Internet - eine tolle Erfindung
07.06.2009
Pro:
Informativ
Kontra:
mittlerweile zu "übermüllt"
Empfehlenswert:
Ja
 Andatho
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:26
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 22 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Internet Montag Morgen, acht Uhr - die Frisur hält. Äääh quatsch, noch mal neu…Montag Morgen, acht Uhr. Der erste Urlaubstag beginnt - von insgesamt einem. Erstmal Kaf-fee heran schaffen und ne Kippe an. Und da ich deswegen eh aufstehen musste - oh mein Gott -, dann kann ich ja auch gleich mal an den PC gehen. Nebenher läuft selbstverständlich der Fernseher und strahlt grottenschlecht synchronisierte Verkaufsshows in die bedeutungslose Leere des Raumes ( Anspruchvollster Satzabschnitt im Text).Da ich noch dabei war auf einer einschlägigen Plattform ebenso einschlägige Dokumentarfil-me für fortgeschrittene Erwachsene herunter zu laden, war die Kiste auch die ganze Nacht an. Oh, leider sind die dokumentarisch wertvollen Beiträge rund um das Thema zur Fortpflan-zung der Menschheit noch nicht vollständig. Sehr schade. Na ja, gucken wir erst mal wer mir so alles eine E-Mail geschrieben hat. Ich starte Microsoft Outlook Express. Ich schließe die Fehlermeldung und starte Outlook er-neut. Ich schließe die Fehlermeldung und starte Outlook erneut. Ich schließe die Fehlermel-dung und starte Outlook noch einmal. Ich fahre den PC neu hoch und starte Outlook erneut. So, mal sehen wer mir in den letzten Stunden so geschrieben hat. Ah, Gisela die schwarze Schwedin hat wieder geschrieben. Offenbar kann sie nur englisch und vermutet bei mir wohl einen extremen Hang zu den obskursten Sexpraktiken. Nur so kann ich mir ihre hilfreichen Tipps erklären, wo man was so alles günstig bestellen kann. An-scheinend hat sie in meinen Antwortmails nicht gelesen dass ich schwul bin, oder mein Eng-lisch war zu schlecht. Jedenfalls sind die Angebote überwiegend für heterosexuelle. Na ja, egal. Gisela schreibt mir so oft, ich betrachte sie fast schon als Freundin. Jemand der so oft an mich denkt, das kann kein schlechter Mensch sein. Die zweite Mail dreht sich auch mehr oder weniger um mein Sexualleben. Ich finde es sehr aufopferungsvoll, wie viele Menschen sich dafür interessieren und versuchen es noch „inte-ressanter“ zu gestalten. Obwohl es mich auf der anderen Seite doch wundert, da ich in meinen Antwortschreiben wohl stets einen sehr prüden Eindruck hinterlasse. Anders kann ich mir diese eindeutigen „Botschaften“ nicht erklären. Jedenfalls möchte diese Firma - von der die Mail stammt - mir helfen meinen Penis zu verlängern. Irgendwie war mir bis heute noch nie klar, dass er zu kurz ist. Na ja, aber ich scheine wohl unterschwellig diesen Eindruck vermit-telt zu haben. Warum sollte ich sonst solche Mails bekommen. Aufmerksam lese ich mir den Inhalt der Mail durch. Sehr interessant. Auch wenn ich den Absender nicht enttäuschen will, so werde ich doch noch was abwarten und mir die Sache noch mal überlegen. So erst mal die nächste Fuhre Kaffee rankarren bevor ich mich der dritten Mail zuwende. Eine Firma scheint entdeckt zu haben, dass mein PC möglicher Weise von einem Virus befallen ist oder von Außenstehenden gehackt werden kann. Oh mein Gott, jemand will mir böses. Vor lauter Panik kann ich’s gerade noch so vermeiden mir in die Hose zu machen. Aber wie gut, dass diese Firma mich durch die E-Mail warnt. So viele nette Mails. Diese Welle der Hilfsbe-reitschaft rührt mich zutiefst. Gerade noch so kann ich meine Tränen zurück halten. Aber nun zurück zur aktuellen Bedrohung, der möglichen Sicherheitslücke in meinem PC. Ein kurzer Scan mit den aktuellsten Definitionen des Virenscanner beruhigt mich dann doch ein wenig. Also weiter zur nächsten Mail. Aber vorher noch mal schnell nachschauen, wie weit der Download der diversen Dokumen-tarfilme über das primäre Sexualverhalten gleichgeschlechtlicher Personen vor, während und nach der Paarungszeit vorangeschritten ist. Immer noch nicht fertig - sehr schade. In der nächsten E-Mail preist mir Microsoft eine Beta-Version des neuen Betriebssystem aus dem Hause an. Microsoft Windows 7. Oh mein Gott, was bin ich jetzt aufgeregt. Eine neue Version des überragenden Betriebssystem. Mit noch mehr bunten Bildchen und Symbolen - die zweifelsfrei noch mehr Speicher verbraten werden. An sich bin ich Beta-Versionen stets abgeneigt. Warum soll ich für „lau“ das Betriebssystem testen und dafür in Kauf nehmen, das mein PC aufgrund von üblichen Fehlern bei Beta-Versionen ständig abstürzt? Während ich das schreibe kommt mir da allerdings so in den Sinn, dass eigentlich bisher jede Windows Version bis zu Ihrem Ende - also bis zur nächsten Version - eine Beta-Version ist. Hmmm…grübel… Ich lasse aber lieber die Finger davon. Höflich schreibe ich eine Antwort-mail und bedanke mich für das Angebot, das neue und sensationelle Produkt zu testen. Mich dabei auf lediglich 600 Worte zu beschränken scheint mir angemessen. Die nächste E-Mail freut mich ganz besonders. Lars, ein netter junger Mann den ich gestern im Chat kennen gelernt habe, hat mir wie versprochen eine E-Mail mit einem Bild von sich geschickt. Wie er sich im Chat gestern beschrieben hat scheint er ja ein ganz schön lecker Kerlchen zu sein. 24 Jahre alt sei er, 193 cm groß mit gerade mal superschlanken 72 kg. Das klingt ja mehr als lecker. Seiner Beschreibung entnehme ich, dass er so ne Mischung zwi-schen Brad Pitt, Tom Cruise und Lukas Podolski sein muss. Man was bin ich gespannt auf das Bild. Oha… aus Brad Pitt, Tom Cruise und Lukas Podolski ist nach dem Öffnen der Mail mehr eine Mischung aus Louis de Funés, Dirk Bach und Luciano Pavarotti geworden. Und bei Alter, Größe und Gewicht scheinen sich auch ein paar Zahlendreher eingeschlichen zu haben. 42 Jahre, 172 cm und 93 kg. scheinen eher zu passen. Sicher hat er sich unglücklich vertippt gestern, wie sonst soll das passiert sein. Auch in anderen Bereichen ist er nicht so ganz mein Typ. Ich beschließe ihm vorerst nicht zu antworten und erst mal abzuwarten, bis er mich das nächste mal im Chat anschreibt. So, genug mit E-Mails für heute. Die restlichen 121 werde ich in den „noch zu lesen“ Ordner zu den anderen 435 verschieben um sie schnellstmöglich zu beantworten. Außerdem wollte ich ja im Internet noch nach einer Information suchen, über eine DVD. Auf zu Google.de! Am besten gebe ich mal einfach den Filmtitel ein. Oha, 12.333 Ergebnisse gefunden. Gut, fundierte Informationen sind sicher nicht schlecht, aber das scheint mir doch ein klein wenig übertrieben. Ich ergänze den Filmtitel einfach mal mit den Zusätzen „DVD“ und dem Produktionsjahr. 4.402 Ergebnisse. Hm, damit habe ich das ganze schon mal um knapp 2/3 reduziert. Ich ergänze die Zeile nochmals um den Namen des Hauptdarstellers und des Regisseurs. 1.092 Ergebnisse. Du liebe Zeit, das nimmt kein Ende mehr. In dem Tempo werde ich die Information die ich eigentlich suche erst finden, wenn das Internetzeitalter schon wieder vorüber ist. Mittlerweile schaut die Suchzeile im achso kinderleichten Internet bei Google so aus: „Filmtitel“ + „Produktionsjahr“ + „DVD“ + „Hauptdarsteller“ + „Regisseur“ Na ja, dann arbeite ich mich mal durch. Bereits nach den ersten 40 Versuchen der angezeigten Ergebnisse wird mir klar, dass mindestens 98 % der Suchergebnisse auf irgendwelche E-bay Seiten führen. Weitere 1 % führen zu Amazon und anderen Verkaufshäusern. 0,5 % entfallen auf private Seiten von Studenten im durchschnittlich 14. Semester, die ihre tiefere Gedanken und was der Film für sie bedeutet und wie sie das Erlebnis des Film in ihr Leben integrieren, mitteilen. Ich gebe einfach mal auf, da ich keinen Sinn sehe diese spezielle Information auf diesem Weg zu finden. Es scheint mir leichter und schneller den Hauptdarsteller in Holly-wood an die Strippe zu bekommen um ihn selbst zu befragen. Ich habe so grob den Eindruck, dass die Menschheit das derzeitige Internet in allerspätestens 20 oder 30 Jahren mal als eine große Kiste beschreibt, in die jeder einfach seinen Kram und Müll reinschmeißt. So wie ich das eben auch tue! Völlig ohne System und ohne Struktur fällt alles kreuz und quer durcheinander, allenfalls geordnet durch die Endungen wie „de“, „com“, etc… Man stelle sich nur vor, dieses System hätte sich auf der Straße oder bei der Bahn sei-nerzeit einmal durchgesetzt. Oh, was sehe ich da. Gerade in diesem Moment sind die dokumentarischen Reportagen über die Funktionsweisen der sekundären Geschlechtesorgane des Mannes bei gleichgeschlechtli-cher Interaktion fertig geworden. Wie schön, das Internet ist doch noch zu was gut. Na ja, egal. Jetzt guck ich mir das ganze mal an und … 2009 - Stefan Fuchs
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09.06.2009 07:59
;)
07.06.2009 19:48
Na ja, an sich aber schon. Bekomme aber auch nicht sonderlich viele davon zusammen im Jahr. Funktioniert nur selten, aber dann meist ziemlich schnell ohne viel dabei nachzudenken.
07.06.2009 12:37
Du kannst mir nicht erzählen, dass du dir deine Beiträge einfach aus deinen Händen schüttelst ;-)