Es muss einen Gott geben. Denn ihm sei dank gibt es neben dem Clärchen noch andere Verrückte auf dieser Erde - mit ebensolchen Ideen.
Deshalb sitzt das Clärchen hier. Der Kopf ein wenig schwerer, die Lider ein wenig müder und die Wangen ein wenig leuchtender als sonst. Um 2:18. Der Akku ist leer, die Flasche nicht.Es muss nicht alles groß und laut sein, was verändert, auch wenn Veränderung etwas Großes hat.
Zwei Dinge mag das Clärchen ganz besonders. Post und Überraschung. Gleich zwei Überraschungspakete zu bekommen bescherte ihm einen regelrechten Freudentaumel, der den Rest der Welt in Vergessenheit geraten ließ. Kurz zumindest.Mit auffallender Sorgfalt war die Kombination aus Buch, Wein und Musik zusammengestellt worden. Wohl eher intuitiv als vordergründig, aber genau das macht sie so besonders.
Die dem Clärchen angeborene Ungeduld macht für gewöhnlich jedes Warten zur Qual. Allerdings mag das auch daran liegen, dass dieser Zustand, der ein ungewolltes Dazwischen verkörpert, lähmt.
Eine der wenigen Ausnahmen (oder die einzige?) ist das Warten auf den richtigen Zeitpunkt, das das Clärchen bewusst zu zelebrieren und genießen wusste.Diese Flasche – als erste Flasche Wein im Clärchenzuhause überhaupt – war einfach zu besonders als dass man das hätte ignorieren können.
Wichtige Umstände erfordern eine gründliche Vorbereitung, was dem Clärchen eine perfekte Ausrede für einen traumhaft entspannenden Anfall von akuter Shoppingwut bot.Es wird ernst im Leben; mit dem Clärchen, mit dem Wein. Es sei hoffentlich verziehen, dass das Buch in Händen fürs erste durch das Telefon und Nelson im Hintergrund durch Silje ersetzt wurde.
Schon das Entkorken hatte etwas ganz eigenes, denn es war das allererste Mal, dass das Clärchen das nur für sich alleine tat.„Warum sind eigentlich nur Weine mit Korken verschlossen?“, schon in diesem Moment spürte das Clärchen, dass es zuvor eine Menge verpasst hatte.
Klein, aber besonders, hell und zart, ehrlich und nah.
Allen Ratschlägen zum Trotz. Wie kann man in einer solchen Situation von einem Clärchen verlangen, eine geschlagene Stunde darauf zu warten, dass diese rote Flüssigkeit zur Ruhe kommt, wenn es einem selbst in den Fingern und dem Gaumen kribbelt?Es wäre schön, ließe sich das Wetter durch eine Sonnenbrille beeinflussen oder die Zeit durch wirre Übersprungshandlungen, und einen Versuch ist es immer wieder wert...
Liebes j.,ich will mein bestes versuchen, auch für alles andere die Worte zu finden, die ich brauche und gebrauchen möchte. Ich habe im Grunde keine Ahnung, aber ahnen werde ich, so gut ich kann.
Der Versuch, sich wirklich zusammenzureißen, scheitert. Erst vorsichtig und zaghaft, denn zuerst wollte ich riechend erkunden, was mich wohl erwarten und auf die Reise führen würde.Erde, Frucht und Wärme. So doof wie sich das anhören mag, für mich riecht der Wein nach Anlehnen, nach Festhalten aber Gehenlassen. Vielleicht und bestimmt hängt das mit meiner momentanen Situation zusammen, aber sicher nicht ausschließlich. Er hat eine etwas schwere Leichtigkeit, also kein Flattern, sondern ein vorsichtiges Schwingen, nah am Boden.
Er hört sich gut an. (Wahrscheinlich verwundert es dich nicht einmal, dass ich einen solchen Satz schreibe. Ob, würde mich wirklich interessieren... [Ich bin eben auf ein multisensitives Erlebnis eingestellt, denn wenn schon Wein, dann richtig. Ich weiß ihn zu schätzen.])
Es kommt mir direkt so vor, als wäre nicht ich auf den Wein gespannt, sondern er ebenso auf mich. Ich gieße ihn nicht ins Glas, er plätschert. Aber das ist nicht das primär Schöne.
Ich habe mich in das Geräusch verliebt, das entsteht, wenn die kleinen Luftbläschen an die Glaswand schwimmen und eines nach dem andern vorsichtig aber forsch zerplatzt. Man muss schon genau hinhören und sicherlich klingt es in jedem Glas anders.Der Vergleich ist nicht einmal halb so malerisch oder musisch, wie ich ihn gern beschreiben würde:
Es klingt wie mikroskopisch kleines Popkorn, das implodiert. Es ist keine Musik und auch kein Rhythmus im eigentlich Sinne, aber glücklich, wie ein Kindergeburtstag mit Watte in den Ohren, und fühlt sich an wie wenn dir eine vertraute Person vorsichtig in den Nacken fasst.
(Falls du inzwischen denkst, dass mich die halbe Flasche dermaßen umgehauen hat, dass ich nur noch wirres Zeug von mir gebe... Damit liegst du falsch. Ich kann zwar die 12% spüren, aber wirres Zeug gebe ich schließlich immer von mir. Daran solltest du dich gewöhnt haben oder es schleunigst tun...)Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich ein wenig Angst hatte. (Und so langsam bekomme ich Angst, dass du denkst, Angst wäre das einzige Gefühl, zu dem ich in der Lage bin, es zuzulassen...) Aber inzwischen habe ich schließlich mitbekommen, wie wichtig dir deine Weine sind. Bis jetzt konnte ich das nicht wirklich nachvollziehen, aber bewundern. Ich mag es, wenn Dinge nicht als selbstverständlich hingenommen werden, und sich jemand noch richtig freuen kann. Ich wollte dich nicht enttäuschen, wollte selbst nicht enttäuscht werden.
Manchmal kann es befriedigend sein, Angst gehabt zu haben. Dann, wenn man merkt, dass sie völlig unbegründet war, stellt sich so eine wohlig heimische Zufriedenheit ein, als wäre es niemals anders gewesen.Die ganze Stunde habe ich letztendlich wirklich nicht gewartet. Schließlich musste ich mir einen Schluck Mut antrinken (du [und jetzt auch alle anderen] darfst an dieser Stelle herzlich lachen), um dich anzurufen.
Vielleicht habe ich ihm deshalb nicht die volle Aufmerksamkeit entgegen bringen können. Aber für meine erste Weinentdeckungsreise war alles perfekt. „Ne, wirklich, is so!“ (ist ein Teil von dir.)
Es hat mir eine Menge Spaß gemacht. Mit dir zu reden. (Mit dir) Zu trinken. Wahrscheinlich hätte „dein“ Wein so ganz ohne dich nicht so gewirkt.Eigentlich habt ihr mich beide überrascht.
Ich hatte mir deine Stimme irgendwie (und wie weiß ich wirklich nicht) anders vorgestellt. Aber es war nicht die Art von Vorstellung, die hätte enttäuscht werden können.Ich hatte mir seinen Geschmack irgendwie (und wie weiß ich wirklich nicht) anders vorgestellt. Aber es war nicht die Art von Vorstellung, die hätte enttäuscht werden können.
„Mein Bordeaux“ (ich muss ihn jetzt einfach mal so nennen...) ist so unheimlich ehrlich und das ist mir nicht nur an ihm sondern auch an seinem Absender aufgefallen.
Wahrscheinlich war ich beim ersten Schluck nicht nur ge- sondern ange-spannt, aber das hat das eigentliche Erlebnis nicht verändert.Irgendwie schmeckt er wichtig. Nach Trauben und nach Alkohol. Aber nicht so, dass ich es nicht ertragen könnte, meine Kehle schmerzt. Nein, ganz zart und vorsichtig, wirklich so als wüsste er, dass ich mich erst daran gewöhnen muss. Dunkel, aber nicht düster. Groß, aber nicht übermütig. Stark, aber eher beschützend und nicht gefährlich. Wie eine Handfläche, die dein Gesicht hält.
Trotzdem, langsam habe ich getrunken. Nicht nur, weil ich sonst wohl nicht mehr gerade stehen könnte, sondern vielmehr, um wirklich genießen zu können. Und es war ein wirkliches Erlebnis.Hätte ich ihn nur geschmeckt, nicht sehen, riechen und hören können, es wäre sicherlich schön und lecker gewesen, aber nicht ganz so spektakulär. Ich habe, vielleicht auch zum ersten Mal in meinem Leben, etwas nicht getrunken, sondern auch gefühlt, gespürt und erlebt.
Danke.Fünf kleine Buchstaben, die du wahrscheinlich oft hörst. Die schnell dahin gesagt werden. Wie vieles andere, was als Floskel an Wert verliert.
Ich meine es. Für alles.
06.08.2004 20:30
Ok, ich gestehe, dass ich zuerst gar nicht verstanden habe worum es überhaupt geht... Kann man ein Weinerlebnis wirklich sooo beschreiben? Nein, das geht doch gar nicht... Oder doch? *verwirrtsei* Mhhh wäre mein "erstes Mal" doch nur so schön gewesen... *denks*
09.03.2003 17:32
...wenn man es sich das erste Mal selbst macht (Entkorken!), ist es doch immer etwas besonderes, oder? :-D
24.09.2002 19:38
Ja, ich habe ihn gelesen. Ob ich ihn vertanden habe? Vielleicht, aber vielleicht nicht so, wie du ihn gemeint hast. Jeder macht so seine Erfahrungen....................... Wunderschöner Beitrag! Gruß Michael