäten getan hatte .... Innovationen wie Auto, Elektrizität, Flugexperimente etc. brachten Spannung in das tägliche Leben, das Gefühl, daß man in einer sehr wichtigen Epoche lebt. Das Reisen wurde langsam zu einem neuen Hobbie, der mehrsprachige und im Ausland meist beliebte Kaiser machte es vor ...

Dieses doch recht positive Szenario in Deutschland schien Herrn Hitler um 1913 wenig zu beeindrucken, wahrscheinlich wusste er dies von seinem ausländischen österr. Betrachtungsland auch gar nicht. Und er informierte sich auch in den Zwanziger Jahren nicht darüber ...
Hitler war selbst übrigens damals durchaus kein armer Mann gewesen, er lebte recht gut von seiner Waisenrente und verdiente nebenbei als Postkartenmaler und Gelegenheitsarbeiter. Sowohl in Wien wie in München. Wenn er kurzfristig mal (wegen eienr neuen Wohnungssuche) in einem Asyl-/Wohnheim lebte, dann sollte dies nicht überbewertet werden und man sollte sich von Hitlers falschen Masochismus nicht beeindrucken lassen. Im Asyl war er übrigens unbeliebt (bei den wirklich Mittellosen), Hitler wurde nicht als arm angesehen bei wirklichen Sozialfällen. Manche Abende vertrieb sich Hitler im Asyl indem er den Mäusen Brotkrumen zuwarf und sie dressierte (Sieg Heil Gruss ? *g*, offenbar waren die Mäuse die ersten devoten Anhänger. Spass beiseite: Hitler hatte viel Freizeit, seine monatlichen Waisenrenten-Schecks (in der Höhe eines Lehrergehaltes) die er für Theaterbesuche und Lesen nutzte. Ein geregeltes Berufsleben mied er stets aus eigener Entscheidung. Also nicht unbedingt ein schlechter Lebensrahmen und viel Freiheit.


Innenpolitisch hatte damals Hitler zwei eher patriotische Strömungen grundlos gehasst und bekämpft, die ihm nie irgendwas getan hatten und mit denen es keinen nennenswert wirklichen Konflikt gegeben hatte:

Die SOZIALDEMOKRATEN hatten entscheidend zur positiven Sozialgesetzgebung Deutschlands beigetragen und planten keineswegs eine bolschewistische Revolution in Deutschland. Sie wollte allenfalls etwas mehr Einfluss im Parlament, was halt Wilhelm oftmals untergrub, wenn es auch die Sozialdemokraten unter dem Kaiser viel besser hatten als unter Bismarck. Wenn Wilhelm diese auch "Saubande" nach Diskussionen nannte, er hasste sie nicht.
Die JUDEN waren ebenfalls eine sehr aktive, patriotische Kraft Deutschlands in jener Zeit, die Deutschland meist gern mochten (im Gegensatz zu Hitler, der Deutschland nur wählte weil es als so mächtig erschien). Typisch Deutsche Juden: Unternehmer, Erfinder, Kulturschaffende, keinesfalls immer reich (Film Comedian Harmonists zeigt das z.B.), aber immer optimistisch und rührig. Gut für sich selbst, aber auch gut für Deutschland. Keinesfalls innenpolitische Negativfiguren.
Was für eine Unlogik, diese nützlichen Menschen bekämpfen zu wollen, sie sahen selbst die Problematik erst zu spät, da sie stets das gute Deutschland vor Augen hatten.

Andere selbstverschuldete Probleme gab es durchaus in der Weimarer Republik, warum diese Ablenkung auf politisch unbedeutede (und deutschland-loyale) Minderheiten ?
Auch schreibt Hitler keine Silbe davon, daß der Weltkrieg durch die Kardinalfehler der Generäle wie Schlieffen oder Ludendorff verloren wurde. Die Generäle hatten nach 1914 alsbald auch die politische Entscheidung, alle Volksgruppen, Kanzler, das Parlament, Sozialdemokraten (stimmtem aber auch für den Krieg) und auch der Kaiser hatten 1914-18 nicht mehr viel in der Politik mitzureden. Das erste Mal in der Geschichte entstand eine Militärdiktatur von Generälen, die sich mehr auf ihr technisches Handwerk der Kriegsführung hätten reduzieren sollen Ein Kanzler wie Bismarck hätte sich dieses Entgleiten der politischen Entscheidung der Generäle nie gefallen lassen, leider war die Sympathie der Bevölkerung (Endsieg) auf Seiten der Generäle, die das Land in den Abgrund führten und 4 Jahr Fehlinformationen schrieben.

173 "Mein Kampf": DIE HERANNAHENDE KATASTROPHE

>> Hier spricht Hitler voller "Stolz", daß er schon als Kind kein "Pazifist" gewesen sei, und daß alle Bemühungen seiner Geschichts- und Religionslehrer in diesem Punkt bei ihm nicht gefruchtet hatten.

"Spannung" erhielt Hitlers Leben durch das Beobachten des Japanisch-Russischen Krieges. Wobei Hitler sich gedanklich auf die Seite der Japaner stellte, da er schon damals etwas gegen "Slawen" hatte. Warum eigentlich, Russland war traditionell ein guter Freund von Deutschland und Preussen gewesen, nach 1919 lange Zeit der einzige (Rapallo-Vertrag der beiden geächteten Staaten) . Dann beklagt sich Hitler daß der Friede nach dem russisch- japanischen Konflikt keine weitere Kriege nach sich zog. Er empfand dies als langweiliges "faules Siechtum" . Hää ??

Buchteil 174 DER GRÖSSTE SLAWENFREUND ERMORDET
Eine seltsame Überschrift von Hitler Hitler meint den (angeblichen) Slawenfreund und Thronfolger Franz Ferdinand, der bei einen slawischen Attentat mit seiner Frau ermordet wurde. Trotz der durchschimmernden Antipathie auf das eigene Thronfolgerpaar seines Landes Österreichs schreibt Hitler nun plötzlich sein Verständnis für die Kriegserklärung von Österreich an das slawische Serbien. Sehr unlogisch.
Ein unlogisches Gedankengebilde was Hitler da monologisiert: Ein angeblicher Slawenfreund wird von einem slawischen Attentäter ermordet ? Hitler zeigt kein Mitgefühl für seine Nation Österreich, will aber auf Deutscher Seite gegen die Slawen kämpfen ?? In diesem kleinen Privatkonflikt von Österreich und und Serbien, was keinesfalls eine damalige allgemein-Europäische Katastrophe war (es gab vorher schon etliche Attentate in Europa) sieht Hitler einen Angriff auf die Größe von Deutschland. Wie kommt er denn darauf ??

Politische Attentate waren damals in Europa nicht selten, allerdings in Deutschland nahezu unbekannt. . Der Historiker Sebastian Haffner deutet dies als eine Art innere Zufriedenheit der Deutschen, die damals niemandem ihrer Regierenden nach dem Leben trachteten, höchstens mal murrten. Auch der Kaiser verhängte keine Verfolgungen oder gar Todesurteile, er schimpte manchmal, aber das war es auch schon (nahm eh niemand ernst) ....
Und daß die Deutschen nie und nimmer damals eine monarchistische Diktatur war, beweist die Tatsache, daß die Sozialdemokraten in Deutschland schon vor 1913 eine große Organisation hatten, die offiziell gewählt war. Wilhelm II hatte ihnen auch zu Beginn seiner Regierungszeit viele Freiheiten gegeben, die sie unter Bismarck noch nicht hatten. Es war die grösste organisatorische sozialdemokratische Organisation der Welt damals, was damals Studien- und Vorbildobjekt für ausländische Beobachter des öfteren war. Besonder englische Journalisten träumten davon, daß sowas mal annähernd sich in England manifestieren sollte ...
Wie sehr unterschied sich die eher friedlich-gutmütige Charakterstruktur der Deutschen unter der Habsburger Monarche mit jener menschenfeindlichen von Hitler.

Ab 1900 gab es in anderen europäischen Staaten bereits eine Reihe von politischen Attentaten: Etwa 1900 der König Umberto I. (Italien), 1905 der serbische König und seine Gattin, 1908 der König von Portugal, und noch etliche weitere die nicht überlebten. Nichts Neues war das da in Sarajewo und keinesfalls von gesamteuropäischem Belang.
Keines dieser vorherigen Attentate hatte einen Krieg, geschweigedenn einen Weltkrieg ausgelöst, sie betroffenen Staaten zogen lediglich diplomatische Konsequenzen, wie z.B. den Schutz der gegnerischen Botschaft im eigenen Land mit sich, das wars.
Somit sieht - bei einem Glas Wein in Ruhe betrachtet - das Attentat von Sarajevo weniger dramatisch aus als auf den ersten Blick, keinesfalls eine europäische "Urkatastrophe".

Wilhelm II. gedachte keinesfalls, wegen dieses Attentates auf das Thronfolger-Paar extra seine Archäologie-Expedition in Palästina zu unterbrechen. Eine Menge archäologische

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würde ihn nicht um Zigaretten-Feuer fragen auf Str
Funde gehen übrigens auf ihn zurück, das Ausland vermerkt das in den Museen, die undankbaren Deutschen haben nie wahrgenommen, dieses multikulturelle Engagement in etlichen Ländern, daß der Kaiser bis zu seinem Tod im Exil weiterbetrieb... . Willem blieb auf seiner Expedition und kam erst Wochen später in Berlin an. Verhält sich so ein kriegslüsterner Despot, der angeblich nur auf einen Kriegsgrund lauert ? Wohl eher kaum.
Das Attentat in Sarajewo war bereits am 28.06.1914, die Kriegserkärungen kamen aber erst 4 Wochen später. Dann überschlug sich in Eigendynamik allerdings alles. Als sich urplötzlich europaweit alles gegenseitig hochschaukelte und eine Nation der anderen den Krieg erklärte (zuerst Russland) .... das steht auf einem anderen Blatt, das ist keinesfalls die Schuld Deutschland, die durch Wilhelms (etwas ungeschickte) Blankoscheck-Erklärung des Beistand von Österreich (Pakt) eigentlich eine loyale Geste war, die moralisch nicht in meinen Augen zu verurteilen war.

Ab dem 1. August 1914 war das Österreich / Serbien- Attentat aber schon ganz aus dem öffentlichen europäischen Bewusstsein verschwunden. Und Deutsche / Franzosen, Österreicher / Russen etc. machten mobil gegenseitig aus irgendwelchen (tatsächlichen oder eingebildeten) Revanchegründen und Antipathien, die mit der Ermordung von Franz Ferdinand und seiner Frau so viel zu tun hatten wie Napoleon mit einer chinesischen Prinzessin aus dem 14. Jahrhundert.

Ebensowenig wie Hitlers "Sichtweise" konnte eine literarische Strömung ab ca. 1910 mit der gesellschaftlichen Realität logisch verknüpft werden. Jene irrationale "Zivilisations-Müdigkeit" mit Autoren wie Schopenhauer, Nietzsche, Thomas Mann oder Julius Langbehn. Man stelle sich das mal vor, schon nach wenigen Jahrzehnten "Deutsches Reich" (in Blüte), wurde die Zivilisation als negativ beschrieben. Untergangs-Philosophen wie Schopenhauer las Hitler gern, da er sich von seinem Nihilismus angezogen fühlte. Ich wage anzumerken, daß dieser irrationale Nihilismus auch heute noch in Deutschland ansatzweise vorhanden ist.

Hitler war damals in diesem Punkt durchaus ein konform mit dieser "intellektuellen" Zivilisationsmüdigkeit einer Minderheit, die vorgab eine Mehrheit zu sein, die in dem "Unglück" leben musste, seit fast 5 Jahrzehnten keinen Krieg mehr miterlebt haben zu dürfen. Sedan lag schon lange zurück, bestenfalls die Großväter erinnerten sich noch.

Der letzte Krieg (mit ca. 10.000 Opfern) war dieser Deutsch-Französische, der im Juli 1870 (von Frankreich erklärt) begann und bereits im September für Deutschland siegreich in Sedan endete.

175 DAS ÖSTERREICHISCHE ULTIMATUM I

Hitler schreibt, daß ein VERZICHT auf den 1. WELTKRIEG einer OPFERUNG ÖSTERREICHS und seiner Monarchie GLEICH gewesen wäre.
>> Das ist historisch ganz falsch, vor allem aus der nachträglichen Sicht 1924 in Hitlers Haft. Hitler verfasste Mein Kampf in jenem Jahr in aller Ruhe und hatte die Gefängnisbibliothek sein Eigen. Esakt wieder das Gegenteil traf zu. Nach dem Verlieren des Weltkrieges (Österreich und Deutschland) wurden die lange erfolgreichen und akzeptierten monarchistischen Systeme aufgelöst und es begann eine Zeit der Orientierungslosigkeit.
WEGEN dem 1. WELTKRIEG wurden die MONARCHIEN in Deutschland und ÖSTERREICH GEOPFERT, was übrigens niemandem zur Ehre gereichte. Das neue Staatssystem begann mit einem mehrfachen Verrat. Erstens brachen die Generäle den Fahneneid auf den Kaiser, die Bevölkerung wollte den Kaiser loswerden, da sie sich einen besseren Versailler Vertrag erhoffen. Pustekuchen, die Alliierten liesen sich nicht davon beeindrucken, fast möchte man sagen "recht so" wegen dieser Illoyalität, die nichts brachte. Aber natürlich litt ungerechterweise der friedliebende Teil von Deutschland unter Versaille, für die Kriegstreiber und Dolchstoßleute der Generäle war Versaille noch viel zu nachsichtig gewesen, da es neben den Reparationen ja auch die politische Freiheit des Landes gewährte, was schon früh von der Reichswehr negativ ausgenutzt wurde. Und die neue Führung der SPD begann ihre Regierung mit einer rücksichtslosen und blutigen Niederschlagung der friedlichen Revolution, SPD und faschischtische Militärkräfte arbeiteten Hand in Hand. Das Vakuum der früher friedlichen Habsburger Monarchie konnte nie mehr sinnvoll gefüllt werden und führte in den Nihilismus der Links-Rechts Schlachten und der Auflösung der Weimarer Republik 1933. Wenn ein Land eine neue Regierung (Beifall Hitlers) so unselig beginnt, so ist das offenbar wie ein glückloser Fluch zu sehen.

176 DAS ÖSTERREICHISCHE ULTIMATUM II

Hier macht Hitler dem Kaiser und Deutschland den Vorwurf, daß man mit dem WELTKRIEG ZU LANGE GEWARTET hatte. Bis zum August 1914. Es hätte doch schon ein paar wesentlich günstigere Zeitpunkte vorher gegeben zum Losschlagen.

Hier hat Hitler durchaus recht. Kaiser Wilhelm II. war ein Mann der kraftmaierischen Reden. Doch er war eher eine gutmütige Natur, die den bewaffneten Konflikt scheute. Ihm war schon aus eigener Glorie daran gelegen, seine Friedensjahre weiter auszudehnen. Und aus seinen Biographien kann ich versichern, daß Wilhelm sich emotional dem Wohl von Deutschland verpflichtet fühlte, manchmal war er aber ungeschickt.

Das 25-igste Kaiserjubiläum 1913 ist bis heute eines der rauschendsten deutschen Feste bis heute, wo die Bevölkerung euphorisch mitzog. Doch ein schon 1914 wollte sich kein Deutscher mehr an die schönen Jahre (ohne Krieg!) erinnern. In heutigen Schulbüchern fehlen Fotos dieses Festes meist gänzlich. Die Bilanz von 1888 - 1913 kann sich wahrhaft sehen lassen, kein Bundeskanzler seit 1949 kann sich dergleichen rühmen.

> Also Hitler hatte recht: Deutschland hatte von 1871 - 1914 keinesfalls "zugeschlagen" und einen Krieg provoziert, auch nicht wo sich andere Nationen in einem Schwächezustand befanden. Der "Vorwurf" des "Nichtzuschlagens" vor 1914 stimmt.
Eigentlich hatte dies Deutschland selbst im Juli 1914 nicht getan, da ja die russische Kriegserklärung VOR der deutschen kam, Deutschland (d.h. der Kaiser) sogar noch (allerdings ungeschickt) versuchte Russland zu beschwichtigen. Das Problem 1914 waren die todessüchtigen Bevölkerungen in Europa, denen die politischen Mächte Europas nicht wagten zu widersprechen. Sie wussten nicht, daß sie damit ihren eigenen Untergang offene Türen machten.

> Hitler hatte wohl weiterhin Recht, wenn er schreibt, daß die Regierungen / Monarchien in Österreich und Deutschland (Anm.: auch die in Frankreich) hinweggefegt worden wären von der eigenen Bevölkerung. Und zu Ungunsten der Bevölkerungen in vielen Ländern.

Ruhm brachte dieses Nachgeben vor der Torheit des todessüchtigen Pöbel-Teils der Bevölkerung weder den Regierenden noch dem Volke. Das sich - freiwillig meldend - alsbald tot oder verkrüppelt in einer langweilig-grauen Uniform in Schützengraben-Schlamm wiederfinden sollte. Hitler war so ein todessüchtiger Freiwilliger par excellance.

"Der Kampf des Jahres 1914 wurde den Massen nicht aufgezwungen, sondern von den Völkern selbst begehrt." Das wollen die Bevölkerungen und deren Urenkel bis heute nicht wahrhaben (siehe die Millionen Kriegsgedichte der Universitäten und Privatleute), deshalb verschweigen sie den Sturz der damaligen Monarchie, die mehr oder weniger seit dem Wiener Kongress 1815 in Frieden lebte.

> Das hatte Hitler durchaus richtig beobachtet. Diese leicht recherchierbare Tatsache ist heute aus dem Bewusstsein verschwunden, es ist nach wie vor eine Krankheit in Deutschland, daß man an nichts selbst schuld ist, immer waren es irgendwelche Herrschenden, die Kriegseuphorie der eigenen Ahnen gibt kein Land bis heute zu.

177 DER DEUTSCHE FREIHEITSKAMPF

"Mir selber kamen die damaligen Stunden wie eine Erlösung aus den ärgerlichen Empfindungen der Jugend vor. Ich schäme mich auch heute nicht, es zu sagen, daß ich, überwältigt von stürmischer Begeisterung, in die Knie gesunken war und dem Himmel aus übervollem Herzen dankte, daß er mir das Glück geschenkt, in dieser Zeit leben zu dürfen."

> Hier gewährt Hitler einerseits Einblick in die Untiefen seiner Psyche.
> Ob Hitler im 1. Weltkrieg die "Erlösung" von seinen ganz persönlichen Unbedarftheiten und Probleme erfahren hat, wage ich zu bezweifeln, sie wurden eher noch multipliziert und verhärtet. Hitlers Problem war, daß er niemanden mochte und jede zivile Existenz mit Beruf und Ehe als Langeweile ansah.

> Weiterhin hat obiges Zitat eine theologische Unlogik:
Hitler glaubte schon in der Schule nicht an Gott (siehe ein anderes Kapitel in "Mein Kampf"). Und plötzlich fällt er angeblich vor Gott auf die Knie? So ein Quatsch, man muesste eigentlich in spöttisches Gelächter ausbrechen bei diesem Satz !
Es lag dem Himmel wohl kaum etwas daran, in Europa einen Weltkrieg zu bekommen ("Du sollst nicht töten") und "dafür" von einer abgestumpften Existenz wie Hitler (und anderen) noch sowas wie Dank zu bekommen. Eher hätte Hitler sich hinknien können und sich bei einem nahen Kastanienbaum dafür bedanken können, dem wär das wohl ebenfalls egal gewesen.

Nein, Hitler fiel eher vor sich selbst und seinen morbiden für ihn spezifischen Ego-Phantasien auf die Knie, das er blasphemisch mit dem "Himmel" gleichsetzte ... da er sich scheinbar durch das Massensterben eine "Ablenkung" von seiner inneren Leere und Langeweile erhoffte.

"Ein Freiheitskampf war angebrochen, wie die Erde noch keinen gewaltigeren bisher gesehen ...

> " Wie bitte? Es kristallisierte sich mit der Frontverhärtung von Frankreich / Deutschland / England ein völlig sinnloser Krieg heraus, eine neue Militärdiktatur und eine Abhängigkeit gegenüber den miserabelsten Kräften der jeweiligen Länder. Ein "Krieg" wo es wirklich erstmalig um so gut wie garnichts ging, am allerwenigsten um neue Freiheit. Selbst ein Konflikt von Hunde- gegen Katzenbesitzer hätte noch mehr Sinn ergeben.

> Man könnte einen letzten edlen Zug an Hitler erkennen, falls er sich in Österreich freiwillig als Soldat gemeldet hätte. Das war seine Heimatnation, er wäre er dann im "guten" Regiment seiner angegriffenen und geschädigten Nation Soldat geworden.

Doch der Gedanke des "mächtigeren " Landes Deutschland lies damals Adolf Hitler die Entscheidung treffen, in einem Deutschen Regiment in den ersten Weltkrieg zu ziehen. Reiner Opportunismus. Zu Ländern wie England oder Frankreich hatte Hitler bisher gar keine Beziehung, welche die (beinahe) zufälligen Gegner in den Kriegserklärungen wurden.

178 DER SINN DES FREIHEITSKAMPFES

"Meine eigene Stellung zum Konflikt war mir ebenfalls sehr einfach und klar; für mich stritt NICHT Österreich für irgendeine serbische Genugtuung, sondern Deutschland um seinen Bestand, die deutsche Nation um Sein oder Nichtsein, um Freiheit und Zukunft. Bismarcks Werk mußte sich nun schlagen; was die Väter einst mit ihrem Heldenblute in den Schlachten von Weißenburg bis Sedan und Paris erstritten hatten, mußte nun das junge Deutschland sich aufs neue verdienen."

> Hier gibt sich Hitler selbst ein Armutszeugnis. Er gibt zu, daß ihn das serbische Attentat gegen SEINE Nation Österreich eigentlich gar nicht interessierte, geschweigedenn emotional bewegte. Als dieses sich ereignete, fiel er in Hoffnung auf einen Krieg auf die Knie.

Aber Freiheitskampf, als Deutschland plötzlich in Frankreich einmarschiert? Wegen des falschen Schlieffen-Planes, gegen den sich der Kaiser aussprach, aber leider nicht durchsetzte. Also welches "Sein oder Nichtsein Deutschlands" meinte Hitler mit dem angeblich notzu notwendigen Weltkrieg *grübel*. Deutschland ging es 1914 so gut wie nie vorher in seiner Geschichte, es war größer geworden als Preussen und eigentlich saturiert, der Platz an der Sonne war bereits da, alle anderen Länder hätten gerne mit Deutschlands Situation getauscht damals.

> Die Antwort liegt wieder 180 Grad im Gegenteil seiner Aussage. DURCH den 1. Weltkrieg verlor Deutschland seine nationale Identität und sollte nie mehr wieder zu sich selbst finden.

"Ich hatte einst als Junge und junger Mensch so oft den Wunsch gehabt, doch wenigstens einmal auch durch Taten bezeugen zu können, daß mir die NATIONALE BEGEISTERUNG kein leerer Wahn sei".
>> Nein, das ist geflunkerte Unwahrheit. Die nationale Sache des geschädigten ÖSTERREICH INTERESSIERTE HITLER NICHT. Das eigene Land war für Hitler nicht interessant, da es zu wenig mächtig als Platform der Zukunft war. Deutschland wurde als williges Rennpferd betrachtet und später ganz in seinem Machtbereich benutzt.

>> Genauso wenig, wie er sich später als Reichskanzler für irgendeinen gefallenen oder ungerecht in Gefahr gekommene Deutschen Mitstreiter interessierte (Röhm, Rommel, Stalingrad). Auch hier resultierte deutscher Tod, deutsches Missgeschick wieder aus den verbindlichen Fehlentscheidungen Hitlers. Zu Ungunsten Deutschlands. Wegen Hitler.

Selbst bei der ab 1933 oft zitierten Architktur war das Interesse Hitlers bei der römischen und griechischen Antike, weil eben gerade diese so gigantisch war. >> Von einer emotionalen Verbundenheit Hitlers zu Deutschland kann meiner Folgerung schon 1914 keine Rede gewesen sein. Er hatte auch stets die unpersönliche Anrede "Meine Deutschen Volksgenossen" und verlangte aber das devote "Sieg Heil" auf sein Ego.

179 EINTRITT IN EIN BAYRISCHES REGIMENT

"Gnade erschien, nun im Gottesdienst des ewigen Richters als Zeuge antreten zu dürfen zur Bekundung der Wahrhaftigkeit dieser Gesinnung."
>> Ich meine, daß dieser Satz ein solcher Unsinn ist, daß eine Diskussion hier Zeitverschwendung darstellt. Obwohl Hitler mit Religion - allgemein bekannt - nichts am Hut hatte, zur Unterstreichung pseudodramatisch kitschiger Sätze wurde sie doch manchmal rhetorisch verwendet. Na ja, das machte ja bekanntlich auch Saddam Hussein gerne, dem ich mit seinem "Weltbild" ebenfalls keine Religiosität abnehme. Kein Ruhmesblatt, daß das gebildete Land der Dichter und Denker auf so eine billige Rhetorik hereingefallen war.

"Ich wollte NICHT für den habsburgischen Staat fechten, war aber bereit, für mein Volk und das dieses verkörpernde Reich jederzeit zu sterben."

>> Hitler war nach wie vor Österreicher. Das "Deutsche Volk" hat mit Hitler persönlich bis dato nichts zu tun gehabt, er war ein Gast. Es war keinesfalls "sein" Volk. "Deutsches Volk" als Begriff hatte wegen seiner unterschiedlichen Bestandteile wie Bayern, Preussen, Sachsen usw. an sich schon einiges an unfreiwilliger Komik.

"So, wie wohl für jeden Deutschen, begann nun auch für mich die unvergeßlichste und größte Zeit meines irdischen Lebens" (ab September 1914).

>> Das war im 1925-er Rückblick seiner Haft eine schiere Taktlosigkeit gegen die Folgen des Weltkrieges für Östereich und Deutschland, Türkeit, Italien .... und die vielen Krüppel und Toten, denen Hitler kein positives Wort widmete.

Die passive Mehrheit der deutschen Kriegsveteranen hatte mit dem Schützengräben-Erlebnissen doch eigentlich wenig gute Erinnerungen. Eigentlich hätte Hitler selbst ein Buch wie "Im Westen nichts Neues" schreiben muessen. Und diese ältere Schützengraben-Generation (nicht die typischen NsdaP Wähler später) interessierte Hitler sowieso nicht. Sie in den Zwanzigern auch passiv geblieben, hatte selbst keine Ideale mehr und welkte phlegmatisch so vor sich hin, liess den radikalen Elemente die politische Bühne.
Hitler baute speziell auf die Jugend der um 1905-10 geborenen. Diese kannten den 1. Weltkrieg nur aus der abenteuerlichen Presse und für sie war mit Ende dieser "spannenden" Auseinandersetzung die Welt seit Herbst 1918 langweilig geworden. Niemals würden sie mehr in der Lage sein, Nationen als was anderes zu sehen als potentielle Gegner, die sich (ganz egal aus welchem Grund) ständig misstrauen und bekriegen müssen. Aus diesen Reihen bekam Hitler in den Zwanzigern und Dreissigern seine fanatischsten und kaltblütigsten Anhänger. Da er ihnen "endlich" wieder Sensationen bot wie Lastwagen-Strassenschlachten ... Jener lautstarke Teil der Jugend, ohne irgendwelche Lebensart, Sinnlichkeit, oder Spaß an Hobbie, Beruf und Liebe. Action musste her, der 1. Weltkrieg hatte somit auch die Psyche der kommenden Generation defekt gemacht.

>> Diese konnte auch nach 1918 nur noch im "unvergesslichen" permanenten Kampf einen "irdischen Sinn" sehen, da offenbar die Sinne abgestumpft waren. Und dieser Menschtyp, "dieses herrliche geschmeidige Raubtier eines neuen Menschen", daß Ernst Jünger in "Stahlgewittern" beschrieb und so zitierte , machte der Weimarer Republik den Garaus.

180 DIE FEUERTAUFE

"Als durch den zarten Schleier des Frühnebels die milden Strahlen der ersten Sonne das Niederwalddenkmal auf uns herabschimmern ließen, da brauste aus dem endlos langen Transportzuge die alte Wacht am Rhein in den Morgenhimmel hinaus, und mir wollte die Brust zu enge werden."

>> Fürwahr ein schöner Satz, wenn es doch nur um eine schöne Sache gegangen wäre. Nach Kriegseintritt wurde bereits der erste Kardinalfehler begangen. Mit dem illegalen Einmarsch durch das neutrale Belgien. Eine unüberlegter Schritt, wo die anfängliche Sympathie der Weltpresse für Deutschland / Österreich schnell auf die Alliierte Seite umkippte. Da die Welt mit einer angegriffenen Nation mehr Mitgefühl hatte als mit dem Angreifer Deutschland.

"Und dann kommt eine feuchte, kalte Nacht in Flandern, durch die wir schweigend marschieren, und als der Tag sich dann aus den Nebeln zu lösen beginnt, da zischt plötzlich ein eiserner Gruß über unsere Köpfe uns entgegen und schlägt in scharfem Knall die kleinen Kugeln zwischen unsere Reihen, den nassen Boden aufpeitschend; ehe aber die kleine Wolke sich noch verzogen, dröhnt aus zweihundert Kehlen dem ersten Boten des Todes das erste Hurra entgegen. Dann aber begann es zu knattern und zu dröhnen, zu singen und zu heulen, und mit fiebrigen Augen zog es nun jeden nach vorne, immer schneller, bis plötzlich über Rübenfelder und Hecken hinweg der Kampf einsetzte, der Kampf Mann gegen Mann. "


181 VOM KRIEGSFREIWILLIGEN ZUM SOLDATEN

"Flandern: Selbst der Tritt war jetzt anders geworden. Siebzehnjährige Knaben sahen nun Männern ähnlich."
????
>> Hitler verschweigt das Fatale und Traurige, die früh gestorbenen Emotionen, die Schlacht bei Langemarck im November .
In wenigen Tagen kamen 45.000 deutsche Schüler und Studentenfreiwillige in den Maschinengewehr-Salven englischer Berufssoldaten um. Eine gewissenlose bzw. unfähige Militärführung hatte diesen befohlen, zu den englischen Stellungen bei Ypern durchzudringen. Das Experiment misslang unter dem höchsten Blutzoll, den eine Schlacht bis dato in kurzer Zeit jemals gekostet hatte. Ich glaube, auch in heutigen Kriegsstatistiken steht Langemarck noch mit an der Spitze von Verlusten in kürzester Zeit. Selbst der englische Heeresbericht gab sich äußerst betroffen ob der (später zur Legende gewordenen) Schlacht von Langemarck und verstand die Taktik der Militärischen Führung der Gegenseite nicht, die offenbar nicht gewusst hatten, daß es Maschinengewehre gibt, wo wenige Berufssoldaten sehr viele Gegner in Schach halten können.

>> Kein Wort hiervon schreibt A.H. in diesem Kapitel. . Und Adolf Hitler soll mit seiner Einheit in unmittelbarer Nähe gewesen sein.
Die Operation war ein grosser Misserfolg, also ein forscher Tritt von Siebzehnjährigen aufgrund dessen?"
Der Langemarck-Mythos wurde im Dritten Reich nochmal missbraucht, um sinnlosem Sterben einen "Sinn" zu geben. Langemarck ist heute in der Tat noch beeindruckend und bedrückend, man sehe sich mal die Soldatenfriedhöfe in dieser belgischen Region an.

"So ging es nun weiter Jahr für Jahr; an Stelle der Schlachtenromantik aber war das Grauen getreten."

Es ist auffällig wie knapp und oberflächlich Hitler die Folgejahre des 1. Weltkrieges abhandelt. Die er doch als Gefreiter täglich erlebte. Welch unsensibles Wahrnehmungsbewusstsein hatte Hitler dazu bewegt, über 1915-18 so wenig aus seinen Beobachtungen in "Mein Kampf" beizufügen.?


182 EIN MAHNMAL DER JAHRTAUSENDE

"Mögen Jahrtausende vergehen, so wird man nie von Heldentum reden und sagen dürfen, ohne des deutschen Heeres des Weltkrieges zu gedenken. Dann wird aus dem Schleier der Vergangenheit heraus die eiserne Front des grauen Stahlhelms sichtbar werden, nicht wankend und nicht weichend, ein Mahnmal der Unsterblichkeit."

Nun ja, da hat Hitler eigentlich gar nicht so unrecht. Vom technischen Stand aus gesehen (minus der vielen Kardinalfehler der deutschen Generalität in Kriegs-Entscheidungen) war der erste Weltkrieg ein Kopf- an Kopfrennen bis zum Schluss.
>> Ja. Deutschland hatte (mit Hilfe der Bolschewiken, offenbar hatten dies die Kameraden Hitler nicht erzählt) grosse Teile Russlands erobert und Deutschland war an der Ostfront Sieger ! Russland musste kapitulieren und den Frieden von Brest-Litowsk unterzeichnen. Und kurze Zeit später hiess es plötzlich: Wir haben den Weltkrieg dennoch verloren, da die Westfront zusammengebrochen ist. Die Ostfront musste wieder aus Russland abziehen. Dennoch vom soldatischen und technischen Standpunkt durchaus eine Leistung.

>> Was insgesamt meiner Ansicht zu einer stolz-emotionalen Betrachtung des 1. Weltkrieges als Heldentum (fehlt, das ist der leider fehlende grosse, logische und edle Kriegszweck. Auf allen Seiten.
>> Mit einem Satz "wir Deutschen brauchten einen neuen Platz an der Sonne" wird man kein Verständnis und "ein Herz für Deutschland 1914" bekommen, da damals das Deutsche Reich größer und mächtiger war denn je.
Aber wenn man (wie einst England) die Demokratie in ein diktatorisches Land (zumindest ansatzweise) hätte bringen wollen ... Oder religiösen Frieden oder eine Art EU (wie es Napoleon vorgab), dann wäre es schon eine andere Sache gewesen. Doch solcherlei Hintergrund gab es nicht am 1. Weltkrieg. Auch keinesfalls für Frankreich, daß wegen Revanchegelüsten (eines verlorenen, einst selbst erklärten Krieges 1870) den ersten Weltkrieg wollte. Traurig, sinnlos ....
Tolkien sagte mal in einem Interview, daß er als englischer Soldat die ganze Zeit über das Gefühl hatte, in einer absolut sinnlosen Sache zu sein. Auch für England. Und um sich einen eigenen Krieg in der Phantasie zu erschaffen, deshalb schrieb er "Herr der Ringe", da gab es die Guten und die Bösen.

"Ich war damals Soldat und wollte nicht politisieren."
>> Doch das tat Hitler schon damals, er war für seine langen Monologe bereits als Gefreiter bei seinen Kameraden berüchtigt. Diese nahmen dies meist mit Ignoranz oder heimlichem Amüsement zur Kenntnis.
>> Ich wage anzumerken, daß es für Deutschland besser gewesen wäre, wenn Hitler auch nach 1918 "nicht hätte politisieren wollen".


183 KÜNSTLICHE DÄMPFUNG DER BEGEISTERUNG

Hier spielt Hitler einen schwarzen Peter in die Reihen der deutschen Medien 1914-18, die angeblich zu wenig euphorisch über die Siege schrieben und berichteten.
>> Daß die Begeisterung bei der Deutschen Front wie Bevölkerung allmählich kleiner wurde, lag an den permanenten Grabenkämpfen, der Hungersnot zuhause (englische Seeblockade) und - wie gesagt - an einem fehlenden seriösen und erstrebenswertem Kriegsziel zur Motivation.

184 DAS VERKENNEN DES MARXISMUS

"Was mich dann zum zweiten ärgerte, war die Art und Weise, in der man nun für gut hielt, sich dem Marxismus gegenüber zu stellen. Man bewies damit in meinen Augen nur, daß man von dieser Pestilenz aber auch nicht die geringste Ahnung besaß. Man schien allen Ernstes zu glauben, durch die Versicherung, nun keine Parteien mehr zu kennen, den Marxismus zur Einsicht und Zurückhaltung gebracht zu haben."

"Daß es sich hier überhaupt um keine Partei handelt, sondern um eine Lehre, die zur Zerstörung der gesamten Menschheit führen muß, begriff man um so weniger, als dies ja nicht auf den verjudeten Universitäten ..."

>> hier ist ein wiederholtes Male diese Unlogik zu lesen. Auch in anderen Kapiteln von "Mein Kampf" wiederholt Hitler dies häufig. Was haben eigentlich die von Hitler einerseits "geld- und machtgierig" beschriebenen Juden mit den Bolschewismus zu tun, der mit der "Enteigungs-Theorie aller Reichen" das völlige Gegenteil ist ?
>> Ich bezweifle, ob irgend jemand damals (wie auch nach 1933) diesen unlogischen Quast wirklich geglaubt hat. War aber nach 1933 auch unwichtig, da Hitler ja die alleinige Entscheidungsgewalt hatte, die Befehle konnten auch noch so unsinnig sein, Hauptsache, er dachte so.
>> Hier versucht Hitler auch die Tatsache herunterzuspielen, daß die Sozialdemokratie vor (und nach) 1914 eine legale Deutsche Organisation mit sehr vielen Mitgliedern war. Die allerdings sich auch am 1. Weltkrieg beteiligt hatten und die Kriegskredite unterzeichnet hatten.

185 WAS MAN HÄTTE TUN MÜSSEN

"Der Marxismus, dessen letztes Ziel die Vernichtung aller nichtjüdischen Nationalstaaten ist und bleibt, mußte zu seinem Entsetzen sehen, daß in den Julitagen des Jahres 1914 die von ihm umgarnte deutsche Arbeiterschaft erwachte ..." ????

>> Das ist so an den Haaren herbeigezogen und so grundfalsch, da müsste man eigentlich Mitleid ob dieser Dürftigkeit haben.
>> Der Marxismus und die verschwindende Minderheit von 2 % semitischer (meist sehr patriotisch gesinnter und in Deutschland verliebten) Bevölkerung hatte rein gar nichts mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges zu tun."
>> Die jüdische Bevölkerung belebte als Wissenschaftler (Einstein), Unternehmer und beliebt Kulturschaffende (Max Reinhardt, Comedien Harmonists, Fritz Langs Metropolis) das Deutsche Leben auf positive Weise. Auf eine Weise, die Adolf Hitler persönlich niemals gab. In Hitlers Jugend und Berufsvorstellungen hatten seine persönlichen Gedanken (lieber sich als freischaffender Künstler fühlen als richtig zu arbeiten) den Vorrang, eine Gemeinschaftsbewusstsein war weder in Wien noch in München für mich erkennbar.


186 DIE ANWENDUNG NACKTER GEWALT

"Wenn an der Front die Besten fielen, dann konnte man zu Hause wenigstens das Ungeziefer vertilgen. Statt dessen aber streckte Seine Majestät der Kaiser selber den alten Verbrechern die Hand entgegen und gab den hinterlistigen Meuchelmördern der Nation damit Schonung und Möglichkeit der inneren Fassung." ...

Was schreibt denn Adolf Hitler da und was gingen ihm denn 1914-18 die innerdeutschen Angelegenheiten als Ausländer eigentlich an ??
>> Weder Wilhelm I. noch Wilhelm II. hatten jemals in ihrer Regierungszeit an eine "Vernichtungsaktion" gedacht. Wilhelm II. hatte ein etwas grosses Mundwerk und mochte die Sozialdemokraten nicht besonders (kein Wunder, sie waren ja auch gegen ihn). Aber es gab die ganzen Jahre eine Art Burgfrieden, die Sozialdemokraten-Verfolgungen wie unter Bismarck hörten langsam auf und diese Partei konnte sich unter Wilhelms Regentschaft zur mächtigsten sozialdemokratischen (und völlig legalen) Organisation weltweit mutieren !!!
>> August 1914: Da war der Kaiser und seine Anhänger natürlich froh, daß diese vielen sozialdemokratischen Menschen plötzlich sagten: "Ok, wir ziehen auch mit in den Krieg und lassen Euch nicht im Stich".
>> Und Wilhelm II. gab das Kompliment diskret zurück indem er meinte "find ich nett von Euch, ich kenne auch nur Deutsche und keine Parteien mehr. Schwamm über alte Animositäten" Einer emotionalen Haltung wie dieser versöhnlichen Geste wäre Hitler in seinem Leben nicht fähig gewesen, da ihm andere Menschen nichts bedeuteten. Das beste Beispiel wird 1934 die SA sein, wie Hitler selbst ehemalige Mitstreiter behandelte.

>> 1900 - 1918: Damals hatten weder die Sozialdemokraten im kaiserlichen Deutschland eine Revolution geplant, noch hatte der Kaiser irgendwelche Pläne, die Sozialdemokraten zu vernichten, da sich diese relativ anständig verhielt, keine Attentate verübte usw. Sozaialdemokratie und Monarchie mochten sich selbststverständlich nicht besonders, aber man konnte durchaus miteinander auskommen und leben.. Ausserdem war die Monarchie ein Rechtsstaat, d.h. etwas, was Hitler eh hasste, und was er schon in den ersten Wochen "seiner" Regierung sogleich abschaffte.
>> Ich persönlich meine, daß Deutschland durchaus auf gutem Wege ab 1900 war, zu einer Art demokratischen parlamentarischen Monarchie wie England - in langsamen Schritten - zu gelangen. Wäre da eben nicht der erste Weltkrieg gewesen, der alles zerstörte. Und der furchtbare Konflikt, den Hitler der Innenpolitik Deutschands vor 1914 andichtete, ist ein völliges Phantasie-Gespinst von ihm.

"Man mußte rücksichtslos die gesamten militärischen Machtmittel einsetzen zur Ausrottung dieser Pestilenz. Die Parteien waren aufzulösen, der Reichstag wenn nötig mit Bajonetten zur Vernunft zu bringen, am besten aber sofort aufzuheben."

>> Nein, damals dachte niemand daran. Es gab in Deutschland - im Vergleich - keine grossen innenpolitischen Probleme, die ein solches Scheingefecht nötig / geschweigedenn möglich gemacht hätte. Hitler muss schon in jener Zeit, als er das Buch verfasste in einer Art verhärteten Scheinwelt gelebt haben, die nur bestimmte Informationen zulies, viele von vorneherein ausschloss. Seine Theorien hätten kein Interview überstanden, deshalb gab Hitler auch später keine.


187 DIE ANWENDUNG NACKTER GEWALT I

"Mithin wird die restlose Vernichtung der neuen Lehre nur auf dem Wege einer so großen und sich immer steigernden Ausrottung durchzuführen sein, daß darüber endlich dem betreffenden Volke oder auch Staate alles wahrhaft wertvolle Blut überhaupt entzogen wird"

>> Völlig falsch und historisch widerlegt. Der hier gemeinte Marxismus breitete sich nach 1918 in ganz Russland aus und später in vielen anderen Ländern, egal wie sehr die Bewegung bekämpft wurde. Und behauptete sich bis 1990, wo er (auf friedlichem Wege, ebenfalls gegen Hitlers Theorie !!) dann aufgelöste wurde.
>> Und wenn man Hitlers Satz hier gar auf die Semiten überträgt, so würde die Vernichtungs-Theorie nicht einmal hier stimmen: Trotz der fast "restlosen" Vernichtung wurde diese erst zu einer Basis für eine jüdische Zukunft. Da fast jedes Land nach 1945 Solidarität mit dem jüdischen Schicksal empfand, wurde der Staat Israel bewilligt und international sanktioniert. Ohne Hitler wäre dies nicht möglich gewesen ! Man fragt sich, aus welchen historischen Beispielen damals Hitler seine "Vernichtungs"- Erkenntnisse schloss? Er las doch durchaus viel.

188 DIE ANWENDUNG NACKTER GEWALT II

"Tatsächlich führen aber fast sämtliche Versuche, durch Gewalt OHNE GEISTIGE GRUNDLAGE eine Lehre und deren organisatorische Auswirkung auszurotten, ZU MISSERFOLGEN, ja enden nicht selten gerade mit dem Gegenteil des Gewünschten."

>> Sehr richtig ! Hier zitiert Hitler sein eigenes späteres Ende und einen Hauptgrund seines Misserfolges auf lange Sicht. Offenbar o
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lieschen89

Lieschen89

04.09.2007 18:56

super bericht!

astly

astly

27.08.2007 01:09

Als ich noch Teenie war, hatte der Freund meines Vaters, ein erklärter DKPler, mir das Buch geliehen, weil man den Feind kennen müsse:-) Mein Vater ist daraufhin fast Amok gelaufen und hat fortan jedes Gespräch seines Freundes mit mir verboten - aber das Verbot nutzte dann auch nichts mehr:-)

MetalAbu

MetalAbu

22.07.2007 21:06

Habe ich auch schon gelesen. Hitler war einfach ein total geisteskranker. LG Abu

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